Helikopterflüge sinnvoll ersetzen

Zum Leserbrief des Präsidenten des Schweizerischen Verbandes der Berufshelikopterpiloten in ALPEN 9/99 bzw. Beitrag « SAC und Hei if liegen » in ALPEN 3/99 Wer heute dem Rummel der Städte und den vom Transitverkehr geplagten Tälern entfliehen und sich in der Stille der Bergwelt erholen will, sieht sich je länger desto mehr vom steigenden Fluglärm aus verschiedenen Quellen belästigt. Dass davon auch die Anwohner von Flugpisten und Landeplätzen im Unterland betroffen sind, versteht sich von selbst. Es ist richtig - und liegt wohl im ureigensten Interesse des SAC -, dieses Problem aufzugreifen. Dass man sich dabei nicht nur Freunde schafft, liegt auf der Hand. Die Ausführungen von Patrick Fauchère gegenüber dem ob- 1 Mit diesem Leserbrief wird die Diskussion zum Artikel « SAC und Helifliegen » vorläufig abgeschlossen. Die Red.

rega. ^

Leserbriefe genannten Artikel sind jedoch inak-zeptabel.

In der heutigen Zeit, wo vom ^ Strohballen über die Kloschlüssel bis j zum erlegten Hirsch - nicht selten 5 trotz vorhandener Erschliessung „ durch Seilbahnen-bald alles zu ö Berge oder zu Tal geflogen wird, ^ braucht es fürwahr nicht auch noch 20 Heliskiingflüge, um die Flugpraxis der Piloten zu gewährleisten. Oder ist in Ländern mit Heliskiing-Verbot die Flugsicherheit inexistent?

Damit keine Missverständnisse entstehen: Es geht hier nicht darum, den sinnvollen Einsatz des Helikopters in Frage zu stellen. Dazu muss zum heutigen Zeitpunkt in den meisten Fällen wohl auch die Hüttenversorgung gezählt werden. Solange aber beim Flugverkehr ( wie auf der Strasse ) keine Kostenwahrheit besteht, d.h., solange die Folgekosten von Luftverschmutzung, Lärm, Klimaerwärmung usw. auf die Allgemeinheit abgewälzt werden können, ist es müssig, die Helitransportpreise mit jenen der Maultiertreiber zu vergleichen.

Persönlich bin ich seit über dreissig Jahren Gönner der Schweizerischen Rettungsflugwacht und habe, wie bereits erwähnt, weder die nötigen noch die vertretbaren Flugbewegun-gen je in Frage gestellt. Deshalb möchte ich mich hier, stellvertretend auch für alle anderen « Betroffenen », ganz energisch gegen das von Herrn Fauchère verhängte Etikett « Sabo-teur der Flugsicherheit » wehren.

Ein Teil der Politiker und Touris-musfachleute hat begriffen, dass die Schönheit und der Erholungswert unserer Alpen längerfristig, d.h. auch für kommende Generationen nur mit einem vernünftigen, sanften Tourismus erhalten werden können. Heliskiing gehört mit Sicherheit nicht dazu!

Wie viele der Bergführer das Heliskiing sinnvoll finden oder nur aus ökonomischen Gründen die Nachfrage befriedigen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich wage aber zu behaupten, dass der allergrösste Teil unserer Mitglieder mit dieser Sportart nichts am Hut hat - und dies dürfte nichts mit « Reservatsdenken », sondern vielmehr mit Vernunft und Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserer Bergwelt zu tun haben. Ernst Dittli, Erstfeld

Sicherheit, Medizin, lettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, luvetage

Neu: regionale Lawinenbulletins

Neben der Erweiterung des Angebots aktueller Messdaten auf der Internetseite ( www.slf.ch ) veröffentlicht das Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos ( SLF ) ab diesem Winter neu regionale Lawinenbulletins.

Im Winter 1999/2000 wird das SLF, zum Teil in Zusammenarbeit mit lokalen Lawinenspezialisten, für vier Regionen der Schweizer Alpen regionale Lawinenbulletins veröffentlichen. Zwischen dem 1. Dezember 1999 und Ostern 2000 werden täglich um 8.00 Uhr Lawinenbulletins für folgende Regionen publiziert:

- Nord- und Mittelbünden -Zentralschweiz - Oberwallis - Unterwallis Neue Faxnummern Aufgrund des neuen Nummern-schemas von Swisscom müssen die bisherigen Faxnummern zum Abrufen der Produkte der Lawinenwarnung umgestellt werden. Ab sofort können die Nummern gemäss Merkblatt Schnee-, Lawinen- und Wetterinfor-mation für Fax-Polling benutzt werden.

Erweitertes Internetangebot Auch auf dem Internet wurde das Angebot an aktuellen Messdaten erweitert ( Rubrik Swiss-Snow ). Diese Information kann auch per E-Mail gratis abonniert werden. Zusätzlich sind auf der Homepage der Europäischen Lawinenwarndienste die Links zu den jeweiligen Diensten und Warnprodukten zusammengefasst.

Rückmeldungen Rückmeldungen zur Schnee- und Lawinensituation sowie zu abgegangenen Lawinen können mit dem SLF-Fragebogen A bis D übermittelt werden. Ausgefüllte Fragebogen können über die Gratis-Faxnummer 0800 800 188 weitergeleitet werden; Die Schneefahnen weisen auf grosse Schneeumlagerungen durch Stark-wind hin ( Jakobshorn ).

Schneebrettlawine in Varianten-Skigebiet ( Jakobshorn ) telefonische Rückmeldungen, gegliedert nach dem Fragebogen A bis D, können auch auf Band über die Gratis-Telefonnummer 0800 800 187 gesprochen werden. Gem. Mtlg. SLF Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung slf Institut Fédéral pour l' Etude de la Neige et des AvalanchesENA « y Istituto Federale per lo Studio della Neve e delle ValangheSNV yU, r^ç Institut Federal per la Perscrutaziun da la Naiv e da las LavinasPNLj£ Vs "

Schnee-, Lawinen- und Wetterinformation « Neue Faxnummern für Fax-Polling ( Fr. 1.49 pro Minute ) 9 Bedienungsanleitung0900 59 20 20 Nationales Lawinenbulletin deutsch ( täglich ab 17.00 Uhr ). " " .0900 59 20 21 Nationales Lawinenbulletin französisch ( täglich ab 18.30 Uhr ). " " .0900 59 20 22 Nationales Lawinenbulletin italienisch ( täglich ab 18.30 Uhr ). " " .0900 59 20 23 Gefahrenkarte zum Lawinenbulletin ( täglich ab 17.00 Uhr ). " " .0900 59 20 24 Schneehöhenkarte ( donnerstags ab 1O.00 Uhr oder bei wesentl. Änderung ). " " .0900 59 20 25 Neuschneekarte ( täglich ab 09.00 Uhr ). " " .0900 59 20 26 Regionales Lawinenbulletin Zentralschweiz ( täglich ab 08.00 Uhr ). " " .0900 59 20 31 Regionales Lawinenbulletin Unterwallis ( täglich ab 08.00 Uhr ). " " .0900 59 20 32 Regionales Lawinenbulletin Oberwallis ( täglich ab 08.00 Uhr ). " " .0900 59 20 33 Regionales Lawinenbulletin Nord- und Mittelbünden ( täglich ab 08.00 Uhr ). " " .0900 59 20 34 Telefaxabonnement zu bestellen beim SLF ( siehe Adresse unten ) » Lawinenbulletin / Alpen Info. Auf der Telefonnummer 187 können während des ganzen Jahres sowohl das nationale Lawinenbulletin ( Winter, Sommer nur bei Bedarf ), als auch aktuelle Informationen automatischer Messstationen abgefragt werden.

* Internet. Besuchen Sie unsere informativen WEB-Seiten:

www.slf.chInformation zum SLF, aktuelle Lawineninformation www.swiss-snow.chaktuelle Schnee-, Lawinen- und Wetterinformation www.lawinen.orgLinks zu den europäischen Lawinenwarndiensten x Teletext. Das nationale Lawinenbulletin kann über Teletext, Seite 197 abgerufen werden.

« Alpenwetterbericht. Ausgabe täglich durch die SMA MeteoSchweiz Telefon:157 126 218 ( Fr..86 pro Minute«Faxpolling:157 326 218 ( Fr. 1.49 pro MinuteZn-T'W^ M"eoStìmst'Internet:www.sma.chshop ) Rückmeldungen:

Gratis Faxnummer. Für Rückmeldungen zur Schnee- und Lawinensituation, zum Lawinenbulletin oder zu Lawinenunfällen stehen die Fragebogen A bis D zur Verfügung ( zu bestellen beim SLF, Adresse unten ). Diese Fragebogen können über eine Gratis-Faxnummer ans SLF übermittelt werden: 0800 800 188. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Fragebogen über Internet abzurufen.

Gratis Telefonnummer. Rückmeldungen zur Schnee- und Lawinensituation, zum Lawinenbulletin oder zu Lawinenunfällen können auch über eine Gratis-Telefonnummer auf ein Band gesprochen werden: 0800 800 187. Wir bitten Sie, die Meldungen gemäss Fragebogen A - D zu strukturieren.

Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( SLF ) Davos, Flüelastr. 11, 7260 Davos-Dorf Telefon: 081 / 417 01 11 Fax: 081 / 417 01 10 - Internet: www.slf.ch - E-Mail: lwp(at)slf.ch

Bestellformular für Fragebogen

In Deutsch D Französisch D oder ItalienischEx. Fragebogen A « Persönliche Einschätzung der Lawinengefahr » __Ex. Fragebogen B « Lawinenbeobachtung ohne Personen-/Sachschäden » __Ex. Fragebogen C « Lawinen mit erfassten Personen-, ohne Sachschäden » __Ex. Fragebogen D « Lawinen mit Sach- und/oder Personenschäden » Absender:

Einsenden an: Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung, « Fragebogen », 7260 Davos

tLPEN-Nachrichten notiziario delle ALPI Jouvelles des ALPES

Die Fernsehsendung 22 « Eiger live » im Rückblick

Zerstörung eines Mythos oder mediale Spitzenleistung?

Als Gast in der Fernsehsendung « Eiger live » vom 9./10. September 1999 hatte ich die Möglichkeit, den berühmten Blick hinter die Kulissen zu werfen. Dies und das Gespräch mit Beteiligten und Nicht-Beteiligten haben dazu angeregt, einen Rückblick auf das Berg-TV-Ereignis des vergangenen Spätsommers zu halten.

Meinungen aus der Szene Für Reinhold Messner war klar: Der Mythos der Eiger-Nordwand hat durch die Sendung « Eiger live », produziert vom Schweizer Fernsehen in Zusammenarbeit mit dem deutschen Südwestrundfunk, gelitten. Was beinhaltet eigentlich der « Mythos » Eiger-Nordwand? Da sind die Geheimnisse der grossen Wand, die Ungewissheit, mit der Alpinisten ihre Durchsteigung angehen. Da ist aber auch die Aura, von der diese Wand umgeben ist und die im Lauf ihrer Besteigungsgeschichte, zu der alpine Tragödien genauso gehören wie menschliche Höchstleistungen, weiter wuchs. Für viele stimmt Messners Aussage, die Wand habe ihre Geheimnisse an die laufenden Kameras verloren, der Mythos sei zerstört worden. Für andere, vor allem für Nichtalpinisten, hat die Fernsehsendung aber zur Verstärkung dieser Aura und damit des Mythos beigetragen.

Weit häufiger waren die Stimmen, die nach der Sendung vom fesselnden und technisch ausgefeilten Medienereignis, von atemberaubenden Bildern und von der Kompetenz und Sachlichkeit sprachen, mit der hier das Bergsteigen vermittelt wurde. So meinte etwa Peter Geyer, Vorsitzender des deutschen Bergführerverbandes: « Die Sendung ist meiner Meinung nach voll und ganz gelungen und eine Bereicherung des Bergsteigens. » Sein Schweizer Amtskollege Armin Oehrli sah das ganze Projekt Das Kamerateam auf dem Eiger-Westgrat kritischer; seines Erachtens hätte eine einfachere Tour mit weniger Aufwand und Risiko die Zuschauer eher motiviert, selbst wieder einmal einen Berg zu besteigen.1 Aber auch er hielt letztlich mit Lob für die Planung und Durchführung der Sendung nicht zurück.

Diskrepanz Fernsehen - Naturschutz Kurt Schaad, der Produzent der Sendung, formulierte von Anfang an das Ziel « so einfach wie möglich »: Helif lüge auf ein Minimum beschränken, Material und Ausrüstung möglichst sparsam einsetzen und alle Spuren wieder beseitigen. Aus Sicht der Produzenten wurde diese Vorgabe eingehalten - trotzdem war vom ökologischen Standpunkt aus der Aufwand grundsätzlich nicht vereinbar mit umweltschützerischen Ansichten. Diese Diskrepanz zwischen dem auf attraktive Grossreportagen spezialisierten Fernsehen und der Perspektive des Naturschützers wird sich durch keine Diskussion ausräumen lassen. Zu hinterfragen ist dann aber konsequenterweise jede grossangelegte « Outdoor-Sendung », zu denen auch die Übertragung von sportlichen Grossanlässen gehört.

Vollauf « erfüllter » Sicherheitsaspekt Befürworter und Kritiker der Sendung waren sich darin einig, dass das Fernsehen einen anderen zentralen Aspekt respektiert hat: jenen der Sicherheit. Genau dieser Sicherheits- aspekt erforderte übrigens unter anderem einen hohen technischen Aufwand. Massgeblich daran beteiligt, dass das Restrisiko bei « Eiger live » in einem verantwortbaren Rahmen lag, war der Sicherheitsverantwortliche Godi Egger. Er und die weiteren eingebundenen Grindelwaldner Bergführer waren ein hervorragend eingespieltes Team, das die Leute vom Fernsehen - Kameraleute, Techniker usw., die Heliteams und die vier Bergsteiger optimal begleitete und betreute. Godi Egger war während der Sendung ständig im Regiezen-trum präsent und vermittelte das Gespräch zwischen Fernsehen, also der Öffentlichkeit, und den Bergsteigern; er blockte aber auch konsequent ab, wenn er fand, die Bergsteiger dürften aus Sicherheitsgründen nicht gestört werden. Natürlich wusste Godi Egger sehr wohl, dass die Kritik beim geringsten Zwischenfall viel stärker ausgefallen wäre als jedes nun geerntete Lob.

Die Erleichterung darüber, dass die Sendung - abgesehen von einer kleinen Verletzung der Bergsteigerin Evelyne Binsack - ganz ohne Zwischenfall abgeschlossen werden konnte, war riesig. Sie war allen, auch den Helipiloten und Flughelfern, die'SF Speziai, das Gefäss, in dem die Übertragung stattfand, hat bereits früher Sendungen aus Normalrouten auf Berge wie Dufourspitze oder Matterhorn übertragen.

2 Foos Bernhard, Hrsg.: Das Buch zum Fernseh-projekt EIGER NORDWAND live. Ein Blick hinter die Kulissen der EIGER NORDWAND. Verlag SÜDWESTRUNDFUNK Baden-Baden. DM 24.80. Bergsteiger, Projektleiter, Kameraleute, Regisseure, Redakteure, Techniker schildern ihren Beitrag zu dieser 25-Stunden-Live-Reportage, die Bilder dazu stammen von Robert Bosch, der die vier Bergsteiger während der Live-Sendung fotografierte.

Stefan Siegrist und Evelyne Binsack im Hinterstoisser Quergang ihrerseits hervorragende Arbeit leisteten, spürbar anzumerken. Was Evelyne Binsack angeht, war ihr Weitergehen vor allem Ausdruck einer ausgezeichneten Teamleistung: Sie gab ohne zu zögern die ganze Verantwortung des Vorstiegs an ihren Seilschaftsgefährten Stefan Siegrist ab, der die Belastung mit Bravour bewältigte.

Sachliche Darstellungsart Erfolgreich war auch die sachliche und kompetente Moderation: Auf Schweizer Seite war es der bestens bekannte Bergführer und Bergsteiger Kaspar Ochsner, der den Fernseh-moderator Röbi Koller kompetent unterstützte und zu einer sachlichen Interpretation des hier gezeigten Bergsteigens beitrug. Auf der Seite des an Planung und Produktion der Sendung beteiligten deutschen Süd-westrundfunk2 gelang dasselbe dem Bergsteiger und Autor Malte Roeper, dessen « technische » Co-Moderation neben Evelyn König und Michael Wirbitzky sehr gelobt wurde. Sie alle sorgten dafür, dass die Sendung nie zu dem wurde, was Skeptiker befürchtet hatten: ein auf Sensationen und Effekthascherei ausgerichtetes Medienspektakel.

Dazu trugen sicherlich auch die verschiedenen Gespräche bei, die die Sendung ergänzten - mit Gästen aus verschiedenen Bereichen rund um den Alpinismus. Allerdings konnten die Themen in den kurzen Gesprächs-runden nur angetippt werden, eine Vertiefung der einzelnen Blöcke war leider nicht möglich. Gerne hätte man einzelne Fragen ausführlicher Die Eiger-live-Seilschaften nach dem Götterquergang im Anfang der Spinne und vielleicht kontroverser diskutiert - doch dies hätte auch dem Wunsch vieler Zuschauer widersprochen: Je näher die vier Bergsteiger dem Gipfel kamen, desto mehr Zuschauerreak-tionen gingen ein, die das « reine Bergsteigen » ohne Unterbrüche sehen wollten!

