Franz Josef Nager (1802-1879)

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Franz Josef Nager ( 1802-1879 ) Der Kaufmann Franz Josef Nager zu Andermatt, der mit jungen Jahren mitansehen konnte, wie der alte Saumweg für Tragpferde, Karren und Schlitten, der das Reusstal hinauf, durch die Schöllenen und über den Gotthard ins Leventinische führte, durch eine breite Fahrstrasse ersetzt wurde, hat in seiner Freizeit sich unermüdlich den Naturwissenschaften hingegeben. Er stand zu Urseren als Bürger und Geschäftsmann in hohen Ehren und bekleidete während Jahren das Amt des Talammanns. Als Zeitgenosse von Kaplan Georg Meyer ( 1775-1871 ), der schon im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts das Gotthardmassiv in allen Richtungen erforschte, legte auch Franz Josef Nager sich allerlei Sammlungen an: Pflanzen, Gesteine, Mineralien und Insekten aller Art, was ihn dazu führte, ebenfalls die Berge seiner engem Heimat zu besteigen, um ihre Flanken nach Naturalien abzusuchen. Nicht nur als Geschäftsmann, sondern auch als eifriger Naturkundler hielt er einen regen Verkehr mit Naturwissenschaftern des In- und Auslandes aufrecht und belieferte manchen Sammler und zahlreiche Museen und Schulen mit Naturalien aus dem Gotthardgebiet. Von besonderer Bedeutung war seine Arbeit für die Erforschung der Vogelwelt von Urseren, sowohl der Standvögel als auch der Zugvögel. Er legte sich eine ansehnliche Sammlung der gefiederten Gäste seines Tales an und erntete dafür im Volk den Übernamen « Vegeli-stupf », d.h. der Vögelausstopfer. Im SAC-Jahrbuch 1884 lesen wir ( Seiten 478-479 ), was Dr. C. Mösch, Zürich, von Nager schrieb: « Kein Alpentier war ihm fremd; er kannte den Standort eines jeden Vogels, er studierte dessen Lebensweise und besondere Gewohnheiten, und wo in einem zoologischen Kabinette sich eine Lücke in der Reihe von alpinen Vögeln befand, war man zu deren Ausfüllung unbedingt auf Nager angewiesen. Manche Eidechse und Fledermaus, manche Schnee- und Waldmaus hat der Zoologe vom Fach durch Nagers Mithülfe der Wissenschaft bekannt gemacht. Er beobachtete den Herbst- und Frühjahrszug der Vögel und wusste viel Neues und Interessantes darüber zu erzählen. » Nager entdeckte zu Urseren die Alpenspitzmaus, die nach ihm benannte « Nagersche Feldmaus », und in den Talwiesen die rötlichbraune Feldmaus. Auch die « Hufeisennase-Fledermaus » ( Rhinolophidae ) soll er in Felshöhlen beobachtet haben. ( Wir trafen diese Zwergfledermaus mit der « Hufeisennase » - Rh. hipposidoros B - vor Jahren in der Hutshöhle oberhalb Bauen. ) Er interessierte sich auch für den Steinbock und hatte gehofft, dieses stolze Alpentier wieder in seiner Heimat einbürgern zu können. In Friedrich Tschudis « Thierleben der Alpenwelt » ( 4.Auflage, 1858, Seite 573 ) finden wir diesbezüglich folgenden Hinweis: « Herr Nager in Andermatt hat in der letzten Zeit zwei Jahre lang einen jungen Steinbock vom Monterosa lebendig auf einer kleinen Alpp erhalten. Derselbe war äusserst zahm, weidete ganz frei und hielt sich den Tag über am liebsten auf dem Dach der Alphütte auf. Herrn Nager sprang er ebenfalls auf den Kopf und war ganz zuthulich. » Nager erhielt eine Reihe abgeschossener Steinböcke, präparierte sie und lieferte sie an ausländische Museen. Tschudi schreibt weiter: « Mehrere Male erhielt er auch lebende; im August 1854 hatte er sogar eine kleine Herde von 8 Stück ( 5 weibliche und 3 männliche ) auf einer Alp beieinander. Um solche zu erhalten bedurfte es grosser Anstrengungen und Unkosten. Er liess nämlich die wilden Steinziegen durch eine Anzahl von Jägern aufsuchen und zur Zeit des Wurfes ununterbrochen beobachten. Wenn die Stunde getroffen und der Ort zugänglich war, so konnte bei grosser Eile das Junge erhascht werden; war es aber bloss erst trocken geworden, so war es nicht mehr zu ereilen. Herr Nager hat den rühmlichen Entschluss gefasst, die Steinböcke am Gotthard wieder einzubürgern. Doch dürfte dies die Anstrengungen eines Privatmannes übersteigen. » - Das war auch der Fall: Nager liess nach einem Jahrzehnt der Misserfolge von seinem Vorhaben ab. Auch sein « Steinbock Mättelein » bei Andermatt ist verschwundenFranz Josef Nager war von kleiner Statur und nicht besonders kräftig, trotzdem bestieg er den Six Madun-Badus, den Pater Placidus a Specha 1785 erstmals erstiegen hatte. Wahrscheinlich hat er auf seinen zahlreichen Exkursionen, zusammen mit Kaplan Georg Meyer, eine grosse Zahl der leichtzugänglichen Gipfel im Gotthardmassiv bestiegen und die verschiedenen Furggelen und Pässe überschritten. Am 6. Juni 1879 starb Nager in Andermatt, wo er am 10. September 1802 geboren war, hochgeachtet von seinen Landsleuten.Max oechslw

Feedback