Gedanken zur Hüttenromantik

Als vielleicht etwas grün angehauchter Alpinist betrachte ich die Modernisierung der SAC-Hütten mit gemischten Gefühlen. Einerseits geniesse ich die geheizte Hütte und das nordische Duvet – andererseits vermisse ich jene Hüttenromantik, die noch die Generation vor uns in den höchsten Tönen gelobt hat. Sind die Hütten des SAC nicht deshalb so heimelig, weil sie durch ihre einfache Ausstattung einen facettenreichen Kontrast zu unserem hoch zivilisierten Alltag darstellen? Geniessen wir die warme Dusche nicht um so mehr, wenn wir sie für einige Tage entbehren mussten? Besuche ich die SAC-Hütten lediglich als Mittel zum Zweck, oder bin ich auch fasziniert von der Atmosphäre bei Kerzenlicht?

Vergleichen wir den Hüttenstandard vor 20 Jahren mit jenem von heute: Abendessen bei Kerzenlicht, Plumpsklo, das nie streikte, Tee und Brot zum Morgenessen, durch Ritzen und Furchen der Steinwände sausender Wind. Hält die Modernisierung der Hütten an, werden in absehbarer Zukunft noch mehr Betten mit Duvets und Decken und vermehrt Doppelzimmer zur Verfügung stehen. Elektrizität, Toiletten sowie das ausgiebige Zmorgenbuffet werden bald zum üblichen Hütteninventar gehören.

Klar, auch ich schätze den Komfort der Hütten. Weshalb aber nicht einfach einige Hütten im « Urzustand » belassen, damit auch die nächsten Generationen noch Hüttenerlebnisse wie jene unserer ( Gross-)Eltern haben? Ich bin über-

DIE ALPEN 9/2001

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Attività dei giovani

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zeugt, dass die Umsetzung dieser Vision weniger ein Marketing-Gag denn ein Schritt in eine Zukunft mit integrierter Vergangenheit ist. Dass sich der Erhalt und die Pflege von bestehenden Bau-, Kultur- und Naturgütern auszahlt und innert weniger Jahre zu einträglichen Einnahmequellen werden können, beweisen Dampfschiffe, Dampfeisenbah-nen, Postkutschenfahrten...

Ich will weder die Clubhüttenpolitik des SAC anprangern noch die schleichende Umwandlung der einfach ausgestatteten SAC-Hütten zu hoch zivilisierten Bergunterkünften in Frage stellen, sondern eine Diskussion in Gang setzen, die nachhaltig Früchte tragen möge. Auch Rückschritte können Fortschritte sein.

Andreas von Deschwanden, Kriens

Stellungnahme des Präsidenten der Hüttenkommission Bei den SAC-Hütten ist ein gewisser Modernisierungsschub im Gang, doch müssen diese Arbeiten als Gesamtes gesehen werden. Vor 20 Jahren waren das Plumpsklo und der durch jede Ritze ziehende Wind noch an der Tagesordnung. Aber genau diese Zustände versuchen wir aus der Sicht eines verantwortungsvollen Alpinismus zu reduzieren. Kommt dazu, dass wir mit allen, besonders aber mit unseren grossen und stark frequentierten Hütten Normen und Gesetzen unterliegen. Und nicht zu vergessen ist die Werterhaltung unserer Hütten, auch in Verantwortung kommender Generationen gegenüber.

Der Vorschlag, einige Hütten möglichst zu belassen, ist auch in unserem Hüttenkonzept enthalten. Dies besagt, dass kleine und teilweise unbekannte Hütten nur in bestimmten notwendigen Punkten saniert ( Abwasser, Frischwasser, notwendiger Unterhalt ), ansonsten in ihrem Urzustand belassen werden. Diese Hütten zu entdecken, hat einen besonderen Reiz, denn wer sie sucht, findet auch alpinistische Erlebnisse, die andere Werte verkörpern. Ich bin mir sicher, dass wir im SAC noch genügend solcher Hütten haben. Geheimtipps sind es, für die Augen und Ohren offen gehalten werden müssen. a

Peter Büchel, Präsident Hüttenkommission

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