Friedrich von Tschudi (1820-1886)

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Friedrich von Tschudi ( 1820-1886 ) Nikiaus Friedrich von Tschudi, j üngster Bruder von Iwan von Tschudi, am 1. M ai 1820 zu Glarus geboren, erhielt seine erste Ausbildung in einer dortigen Privatschule, absolvierte darauf das Collegium humanitatis in Schaffhausen und studierte in Basel ( temporäre Beziehungen zu Jacob Burckhardt ), Bonn, Berlin und Zürich Theologie. Nach der Ordination in St. Gallen wirkte er seit 1843 als Pfarrer zu Lichtensteig, musste jedoch wegen seines Gesundheitszustandes bereits nach vier Jahren auf das Amt verzichten und liess sich als freier Gelehrter und Schriftsteller in St. Gallen nieder. Er beschäftigte sich vielfach mit landwirtschaftlichen und politischen Problemen. Berühmt wurde seine im Dezember 1847 unter dem Pseudonym Dr. Weber erschienene Schrift « Der Sonderbund und seine Auflösung », die bereits den späteren Staatsmann ankündigte. Zudem betätigte er sich als Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften theologischen und literarischen Inhalts und gab ferner im Verein mit Albert Bitzius ( Jeremias Gotthelf ) seit 1849 die leider nur wenige Jahre erschienene « Neue illustrierte Zeitschrift für die Schweiz » heraus.

1853 erschien sein klassisches Werk « Das Tierleben der Alpenwelt », das dem einstigen Theologen höchste Anerkennung als « reife Frucht eigener Forschung und feinster Beobachtung, dazu ein sprachliches Meisterstück » eintrug. Es erlebte innert 22 Jahren 10 Auflagen, wurde ins Französische und Englische übersetzt und erscheint heute noch, wenn auch in veränderter Gestalt. Für diese überragende Leistung ernannte ihn die Universtität Basel anlässlich ihrer 400-Jahr-Feier ( 1860 ) zum Doctor honoris causa. Dass Tschudi auch der Autor des unter dem Pseudonym Alfred Müller 1857 bei J. Weber ( Leipzig ) veröffentlichten Bändchens « Schweizerische Touristenblätter » ist, hat 90 Jahre später Emil Bächler in seiner grundlegenden Biographie Tschudis nachgewiesen, ferner auch, dass dieser für seinen Bruder Iwan die beiden ersten Auflagen von dessen weitverbreitetem « Schweizerführer » ( vgl. den Artikel Iwan von Tschudi ) verfasste. Innerhalb des SAC gehörte Tschudi zu den ersten und bedeutendsten Mitgliedern, konstituierte sich doch unter ihm als Präsidenten im Gründungsjahr des SAC die Sektion St. Gallen.