Fernsehen vermittelt Emotionen Die Sendung zeigte auf, was spannendes Fernsehen auszeichnet: Neben den tollen Bildern sind es Emotionen und die Unmittelbarkeit, die - ausser dem Film - kein anderes Medium vergleichbar vermitteln kann. Bei den Bildern waren es vor allem jene, die von den in oder ausserhalb der Wand ( insbesondere am Eiger-Westgrat ) plazierten Kameras stammten. Was die Helmkameras anbelangt, so fiel das Fazit zwiespältig aus: Die Bilder der dünnen, am Heim der Bergsteiger angebrachten, stiftähnlichen Kameras übersteilten die Wand oft oder lieferten - aufgrund der Bewegung ihrer Träger -zu unruhige, verwackelte Bilder, die dem Zuschauer nicht viel brachten. Gerade für Laien waren solche Bilder manchmal kaum zu « übersetzen ». Anderseits übermittelten sie stellenweise einen hautnahen und atembe- ALPEN-Nachrichten a.

raubenden Eindruck der Kletterei; man denke nur an die Stellen im Wasserfallkamin, wo Stefan Siegrist um jeden Meter rang - seine Anspannung und seine Konzentration waren dank Helmkamera und Mikrofon förmlich hör- und spürbar!

Unmittelbarkeit entstand aber auch durch die Präsenz der Stimmen der Bergsteiger, durch ihre Zurufe, ihre Gespräche, ihr Lachen - und hie und da einen Fluch! Die Auswahl der vier ausgewählten Bergsteiger war sicherlich geglückt: Hansruedi Gertsch und Ralf Dujmovits sowie Stefan Siegrist und Evelyne Binsack als Vertreter des heutigen Bergsteigens und der Bergführerei sprachen die Zuschauer jeder auf seine Art an. So vermittelte etwa Hansruedi Gertsch mit seinem ruhigen, klaren und überlegten Auftreten das Bild des klassischen Schweizer Bergführers schlechthin. Die vier Bergsteiger waren aber Teil eines Ganzen, denn « Eiger live » war in erster Linie eine tolle Gruppenleistung, die dank der vielen Leute hinter den Kulissen glückte. Dies formulierte Ralf Dujmovits in seinem Dank an alle Beteiligten, den er, kaum auf dem Gipfel angekommen, aussprach.

Die Entdeckung der Langsamkeit Die Zuschauerreaktionen, die hohe Einschaltquote sowie diverse Auszeichnungen - von denen eine mit der Begründung verliehen wurde, das Fernsehen habe hier die Langsamkeit neu entdeckt - sind Zeichen für das Gelingen der Sendung. Dass kritische und ablehnende Stimmen nicht ausblieben, tut dem keinen Abbruch. Die Verantwortlichen - stellvertretend hier Kurt Schaad, Frank Senn, Peter Lippuner, Rob Neuhaus auf Schweizer und Gebhard Plangger, Produktionsleiter, auf deutscher Seite - scheuten die Auseinandersetzung mit Kritikern nie und stellten sich immer wieder Diskussionen über den Sinn der ganzen Unternehmung.

Persönliches Fazit Unbestritten war die Sendung eine professionelle technische Spitzenleistung - beste Propaganda für das Fernsehen wie auch für das Berner Oberland. Besonders faszinierend war der Aufenthalt im Regiezentrum, wo alle Fäden zusammenliefen und wo das Entstehen der aufwendigen Reportage hautnah beobachtet werden konnte: Aus den Bildern aller Kameras wählte der Regisseur Helmuth Heim, unterstützt von Technikern und Sendeverantwortlichen, mit höchster Konzentration jene aus, die schliesslich dem Zuschauer eine einheitliche, gelungene Sendung in die gute Stube lieferten.

Der Nervenkitzel der Durchsteigung einer der grössten Alpenwände blieb bei « Eiger live » erhalten; man wurde durch die Unmittelbarkeit der tollen Bilder hineingezogen, fühlte sich wirklich « live dabei ». Bei geschichtsträchtigen Stellen wie dem Hinterstoisser-Quergang wollte man nicht mehr wegschauen, so faszinierend waren die Bilder aus der düsteren Wand. Dies bezeugten auch die vielen spontanen Zuschauermeldun-gen via Fax, E-Mail und Telefon. Und im vielleicht schönsten Moment der Sendung, als die Bergsteiger im wunderbaren Nachmittagslicht über das Gipfeleisfeld und den Mittellegigrat dem höchsten Punkt zustiegen, stiegen sicherlich bei Tausenden von Mitfiebernden Emotionen hoch. « Faszination Bergsteigen professionell vermittelt » - so würde denn mein persönliches Fazit lauten, müsste ich meine Meinung über die Eiger-live-Sendung knapp zusammenfassen.

Christine Kopp, Unterseen 24

fon Hütten und Biwaks lifugi e bivacchi Zabanes et bivouacs

Chelenalphütte

Die Hüttenwarte der Chelenalphütte, Evalin Berther und Peter Planzer, sind neu unter folgender Adresse erreichbar: Gotthardstrasse 23, 6487 Göschenen, Tel./Fax 041/885 19 31.

Rugghubel-Hütte

Neue Hüttenwarte sind Agnes und Fredy Schleiss-Niederberger, Oberwi-lerstr. 2,6062 Wilen, Tel. 041/660 39 34, Natel 079/641 09 34

Wildstrubelhütten

Ausstieg über das Gipfeleisfeld

litteilungen Clubleitung

Zomunicazioni

iella direzione del club

Communications

ie la direction du club

Alles Gute, Turi!

Vor ziemlich genau 10 Jahren übernahm Arthur Zingg die Leitung des SAC-Verlags. Durch ihn bekam die damalige Publikationenkommission zum ersten Mal professionelle Unterstützung. Mit seinem Fachwissen und seinen menschlichen Qualitäten war Turi ein allseits geschätzter Brückenbauer zwischen dem Club, den Autoren, den Druckern, dem Vertrieb und den Lesern. Nun tritt er in den wohlverdienten Ruhestand.

Der richtige Mann am richtigen Platz Turi ist ein Fachmann, ein Mann mit grosser professioneller Kompetenz. Druckerzeugnisse sind seine Welt, sein Traum und seine Erfüllung. Und er hat es verstanden, sofort Zeichen zu setzen und den Gang des « Verlagszugs » zu beschleunigen. Zusammen mit Hansjörg Abt, dem damaligen Präsidenten der Verlagskommission, wurden zudem entscheidende Weichen gestellt, die den heutigen Erfolg des SAC-Verlags begründen. Und es war Turi, der dies alles in die Tat umsetzte, mit grosser Beharrlichkeit, Engagement und Geduld. Die inhaltliche Seriosität unserer Erzeugnisse und die technisch effiziente und perfekte Produktion sind vor allem die Früchte von Turis unermüdlicher Arbeit, die er in seinem kleinen Büro bei sich zu Hause in Worben bei Biel bewältigte.

Ein geschickter Diplomat « Ich weiss nicht, mit wem Turi Streit haben könnte », sagte mir Hansjörg Abt einmal. Diplomatisches Geschick ist eine entscheidende Voraussetzung für den Posten eines Verlagsleiters. Turi besitzt es - und wie. Primadonnenhafte Allüren der Autoren fing er wie ein federnder Puffer auf und ging geduldig über sie weg. Niemals verliess sein Blick das Ziel, die Realisation eines Werkes; alle Scharmützel versandeten da in ihrer eigenen Sinnlosigkeit. Verständnisvoll liess er alles vorerst an sich abprallen und ging zur Arbeit. Ein weiteres Markenzeichen von AZ ( internes Kürzel ) war seine Gabe, die Fäden zu spinnen und zu ziehen, immer im Hintergrund, unermüdlich schaffend. « Ich muss vorwärts machen », war manchmal sein Kommentar, wenn sich « seine » Kommission nicht zielstrebig genug auf eine der zur Verfügung stehenden Varianten einigen konnte. Seine Ausgeglichenheit, sein Humor und seine Güte wirken jederzeit mitreissend, ja, Turi ist ein mit-reissender Mensch! Und alle, die Gelegenheit hatten, mit ihm zu arbeiten, können sich glücklich schätzen.

Höhepunkte Anfangs zu 50%, später zu zwei Dritteln angestellt, leistete Turi sicher mehr als das, was einer normalen, vollen Stelle entsprochen hätte. Belohnung waren für ihn die vielen positiven Reaktionen, zum Beispiel an den Buchvernissagen. Der eindeutige Höhepunkt seines Wirkens war das Jahr 1998, als er für den Verlag zum ersten Mal die Umsatzmillion erreichte!

Geistig jung in den Ruhestand Turi verlässt uns Anfang 2000 und tritt seinen wohlverdienten Ruhestand an. Als er seine neue Stelle beim SAC antrat, hatte er schon das Alter, in dem heute die Menschen normalerweise an die Pensionierung denken. Mit der geistigen Frische und dem Elan eines Jungen bewältigte er jedoch während zehn Jahren das sehr umfangreiche Arbeitspensum, die Produktion von durchschnittlich acht Büchern pro Jahr, die Verwaltung eines Verlagssortiments von gut 100 Büchern, die Organisation des Vertriebs, die Lagerbewirtschaftung und die Finanzkontrolle.

Wir wünschen Dir, Turi, alles Gute, eine robuste Gesundheit und viel Freude an Deinem Ruhestand, den Du zusammen mit Deiner Gemahlin Alice weiterhin aktiv gestalten wirst. Danke, Turi, für alles, was Du für den SAC getan hast!

Bernhard Rudolf Banzhaf Ressortleiter Publikationen/Kultur im Zentralvorstand

Neuer SAC-Mitglieder-ausweis!

Wie bereits in den ALPEN 11/99 angekündigt, wird ein neuer SAC-Mitgliederausweis in Kreditkar-tenformat ohne Foto eingeführt, der ab sofort gültig ist und damit alle früheren Ausweise ersetzt.

Die alten Ausweise können der Mitgliederverwaltung der Sektion zurückgegeben oder als Erinnerung behalten werden.

Zu beachten - Der wasserresistente und reissfe-ste Ausweis ist vom Formular abzutrennen und muss auf der Rückseite unterschrieben werden.

- Der Ausweis ist nicht übertragbar und wird jährlich neu ausgestellt.

- Das Mitführen des abgestempel-ten Einzahlungsbelegs oder das Auf-kleben einer Jahresmarke ist nicht mehr nötig.

-Verlorengegangene Ausweise können über die Mitgliederverwaltung der Stammsektion nachbestellt werden; diese erteilt auch weitere Informationen.

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1er Gebirgswelt

La difesa dell'ambiente

»rotection

le la montagne

steht der 1974 von der UNESCO eingeführte Begriff des « Biosphärenreservats » auf europäischer Ebene für eine neue Philosophie von Schutzgebieten: In einem grösseren Gebiet sollen nur in einer Kernzone höchste Schutzmassnahmen ( wie etwa im ganzen Nationalpark ) bestehen. Darum herum sind konzentrisch Pufferzonen angeordnet, wo die wirtschaftlichen Aktivitäten ( Land-und Forstwirtschaft, Tourismus, Gewerbe, Industrie ) weiterbestehen oder auch ausgebaut werden können, allerdings derart, dass sie dem Arten- und Lebensraumschutz nicht zuwiderlaufen. Das Biosphärenreservat schliesst also den Menschen nicht aus, sondern ein.3 Aletsch- und Montblanc-Gebiet Für die Alpinisten von Bedeutung sind einerseits die Ausbaupläne des Schweizerischen Nationalparks ( vgl. ALPEN 9/99 ) und anderseits die Bemühungen um einen internationalen Schutz für das Aletschgebiet als UNESCO-Welterbe ( vgl. ALPEN 8/98 ) und ähnliche Bestrebungen für den « Espace Montblanc ». Dass das Dach Europas besser geschützt werden sollte, haben die drei betroffenen Staaten Frankreich, Italien und die Schweiz schon seit längerer Zeit beschlossen. Die länderübergreifende Zusammenarbeit hat jedoch bis heute hauptsächlich Papier zustande gebracht. Die Alpinisten-Organisation Mountain Wilderness versucht nun, unterstützt vom SAC und anderen Verbänden, das Projekt von aussen her voranzutreiben ( vgl. ALPEN 11/98 ).

Bei beiden Projekten würden die alpinistischen Aktivitäten kaum tan-

— Neue grosse 26 Schutzgebiete für die Schweizer Alpen

Die Diskussion um neue grosse Schutzgebiete ist auch in der Schweiz im Gang. Vor allem zwei Aspekte beschäftigen die Betroffenen: die Befürchtung, dass der Mensch verdrängt werden soll, und die Frage nach dem ökonomischen Nutzen von Schutzge-bieten.1 Unser Nationalpark - und dann?

Als im Jahre 1914 der Schweizerische Nationalpark gegründet wurde, war er der erste seiner Art in Europa. Seither haben die Länder rings um die Schweiz verschiedene, zum Teil grosse Nationalparks sowie andere ausgedehnte Schutzgebiete eingerichtet. Auch der Schweizerische Nationalpark wurde in den Jahren nach seiner Gründung noch erweitert. Sonst blieb es allerdings ruhig: Unser Nationalpark im Gebirge zwischen dem Unterengadin und dem Münstertal ist weiterhin das einzige umfassende schweizerische Schutzgebiet, der zweitkleinste von unterdessen 14 Nationalparks in den Alpen.

Nachholbedarf in der Schweiz In der Schweiz gibt es zwar eine beachtliche Anzahl von vorwiegend kleineren kommunalen, kantonalen oder privaten Schutzgebieten. Zudem ist auch mit dem Instrument der nationalen Inventare ein gewisser Schutz von wichtigen Lebensräumen und Landschaftselementen vorhanden. Schutzstatus und Schutz-Umset-zung dieser inventarisierten Gebiete sind jedoch höchst unterschiedlich und oft unbefriedigend.2 Es handelt sich dabei nicht um umfassende, ganzheitliche Schutzgebiete.

Aufbruch zu neuen Schutzgebieten Seit ein paar Jahren ist in unserem Land Bewegung in die Politik zum Schutz unserer Alpen gekommen. Verschiedene neue Schutzgebiete sind geplant ( vgl. Kasten ). Dabei'Vgl .dazu die Betrachtungen von Peter Donatsch über den Schweizerischen Nationalpark und die Mitwirkung der lokalen SAC-Sektionen in ALPEN 9/99.

2 Es handelt sich um die folgenden nationalen Inventare:

- Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung ( BLN, 152 Objekte, 7070 km2 ), bestehend seit 1966; Schutzstatus gering - Bundesinventar der Moorlandschaften ( 91 Objekte, 926 km2 ) sowie der Hoch- und Flachmoore ( basierend auf dem « Rothenturm-Arti-kel » 1987 ); Schutzstatus streng, jedoch noch lückenhafte Umsetzung - Bundesinventar der Auengebiete ( 169 Objekte, 110 km2; Auenverordnung 1992 ); Schutz gut, noch lückenhafte Umsetzung - Bundesinventar der Gletschervorfelder und hochalpinen Schwemmebenen ( z.. " " .Zt. 70 Gebiete mit ca. 97 km2 Gesamtfläche vorgeschlagen und in Vernehmlassung bei Kantonen ) 3 « Biosphärenreservat » ist eine Art Markenzeichen bzw. Anerkennung, die durch die UNESCO verliehen und überprüft wird. Der rechtliche Status hängt von den gesetzlichen Gegebenheiten des betreffenden Landes ab. Seit 1974 sind in 87 Ländern über 350 Biosphären-reservate eingerichtet worden. In der Schweiz gibt es bislang noch keines.

Fotos: Archiv Jürg Mey< giert, andere Aktivitäten wie etwa die touristische Fliegerei ( Heliskiing ) müssten hingegen eingeschränkt oder aufgegeben werden.

Volkswirtschaftliche Bedeutung des Nationalparks Ein Forschungsprojekt der Universität Zürich befasst sich mit der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Nationalparks, nach seiner ökonomischen Bedeutung für die Region. Obwohl dieses Projekt noch nicht abgeschlossen ist, liegen bereits einige Erkenntnisse vor: Die grösste Wertschöpfung liegt vor allem im vom Nationalpark ausgelösten Tourismus. Das Ausgabeverhalten der National-park-Touristen entspricht demjenigen der üblichen Alpentouristen: 50% der Ausgaben fliessen in Unter-kunfts-, 20% in Verpflegungsbetrie-be und der Rest in Detailhandel, Transportunternehmen usw. Ein brachliegendes Potential sieht die Projektleiterin Irene Kupfer in einem naturnahen, mit dem Nationalpark-Image vereinbarenden Tourismusan-gebot wie einer breiteren Angebotspalette regionaler Produkte.

Motor Volkswirtschaft Grosse Schutzgebiete schützen folglich nicht nur Natur und Landschaft, sie sind für die Region auch von ökonomischer Bedeutung. Beim geplanten Biosphärenreservat im Entlebuch liegt die Motivation für die betroffenen Gemeinden klar auf der wirtschaftlichen Ebene. Die an in-ventarisierten und geschützten Mooren und Moorlandschaften reiche alpine Landschaft des Entlebuchs soll eine touristische Grundlage des Tales werden. Diese Strategie führte in Deutschland mit verschiedenen Bio-sphärenreservaten bereits zu Erfolg. Damit das Projekt « Biosphärenreservat » jedoch nicht zur Worthülse verkommt, müssen die Entlebucher ihre wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gestalten. Sie tun damit nur Gutes - nicht nur für die heutige, sondern auch für die zukünftigen Generationen.

