Frühlingsstimme

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Von Walter BSumlein.

Wie ich empor durch Halden und Hänge ringend steige und dränge, eilst du mir froh gelöst entgegen, Frühling, gepries'ner! mit herrlich lachender Stirne, ein jubelnd Erwachender, süss befrachtet mit Hoffnung und Segen!

Silbernes Regen, Rieseln und Rinnen aus übermütig schäumenden Sinnen! Endloses Lispeln und Rauschen, heimlichem Kichern, scheuem Lachen und Necken ähnlich, da Kinder in schummrigen Winkeln und Ecken köstliche Einfälle tauschen! Gleich dem selig kosenden Liebesgeflüster, das aus der Büsche und Lauben verstecktem Düster hervor will brechen, muss brechen!

So rinnt es aus tausend Höhlen und Nischen in hellen glitzernden, munteren Quellen, schwillt es in tanzenden Bächen, ungestüm im pulsenden Reigen um meine Füsse in glucksenden Wellen...

Könntest du schweigen?... Wären die hohen, geweihten Worte mir eigen, Leben und Liebe in heilige Ströme zu giessen!

Von allen Seiten siehst entgegen dir fliessen Freudentränen der Gnadenreichen, der Erde, sonniges Glänzen,

Perlen lieblichster, heiterer Dankgebärde, lauterster Sehnsucht über die fernsten Grenzen!...

Die Alpen — 1938 — ies Alpes.

Der Erdschias-Dagh, 3916 m.

Mil 4 Bildern und 1 Kartenskizze.

Von Morilj Blumenthal.

Wenn von einem Vulkanriesen die Rede ist, so sieht man gewiss die ermüdend gleichartigen Flanken eines hohen Bergkegels vor sich aufragen. Die Vorstellung trifft denn auch stets für die Gestalt eines jungen oder noch tätigen Vulkanberges zu, bei welchem die Aufeinanderschichtung der Aus-wurfs- und Ergussprodukte rings um den fördernden Zentralschlot den mächtigen Bergkegel, den sogenannten Stratovulkan, bedingt. Hat aber der Zahn der Zeit ein solches Gebäude angegriffen und zernagt und ist die vulkanische Tätigkeit erlahmt oder abgeschlossen, so wächst aus demselben mit der Zeit eine Bergform heraus, die in manchen Zügen den Vulkanberg dem Kettengebirge ähnlicher werden lässt und ihm dessen Vielfältigkeit in der Gliederung verleiht.

Diesem Zustand entspricht die Gestalt des höchsten Vulkanberges der Mittelmeerregion. Es ist dies der Erdschias-Dagh 1 ), der mit 3916 m seine italienischen und griechischen Kollegen ansehnlich überragt. Während aber die letzteren in Küstennähe sich erheben, steht der Erdschias an die 180 km von der zilizischen Küste und erscheint dem schon ansehnlich hohen anatolischen Binnenland aufgesetzt.

Durch die modernen Verkehrsverhältnisse ist dieser einzigartige Berg an die grosse Strasse des Reisens gerückt. Wer von Istanbul aus mit dem Taurusexpress in den weiteren Orient eindringt, durchfährt im Frühmorgen des zweiten Tages das steppenhafte Gelände, über welchem vor der aufsteigenden Sonne die breite Silhouette des Hochgebirges sich abhebt. Ein reizvolles Bild reich an Kontrasten bietet sich dem Beschauer: aufgescheucht durch das herannahende Eisenross, stiebt etwa eine in der Steppe lagernde Kamelgruppe auseinander — dies war mein erster Blick —, dahinter über den dunklen Lavarücken des Vordergrundes ein Schneehaupt, dessen Schultern anfänglich den Blicken entzogen, alsbald sich aber breiter entfalten und die weite Ebene von Kayseri umspannen.

In der Lichtfülle eines Sommermorgens liegt die ehemalige Seldschuken-stadt Kayseri vor uns, eine Stätte alter Kultur und regen Handels. Schlank ragen aus dem grauen, niedrigen Häuserblock die zierlichen Minarets empor, und trutzig-massig betreut die Seldschukenburg die wenigen Reste der Stadtmauer. Und abschliessend darüber zieht die Schneelinie des Erdschias, nach unten zu gestuft durch die Eingliederung seiner Trabanten.

Vor dem Berganstieg besehen wir uns erst jedoch die Stellung des Erdschias im Gebirgsganzen und seine topographisch-morphologische Gestaltung 2 ).

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