In den späteren Lebensjahren stellte sich Tschudi völlig in den Dienst der Öffentlichkeit. Bereits im Kampfe für eine überkonfessionelle St. Galler Kantonsschule stand er in vorderster Linie, bescheidener Mann, der nicht viel von sich reden machte, aber nichts destoweniger als originelle und markante Gestalt allen, die ihn persönlich kannten, in lebhafter Erinnerung blieb. Seines weissen Bartes wegen, der sein wetterfestes Gesicht umrahmte, nannten ihn die Jüngern « der wyss Wyss-Wyss », und Paul Montandon sagt, dass er und seine Altersgenossen als junge Bergsteiger für den alten, furchtlosen Kämpen grosse Bewunderung aufgebracht hätten. Mit Friedrich Wyss-Wyss wehte der Geist fernen Abenteuers in unsere Alpenwelt hinein, war Friedrich Wyss doch in frühern Jahren Goldgräber in Amerika gewesen. In Bern betrieb er ein Bürstengeschäft und gehörte somit zu jenen, die nicht als Wissenschafter gewissermassen von Berufs wegen in die Alpen stiegen. Er ging aus Freude und Tatendrang, mochte doch das alte Abenteurerblut sich regen und aus der Enge der Stadt und des Geschäftes hinausdrängen in die harte Welt von Eis und Fels und in die freie Weite der Gipfelflur. Körperlich robust und gewandt, war er ein guter Turner und genoss in seinen besten Jahren den Ruf, dass ihm unter den Unterländern an alpiner Tüchtigkeit keiner gleichkomme. So war er ein guter und zuverlässiger Begleiter der mehr intellektuellen Alpinisten der Gründerzeit, und sie nannten ihn « die bernische Gemse », wenn freilich auch er in der Regel nur mit einheimischen Führern in die Hochregion aufstieg. Noch war die Zeit des führerlosen Bergsteigens nicht angebrochen. 1867 bestieg er mit dem befreundeten Pfarrer Gerwer das Finsteraarhorn, 1875 das Grosshorn erstmals über den Nordwestgrat und die Südwestflanke, 1872 den Massplankstock mit Dr.H. Dübi und andern, 1874 tra versierte er erstmals mit H. Löhnert und Ad. von Steiger von der Alteis zum Balmhorn. Mit Philipp Gösset und andern erforschte er als einer der ersten Höhlenforscher eingehend das Schaf loch am Sigriswiler Grat und stieg im Auftrage der Sektion Bern am 24. September 1876 mit Alfred von Steiger und drei Grindelwaldner Führern zum Grossen Schreckhorn auf, um unmittelbar unter dem Gipfel ein Minimal- und Maximalthermometer in einem Kasten zu montieren. Dieses Thermometer blieb bis 1885 oben. Dem IX. Central-Comité des Schweizer Alpen-Club, das die Sektion Bern für die Jahre 1879-1881 stellte, gehörte Friedrich Wyss-Wyss als Beisitzer an.Georges Grosjean JOHANN JAKOB WEILENMANN ( 1819-1896 ) Johann Jakob Weilenmann wurde am 24. Januar 1819 in St. Gallen geboren, musste infolge des frühen Todes seines Vaters auf einen wissenschaftlichen Beruf verzichten und schlug daher die kaufmännische Laufbahn ein. Die Liebe zu den Bergen führte den erst 16jährigen auf einer grossen Wanderung u.a. aus dem Oeschinental über den Bundgrat und die Sefinenlücke nach Lauterbrunnen, und 1836 bestieg er ganz allein den Säntis. Unmittelbar nach Abschluss der Lehrzeit kam Weilenmann zuerst nach New York, später nach Pernambuco, wo er sich angelegentlich dem Sammeln und Präparieren von Vögeln, Käfern, Spinnen usw. hingab. Die von ihm sorgfältig angelegten Kollektionen schenkte er in späteren Jahren in bestem Zustand der ETH, was ihn mit stolzer Freude erfüllte. Anfangs der 1850er Jahre Hess ihn eine schwere Erkrankung in die Heimat zurückkehren. Hier erholte er sich zusehends, und nun begann eine alpinistische Tätigkeit sondergleichen; rund 350 Namen von Bergspitzen - zahlreiche hat er als erster betreten - und Übergängen künden innert der nächsten zwei Jahrzehnte von seinen touristischen Leistungen. Vorerst zog ihn das Wallis an, wo er mit Fürsprecher Bucher und Gottlieb Studer zahlreiche Bergfahrten unternahm. Nach der Besteigung des Monte Rosa ersuchten Weilenmann und Bucher den Bundesrat, dessen höchste Erhebung als « Dufourspitze » in Anerkennung der kartographischen Verdienste des Genfers zu benennen, und Bundesrat Stämpfli kam dem Begehren umgehend nach. Bald darauf sah man Weilenmann als einsamen und still beobachtenden Wanderer auf ausgedehnten 100 Gletschertouren im Berner Oberland, während ihn nachher vornehmlich das Bündnerland ( Ber-nina- und Adula-Massiv ) und das angrenzende Tirol ( Ötztaler Alpen ) in ihren Bann zogen. Viele seiner Bergtouren hat er als äusserst vorsichtiger Alleingänger unternommen und gewann dadurch weitherum grosses Ansehen. Zweifelsohne zählen seine Wanderungen und Erstbesteigungen während des Jahres 1859 im Adula-Massiv ( Erstbesteigung des Güferhorns, zweite Begehung des Rheinwaldhorns nach Pater Placidus a Spescha 1789 ) zu seinen kühnsten Fahrten, und es erscheint, wie er selbst zugab, fast als ein Wunder, dass er dabei weitgehend von Unfällen verschont blieb. Späterhin unternahm Weilenmann jahrelang verschiedene alpine Begehungen und Erstbesteigungen, z.B. Crast'aguzza und Piz Buin, mit dem Gemsjäger und Hirten Franz Pöll aus Mathon im Paznauntal.