Jöri Schwarze! Klingenstein, AlpenbüroNetz, Mitglied Kommission Schutz der Gebirgswelt Jürg Meyer, Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt Schutzgebietsprojekte im schweizerischen Alpenraum Erweiterung Nationalpark Erweiterung der heute bestehenden Kernzone von 169 km2 auf 200 km2. Neuschaffung einer Umge-bungszone mit tieferem Schutzstatus ( ca. 300 km2 ). Regional umstrittenes Projekt; Zustimmung zur Unterschutzstellung von Gemeindegebiet erst in Lavin, andere Gemein-dezusagen noch offen; SAC-Sektio-nen Engiadina Bassa und Bernina eingebunden für Tourenmöglichkeiten; Informationen über: www. nationalpark. ch Aletschgebiet als UNESCO-Welterbe Aletsch-Jungfrau-Gebiet, im BLN-Inventar enthalten, soll erstes UNESCO-Welterbe des Alpenraums werden; kontroverse Diskussionen u.a. zum genauen Grenzverlauf, zum Einbezug von Kulturlandschaften und Erweiterung bis ins Gebiet der Aaregletscher ( vgl. ALPEN 8/99 ) Der Schweizerische Nationalpark ist das erste und einzige grosse Schutzgebiet der Schweiz.

Wann wird ein besserer Schutz für das Dach Europas wohl Realität?

Espace Montblanc Seit zehn Jahren wenig erfolgreiche Diskussion über besseren Schutz -trotz Zusage der Umweltminister der drei beteiligten Länder; Mountain Wilderness ( MW)-Kampagne « Montblanc 2000 »; dazu MW-Schweiz-Beitrag: Vorschlag für Bio-sphärenreservats-Zonierung ( vgl. ALPEN 11/98 ); Informationen über: www.mountainwilderness.org Biosphärenreservat Entlebuch Entlebuch strebt UNESCO-Aner-kennung als Biosphärenreservat an; Gesucheinreichung Mitte 2000; Träger ist der « Gemeindeverband Regionalplanung », aktive Kommu-nikations- und Informationspolitik für breite Abstützung gegen innen und aussen; Informationen über: www. biospha ere. eh I Wissenschaft und Bergwelt i Scienza e mondo alpino i Science et montagne

— Erster Kontakt vor einem halben 28 Jahrhundert

2O. Juli 1948. Der altehrwürdige Polardampfer « Gustav Holm » sucht im Nebel am Ausgang des Kaiser-Franz-Joseph-Fjords einen Ankerplatz und fährt bei Kap Bennet auf Grund. Mit dem Lan-dungsfloss wird in tieferem Wasser ein Hilfsanker ausgelegt. Die Seilwinde rollt langsam das Ankerseil auf, bis nach zwei Stunden das Schiff wieder ma-növrierfähig vor der Küste schwimmt.

Zwei Landekähne werden zu einem Floss verbunden. Mit einer ersten Fahrt wird das ganze Gepäck unserer Dreiergruppe samt einem Notvorrat an Heu für die Islandponys kurz vor Mitternacht hinter dem Strandwall aufgeschichtet. Dann springen das weisse und das schwarze, einige Zeit später auch das braune und das braunweissgescheckte Pony vom Floss an Land. Als wir ihnen die Bastsät-tel über den Rücken legen, erschrickt der Schimmel

Beim Warten auf das Flugzeug auf der Flugpiste beim Pingo-Pass ( August 1991, südliche Werner Bjerge, 71 °N )

In den Bergen

Ost- und Nordgrönlands

10 Sommerexpeditionen in 5 Jahrzehnten

Dr. Fritz Hans Schwarzenbach, Semione ( TI )

und stiebt wiehernd davon. Die drei anderen Ponys brechen aus und galoppieren wie die wilde Jagd in die Ebene hinaus. Zu fünft machen wir uns auf, um die Ausreisser wieder einzufangen. Nach drei Stunden bringen wir sie zurück und suchen nach einer Möglichkeit, sie sicher anzupflocken. Ein logisti-sches Problem in einem Land ohne Bäume! Wir binden ihnen mit den mitgebrachten Fussfesseln die beiden Vorderbeine zusammen, verlängern das Seil am Halfter und knoten es so gut wie möglich um einen Steinblock.

Mit dieser Erfahrung nahmen zehn unvergessliche Sommer voller Überraschungen in der stillen und weiten Welt der grönländischen Berge zwischen tiefblauen Fjorden, mit tief eingeschnittenen Tälern, mit Hochflächen und Kletterbergen zwischen Eismeer und Inlandeis ihren Anfang.

Jeder der zehn Sommer war unverwechselbar, führte in andere Gebiete und war trotzdem wie ein Glied in einer Kette mit den andern verbunden. Dank der raschen Entwicklung der Expeditions-technik während der Nachkriegszeit konnten neue Transportmittel eingesetzt werden. Aber einmal draussen in der Landschaft, verliessen wir uns auf

den einfachsten Arbeitsstil: Wir gingen zu Fuss, schleppten Ausrüstung und Proviant auf dem eigenen Buckel in vorgeschobene Lager und schlugen unsere Zelte an Orten auf, die nach unserer Einschätzung die besten Voraussetzungen für die wissenschaftliche Arbeit boten, und lernten dabei viele Berggebiete kennen.

Vom Ausreisser zum Entdecker

stange eines Rentiers, das etwa vor 100 Jahren aus diesen Breiten gleichzeitig mit den Eskimos verschwunden war. Knochen, Abfälle und Exkremente hatten dem nährstoffarmen Boden Dünger zugeführt. Dass die Düngewirkung ein Jahrhundert lang angehalten hatte, zeigt, wie langsam organisches Material in der Antarktis zersetzt wird. Unser « Chinese » hatte das ehrenvolle Verdienst, wohl als erstes - und auch einziges - Pony eine archäologische Fundstelle entdeckt zu haben. Und mir als Botaniker blieb die Aufgabe, aufzuspüren, wie die Pflanzen in den grönländischen Bergen mit Nährstoffen versorgt werden.

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Nährstoff spurensuche

Weitere Zufälle halfen mit, die Zusammenhänge zwischen Nährstoffangebot und Pflanzenwachstum besser zu verstehen. Ende Juni 1995 fiel uns an einem schuttbedeckten Abhang im nördlichsten Peary-Land ein hellgrüner Flecken inmitten weit verstreuter Knochen eines Moschusochsen auf. Ob-

NORDPOLARMEER Baffin Bay ATLANTISCHER OZEAN Die wichtigsten im Text erwähnten Gebiete Ost- und Nordostgrönlands O Nord-Peary-Land ( Frigg Fjord, Gronne- marken, Drivhuset, Nysne-Gletscher ) 0 Kronprins-Christian-Land ( Centrum So ) 6 A. P. Olsen-Land ( ZackenbergBartholin-Land ( Waltershausen-Gletscher ) 0 Gauss Halvo ( Kap Bennet, Giesecke Bjerge ) 0 Nathorst-Land ( Ismarken, Hojedal ) O Stauning-Alper ( Gully-Gletscher, Sefstram Gletscher, Vikingebrae, Danske Tinde, Norske Tinde, Käthispids ) 0 Südliche Werner Bjerge ( Pingo-Pass ) Wissenschaft und Bergwelt Das Amphibienflugzeug der dänischen Marine wird am Centrum So beladen ( August 1952, Kronprins Christian Land, 80°N, vgl. Karte, Gebiet 1 ).

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wohl zu diesem Zeitpunkt erst die Frühboten des arktischen Sommers ihre Blüten öffneten, spross aus dem Schädel üppiges Gras, das in der Regel erst viel später austreibt. Offensichtlich hatte das reiche Nährstoffangebot rund um die verwitternden Knochen das Gras ungewöhnlich früh austreiben und rasch wachsen lassen.

Aufgrund dieser Beobachtungen stellte sich die Frage, wie Stickstoffverbindungen, die aus den europäischen und amerikanischen Ballungsgebieten in den Norden verfrachtet werden, sich auf die Pflanzenwelt auswirken. Dass Fremdstoffe aus mittleren Breiten bis in den höchsten Norden transportiert werden, stellte der Basler Geologe John Haller schon 1955 fest. Ein Regen in Nordostgrönland war mit radioaktiven Spaltprodukten angereichert, die vermutlich von oberirdischen Kernwaffenversu-chen in Nordamerika und Russland stammten.

Das geheimnisvolle « blaue Auge » auf dem Waltershausen-Gletscher

Während der Expedition von 1956 sah John Haller für die Planung eines Fotoflugs im riesigen Einzugsgebiet des Waltershausen-Gletschers die Aufnahmen aus den vierziger Jahren durch und stiess auf einen dunklen Fleck auf der Eisfläche des Gletschers. Da wir keine befriedigende Erklärung fanden, entschieden wir uns für eine zusätzliche Flug-schleife vor Ort.

Bei strahlendem Wetter schwenkten wir am nächsten Tag mit unserm Wasserflugzeug vom Bar-thorin-Land auf den Waltershausen-Gletscher hinüber und entdeckten bald einmal weit im Westen eine leuchtend blaue Fläche, die am Ort des dun-

klen Flecks auf unserer alten Luftaufnahme lag. Da der Treibstoffvorrat vorzeitig zu Ende ging, mussten wir auf unsere Basis bei Zackenberg zurückkehren.

Beim nächsten Fotoflug sass ich wie üblich hinten im Flugzeug auf der Kiste mit Material und Notproviant, hielt die schwere Flugkamera des Typs Fairchield K-20 auf den Knien und stemmte die Füsse gegen die Flugzeugwand, damit mich die heftigen Föhnböen nicht auf den Boden warfen. Wir flogen schon längere Zeit der Nordseite des riesigen Waltershausen-Gletschers entlang, als John auf die tiefblaue Fläche weit vorn auf dem Eis deutete. Zu unserer Überraschung erwies sich das geheimnisvolle « blaue Auge » als abflussloser See draussen auf dem Gletscher. Aufgrund der Luftaufnahmen und eines späteren Überflugs musste der See weit über 100 m lang sein und auf 1200 m ü. M. liegen.

Vermutlich hatte sich oberflächlich zufliessendes Schmelzwasser in einer Eismulde auf dem Gletscher gesammelt. Dass der See seit mindestens 10 Jahren weder ausgeflossen noch während der extrem kalten Polarnächte zu einem Eisklumpen gefroren war, liess vermuten, dass das Wasser im Winter durch eine Eisdecke vor dem Gefrieren abgeschirmt und als eingefrorene Linse aus Wasser konserviert wurde.

Kräfte aus dem Untergrund

« Trampt man mit dem linken Schuh hinein und bringt den rechten nicht mehr heraus, so ist das Fliesserde. » Auf diese mehr mundart- als wissen-schaftsgerechte Definition einigten wir uns eines Abends im Zelt, nachdem wir zu dritt bei der Querung einer feuchten Mulde zum ersten Mal knöcheltief in diesen heimtückischen Morast geraten waren und nach 30 Metern mit unsern schweren Rucksäcken völlig ausgepumpt am Boden lagen.

Blick nach Osten gegen die Endmoräne des Nysne-Gletschers ( Juli 1995, Nord-Peary-Land, Gronnemar-ken. 83°N, vgl. Karte, Gebiet 1 )

Wer daran gewöhnt ist, immer festen Grund unter den Fussen zu haben, muss in Grönland umler-nen. Wo der Boden bis in grosse Tiefen dauernd gefroren bleibt und während des Sommers nur oberflächlich auftaut, werden im Wechselspiel zwischen Auftauen und Gefrieren gewaltige Kräfte frei, die in der obersten Bodenschicht angreifen und an der Oberfläche eindrückliche Spuren hinterlassen. Böden können so aussehen, als ob sie umgepflügt worden wären. Steine werden in grobmaschigen Ringen angeordnet, die regelmässige Netze bilden. Auf Terrassen sortiert die Natur Kies und Sand so, dass wabenartige Strukturen entstehen.

Wenn die oberste Schicht des Dauerfrostbodens auftaut und das Schmelzwasser in wannenartigen Vertiefungen an flach geneigten Hängen zusammenläuft, wird die aufgetaute Bodenschicht in einen wassergesättigten Brei, in Fliesserde, verwandelt. Häufig finden sich Stellen mit Fliesserde unterhalb von schmelzenden Schneeverwehungen. Ist aller Schnee geschmolzen, kann die Fliesserde oberflächlich austrocknen, so dass sie sich in diesem Zustand kaum mehr vom festen Grund nebenan unterscheiden lässt.

Fliesserde - das Reich der Zwerg-pflanzen

Als Botaniker habe ich 1952 vor allem auf den Hochflächen nördlich des Centrum S0 in Kronprins-Christian-Land ( 80°N ) gelernt, dass Zonen von Fliesserde wie auch Schneetälchen in den niederschlagsarmen Berggebieten Ost- und Nordgrön-lands bevorzugte Standorte für eine Reihe von Pflanzenarten sind, die sich auf ganz besondere Weise an diese extremen Lebensbedingungen angepasst haben.

Gletschermündung im Hoje-dal beim Aufstieg zur Eiskappe von Ismarken ( Juli 1954, Nathorst-Land, 72°N, vgl. Karte, Gebiet 6 ) 31

Der Steinbrech Saxifraga platysepala folgte in Nord-Peary-Land den Schneetälchen und Fliess-erdemulden bis auf mehr als 700 m ü. M. Die fleischigen Blätter halten das Wasser zurück, wenn später im Sommer der Boden steinhart austrocknet. Dieser Steinbrech vermehrt sich ungeschlechtlich mit winzigen Ablegern an den kurzen Ausläufern. Diese Ableger werden später von der Mutterpflanze abgelöst und nicht selten vom Schmelzwasser ein Stück weit weggeschwemmt.

Cerastium regeln, ein Hornkraut aus der Familie der Nelkengewächse, strapazierte meine Geduld über die Massen. Während Wochen stiess ich immer wieder auf die kleinen, leuchtend grünen Zwergpolster, die wie kleine Schiffchen mit der Pfahlwurzel als Kiel auf der Fliesserde schwammen. Erst gegen Ende des Sommers entdeckte ich zufällig ein Polster mit einer einzigen, winzigen Blüte, die mir endlich die Bestimmung ermöglichte. Diese Pflanze vermehrt sich im Gegensatz zum Steinbrech über endständige Knospen, die von der Mutterpflanze abbrechen und meist in der nächsten Umgebung Wurzel schlagen.

Dagegen lockt die Zweiblätterige Sternmiere ( Minuartia biflora ) mit ihren Blütenpolstern die be-stäubenden Insekten an. Und sollte in einem ungünstigen Sommer die Befruchtung ausbleiben, so vermag sich diese langlebige Zwergpflanze zweifellos über viele Jahre hinweg an ihrem Standort zu halten, auch wenn ihre Samen nicht zur Reife gelangen.

Ein Winzling unter den Zwergpflanzen der Fliesserde ist Koenigia islandica, ein Knöterichgewächs. Als einzige Art in Ost- und Nordgrönland vollendet sie ihren Lebenskreis in einem einzigen Sommer und vermag daher den Bestand nur zu halten, wenn sie Jahr für Jahr durchkommt.

Wissenschaft und Bergwelt Früher Austrieb von Gräsern in und um den verwitternden Schädel eines Moschusochsen ( Juni 1995, Nord-Peary-Land, Frigg-Fjord, Drivhuset, 83°N, vgl. Karte, Gebiet 1 )

Hoch hinaus

Herauszufinden, wie hoch die Vegetationsgrenze in den grönländischen Bergen liegt, war Teil meiner botanischen Arbeiten in den zehn Sommern zwischen 1948 und 1995. Nach vielen Auf- und Abstiegen vom Meeresniveau bis zum höchsten Gipfel der Stauning-Alper1 ( 2930 m ü. M. ) im Gebiet zwi-

1 Alle Ortsnamen sind in der offiziellen Schreibweise angegeben, die für wissenschaftliche Publikationen verbindlich ist.

Ein Islandpony wird trainiert ( Juli 1948, Gauss Halve, Kap Bennet, 73 N, vgl. Karte, Gebiet 5 ).

Der rätselhafte See auf dem Waltershausen-Glet-scher mit Blick gegen die Berge im Norden ( August 1956, Waltershausen-Glet-scher, 74°N, vgl. Karte, Gebiet 4 )

sehen 70° und 83° nördlicher Breite fanden sich interessante Ergebnisse:

Im Nord-Peary-Land, nördlich des 83. Breiten-grads, erreichen die höchsten Fundstellen von Gräsern und Blumen nahezu die Grenze von 1000 m ü. M. Mit 1400 bis 1500 m ü. M. liegt die Vegetationsgrenze in den Berggebieten zwischen 73. und 74. Breitengrad deutlich höher. Verblüfft war ich über die reiche botanische Ausbeute bei den Klettertouren in den Stauning-Alper ( 72°N ), als wir 1954 bis zu den obersten Firnmulden des Sefstrom-Gletschers ( 1250 m ü. M. ) vordrangen.

Pfeilerböden sind wissenschaftlich interessant, bergsteigerisch aber wenig einladend ( Juli 1995. Nord-Peary-Land, 700 m, 83 N, vgl. Karte, Gebiet 1 ).

Wenn man unversehens in die Fliesserde gerät, bleiben Spuren zurück ( Juli 1991, südliche Werner Bjerge, nördlich des Pingo-Passes, 1000 m, 71°N, vgl. Karte, Gebiet 8 ).

Grobblockige Steinringe, wie Maschen in einem grossen Netz ( Juli 1948, Ebene zwischen Kap Bennet und Giesecke Bjerge, 73°N, vgl. Karte, Gebiet 5 ) Ein ausläufertragender Steinbrech hockt auf der Fliesserde ( August 1995, Nord-Peary-Land, Frigg-Fjord, Drtvhuset, 450 m, 83 N, vgl. Karte, Gebiet 1 ).

