Fliegende Kletterer

Für den Klettersport ist das Speedklettern, was für die Leichtathletik der 100-m-Lauf.

Das Publikum geriet an den Weltmeisterschaften im Speedklettern am 12. September 2014 in Gijon (Sp) in Ekstase: Auf der Route links der Ukrainer Danyl Boldyrev. Rechts der Russe Stanislav Kokorin. Sobald das grüne Licht aufleuchtet, schiessen die beiden Kletterer los und fliegen buchstäblich über die 31 Griffe. Das Schauspiel dauert 5 Sekunden und 60 Hundertstelsekunden. Damit holt sich Boldyrev den Titel und pulverisiert den Weltrekord in dieser Disziplin.

6a+, 10 oder 15 Meter, leicht überhängende Wand. Die beiden identischen Routen werden gleichzeitig von zwei Athleten geklettert, und die Spielregel lautet: Wer zuerst oben ist, gewinnt. Das Rezept ist einfach, das Resultat spektakulär. Gemäss Kevin Hemund, ehemaliges Mitglied des Swiss Team SAC, liegt die Faszination der Disziplin Speed in der Fähigkeit des Kletterers, passende Bewegungs­abläufe zu finden und sie schnell aneinanderzuhängen. Kraft, Konzentration, Koordination, Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Beweglichkeit sind deshalb Qualitäten, die bei dieser Disziplin gefragt sind. «Sobald du in der Wand bist, muss alles perfekt zusammenpassen, du hast keine Zeit, einen Griff zu suchen. Eine kleine Ungenauigkeit, und du bis geschlagen», erklärt der Bieler Kletterer. Auch wenn er selber nie besonders erfolgreich war, ist er dennoch überzeugt von dieser Disziplin. «Es ist der 100-m-Lauf des Kletterns und für das Sportklettern vielleicht der Schlüssel für die Teilnahme an den olympischen Spielen.

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