Fünfmal länger trächtig Der Alpensalamander

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie sich im glitzernden Morgentau oder nach einem Regen etwas Schwarzes, Glänzendes langsam und manchmal ruckartig vorwärtsbewegt? Das ist der Alpensalamander.

Er zeichnet sich durch eine klare Vorliebe für nasse Tage aus sowie durch einen gewissen Argwohn der Sonne gegenüber und ­einen extrem trägen Bewegungsstil, der ans Schwimmen erinnert. Wahrscheinlich rührt es daher, dass er ursprünglich aus dem Wasser stammt. Tatsächlich scheinen die Vorfahren dieses erstaunlichen Tieres die ersten Wirbeltiere gewesen zu sein, die aus dem Meer gekommen sind, um an Land dauerhaft sesshaft zu werden. Sie folgten auf die Moose und Farne, die das Wasser als Erste verlassen hatten. Wie sie führen auch die Lurche als wahre Eroberer der Landmassen bis heute ein Doppelleben. Beim Durchlaufen ihrer Metamorphose gehen sie von einer aquatischen Existenz über zu einem Leben, das in manchen Fällen ausschliesslich an Land stattfindet.

Die starke Abhängigkeit des Geleges und der Larven vom Wasser ist ein Problem für unseren Alpensalamander. Sein Lebensraum befindet sich nämlich auf bis zu 2800 Metern über dem Meeres­spiegel. In dieser Höhe kann es schwierig werden, Wasser in flüssiger Form zu finden. Aber was solls? Während ihre Cousinen, das Molchweibchen und Frau Feuersalamander, ihre Eier in den Teich legen oder ihre Larven in den Bach schicken, behält Mama ­Alpensalamander ihre Nachkommen einfach so lange im Bauch, bis sie vollständig ausgewachsen sind. Dort bleiben die rund 50 Eier vor Trockenheit geschützt. Langsam entwickeln sie sich zuerst zu Larven und danach zu kleinen Salamandern. Bei der Niederkunft erblicken am Ende jedoch nur zwei Junge das Licht der Welt. Und ihre Brüder und Schwestern? Sie sind für ihre Geschwister gestorben und dienten ihnen als Imbiss …

Zu bemerken ist ausserdem: Je höher gelegen, desto länger dauert das Auswachsen der Jungen. Oberhalb von 2000 Metern muss man vier Jahre warten, bis die tapfere Mama ihren entzückenden Nachwuchs in die Welt schickt. In Anbetracht ihrer 15 Jahre Lebenserwartung scheint das doch ziemlich lang zu sein …

Vergleicht man den Alpensalamander mit den Fossilien seiner Vorfahren, zeigt sich eine verblüffende Ähnlichkeit: Die Struktur des Tieres hat sich während über 200 Millionen Jahre praktisch nicht verändert. Das ist umso erstaunlicher, als dass unser Planet in dieser Zeit sechs grosse Ausrottungsphasen durchlebt hat. Ob der Schlüssel zum Erfolg dieses Lurchs wohl in seiner unglaublichen Langsamkeit liegt?