Wissenschaft und Bergwelt 34

An den höchsten Standorten wachsen meist nur noch einzelne Pflanzen, deren Samen durch Wind oder Vögel verfrachtet worden sind und die in Felsspalten oder Ritzen ausgekeimt und Wurzeln geschlagen haben. Beispiele dafür, an die ich mich gut erinnere, sind der Polarmohn auf 1700 m ü. M. und der Steinbrech Saxifraga caespitosa auf den Finger-stöcken im hintersten Skjoldungebrae auf 1720 m ü. M. Den einstweiligen Höhenrekord einer Blütenpflanze in den Berggebieten der grönländischen Ostküste nördlich des 7O. Breitengrads hält aber der Steinbrech Saxifraga cernua auf 2200 m ü. M., den wir beim Überklettern des Gipfelgrats der Elisabeth Tinde fanden.

Die Vorberge zwischen Vikingebrae und Gully-Gletscher von oben ( August 1954, Stauning-Alper, 72°N, WT vgl. Karte, Gebiet 7

Und nebenbei noch Bergsteigen

Eis- und Klettertouren liessen sich ab und zu mit den wissenschaftlichen Arbeiten sinnvoll vereinbaren. Die besten und schönsten Gelegenheiten bot uns die geologische Kartierung der Stauning-Alper, eines kristallinen Bergmassivs mit einer Ausdehnung von mehr als 1000 km2. Sternförmig ziehen sich von den höchsten Gipfeln rund um die Danske Tinde ( 2930 m ) tief eingeschnittene Täler mit gros-

Auf dem Gipfel der Norske Tinde ( August 1954, Stau-ning-Alper, Vikingebrae, 2880 m, 72°N, vgl. Karte, Gebiet 7 )

sen Zungengletschern zum Meer, von denen der Gully-Gletscher und der Sefstram-Gletscher mit einem imposanten Abbruch in den Alpefjord münden.

Oft hatten wir mit misslichen Wetterverhältnissen zu kämpfen, wie etwa 1959, als wir für drei Tage vom Strand nördlich des Vikingebrae aus unterwegs waren. Trotz Nebel und Schneefall fanden wir in diesem uns völlig unbekannten Gebiet auf 300 m ü. M. einen passablen Abstieg auf den Gletscher, der in der Mitte gut begehbar war. Auf 1000 m ü. M.

Blick um Mitternacht von der Norske Tinde zur Danske Tinde ( August 1954, Stauning-Alper, Vikingebrae, 72°N, vgl. Karte, Gebiet 7 )

errichteten wir nahe der Mittelmoräne das Nachtlager. Nur während einer kurzen Zeit war uns am andern Morgen der Blick auf die überwältigende Kulisse der Gipfel möglich. Mit unserer bescheidenen Ausrüstung - neben einer langen Reepschnur hatten wir nur einen einzigen Pickel und ein einziges Paar Steigeisen - erreichten wir nach einem mühsamen Aufstieg einen Gipfel, dessen Höhe wir mit 1980 m bestimmten und « Käthispids » tauften. Wegen des dichten Nebels erhaschten wir nur wenige Blicke auf die andern Gipfel und ins Tal hinunter. Am dritten Tag war es dann vor allem die Kälte, die uns arg zu schaffen machte. Deshalb gab uns das mächtige Feuer, das wir nach sechs Stunden Rückmarsch an der Küste mit Birkenzweigen entfachten, ein unbeschreiblich behagliches Gefühl.

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Zwischen 1948 und 1956 war ich sieben Mal in Grönland. Dann gab es eine lange Pause bis zu meiner achten Fahrt im Jahr 1991; zum letzten Mal war ich 1995 in Grönland. Diese zweite Serie der Fahrten auf diese faszinierende Insel hoch im Norden rief viele Erinnerungen wach. Davon habe ich hier einige ausgewählt, ohne die Absicht, einen eigentlichen Forschungsbericht zusammenzustellen.

Lager auf dem Gully-Glet-scher mit Blick talauswärts ( August 1954, Stauning-Alper, Gully-Gletscher, 72°N, vgl. Karte, Gebiet 7 )

Jugend-Infos,Berichte, [-Aktivitäten

attività dei giovani Activités jeunesse

scheiden. « Die Kandidaten wissen, was auf sie zukommt, und trotzdem überschätzen immer einige ihre alpinistischen Fähigkeiten », meint Andreas Bardill.

Zuerst die Arbeit...

Der Ausbildungsplan entspricht während der ersten drei Wochen jeder anderen RS, und die Ausbildungsblöcke sind mit altbekannten Abkürzungen wie AC, Stgw und San Z bezeichnet. « Da kommen wir nicht drum herum, alle müssen da durch », sagt Bardill. Immerhin ist in den drei Wochen militärischer Grundausbildung eine vollständige Zugsanitäter-Ausbildung inklusive Herz-Lungen-Reanimation enthalten, die sicher jedem Alpinisten zugute kommt.

... und dann das Vergnügen?

Während der restlichen 12 Wochen werden die Rekruten auf ihre zukünftige Aufgabe in der Armee vorbereitet. Im Zentrum der Ausbildung stehen einerseits alpintechnische und anderseits rettungstechnische Inhalte. Gebirgsspezialisten werden nach der RS in verschiedene Kompanien aufgeteilt und dort als Fachtechniker, Berater und Ausbildner in gebirgs-technischen Belangen eingesetzt.

Begehbarmachung im Sommer, Lawinendienst im Winter Inzwischen sind wir auf dem Gotthardpass angekommen. In dichtem Nebel deutet Andreas auf einen Felsen, der sich hervorragend fürs Klettern mit KiBe-Gruppen eignet. Andreas ist seit 10 Jahren JO-Chef der Sektion Prättigau, sein alpinistisches Herz schlägt hauptsächlich « zivil ». An den meisten Wochenenden ist er mit seiner JO, die sich zurzeit nicht über Teilnehmermangel beklagen kann, unterwegs. Nach einigen Minuten stossen wir auf eine Gruppe, die gerade dabei ist, eine heikle Passage mit Haken, Seilen und Holzbalken « begehbar » zu machen. « Das ist die Hauptaufgabe der Armee im Sommer im Gebirge », erklärt Bardill. « Solche Übungen eignen sich auch bestens, um den Umgang mit technischen Hilfsmitteln zu lernen. » Rekrut Thomas Suter, Mitglied der Sektion Diablerets und aktiver KiBe-Leiter erzählt: « Eigentlich wollte ich diesen Sommer den J+S-Leiterkurs Bergsteigen absolvieren, weil in der JO akuter Leiter-mangel herrscht. Ich bin aber überzeugt, dass ich im Hinblick auf die Leitertätigkeit in der JO und für den 36

Bergsteigen in Feldgrün

( Fast ) alle Männer trifft mit ca. 20 Jahren das gleiche Schicksal: die 15wöchige Rekrutenschule ( RS ) muss absolviert werden. Seit fünf Jahren gibt es für junge Alpinisten zwar keine Alternative, aber doch immerhin einen Geheimtip in der Menükarte der Armee: die Gebirgsspezialisten-RS. Ein Augenschein vor Ort gibt einen Überblick.

Mit gemischten Gefühlen biege ich eingangs Andermatt zur Kaserne der zentralen Gebirgskampfschule ( ZGKS ) ab. Der grosse Platz ist an diesem Montagmorgen menschenleer. Die militärische Atmosphäre wirkt auf mich etwas beklemmend.

Kurze Zeit später begrüsst mich beim Kaffee mein Gastgeber und Begleiter für den heutigen Tag, und mir wird 's wieder ein bisschen wohler. Andreas Bardill ist seit 1997 an der ZGKS als Fachlehrer-Bergführer angestellt und kennt die 15wöchige Gebirgsspezialisten-RS in- und auswendig.

Eine besondere RS Auf der Fahrt zum Gotthardpass erhalte ich von Andreas erste Informationen über die 1995 zum ersten Mal durchgeführte Ausbildung zum Gebirgsspezialisten. Im Unterschied zu allen anderen Rekrutenschulen ist diejenige der GS aufgeteilt in einen 8wöchigen Sommerteil und einen 7wöchigen Winterteil mit einer 6 mo-natigen Zwangspause.. " " .Viele Rekruten begrüssen diese « Schonzeit », andere würden die Sache lieber in einem Zug hinter sich bringen. Ein weiterer Unterschied zu den anderen Rekrutenschulen ist die in der ersten Woche stattfindende ( alpinistische ) Eintrittsprüfung - alpinistische Grundkenntnisse und eine angemessene Leistungsfähigkeit werden vorausgesetzt. Wer diese nicht besteht, muss in eine andere RS wechseln. Im laufenden Kurs - dies ist die fünfte Woche des Sommerteils - mussten vier der ursprünglich 85 Teilnehmer aus- Besuch des J+S-Leiterkurses viel profitieren kann. Der Umgang ist zwar schon ziemlich militärisch, und die ersten drei Wochen waren total mühsam; im Vergleich mit meinen Kollegen in anderen Rekrutenschulen kommt dies hier aber schon fast einem Paradies gleich. » Weil Thomas bis jetzt nur Snowboard gefahren ist, muss er bis zum Beginn des Winterteils noch Skifahren lernen. Hauptaufgabe im Winter ist der Lawinendienst. Die künstliche Lawinenauslösung erfordert viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr. Ein grosser Anteil der Ausbildungszeit wird deshalb diesem Thema gewidmet.

Alpine Rettung - Vorzeigestück der Gebirgsspezialisten-Ausbildung Nach dem Mittagessen bin ich Zeuge eines Ausbildungsblocks « organisierte Rettung » auf höchstem Niveau. « Auf die Rettungsausbildung sind wir besonders stolz », verkündet Bardill. Die Rekruten geniessen eine der besten Rettungsausbildungen innerhalb der Armee. Dies ist vor allem den kompetenten Ausbildnern zu verdanken, allen voran Bergführer Martin Hepting. Korporal und Gruppenführer Andreas Huwyler, JO-Leiter in der JO Visp und Bergführer-Aspi-rant, ist von der Ausbildungsstruktur in der Gebirgsspezialisten-RS überzeugt: « Wir machen hier auch Sachen, die aus Zeit- und Organisationsgrün-den weder in der JO noch in einem J+S-Leiterkurs Platz haben. Dazu zählt beispielsweise die organisierte Rettung. Die Rekruten sind grösstenteils sehr motiviert und auch leistungsfähig, wohl auch wegen des grossen Leistungsdrucks. » Rekrut Remo Frei, Student an der Kunstgewerbeschule und Mitglied der JO Prättigau, hatte sich die Ge-birgsspezialisten-RS eigentlich nicht Wer die Gebirgsspezialisten-RS absolvieren möchte, muss zumindest über Grundkenntnisse in der Alpintechnik ( Sommer und Winter ) verfügen. An der Aushebung ist ein gutes Abschneiden in der sportlichen Prüfung notwendig. Ein Empfehlungsschreiben des JO-Chefs ist von Vorteil.

Weitere Auskünfte sind erhältlich bei der Zentralen Gebirgskampfschule ( ZGKS ) in Andermatt, Tel. 041 888 83 22, E-Mail zgks(at)hotmail.com Internet www.armee.ch/ZGK5/ Vorzeigestück der Gebirgs-spezialisten-Ausbildung ist die alpine Rettung; Jelkbahreneinsatz.

zugetraut und liess sich nachträglich noch umteilen. « Bis jetzt habe ich diesen Entscheid nicht bereut. Der Umgang mit den Vorgesetzten ist eher locker. In die RS muss ja schliesslich jeder, und hier kann man wenigstens noch für die zivile Tätigkeit profitieren. Die ersten drei Wochen sind auch zu überstehen. » Der Nachwuchs kommt aus der SAC-Jugend Rund 90% der Teilnehmer sind Mitglieder einer JO des SAC. « Dies ist nicht erstaunlich, denn seit 1997 werden die JO-Chefs jährlich auf die Ausbildung zu Gebirgsspezialisten aufmerksam gemacht », erklärt Bardill und fährt weiter: « Die Zusammenarbeit klappt eigentlich sehr gut, nur einige wenige JO-Chefs reagieren konsequent ablehnend. Die ZGKS ist auf gute Leute angewiesen, damit das Niveau hoch gehalten werden kann. Im aktuellen Lehrgang sind drei Bergführeraspiranten, und einige weitere Teilnehmer haben die Voraussetzungen für die Bergführerausbildung. Im Gegenzug profitieren die JOIer natürlich von der Ausbildung, die die Teilnehmer geniessen und die der JO oder dem KiBe wieder zugute kommen, wenn sich der Teilnehmer dort als Leiter engagiert. » Andreas Bardill möchte die RS allerdings nicht als 12wöchigen Leiterkurs verstanden wissen, dazu seien die Ausbildungs-inhalte zu wenig auf die Jugendleiter-funktion ausnerirhtpt.

Ein Hindernis wird mit Hilfe einer Strickleiter überwunden.

Die Argumente, die für den Besuch der Gebirgsspezialisten-RS sprechen, liegen aber auf der Hand: Das grosse Plus im Vergleich zum einwöchigen J+S-Leiterkurs ist die längere Dauer, während der die Teilnehmer von den Erfahrungen der Bergführer profitieren können. Im Unterschied zu sämtlichen anderen Grundausbildungen in der Armee übernehmen die Gebirgsspezialisten-Rekruten bereits die Funktion eines Gruppenleiters und können so Führungserfahrung sammeln. Ausserdem geniessen die Teilnehmer eine umfassende alpintechnische Ausbildung. Die bereits erwähnte Ausbildung in der Rettungstechnik sowie in der künstlichen Lawinenauslösung ist überdurchschnittlich. Absolventen sind daher auch gefragte Kandidaten für die SAC-Rettungsgruppen.

Eine der Hauptaufgaben der Armee im Gebirge ist das Be-gehbarmachen schwieriger Stellen - hier mit Holzbalken und Seil.

Minimale Eisausbildung Nach einer Fahrt über den Sustenpass steigen wir über den Steingletscher zu einer Gruppe auf, die gerade Eisausbildung erhält. « Auf dem Gletscher hat das Militär heute eigentlich wenig Einsatzmöglichkeiten », gesteht Andreas Bardill. Die Eisausbildung beschränkt sich deshalb auf einen einzigen Tag mit einer anschliessenden Eistour und Anwendungstouren im Hochgebirge im Rahmen der Be-währungsprüfung gegen Ende des Sommerteils.

Direkt in den J+S-Einführungskurs Das Absolvieren der Gebirgsspezia-listen-Ausbildung berechtigt nicht zum Bezug eines zivilen Leiteraus-weises wie beispielsweise des J+S-Leiterausweises. Viele besuchen nach der RS den J+S-Einführungskurs, den die Eidgenössische Sportschule Magglingen ( ESSM ) jedes Jahr im Juni organisiert und der in kurzer Zeit sowohl zum J+S-Leiter Bergsteigen wie auch Skitouren führt. In der Regel verzeichnen die GS-RS-Absolventen keine Mühe, diesen anspruchsvollen Kurs zu bestehen.

Militär - trotz Alpinismus Dass man sich im Militär befindet, erkennt man nicht nur an den grünen Kleidern, sondern auch an den Umgangsformen. Inzwischen habe ich mich an den etwas forschen Ton, den die Vorgesetzten mit den Rekruten pflegen, gewöhnt. Vorgesetzte und Rekruten siezen sich; daran muss man sich in den Bergen, wo jeder auch den Herrn Bundesrat Ogi duzen würde, zuerst gewöhnen. Der Umgang ist aber von gegenseitigem Respekt geprägt.

Markus Ruff, Jugendbeauftragter SAC

alpine Geschichte, Cultur, Erzählungen

Storia, cultura, letteratura alpina

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Segantini-Malwoche

SAC-Kurswoche im Segantini-Jahr Zum Gedenken des 10O. Todes-jahres des grossen Malers Giovanni Segantini fanden während des ganzen vergangenen Sommers verschiedene Feierlichkeiten statt. Der SAC stand nicht abseits und organisierte mit Erfolg eine « Segantini-Malwoche ».

Würdigung des Meisters Zu den Feierlichkeiten zu Ehren von Giovanni Segantini gehörten unter anderem eine Führung auf dem « Sentiero Segantini » in Maloja, Anfang September ein « Fest der Regionen », Ende September der Aufstieg zum Schafberg und zurück nach Maloja, der unter dem Titel « Der Weg der Langsamkeit » begangen wurde, und die vom 26. September bis 2. Oktober 1999 vom SAC durchgeführte « Segantini-Malwoche ».

Mit Malerrucksäcken und Mappen Die Malwoche mit sieben begeisterten Bergmalerinnen und Bergmalern fand unter der Leitung von Heinz Leuzinger auf dem Berninapass statt. Rund um den Berninapass bot sich in dieser Zeit dem ahnungslosen Betrachter ein eher ungewöhnliches Bild: Mit Rucksäcken - Malerruck-säcken eben - und Mappen beladene Wanderer suchten sich im Gelände interessante Blickwinkel. Anfänger und versierte Teilnehmer setzten sich aquarellistisch mit der beeindruckenden Hochgebirgslandschaft zwischen Morteratsch und dem Val di Campo auseinander. Heinz Leuzinger hatte das Glück, in der Person des Kursteil-nehmers Giovanni Kappenberger über einen « kurseigenen Meteorologen » zu verfügen. So waren es denn nicht nur Themen wie « Komposition » oder « Farbkreis », die interessierten -nein, sogar eine Wetter-Theorie fand im Programm Platz.