Um die Gründung des SAC hat sich Weilenmann ausserordentlich verdient gemacht, indem er, u.a. nach dem von seinem Freunde Th.Simler erlassenen Kreisschreiben, die erste kantonale Interessentenliste ( St. Gallen ) einreichte. 1886 verlieh ihm der SAC für seine alpinen Leistungen die Ehrenmitgliedschaft. Grösstes Ansehen verdankt er auch seinem Schrifttum, vor allem der dreibändigen Sammlung seiner Fahrtberichte « Aus der Firnenwelt » ( Leipzig 1872-1877 ). Am 8. Juni 1896 ist Weilenmann in St. Gallen gestorben,Paul Schock FRIEDRICH VON TSCHUDI ( 1820-1886 ) Nikiaus Friedrich von Tschudi, j üngster Bruder von Iwan von Tschudi, am 1. M ai 1820 zu Glarus geboren, erhielt seine erste Ausbildung in einer dortigen Privatschule, absolvierte darauf das Collegium humanitatis in Schaffhausen und studierte in Basel ( temporäre Beziehungen zu Jacob Burckhardt ), Bonn, Berlin und Zürich Theologie. Nach der Ordination in St. Gallen wirkte er seit 1843 als Pfarrer zu Lichtensteig, musste jedoch wegen seines Gesundheitszustandes bereits nach vier Jahren auf das Amt verzichten und liess sich als freier Gelehrter und Schriftsteller in St. Gallen nieder. Er beschäftigte sich vielfach mit landwirtschaftlichen und politischen Problemen. Berühmt wurde seine im Dezember 1847 unter dem Pseudonym Dr. Weber erschienene Schrift « Der Sonderbund und seine Auflösung », die bereits den späteren Staatsmann ankündigte. Zudem betätigte er sich als Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften theologischen und literarischen Inhalts und gab ferner im Verein mit Albert Bitzius ( Jeremias Gotthelf ) seit 1849 die leider nur wenige Jahre erschienene « Neue illustrierte Zeitschrift für die Schweiz » heraus.

1853 erschien sein klassisches Werk « Das Tierleben der Alpenwelt », das dem einstigen Theologen höchste Anerkennung als « reife Frucht eigener Forschung und feinster Beobachtung, dazu ein sprachliches Meisterstück » eintrug. Es erlebte innert 22 Jahren 10 Auflagen, wurde ins Französische und Englische übersetzt und erscheint heute noch, wenn auch in veränderter Gestalt. Für diese überragende Leistung ernannte ihn die Universtität Basel anlässlich ihrer 400-Jahr-Feier ( 1860 ) zum Doctor honoris causa. Dass Tschudi auch der Autor des unter dem Pseudonym Alfred Müller 1857 bei J. Weber ( Leipzig ) veröffentlichten Bändchens « Schweizerische Touristenblätter » ist, hat 90 Jahre später Emil Bächler in seiner grundlegenden Biographie Tschudis nachgewiesen, ferner auch, dass dieser für seinen Bruder Iwan die beiden ersten Auflagen von dessen weitverbreitetem « Schweizerführer » ( vgl. den Artikel Iwan von Tschudi ) verfasste. Innerhalb des SAC gehörte Tschudi zu den ersten und bedeutendsten Mitgliedern, konstituierte sich doch unter ihm als Präsidenten im Gründungsjahr des SAC die Sektion St. Gallen.

In den späteren Lebensjahren stellte sich Tschudi völlig in den Dienst der Öffentlichkeit. Bereits im Kampfe für eine überkonfessionelle St. Galler Kantonsschule stand er in vorderster Linie, 101 wurde 1864 in den Grossen Rat und 1868 in den Regierungsrat gewählt, wo er als Chef des Erziehungsdepartements trotz mancherlei Anfeindung Bedeutendes leistete; er musste sogar während einer Wahlperiode als Regierungsrat ausscheiden, weil er seiner toleranten Haltung wegen selbst den eigenen Parteifreunden nicht mehr tragbar erschien., 1877 wurde er als Ständerat erkoren und infolge seines ausserordentlichen Ansehens 1879 in den Schulrat der ETH berufen. Nach längerer Leidenszeit - er war im März 1885 während der Bundesversammlung von einem Schlaganfall betroffen worden - verschied Tschudi am 24. Januar 1886 in St. Gallen.Paul Schock

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