Gegen 40 Exponate Schöne Aufhellungen wechselten ab mit heftigem Regen und nebligem Wetter, während dem die Kursteil- Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vom SAC organisierten Malwoche im Segantini-Gedenkjahr erlebten die Naturschönheiten rund um den Berninapass.

nehmer im grossen Saal des Ospizio Bernina arbeiteten und sich wohl fühlten. Hier wurden auch die laufend entstehenden Werke in Passe-partouts montiert und aufgehängt, so dass nach und nach eine Ausstellung mit gegen 40 Exponaten entstand. Diese wurden abschliessend beurteilt und besprochen. Die Mal-woche - ein Teil des kulturellen Lebens im SAC - wurde für alle Beteiligten zum vollen Erfolg. Gem. Mtlg.

Brown und die Brenva: die Geschichte einer Trilogie

Selten hat in den Alpen eine Wand einen Alpinisten so in Bann geschlagen wie die Brenva den Engländer Thomas Graham Brown. Im August 1926, bei der Rückkehr von einer Überschreitung des Mont Vélan, sieht der englische Bergsteiger zum ersten Mal den riesigen Brenva-Kessel. Vom Moment an, wo er sich die Wand von Courmayeur aus im Detail betrachtet, lassen ihn der Montblanc und die Brenva nicht mehr los.

Was zuerst war - der Ruf der Wand oder Browns Brenva-Kult-, kann im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden, denn Thomas Graham Brown entwickelt eine wahre Besessenheit. Er denkt sich einen Plan für die Besteigung aus, der in nichts den Dimen- V Das perfekte Triptychon! Thomas Graham Brown notierte mit Akribie jedes Detail auf seinen Fotos, die er bei all seinen Unternehmen in grosser Zahl aufnahm. Hier von links nach rechts: die Poire-Route, die Major-Route und die Sentinelle Rouge sionen dieser grossartigen Wand nachsteht: Eine Trilogie soll es werden.

Die Vision Nachdem Thomas Graham Brown in Montenvers Franck Smythe kennengelernt hat, steigt er mit ihm über den Glacier du Géant zum Refuge Torino auf. Beide beobachten aufmerksam den Teil der Brenva, den sie von der Terrasse aus einsehen können. Brown ist geradezu besessen vom Zentralpfeiler ( von der zukünftigen Major-Route ). Er hat nur Augen für diese Route und kann nicht verstehen, dass sich die Erstbegeher dieser Wand für den Eperon, weit entfernt von der Wandmitte, entschieden haben. Smythe ist überzeugt, dass die Séracs, die den Ausstiegsbe-reich der Major verbarrikadieren, nicht begehbar sind. Er schlägt eine Lösung vor, die den Schneehang links der Eperon-Route angeht und die abschliessende Barriere am Schwachpunkt überwindet. Für Brown bietet diese Route nur eine Variante zur Eperon-Route, die viel an Attraktivität verliert, weil sie den berühmten Schneegrat auslässt, gleichzeitig aber die Gefahren beträchtlich erhöht. Für ihn ist dieses Projekt1 sowenig attraktiv wie seine Route für Smythe. Smythe geht in die Hütte zurück, während Brown hoffnungsvoll weiter in die Wand starrt, unerschütterlich. Da - plötzlich entdeckt er eine winzige, gekrümmte Rippe, die in seinen Augen begehbar aussieht. Das ist sie, die Alternative - ein idealer Ansatz für neue Verhandlungen mit Smythe. Als dieser endlich aus der Hütte tritt, unterbreitet ihm Brown sofort den Vorschlag. Der Aufbruch soll am nächsten Tag, dem 1. September 1927, erfolgen.

Eine Rekognoszierungstour Um 3 Uhr 30 verlassen die beiden Engländer das Refuge Torino. Es ist schwül, und der Schnee trägt nicht. Sie beschliessen, den Sonnenaufgang abzuwarten und einen Punkt zu suchen, von dem aus sie den ihnen noch unbekannten Teil des Wandfusses beobachten können. Sie erklettern deshalb zunächst die Aiguille de Toule, dann die Aiguille d' Entrèves. Oben angelangt, bietet sich jedoch wieder nicht der erhoffte Blick. Also weiter auf die Tour Ronde. Brown erzählt: « Die grossartige Aussicht springt uns plötzlich ins Auge, in ihrer ganzen unbeschreiblichen Pracht. » Da die beiden Alpinisten vor allem den Stein- und Eisschlag, denen der Wandfuss ausgesetzt ist, fürchten, atmen sie erleichtert auf, als sie einen riesigen Felsblock am Rand des grossen Zentralcouloirs entdecken. Dieser herrliche Block aus rotem Fels, etwa BO Meter hoch, wird später zum sogenannten Sentinelle-Biwak. Vor dem Bau des Refuge de la Fourche ( Refuge Alberico Borgna ) 1935 dient er mancher Seilschaft als Ausgangspunkt.

In Sorge wegen der Schneeverhältnisse steigen die Engländer zum Col Moore hinauf und erreichen ihn um 13 Uhr. Weil sie auf die abendliche Abkühlung warten müssen, können sie sich eine vierstündige Ruhepause gönnen. Brown hat alle Musse, sein Niemandsland zu studieren. Vor diesem gewaltigen Labyrinth aus Eis und Fels bringt er Ordnung in seine Idee: Die Umrisse der Trilogie nehmen Gestaltan.

1 Graham Brown betrachtet die sogenannte Eperon-Route von 1865 als ausserhalb der Wand liegend. Diese Route, viel zu weit vom Montblanc-Gipfel abgewandt, bezieht er nicht in seine Erwägungen ein. Der linke Rand des riesigen Schneehangs der Eperon-Route ist für ihn der östlichste Teil der Wand, weshalb jegliches Interesse, in diesen Teil eine Route zu legen, dahinfällt.

Sentinelle-Biwak Sobald die Sonne untergeht, beginnt der Schnee zu gefrieren, und die beiden Engländer machen sich auf den Weg zum Sentinelle-Biwak. In einem mitunter gefahrvollen Marsch über zahlreiche Rinnen, die den oberen Wandteil entleeren, erreichen sie den Felsen gegen 19 Uhr. Brown spricht von einer sehr kalten Nacht, die sie damit verbringen, Erfrierungen an den Zehen zu verhindern, denn ihre Schuhe sind vom Vortag her völlig durchnässt. Am frühen Morgen brechen sie auf. Smythe führt ( sie wechseln häufig ab, denn Smythe geht lieber auf Schnee, Brown auf Fels voraus ) bis zur gekrümmten Rippe. Der Fels ist trocken, Steigeisen sind nicht nötig. Die Route ist von der Rippe an ziemlich sicher. In den Hängen, die sich zur abschliessenden Barriere hinaufziehen, klettert Smythe voraus. Brown erinnert sich an eine von einem Felsriegel abgeschlossene Nische. Doch er entdeckt eine Durchstiegsmöglichkeit und überwindet dieses letzte Hindernis. Oben angekommen versperren keine Séracs den Weiterweg - nicht so, wie er es beim Rekognoszieren vom Refuge Torino aus vermutet hat. Brown ist in Gedanken aber bereits bei den Pfeiler-aufschwüngen der Major. Die Bergsteiger finden die Lücke, die sie im Fernrohr gesehen haben und erreichen unbehindert die Hänge unter der Kuppe des Montblanc.

Oben auf dem Gipfel denkt Brown lange über den Erfolg nach. Für ihn ist die Brenva-Wand solange nicht abgehakt, bis er den majestätischen Major-Pfeiler nicht wenigstens versucht hat. Er macht sich daran, Smythe für das Projekt zu gewinnen; aber dieser ist zufrieden mit dem Erfolg an der Sentinelle Rouge.

Die Logik des Col Major In Brown setzt sich eine Erkenntnis fest: So komplex sie auch sein mag, die Brenva ist grossartig einfach - eine direkte Route auf den Montblanc, eine direkte Route auf den Montblanc de Courmayeur und eine direkte Route in den Pass, der die beiden Gipfel trennt. Es muss hier angemerkt werden, dass die Alpinisten der Zwischenkriegszeit noch ganz geprägt sind von den Eroberungen der Jahrhundertwende und der Logik der Pässe und Übergänge, die bei Erstbesteigungen eine grosse Rolle spielten.

39 Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen Thomas Graham Brown 1952 inEntrèves Melchior Anderegg, einer der grössten Führer der Geschichte. Er war der wichtigste Akteur bei der ersten Besteigung der Brenva-Wand über die Eperon-Route - bereits 1865!

Deshalb wird Browns Aufmerksamkeit von dieser kleinen Depression zwischen dem Montblanc de Courmayeur und dem Montblanc-Gipfel dermassen gefesselt.

Ein Name wird gefunden Ein Artikel von H. F. Montagnier über den legendären Col de Curia Major zwischen Courmayeur und Bonneville bringt Brown auf die Idee, diesen Namen Wiederaufleben zu lassen. Alte Legenden ranken sich um einen Pass zwischen Chamonix und Courmayeur. Während vieler Jahre glaubte man, es handle sich um den heutigen Col du Géant. Bei näherer Betrachtung erwies sich aber, dass es sich bei dem Übergang nur um den Weg handeln konnte, der über den Col de la Seigne und den Col du Bonhomme führte. Curia Major bedeutete nichts anderes als Courmayeur.

Von da an nimmt das Projekt der Major-Route in Browns Augen eine ausserordentliche Dimension an. Es geht nicht mehr nur um eine direkte Linie in der Brenva-Wand, sondern auch darum, den Col Major erstmals zu überschreiten! Es ist sehr wichtig, eine gute Strategie zu wählen, denn einen Abstieg über die Westseite kann man nur am frühen Morgen ins Auge fassen; zudem birgt er zahllose Unbekannte.

Der nutzloseste Pass der Alpen Kurz zusammengefasst und ohne Übertreibung kann man sagen, dass dies damals ein Unternehmen mit den grössten Risiken für den nutzlo-sesten Pass der Alpen war! Für Brown kristallisieren sich mit aller Klarheit drei verschiedene Ziele heraus: der Montblanc, der Montblanc de Courmayeur und der Col Major. Dort hinauf führen, ohne Verwechslungsge-fahr, drei unabhängige Routen: die Sentinelle, die Major-Route und -voller Geheimnisse - die Poire-Route. Jede dieser Routen steigt in gerader Linie direkt hinauf zum Ziel. Eine grandiose und einfache Komposition: das grosse Triptychon der Brenva. Weshalb ist die Offenkundigkeit dieser grossartigen Erstbegehungen den grossen Alpinisten jener Zeit nicht aufgefallen? Brown wundert sich zu Recht, warum er an der Brenva allein ist. Tatsächlich entzündet sich der Ehrgeiz der damaligen Cracks für die Nordwand der Grandes Jorasses. Man steht sich auf den Fussen herum und belauert sich misstrauisch. Weizenbach, Charlet, Deutsche, Franzosen, Italiener, Schweizer - alle sind sie dort für die grosse Herausforderung. In der Nacht vom 5. August 1928 kann Brown beruhigt schlafen gehen. Morgen würde ausser ihm niemand an der Major unterwegs sein!

Aufstieg mit mathematischer Genauigkeit Thomas Graham Brown ist viel zu sehr in das Problem seiner Wand vertieft, als dass er ihre Poesie hätte wahrnehmen können. Ununterbrochen ist er damit beschäftigt, die Neigung der Grate, die Tiefe und Steilheit der Couloirs und die Höhe der Séracs zu berechnen. Die mathematische Präzision, mit der er den Zufall zu eliminieren versucht ( was bleibt, ist die Unberechenbarkeit der Seracs !), tritt anstelle der Emotionen, die am Anfang seines Vorhabens gestanden haben.

Der berühmte Genfer Führer André Roch wiederholt 1937 in Begleitung von Robert Gréloz die Poire. Die Seilschaft entgeht nur ganz knapp einem fürchterlichen Eisabbruch. Zu ihrem Glück sind sie gerade tief in einem Kamin Der Aufstieg über die Major-Route gelingt am 6. und 7. August 1928, mit einem Biwak beim Sentinelle-Felsen. Brown ist in Begleitung von Smythe, der bei den grössten Schwierigkeiten vorausklettert. Eigentlich hätten sie nach ihrer Ankunft im Col Major um halb acht Uhr biwakieren wollen, aber wegen des ausserordentlich heftigen Windes müssen sie darauf verzichten. Statt dessen sind die beiden Alpinisten gezwungen, den Gipfel des Montblanc zu überschreiten und im Refuge Vallot zu übernachten. Browns grosses Projekt, die Überschreitung des Col Major, ist gescheitert. Der Engländer ist enttäuscht: « Nichts wäre schöner gewesen, als nach einem Biwak den Pass zu überschreiten. Dass ich diese Überschreitung nicht geschafft habe, war für mich eine riesige Enttäuschung. » In den folgenden Jahren stellen die Wetterkapriolen Brown auf eine harte Probe. Jedesmal, wenn er zur Brenva-Wand aufbricht, ist ihm der Himmel nicht wohlgesinnt. Mehrere Versuche in Richtung der Poire scheitern. Beim letzten Versuch jedoch, am 26. Juli 1933, löst eine für jene Zeit einmalige Leistung die Frage des Col Major.

« Ganz gut...

für einen Führerlosen !» Der erste Versuch einer Besteigung der Brenva auf der Poire-Route ( Version Brown ) endet nicht nur mit einem ausserordentlich gefahrvollen und komplizierten Umweg, sondern auch mit einem Abstieg über eine kaum bekannte Seite des Montblanc, der Besteigung der Aiguille de Bionnassay und einem Gewaltmarsch sondergleichen! Brown hat keine feste Meinung über die umstrittene Frage, ob es besser sei, mit oder ohne Arturo Ottoz im zweiten Pfeileraufschwung der Major-Route anlässlich der ersten Winterbegehung 1953 Der Rideau in der Poire-Route. Alexander Graven klettert voraus. Er steigt über eine Serie von vereisten Rampen, dank denen er das obere Ende des Aufschwungs erreichen kann. Hinten erkennt man den Gipfel der Aiguille de la Belle Etoile.

Führer zu klettern. Sein Zusammentreffen mit Alexander Graven und Alfred Aufdenblatten verändert aber seine Haltung in dieser Sache ein wenig.

Um ein Uhr früh des 26. Juli 1933 verlässt das Trio das Refuge Torino, um erstmals das Felsbollwerk der Poire zu erklettern. Die isolierte und abweisende Poire stellt fürs erste ein psychologisches Problem dar. Bislang hat sich noch niemand unterhalb der enormen Séracs am oberen Ende dieses geheimnisvollen Pfeilers aufgehalten. Zudem enthüllt ein kurzer Augenschein, dass die technischen Schwierigkeiten wahrscheinlich noch höher sind als bei der Major-Route. Aus Sicherheitsgründen müssen die Poire-Felsen unbedingt vor Sonnenaufgang erreicht werden, was bedeutet, dass man sich in diesem Gelände ( zu jener Zeit kommen ja noch Laternen zum Einsatz !) sehr gut auskennen muss. Wenn die Wand einmal in der Sonne liegt, ist jeder Rückzug unmöglich.

Statt der Poire die Major Graven, der die Seilschaft anführt, spürt vermutlich mehr als die anderen diese fast morbide Atmosphäre. Als er im letzten Couloir vor der Poire Stufen schlägt, sinkt seine Moral auf Null. Die Laterne wirft kaum einen Schatten auf das schwarze Eis, während das Weiss des immensen Eisabbruchs 600 Meter mit seinem ganzen Gewicht über ihm lastet.

Er dreht sich zu seinen Begleitern um und sagt: « Schluss mit der Poire. » Die drei haben alle das gleiche Gefühl: Heimtückisch lauert der Tod in den Couloirs, und alle würden am liebsten die Flucht antreten. « Was machen wir jetzt ?», fragt Graven. Mit seinem Pickel zeigt Brown auf die Major-Route ein paar hundert Meter weiter rechts. Dann geht alles sehr schnell. Sie überqueren einige Couloirs und erreichen, fast im Laufschritt, den Sentinelle-Felsen. Ohne eine Minute mit einer Pause zu verschwenden, gewinnen sie den Rand des grossen Zentralcouloirs und überqueren es. Erster Schneegrat, zweiter Schneegrat, Brown hört nicht auf. Graven Fragen über die Major-Route zu stellen, die ja eigentlich seine Entdeckung ist. Graven klettert unerschütterlich weiter, mit einer verblüffenden Schnelligkeit und Leichtigkeit. Dritter Schneegrat und schon der Gipfelaufschwung! Brown erinnert sich an die Schwierigkeiten, die er beim Erklettern dieses Aufschwungs hatte: Hänge aus unsicherem Eis, vereister kompakter Fels, schwieriges Hakensetzen, eiskalte Hände... Alles steigt wieder in ihm auf.

Als er Graven unter den Gipfel-seracs erreicht, kann er es nicht ver-kneifen, diesen zu fragen, was er von der eben absolvierten Route halte. « Ganz gut », antwortet dieser; und nach einem langen Moment des Klettern in der Poire-Route. Der Bergsteiger befindet sich unter dem enormen Seracriegel.

Schweigens - « für einen Führerlosen !» Diese Bemerkung lässt die Anwandlung von Stolz, die bei Brown aufkeimt, gleich wieder verschwinden. Über 10 Stunden nach dem Aufbruch stehen sie um 14 Uhr 45 im Col Major.

Ein Gewaltmarsch Die drei Alpinisten steigen auf der Westseite über die Marshall-Route ab. Der Schnee ist weich und gefährlich, aber sie gehen bis zu den ersten Séracs. Auf dieser Höhe wird der Hang steiler, und die Schneeverhältnisse hindern sie am Weitergehen. Enttäuscht klettern sie zurück auf den Montblanc-Gipfel, auf dem sie um 17 Uhr 30 ankommen. Brown kann sich nicht damit abfinden, dass er am gleichen Tag an der Poire und an der Überschreitung des Col Major gescheitert ist. Beim Abstieg von der Arête des Bosses schlägt er Graven vor, den Abstieg über den Kennedy-sporn ( heute Eperon de la Tournette ) zu versuchen und so das Refuge Sella zu erreichen, um sich auszuruhen. Der Führer ist einverstanden. Es ist 22 Uhr 30, als die Lampen ausgehen und sie im Schnee biwakieren müssen, 20 Minuten von der Hütte entfernt!

Am frühen Morgen verlässt die Seilschaft ohne Bedauern ein eiskaltes Biwak und quert bis ins Refuge Gonella. Nach einem kurzen Halt gehen sie weiter zum Biwak de Miage, wo sie sich eine Ruhepause bis Mitternacht gönnen. Im Schein der Laternen erklettern sie die Aiguille de Bionnassay und queren Richtung Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen a. < Montblanc. Um 8 Uhr morgens stehen sie wieder auf dem Gipfel. Die Tour führt weiter über den Mont Maudit, den Montblanc du Tacul, den Col du Midi, den Col du Géant, und nach einem endlosen Abstieg erreichen die drei endlich am frühen Abend Courmayeur.

Die ganze « Wanderung » hat insgesamt 39 Stunden gedauert, unterbrochen von knapp neun Stunden Ruhepausen!

Die Poire-Route Brown und seine Führer haben mehr geleistet als bloss eine Zweitbegehung der Major-Route. Die Route, so wie sie sie absolviert haben, stellt eine bemerkenswerte Leistung dar. Jetzt fehlt nur noch die Poire zur Vollendung der grossen Komposition an der Brenva.

Sechs Jahre nachdem er die Sentinelle Rouge geklettert hat, marschiert Brown erneut Richtung Petit Col Moore. Er hat das eigenartige Gefühl, dass seine ursprünglichen Beweggründe seit seiner ersten Reise ins Val Veni schwinden. Er ist sich bewusst, dass nach der Poire andere Routen und Varianten auftauchen würden, aber er ist gleichzeitig - zu Recht - überzeugt, dass diese niemals die Reinheit der drei grossen Original-routen haben werden. Das Trio der letzten Expedition hat sich wieder gefunden, um das letzte Kapitel dieser Geschichte zu schreiben.

Vom Traum zur Erinnerung Brown ist ganz auf der Höhe seiner Aufgabe. Körperlich und mental ist er in glänzender Verfassung. In den schwierigen Passagen ist er hoch-konzentriert und versucht gleichzeitig, die Emotionen, die ihn mit der Brenva verbinden, unter Kontrolle zu halten. Für ihn stellt dieser Aufstieg einen Übergang dar: was einmal ein Traum gewesen ist, wird bald Erinnerung sein. Die Hochachtung vor der technischen Leistung muss allerdings Graven gelten. Er ist ein humorvoller, mit überraschender Beweglichkeit gesegneter Führer, dessen Fähigkeit, sich jedem Gelände anzupassen, über den Erfolg des Unternehmens entscheidet.

Es ist 2 Uhr 30, als die drei Bergsteiger den Col Moore erreichen. Es ist zwar Vollmond, aber in den zahlreichen Couloirs, die den Zugang zur Poire versperren, herrscht schwarze Nacht. Eine Welt aus Granit, umge- ben von Eis, wo hinter jeder Ecke die Angst vor dem Unbekannten steckt, wo jede Querung eines Couloirs die Sorge aufkommen lässt, mit einer Stein- und Eislawine in die Tiefe gerissen zu werden. Das ist der Weg, der zur Bastion der Poire führt, zu einer Gegend, in der der Tod umgeht.

Graven ist in Form und schlägt nur ein Minimum an Stufen, obschon es mehr Eis hat als bei ihrem letzten Versuch. Sie befinden sich wieder im Zentralcouloir, dort, wo die Seilschaft das letzte Mal gescheitert ist. Graven beschleunigt den Schritt, obwohl die Stufen hoch sind. Brown hat Mühe, ihm zu folgen. Der Engländer ist besessen vom Zeitplan und vermerkt akribisch die Zeit, die sie für jede Schwierigkeit brauchen, und die Minuten, die sie noch von ihrem Ziel trennen. Sie sind 150 Meter unterhalb des Fusses der Poire, als die Sonne aufgeht. Bald gehen sie die ersten Felsen an.

Viele Beobachtungen am Fernrohr vom Refuge Torino aus haben Brown und Graven zur Überzeugung gebracht, die linke Seite der Poire, die sie als allzu gefährlich beurteilen, so weit als möglich zu meiden. Sie erklettern eine Folge von kompakten Platten, die oft von eisüberzogenen Kaminen durchschnitten sind. Graven beweist einen feinen Spürsinn für die Route und ermutigt die Kameraden, gleichzeitig mit ihm zu klettern. Die Seilschaft bleibt praktisch ständig auf dem Pfeilerrücken. Dann stösst Graven auf eine sehr schwierige Zone. Er probiert es links, dann rechts und beginnt die Geduld zu verlieren. Schliesslich stösst er beim Hinauf-und Hinunterklettern auf ein System von Bändern, die zum Teil heikel, oft vereist und immer wieder von schwer zu umgehenden Felskanten unterbrochen sind. Diese Folge von Stellen, genannt Le Rideau ( Vorhang ), ist die Schlüsselstelle der Poire. Le Rideau erlaubt, den linken Rand des Pfeilers zu verlassen und die kompakte Gipfelzone zu meiden.

Schwierig zu findender Durchgang Dieser Durchstieg ist sehr schwer zu finden. Um 8 Uhr 30 erreicht Graven den höchsten Punkt der Poire. Die drei Männer haben nur zwei Stunden gebraucht, um das Ende des gefährlichen Aufschwungs zu erreichen. Brown freut sich unbändig: « Dieser Moment der Erlösung ist kaum irgendwo in den Alpen schöner 42 zu erleben. Unten die Dunkelheit, der Zustieg aus dem Nichts, der grossartige Aufschwung, wo sich die Schwierigkeiten auf 300 Metern Unsicherheit ballen - ein Faden, der jederzeit reissen kann. Oben trifft alles zusammen: die Faszination, die Vielfalt, die einzigartige Schönheit und die unendliche Freiheit. » Thomas Graham Brown, Alexander Graven und Alfred Aufdenblatten erreichen um 13 Uhr 20 den Gipfel des Montblanc de Courmayeur. Sie haben vom Refuge Torino mehr als 10 Stunden reine Marschzeit gebraucht. Im Vorbeigehen haben sie die Aiguille de la Belle Etoile, auf deren Gipfel Brown einen Steinmann errichtet, bestiegen.

Ein Rückweg unter militärischem « Schutz » Das von Brown und Graven ausgearbeitete Projekt ist aber mit dem Montblanc de Courmayeur noch nicht vollendet. Sie haben im Sinn, über die Arête de Peuterey ins Val Veni abzusteigen. Aber das warme und schöne Wetter der letzten Zeit hat die Gipfelhänge des Grates in Eis verwandelt. Graven muss auf mehr als der Hälfte des Abstiegs Richtung Grand-Pilier d' Angle Stufen schlagen.

Doch dann, nach einem langen Moment des Nachdenkens, geben die drei Männer, entmutigt vom langsamen Vorankommen, ihr Vorhaben auf. Sie steigen zurück auf den Montblanc und über die Route des Aiguilles Grises ab. Um Mitternacht sind sie im Val Veni und werden sogleich von Soldaten in Gewahrsam genommen. Sie müssen mehrere regelrechte Ver-höre über sich ergehen lassen. Die Soldaten wollen Browns Erzählung nicht glauben und fragen sich, was hinter dieser Geschichte mit der Poire wohl stecken möge!

Als sie nach Courmayeur absteigen, ist es 2 Uhr morgens. Die Schatten der drei Männer, immer noch begleitet von den dienstfertigen Soldaten, spielen im Mondlicht, das durch die Bäume bricht. Hoch oben ist die Poire immer noch sichtbar. Die Sentinelle Rouge, die Major-Route, die Poire-Route - die wunderbare Trilogie eines Mannes, der davon geträumt und sie realisiert hat! Die pechschwarzen Nächte, die Séracs, die vereisten Platten. Für Brown ist der Kampf zu Ende und damit ein Traum erfüllt. Nicht aber für die Welt: Es ist der 6. August 1933-der Alptraum des Zweiten Weltkriegs steht erst noch bevor.

Thomas Graham Brown Thomas Graham Brown, am 27. März 1882 in Edinburgh geboren, wurde als Professor für Physiologie an der Universität von Wales 1927 von der Royal Society ausgezeichnet. Sein Drang zum Klettern äusserte sich bereits früh, aber Alpinist wurde er erst spät: Bei seiner ersten Kletterpartie in den Alpen - Monte Rosa -war er 42 Jahre alt. Dem Alpine Club trat er 1926 bei. Er war fast ausschliesslich in den Walliser Alpen und rund um Chamonix unterwegs. Es ist unmöglich, sein Palmarès umfassend aufzuführen; er war ganz einfach einer der aktivsten Engländer seiner Generation. Er nahm unter anderem an Expeditionen nach Alaska ( Mount Foraker ) und in den Karakorum ( Masherbrum ) teil. Seine geradezu akribische Genauigkeit machte ihn als Informationsquelle sehr gefragt. Er war ein unermüdlicher Fotograf, der von jeder Besteigung Dutzende von Bildern zurückbrachte; er kaufte sich die damals neue Leica. Seine Liebenswürdigkeit und Grosszügigkeit sorgten dafür, dass er mit den jungen Bergsteigern der sechziger Jahre in Kontakt blieb. Er war ein gefragter 43 Sentinelle Rouge, Major- und Poire-Route! Diese grossartige Trilogie ist nicht nur in den Träumen eines Mannes aufgetaucht, sondern auch von ihm realisiert worden. Sonnenuntergang auf der Südostseite des Montblanc, ca. in der Mitte des linken teils der Brenva-Wand ist die Poire sichtbar.

Ratgeber, voll ausserordentlicher Erfahrungen und vor allem bestrebt, die Summe seines Wissens über die Alpen weiterzugeben. Seine Vorliebe galt dem Fels, und er hasste es, das Seil zu Hilfe nehmen zu müssen. Mit 70 bestieg er noch das Matterhorn. Er ging mit oder ohne Führer in die Berge, gab aber gerne zu, dass er von seinen Führern Alexander Graven und Joseph Knubel viel lernte. Der grosse englische Alpinist starb am 28. Oktober 1965.

Dominique Roulin, Veyrier Bibliographie Brown, Thomas Graham: Brenva, Paris 1955 Dévies, L. & Henry, P.: Guide Vallot, /(Mont Blanc-Trélatête ), 4. Auflage, Paris 1978 Roch, A.: Exploits au Mont-Blanc, Viganello-Lugano 1987 Les Alpinistes Célèbres, Paris, Mazenod, 1956 Alpinisme, Revue Trimestrielle du G.H.M., Nr. 50, 1938; Bd. XI, 1952-53 ( N.. " " .B. Diese Bücher sind alle vergriffen und nur schwer erhältlich )

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Neue Kursdaten

Änderungen gegenüber dem Jahresprogramm 2000:

Kurs Nr. 0904 Ausbildungskurs zum regionalen und nationalen Schiedsrichter für Sportkletterwettkämpfe, Bern Neues Datum: 29./30. Januar 2000 Kurs Nr. 0905 Wiederholungskurs für nationale und regionale Schiedsrichter, Bern Neues Datum: 3O. Januar 2000 Lager Nr. 0712 Kinderbergsteiger-Lager auf der Furka/Galenhütte Neues Datum: 23.29. Juli 2000 Kurs Nr. 00928 J+S-Fortbildungskurs Bergsteigen/ Klettertraining in Bern/Niederwangen Neues Datum: 27728. Okt. 2000 44

Pläne für 2000?

Im Jahresprogramm 2000 werden bereits für den Januar interessante Ausbildungskurse angeboten! Die im Dezember ablaufenden Anmeldefristen sind ausnahmsweise bis Ende Monat verlängert worden.

Winterausbildung - Einführungs- und Grundausbil-dungskurse Skitouren -Grundausbildungs- und Fortbildungskurse Lawinen für Snowboard, Tourenski oder Schneeschuhe -Grundausbildungs- und Fortbildungskurse Eisklettern -Ausbildung Wintertourenleiter Schneeschuhe - Fortbildungskurs für Wintertou-renleiter/innen - Fortbildungskurs für Kinderberg-steigerleiter/innen Sportklettern - Fortbildungskurs für Tourenlei-ter/innen - Ausbildungskurse für Routenset-zer/innen und Schiedsrichter/innen Touren und Alpinaktivitäten -Tiefschnee- und Tourenwoche im Val d' Anniviers ( 9.14.1.2000 ) -Semaine de courses à ski pour seniores, Simplon ( 17.21.1.2000 )

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Winterwandern im Goms, dem Land an der jungen Rhone

Auf der beschaulichen Winterwanderung durchs Goms kann man nicht nur eine wunderbare Winterlandschaft entdecken, sondern auch die wechselvolle Geschichte des Landes an der jungen Rhone. 12 Dörfer mit je einer Haltestelle der Furka-Oberalp-Bahn liegen am Winterwanderweg. Entsprechend gross sind die Ein-und Ausstiegsmöglichkeiten.

Der gut markierte und gepfadete Winterwanderweg ist von jedem Dorf aus leicht erreichbar.

Wechselvolle Geschichte und den Albrunpass und liessen sich im Pomatt ( Formazza ) nieder.

999 wurde der Bischof von Sitten Graf und Präfekt des Wallis und damit auch des Goms; aber auch der Graf von Savoyen und andere Adelige beanspruchten gewisse Rechte. Die freiheitsliebenden Gommer versuchten schon bald, dieses Joch abzuschütteln. 1362 verbündeten sie sich mit den Urkantonen und erzwangen von Bischof Tavelli, den sie während Winterzauber am Rotten. Bei minus 25 °C verwandelt sich jede Pflanze in eine Eisskulptur.

Lange Schatten, kurze und kalte Tage am Rotten und als Belohnung eine glitzernde Winterlandschaft Goms, ein Trogtal, mit seinen Dörfern vom Hungerberg aus; unten Oberwald, rechts vom Rotten führt der Winterwanderweg talauswärts nach Niederwald. Links am Rand das Weisshorn ( 4505 m ), rechts das Galmihorn ( 3517 m ) elf Wochen gefangengehalten hatten, das Recht, den Meier1 selber zu wählen.

Franzosen beenden Blütezeit Die politische Macht des Goms wurde in der Folge so gross, dass das Land an der jungen Rhone zwischen 1388 und 1799 nicht weniger als zwölf Bischöfe und 17 Landeshauptmänner für das Wallis stellte. Die katholische Erneuerung im Wallis ging im 16. Jh. denn auch vom Goms aus. Als Folge davon entstanden über 70 barocke Kirchen und Kapellen, zum grossen Teil von einheimischen Künstlern aus- 45 1 Im Mittelalter ist der Meier der Beauftragte ( Amtsträger/Verwalter ) des Grundherrn ( aus Schweizer L exikon ).

Unterwegs zwischen Oberwald und Obergesteln. Links der Gommer Hausberg, der 3583 m hohe Galenstock e « Q.

46 gestattet. Den allgemeinen Wohlstand verdankte man dem Handel über die Pässe, den Pensionen fremder Fürsten und auch der Ausbeutung der Untertanen im Unterwallis. Dieses goldene Zeitalter nahm mit dem Einfall der Franzosen 1798 ein jähes Ende. Das Land wurde ausgeraubt, Elend und Hunger zwangen viele zur Auswanderung nach Amerika. Dank des Tourismus erwachte das Goms in den letzten Jahrzehnten aus dem Dornröschenschlaf und erfreut sich heute eines wachsenden Wohlstandes.

Werkstoff Holz Der Einstieg in den Winterwanderweg in Oberwald ( 1368 m ) befindet sich rechts vom Rotten, wie die Rhone im Oberwallis genannt wird. Parallel zur Furka-Oberalp-Bahnlinie ( FO ) führt der gepfadete und markierte Weg schnurgerade und ohne Höhendifferenz nach Obergesteln mit seinen Steinhäusern. Zweimal war das Dorf ein Raub der Flammen geworden, und man entschlosssich, die Häuser aus Stein statt aus Holz aufzubauen. Hier führt der Weg nahe zum Rotten, wo das Wasser nur noch spärlich zwischen Eisschollen fliesst. Die Erlenäste haben bizarre Formen angenommen. Gegenüber herrscht emsiges Treiben: buntfarbene Langläufer skaten talauf- und talabwärts. Hinter uns fährt der rote Glacier-Express durch die glitzernde Winterlandschaft.

Weiter wandern wir durch den breiten Talboden « Matte » bei Ulrichen vorbei und erreichen über die Ebene von « Lische » die FO-Haltestelle südlich des kleinen Dorfs Geschinen. Leicht aufwärts durchs « Unnerfäld » führt der Weg nach Münster ( 1388 m ), dem Hauptort des oberen Goms, mit seinen dicht gedrängten Häusergruppen. Hier befindet sich im Chor der Liebfrauenkirche einer der schönsten gotischen Altäre in der Schweiz.

Beim Dorfausgang überqueren wir die Strasse und wandern rechts davon nach Reckingen ( 1326 m ) hinauf.

Samtbraun gebrannte Lärchenholz-Nutzbauten, Stadel und Speicher, empfangen uns beim Dorfeingang « auf der Stiege ». Gewaltige Schneemassen lasten auf den Dächern und lassen die Holzhäuser noch dunkler erscheinen. Kunstsinnige Wanderer werden sich den Besuch der barocken Dorfkirche nicht entgehen lassen. Ebensowenig den kleinen Abstecher nach « Überrotten », das heisst, über die gedeckte Holzbrücke des Rottens in die Holzbildhauerei Jerjen. Die Holzbildhauerei und -Schnitzerei hat in Reckingen Tradition. Bereits aus dem 18. Jahrhundert sind einige namhafte Holzbildhauer bekannt wie Peter und Anton Lagger und Peter Carlen. Aus Holz schufen sie die barocken Heiligenstatuen und Altäre, die Kruzifixe, die alten Walliser Möbel sowie Köpfe und Masken. Holzbildhauer Jerjen ist bereits in der dritten Generation tätig.

Bei eisigen Temperaturen fliesst das Rottenwasser nur spärlich.

Holzbildhauer Gregor Jerjen aus Reckingen schnitzt an einer Statue. Bereits sein Vater und sein Grossvater betrieben dieses Kunsthandwerk.

Cäsar Ritz - eine Tellerwäscher-karriere vom Feinsten Zurück zum Bahnhof und über den Bächibach erreichen wir Gluringen. Beim Weiterwandern nach Ritzingen fällt die alleinstehende Marien-Wall-fahrtskapelle auf dem « Ritzinger-feld » auf, die im Volksmund auch als « Herz der Welt » bezeichnet wird. Die Pyramide des majestätischen Weisshorns im Westen und der Galenstock mit seinem gleissenden Firn im Osten bilden die Talabschlüsse.

Unterhalb von Biel quert der Weg das FO-Bahngeleise und führt rechts des Rottens über die « Matte » unter- halb Selkingen, dann dem alten FO-Bahntrassee entlang und hinauf nach Blitzingen. Auf dem gut präparierten Winterwanderweg geht 's nach Niederwald ( 1251 m ). Hier erinnert ein neuer Steinbrunnen an Cäsar Ritz ( 1850-1918 ) und seine « Tellerwäscher-karriere »: In zäher Arbeit kletterte er von der untersten Stufe im Gastgewerbe hinauf zum Gründer und Besitzer der stolzen Ritz-Hotels in aller Welt und zum Titelträger « Hotelier der Könige und König der Hoteliers ». Auf der Vorderseite des Brunnens Zwischen Stadeln und Speichern führt der Weg « auf der Stiege » durch das malerische Dorf Reckingen.

steht die Inschrift, die auch zu unserer Wanderung passt: « Schritte in die Welt hinaus mit Flügeln im Geist und bleibender Sehnsucht im Herzen. » Den Abschluss der Winterwanderung bildet Niederwald, eine der unberührtesten und charaktervollsten Siedlungen im Goms. In übereinander aufgereihten Zeilen an einem Steilhang aufsteigend, ergibt sich bei der engen Bauweise des Haufendorfes eine sehr wirkungsvolle Staffelung der Gibel.

Tourentip 48 Allgemeine Angaben Route Oberwald-Obergesteln-Ulrichen-Geschinen-Münster-Reckingen-Gluringen-Ritzingen-Biel-Selkingen-Blitzingen-Niederwald Länge 21 km, ca. 5 Stunden; in jedem Dorf bzw. bei jeder Haltestelle der FO-Bahn kann zu- bzw. ausgestiegen werden. Lage Das Goms umfasst den obersten Talteil der Rhone und die nordöstlichste Region des Kantons Wallis. Es liegt auf etwa 1300 m in einem sonnigen und schneesicheren, sanft ansteigenden Trogtal. Karten LK 1:25 000, 1250 Ulrichen und 1270 Binntal Markierung Die Winterwanderwege sind speziell mit violetten Wegweisern bezeichnet sowie mit Holzstangen auf langen Wegabschnitten markiert. Zufahrt mit Bahn: Furka-Oberalp-Bahn von Brig oder Göschenen ( durch den Furkatunnel ) mit Auto: von Brig oder von Göschenen ( Anschluss A2 ) über Ander-matt-Realp, Autoverlad am Furka-tunnel Verpflegung verschiedene Gasthäuser in sämtlichen Dörfern ( ausser Selkingen ) Brunnen zu Ehren von Cäsar Ritz in Niederwald. Der legendäre Hotelier ( Hotel Ritz ) wurde hier geboren.

Die Inschrift am Cäsar-Ritz-Brunnen gilt wohl auch für uns Winterwandernde.

Informationen Verkehrsbüro, 3999 Oberwald, Tel. 027/973 22 03, Fax 027/973 28 26 Tourismus Goms, 3985 Münster, Tel. 027/973 22 54, Fax 027/973 24 97 Weitere Wintersportmöglichkeiten Langlauf, beleuchtete Nachtloipe, Skiwandern, Winterwanderwege, Schneeschuhlaufen, Sesselbahn und 2 Skilifte auf Hungerberg in Oberwald, Skilifte in Obergesteln, Ulrichen, Geschinen, Münster und Gluringen, Kinderskilift in Reckingen; Schlittel-pisten, Natureisbahn Ludwig Weh, Visp Zu dritt unterwegs im Gegenlicht. Ein leichter Aufstieg führt von Münster auf die Anhöhe von Reckingen.

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und das Buch - enthalten jene Aspekte, nach denen heute viele Menschen suchen: vielschichtig, spannend, profiliert, ja extrem, widersprüchlich und exotisch.

Peter Donatsch, Bad Ragaz Oelz Oswald: Mit Eispickel und Stethoskop Reihe Bergabenteuer. AS Verlag, Zürich 1999. Fr. 49.80 Im zweiten Band der AS-Buchreihe « Bergabenteuer » erzählt der international bekannte Extrembergsteiger und Höhenmediziner Oswald Oelz von seinen spektakulären Touren in Europa, Asien und Afrika und gibt Einblick in seine umstrittenen höhenmedizinischen Forschungen.

Die alpinistische Karriere von Oswald Oelz verlief steil und gradlinig. Sie führte ihn auf alle grossen Routen der Alpen - Eigernordwand, Matterhorn-Nordwand, Walkerpfei-ler- und in den Himalaya, wo der Mount Everest nur einer der verschiedenen Gipfel ist, die er erreichte. Als dritter Bergsteiger überhaupt führt er die « Seven Summits » - die höchsten Gipfel der sieben Kontinente -in seinem bergsteigerischen Palmarès.

Dabei beschränkt sich das Leben des gebürtigen Vorarlbergers mit Schweizer Pass keineswegs auf den Extremalpinismus. Oswald Oelz studierte Medizin in Innsbruck und gelangte über mehrere Stationen nach Zürich, wo er heute als Chefarzt der Medizinischen Klinik im Stadtspital Triemli wirkt. Persönliche Erlebnisse führten ihn zu seinem Forschungsgebiet, der Höhenmedizin. Aus einem Forschungsprogramm in der Capanna Regina Margherita im Monte-Rosa-Massiv, mit 4559 m ü. M. die höchstgelegene Schutzhütte der Alpen, resultierte der « Margherita-Cocktail », eine medizinische Notfallbehandlung der schweren akuten Gebirgskrank-heit und des Höhen-Lungenödems.

Oswald Oelz ist ein Mensch, bei dem man sich immer wieder fragt: « Wie macht er das alles ?» Und vor allem: « Wann macht er das alles ?» Er ist ein Mensch, der die Menschen fasziniert. Das beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass das vorliegende Buch, obwohl erst wenige Monate auf dem Markt, bereits in dritter Auflage vorliegt. Beide - die Person Oswald Oelz Anker Daniel, ( Hrsg. ):

Piz Bernina - König der Ostalpen Bergmonografie. AS-Verlag, Zürich 1999. Fr. 54- Beim Erscheinen des ersten Bandes ( « Jungfrau » ) der Reihe « Bergmono-grafie » des AS-Verlags äusserte ich als Rezensent an dieser Stelle, dass ich das Ziel einer solchen Buchreihe für spannend und ehrgeizig halte. Ich gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Verlag mit Durchhaltewillen und notabene finanziellen Möglichkeiten mit dem ersten Band auch tatsächlich eine Buchreihe begründen möge. Fast vier Jahre später erscheint als fünfter Band Piz Bernina, als sechster ist Tödi für Frühjahr 2000 geplant -der Schritt zur Reihe ist getan. Diese gute Nachricht für die Freunde des alpinen Buchschaffens, die sich an herausragenden Werken freuen, wiegt um so mehr, als die vom Deutschen Alpenverein mit verschiedenen Verlagen realisierte Reihe Alpine Klassiker mittlerweile nicht mehr existiert.

Der Piz Bernina, der einzige Viertausender der Ostalpen, beherrscht nicht nur die ihn umgebenden Gipfel und Gletscher, sondern auch Denken und Tun vieler Alpinisten. Daniel Anker hat als Herausgeber ein buntes Kaleidoskop von Beiträgen zum östlichsten Viertausender der Alpen zusammengetragen: vom Text zur Erstbegehung durch den deutschen Paul Güßfeldt ( 12. August 1878 ) über den Bericht des Bündner Erstbesteigers Johann Wilhelm Fortunat Coaz ( 13. September 1850 ) bis zur ersten Umrundung des Bernina-Stocks mit Skis durch den grossen Führerautor und Himalaya-Chronisten Marcel Kurz ( 29. Dezember 1910 ). Weiter vertreten sind Lady Jane Freshfield, die Pionierin des Bernina-Trekkings, der als Nazispion von der Schweiz verurteilte und mit einem Landesver-bot belegte Walther Flaig - er prägte mit seinen Bernina-Büchern das deutschsprachige Bernina-Bild und den Begriff « Festsaal der Alpen » -, Wilhelm Georgy, dessen berühmte-stes Bernina-Gemälde im Treppenhaus des Hotels « Saratz » zu Pontresi- na hängt, Toni Mair, der die Bernina-Gruppe nachgebaut und von ihrem höchsten Berg ein handtellergrosses Relief erstellt hat - und der Skandal, den die Hollywood-Verfilmung von J. C. Heers Jahrhundertbestseller « Der König der Bernina » in Zürich auslöste. Nicht zu vergessen die Nähmaschine, der der Thurgauer Fabrikant Fritz Gegauf im Sommer 1931 in den Ferien in Pontresina den Namen « Bernina » verpasste und die den Berg millionenfach in die weite Welt hinausgetragen hat, neben den Bezeichnungen für Hotel, Stadtplatz, Skibindung, Lawinenschaufel, Schuh-modell, Likör und Helikopterfirma. Die neue Bergmonografie aus dem AS Verlag beleuchtet den Berg wirklich von allen Seiten.

Peter Donatsch, Bad RagazSI o M 49 Messner Reinhold: Mallorys zweiter Tod Das Everest-Rätsel und die Antwort. BLV Verlagsgesellschaft, München 1999, ISBN 3-405-15840-0. DM 29,. " " .80 Im Mai 1999 machte der amerikanische Extrembergsteiger Conrad Anker im Rahmen einer kommerziellen Suchexpedition einen sensationellen Fund: Er entdeckte den konservierten « Marmor-Leichnam » des Briten George L Mallory, der seit dem 8. Juni 1924 beim Versuch der Erstbesteigung des Mount Everest - zusammen mit Andrew Irvine - am Nordostgrat als verschollen galt. Dadurch rückte diese frühe Everest-Tragödie weltweit ins Zentrum der Berichterstattung, und gleichzeitig stellte sich erneut die Frage, ob die beiden 29 Jahre vor Edmund Hillary und Tenzing Norgay den Gipfel erreicht hatten oder nicht. Dies war wohl das grösste Rätsel in der Geschichte des Bergsteigens und machte Mallory, den Kopf der Seilschaft und einst grösster Hoffnungsträger Grossbritanniens im « Kampf um die Eroberung » des höchsten Punkts der Welt, zum Mythos.

Reinhold Messner begründet nun in seinem neuen Buch Mallorys zweiter Tod anhand der neuen Fakten gut nachvollziehbar und plausibel, dass Mallory und Irvine damals den Gipfel nicht erreicht haben konnten. Reinhold Messner wäre aber nicht Reinhold Messner, wenn er sich nicht auf seine eigene Art und Weise mit dem Mythos Mallory auseinandersetzen Bücher / Medien würde: mit einem zunächst sehr irri-o, tierenden Ansatz und mit der ihm ei-S genen Sprachgewalt. « Faction » wird 2 die umstrittene literarische Form ge-jj nannt, die er dazu nutzt. Dabei wer-- den Fakten und Fiktion so miteinan-j, der vermischt, dass nicht genau er-° sichtlich wird, was nun eigentlichDichtung und was Wahrheit ist. Ob 50 man nun « Faction » als literarisches oder dramaturgisches Mittel der Verdichtung bei einem solchen Buch akzeptiert oder nicht, heftig kritisiert werden muss auf jeden Fall, dass im Buch jeglicher Hinweis darauf fehlt, dass einige Texte, die als Mallory-Zitat markiert und herausgestellt wurden, nicht das sind, was man unter einem Zitat versteht.

Das Buch berichtet, was sich während der drei Expeditionen von Mallory am Everest zugetragen hat, und setzt dies fort bis in die Gegenwart; mal angelehnt an Mallorys Tagebücher und Briefe, mal angelehnt an Zeugnisse anderer Expeditionsteilnehmer, mal aus Messners Perspektive und mit der ihm eigenen wort- und bildgewaltigen Sprache. So lässt er neben einer chronologischen Schilderung der Ereignisse Mallory in der fingierten Ich-Form erzählen und das Expeditionsgeschehen am Everest bis in die Gegenwart kommentieren. Dabei bemüht sich Messner nicht, bei seinem fingierten Mallory den Anschein von Authentizität zu erwecken, indem er beispielsweise versuchen würde, die eher sachlich-nüchterne Ausdrucksweise Mallorys nachzuahmen oder den fiktiven Mallory in seinem Denken so darzustellen, wie es dessen - von viktorianischem Gedankengut geprägten - Geist entsprechen könnte. Nein, dieser fingierte Mallory ist deutlich erkennbar als die Messnersche Interpretation der historischen Person. Messner empfindet nach, was Mallory damals gedacht und gefühlt haben könnte, weil er in ihm einen seelenverwandten « Seilgefährten » und Bruder im Geiste sieht, einen Besessenen, wie er es selbst ist - nur dass sich jener zuletzt in seinem Ziel verlor, während Messner seine Ziele erreichte und jedesmal zurückkehrte.

In teils brillant geschriebenen Passagen und starken Bildern, mitunter aber auch in allzu pathetisch geratenen Sätzen, gelingt es Messner, dem Leser diesen frühen Pionier näherzubringen und das Leben und Sterben in den sauerstoffarmen Höhen des Everest so überzeugend zu vermitteln, wie es eben nur jemand vermag, der selbst mehrmals « Grenzgänger » in der « Todeszone » war, eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und die Fähigkeit hat, seine Eindrücke formulieren zu können. Messner entlarvt und zerstört also mit Fakten den Mythos des kühnen, opferbereiten und aus chauvinistischem Patriotismus zum Gipfelsieger gekürten Helden, der dann beim Abstieg den Heldentod starb, schreibt aber den Mallory-Mythosvom besessenen Bergsteiger, ruhelosen Geist am Berg und « Phan-tomgefährten » halluzinierender Höhenbergsteiger fort, indem er Mallory literarisch weiterleben lässt: für immer verbunden mit seinem Berg - wie jener zu einer Marmor-statue erstarrte Leichnam, dessen Bild um die Welt ging. Gaby Funk, Kempten ( D ) Roth Hans:

Der Sternenhimmel 2000 Birkhäuser Verlag, Basel 1999. Fr. 34- Karl Oechslin, Altdorf Hertig, Paul: Wie die Berge zu ihren Namen kamen Gemeinde Guttannen 1999. Fr. 17. « In der Schweiz war es immer verpönt, Personen in Gipfelnamen zu verewigen », schreibt der Autor als Quintessenz seiner einleitenden allgemeinen geographischen Ausführungen. Wie kommt es also, dass im Gebiet der Aaregletscher gleich acht Gipfel, ein Gletscher und ein Pass Personennamen tragen?

Wer sich für diese Gegend interessiert, der muss früher oder später auf den Namen Paul Hertig stossen. Mit Akribie hat er sich umfangreiche Kenntnisse über die Gletscher an der Grimsel erworben und sich mit den Männern, die auf dem Unteraargletscher vor 150 Jahren mit der Erforschung der Eisströme begannen, sehr eingehend befasst. Seine umfangreichen historischen Kenntnisse hater in zahlreichen Artikeln einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Kaum jemand ist deshalb besser disponiert, auf obige Frage Antwort zu geben.

Zunächst werden interessante und skurrile Fakten über diese speziellen Namensgebungen abgehandelt, dann beschreibt Paul Hertig in verschiedenen, ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen Aufsätzen jene Männer, die « hinter » diesen Namen stehen: Scheuchzer, Altmann, Grüner, Hugi, Studer, Escher, Agassiz, Desor, Fellenberg.

Das quadratische, 47 Seiten umfassende Büchlein ist sehr geschmackvoll gestaltet und mit vielen Illustrationen angereichert. So ganz nebenbei bemerkt der aufmerksame Leser, dass der Autor auch ein begnadeter Panoramenzeichner ist.

Fazit: ein wertvoller kultureller Beitrag zur Geschichte der Alpen, amüsant und gestalterisch hervorragend präsentiert.

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee Schwedler, Wilfried: Schreibtisch mit Gipfelblick. Wie Schriftsteller das Gebirge erleben Panico Alpinverlag, Köngen ( D ) 1997. Fr. 39.80 Das passende Buch, wenn der Schneesturm um die Hütte tobt. Dann gehen wir mit Ernest Hemingway auf Skitour im Montafon, lassen Max Frisch über das losbrechende Schneebrett bei Davos erzählen, ziehen mit Hermann Hesse einsame Spuren in den Berner Oberländer Schnee. 18 Autoren von Goethe bis Marien Haushofer hat Wilfried Schwedler auf ihren erlebten und beschriebenen Ausflügen ins Gebirge begleitet. Zitat und Kommentar wechseln sich in der Seilführung gekonnt ab. Nur mit Jack Kerouac passiert dem Fähr-tenleser ein Fehltritt: Jener stand in der kalifornischen Sierra Nevada tatsächlich auf dem Matterhorn Peak.

Daniel Anker, Bern Guida dei monti d' Italia Mesolcina Spluga Autori: A. Gogna e A. Recalcati Edizioni del CAI e del TCI, 1999. ISBN 88-365-1473-1 Quest' importante collana si arricchisce di un nuovo volume in cui si esplora un settore della catena alpina a confine con la Svizzera: dal Passo San Jorio verso N fino al Passo dello Spluga e quindi verso S sopra Chiavenna fino al Passo del Maloja. Guida « sorella » delle Alpi mesolcinesi 4 di Giuseppe Brenna, non solo perché gli autori si muovono in parte sullo stesso territorio, ma per la « filosofia » comune che sorregge il loro lavoro, la stessa maniera di « sentire » la montagna. C' è la preoccupazione, oltre quella di descrivere gli itinerari, di avvicinare il viandante alla « bellezza e al fascino spesso nascosto » dei luoghi. C' è l' at per quel che rimane dell' ar rurale, l' accenno alla vita dei contrabbandieri, il rinvio a opere di scrittori, storici e naturalisti che hanno solcato la contrada. Dunque anche opera di cultura, quando con ciò s' intende l' insieme delle manifestazioni della vita materiale, sociale e spirituale di una popolazione, la loro osservazione, l' attenzione per le tracce lasciate che è uno sguardo nel passato per capire il presente, anche se il presente si tinge talvolta di malinconia negli ampi spazi abbandonati dall' uomo. Rimangono i grandi silenzi che qualcuno definisce « oasi dello spirito » e c' è persino una via detta « Oceano di silenzi ».

Bella guida con contributi sulla geologia, la fauna e la vegetazione e una ricca bibliografia alpinistica. Da tenere nel sacco quando, salito l' erto versante della Mesolcina, si entra nelle ampie verdi conche della Valle Spluga nelle quali corrono i cavalli con negli occhi il colore del cielo e della libertà.

Augusto Colombo, Bellinzona

erschiedenes

iversi

ivers

Von Gamsen

und Schneewechten

Neue Rechtschreibung in ALPEN Ab 2000 richtet sich die Rechtschreibung der ALPEN-Beiträge nach den neuen Regeln. Von den Tageszeitungen her sind wir uns als Leserinnen und Leser bereits an gewisse Veränderungen der Wortbilder gewöhnt -seien es der « Tipp », der beim Bergsteigen « behände » umgesetzt wird, oder die berühmte « Gämse », die am « rauen » « Stängel » knabbert. Diese immer wieder angeführten Beispiele, die so viel zu reden gegeben haben, basieren auf Grundprinzipien - wie « schreibe wie du sprichst » oder « schreibe Gleiches möglichst gleich » -, die von Regeln in ein System gebracht werden. Neu ist dabei, dass ein gewisser Spielraum in der Interpretation dieser Regeln besteht, den die ALPEN nutzen werden. Die Übergangsphase wird übrigens einige Zeit beanspruchen, da aus Kostengrün-den bereits im Satz stehende Texte nicht auf die neue Rechtschreibung umgeformt werden, ms

Moutier:

geheizte Kletterwand

Seit Ende Oktober 1999 ist die Kletterwand im ehemaligen Schiessstand von Moutier ( Eigentum der Gruppe Moutier der SAC-Sektion Prévôtoise ) mit einer Heizung ausgerüstet. Damit ist es möglich, bei jedem Wetter an der Kletterwand zu klettern, und zwar bei einer Raumtemperatur, die nicht unter 15 °C fallen soll.

Die Heizung wird mit Jetons in Betrieb gesetzt ( 1 Jeton = 1 Stunde Heizbetrieb ). Diese Jetons können zum Stückpreis von 10 Franken in Moutier im Sportgeschäft Le Choucas ( rue du Moulin ) oder bei Georges Sautebin ( rue du Nord 33, etwa 100 Meter vom Schiessstand entfernt ) erstanden werden. Der Eintrittspreis für die Kletterwand bleibt unverändert bei 5 Franken pro Person und Tag.

Gem. Mtlg. ( ü ) 51 Die neue Kletterhalle der SAT, Sektion Ritòm, in Ambri fügt sich harmonisch in den Baumbestand des Parco degli Audan ein.

Neue Kletterhalle im Tessin

Am 1. Dezember 1999 wurde die Eröffnung der neuen Kletterhalle der SAT ( Società Alpinistica Ticinese ), Sektion Ritòm, in Ambri gleichzeitig mit dem 75jährigen Bestehen der Sektion gefeiert.

Der vom Architekten Giorgio Guscetti aus Ambri entworfene Bau, der sich harmonisch in den Parco degli Audan einfügt, zeichnet sich durch faszinierende, moderne Linien aus. Die im Winter geheizte Halle ist 20 Meter hoch. Sie umfasst insbesondere einen Versammlungsraum und eine Boulderwand von 110 m2. Die eigentliche Kletterhalle befindet sich im zweiten Stock. Sie ist 14 Meter hoch und bietet 450 m2 Kletterfläche mit Routen in den Schwierigkeitsgraden 5 bis 8+.

Diese erste ausschliesslich fürs Klettern gebaute Halle im Tessin ist den ganzen Tag und das ganze Jahr zugänglich. Die nur wenige Kilometer von den Autobahnanschlüssen Quinto und Airolo entfernt stehende Halle ist auch mit dem öffentlichen Verkehr leicht erreichbar ( mit dem Zug nach Airolo und weiter mit dem Postauto ).

InfosV,Schlüssel: Mariateresa Coppa, Sektionspräsidentin SAT, 6775 Ambri, Tel. 091/868 11 77 ( Depot: Fr. 3O.. " " .Eintrittspreise: Einzeleintritt 8 Franken/Person und Tag; Jahresabonnement 100 Franken; Gruppen 50 Franken/halber Tag -Allgemeine Informationen zur Gotthard-Region: Tourismusbüro Leventina, 6780 Airolo, Tel. 091/869 15 33, Fax 091/869 26 42 Gem. Mtlg. ( ü ) 52 Klassische Klettertouren im Kreis der Militärkame-raden: Die Fiamma hat noch nichts von ihrem Nimbus eingebüsst. Wenn man im Bergell war, muss man sie bestiegen haben, sonst fehlt etwas.

Im freiwilligen Gebirgskurs der Luftwaffe ist auch Klettern in allen Schwierigkeitsgraden ein Thema.

Inhalt und Form Was die Teilnehmer dieser freiwilligen Gebirgskurse anspricht, ist nicht zuletzt die Breite des Angebots. Neuerdings ist das vielfältige Programm einer Bergsteigerschule vergleichbar. Schon bei der Anmeldung wählt man zwischen sieben Sparten: Vom Sportklettern über unterschiedlich schwierige Hochtouren bis zu Trekkings und Mountain-Biking findet sich alles im Angebot. Gleichzeitig werden in diesen Gebirgskursen Kenntnisse vermittelt und Fähigkeiten trainiert, die auch im zivilen Leben gebraucht werden können. So stellt Franz, ein Teilnehmer aus dem letzten Winterge-birgskurs, fest: « Nach dem Lawinenunglück in Leukerbad halfen wir bei der Suche nach Verschütteten und standen bis tief in die Nacht mit den Sondierstangen auf dem Lawinenkegel. » Für den Kurskommandanten ist Sicherheit das oberste Gebot. Dafür bürgt insbesondere das technische Kader, das sich aus Leuten zusammensetzt, die auch privat alpine Führungsfunktionen übernehmen, sei es beruflich als Bergführer, im SAC oder bei J+S als Tourenleiter. Hier findet sich alles, vom Spitzenkletterer

Gebirgskurs

mit der Luftwaffe

Die Gebirgskurse der Luftwaffe haben Tradition. Seit jeher werden ihre Angehörigen darin instruiert, wie sie sich bei einer Notlandung oder einem Einsatz in den Bergen durchschlagen können. Um auch anderen Armeeangehörigen Einblick in die Alpintechnik zu ermöglichen, bietet die Luftwaffe freiwillige Gebirgskurse jeweils alternierend im Sommer und im Winter an.

Hochtouren - immer noch ein Höhepunkt des Bergerlebnisses; auf dem Vorgipfel des Piz Roseg, im Hintergrund der Sellagletscher und der Piz Glüschaint über den Expeditionsbergsteiger bis zum erfahrenen Hochtourengänger. Sie sind es auch, die das Erreichen des zweiten Ziels ermöglichen, nämlich die Freude am Bergsteigen weiterzugeben; entsprechend kameradschaftlich ist der Umgangston.

Erlebnis Hochtour Um halb fünf Uhr morgens steigen wir im Licht unserer Stirnlampen zum Tschiervagletscher auf, wo das rauhe Eis blank liegt, so dass wir auf Steigeisen verzichten können. Wie eine Prozession von Glühwürmchen kriechen die Lichter langsam durch das schwache Licht der Dämmerung. Hinter dem Piz Umur ( 3252 m ü. M. ), einem eindrücklich aus dem Gletscher aufragenden Turm, erstrahlen die mächtigen Hängegletscher am Piz Roseg in bläulichem Weiss. Beim Einstieg in den Eselsgrat wird klar, dass bei 40 Teilnehmern ein gewisser Stau in Kauf genommen werden muss. Der Fels erweist sich als erstaunlich solide, und die wenigen schwierigeren Kletterstellen sind von der Spurpatrouille mit fix eingehängten Reepschnüren für alle passierbar gemacht worden. Die Wartezeit stört niemanden; es ist angenehm warm und die Sicht spektakulär: Aug in Aug mit den Abbruchen des Vadret dals Aguagliouls auf der einen und Verschiedenes Armeeangehörige des Détachement Bike and climb unterwegs in Samedan; privates Material kann gebraucht werden.

begangen zu haben, und erst recht nicht im Militär. Diese Kritik der Profis kümmert die Laien weniger, schliesslich hängen auch in der Nordwand des Eigers und am Mount Eve-rerst einige Fixseile. Trotzdem haben alle Teilnehmer eine beachtenswerte Leistung vollbracht. Elfeinhalb Stunden sind sie unterwegs gewesen in Fels, Eis und Firn, wobei sie mehr als 1400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg überwunden haben. Was aber am meisten zählt, sind das Erlebnis, die Freude und der Stolz über die gelungene Tour. « Ich hätte nie gedacht, dass ich zu so etwas fähig bin », konstatiert ein junger Soldat. Was braucht es mehr?

Stefan Tolusso, Willisau den Eispanzern unter dem Vorgipfel des Piz Roseg auf der anderen Seite steigen wir höher; weiter links an der Bernina bewegen sich ein paar Bergsteiger wie Ameisen auf dem Biancograt. Auf dem Vorgipfel des Piz Roseg ist alle Mühe vergessen. Die Sicht auf ein atemberaubendes Panorama bis hin zu den Berner Alpen und ein Tiefblick wie aus dem Flugzeug entschädigen für die überstandenen Strapazen. Der Weg durch das Spaltenlabyrinth des Stellagletschers lässt sich aus dieser Perspektive gut ausmachen. Für die einen bleibt es ein Rätsel, wie die andern vor zwei Tagen in der Nacht dort durchgefunden haben. Wer in die Kunst des Kartenlesens eingeweiht ist, kann sich dies eher vorstellen. Unterdessen haben die Klassenlehreraspiranten den Abstieg durch die steile Flanke an der Westseite mit im Firn verankerten Seilen und ins Eis geschlagenen Stufen vorbereitet. Safety first! Die Bergführer mit ihren Helfern haben beste Arbeit geleistet.

Befriedigung für alle Kann nun der Berg als bestiegen gelten oder nicht? Wer sich an Fixseilen halte, dürfe nicht für sich in Anspruch nehmen, den Berg alpin Freiwilliger Gebirgskurs der Luftwaffe Der nächste freiwillige Gebirgskurs der Luftwaffe findet vom 2. bis 7. April 2000 in Bivio statt. In verschiedenen Stärkeklassen werden Grundkenntnisse ( Kurzlehr-gang ) und Repetition in der Winter-alpintechnik ( Ski-, Eis-, Knoten- und Seiltechnik ) angeboten, dazu praktische Anwendung im Gebirge ( Touren ).

Der Kurs, der Angehörigen aller Truppengattungen offensteht, ist freiwillig ( ohne Anrechnung an Gesamtdienstleistungspflicht ), besoldet, militärversichert und berechtigt zu Lohnausgleichsentschä-digung.

Anmeldung: bis 21. Januar 2000; Militärsport/Alpin Dienst, Bern, Tel. 031/324 38 56

ALPEN-Einbandaktion

Bis und mit Jahrgang 1997 wurden die ALPEN-Hefte mit einem leinen-überzogenen Pappdeckel eingebunden. Für den Jahrgang 1998 boten wir erstmals eine broschierte Version an. Leider erwies sich auch diese Variante als zu kostenintensiv, so dass wir für den Jahrgang 1999 und folgende keine gebundenen Jahrgänge mehr anbieten.

Wir bitten Sie daher, sich für das Einbinden Ihrer ALPEN-Hefte in Zukunft an einen manuell arbeitenden Buchbinder in Ihrer Nähe zu wenden.

Sollten Ihnen vom Jahrgang 1999 noch Hefte zum Einbinden fehlen, so können Sie diese bis Ende Februar 2000 bei uns gratis beziehen.

Selbstverständlich sind ( solange Vorrat ) auch die Jahresbände bis und mit Jahrgang 1998 sowie die Ein-banddecken bis und mit Jahrgang 1997 gegen Rechnung bei uns erhältlich.

Gem. Mtlg. Stampf li AG 53

Gefunden

- im August 1999 auf dem Panoramaweg zwischen Leutschach- und Kröntenhütte Armgoldkettchen, gerissen, Rot-/Gelbgold. Sich melden bei Eric Schütz, Schöngrünstrasse 24 A, 4500 Solothurn -am 29.1O.1999 imTessin, Val Colla, Passo di Pozzaiola ( zwischen Cima Moncucco und Gazzirola ), geschliffene Lesebrille. Sich melden bei Ruth Wittwer, Loretostr. 3, 6300 Zug, Tel. 041/710 84 27, abends

Markt-Informationen Informations publicitaires Dal mercato

e a. < Ausserhalb der Verantwortung der Redaktion I bzw. des SAC

Snowtrekker

Hat man die Bindung dem Schuh angepasst - ohne Werkzeug schnell ver-stellbar-, ist das Aufsteigen mit dem Snowtrekker nicht anders als mit Tourenski. Trotz grösserer Breite passt er in jede Aufstiegsspur und ist auch zum Spuren geeignet. Das Steigfell ist so geschnitten, dass gute Adhäsion erreicht wird; bei harter Spur hilft ein Harscheisen. Eine integrierte Steighilfe erleichtert das Gehen bergauf. Richtig Freude machen das Gehen im Wald oder die mühelos zu bewältigenden Spitzkehren. Bei der Abfahrt im Tiefschnee - die Bin-dungsposition wird in Sekunden nach hinten auf « Abfahrt » gestellt-schwimmt der Snowtrekker gut auf. Die Taillierung gibt dem Ski gute Eigensteuerung. Auch Anfänger lernen schnell, auf der Piste und im Tiefschnee das Gerät zu beherrschen.

Bewährt hat sich der Snowtrekker als Aufstiegshilfe bei Snowboardtouren, da man schneller vorwärts kommt als mit Schneeschuhen. Mit wenigen Handgriffen kann die Bindung, die eigentlich für Skischuhe und steigeisenfeste Bergschuhe konstruiert ist, auf Softboots umgestellt werden. Infos über Internet www. stc-swiss.ch Bezugsquellennachweis: Kundert Vario AG, Huebstr. 3, 8633 Wolfhausen, Tel. 055/243 43 20, Fax 055/243 43 22, Internet: www.kundertvario.ch PR-Text M

ODLO AIR 28-000-Blouson im Test

Um für Wasserdichte und Atmungsaktivität wirklich die Kundenerfah-rungen kennenzulernen, startet ODLO wiederum eine grosse Test-aktion. Und so sind Sie dabei: Holen Sie sich über Infoline 041/785 81 44 die Adresse des nächsten ODLO-Händlers, reservieren Sie einen Test-blouson, testen Sie ihn während dreier Tage, halten Sie Ihre Ergebnisse auf dem Fragebogen fest und schicken Sie den Blouson und den ausgefüllten Fragebogen an den Händler zurück.

54 Der ODLO AIR 28 ' ." " .000-Blouson Der ODLO AIR 28 ' ." " .000 ist ein 3-Lagen-Laminat aus 100% Polyester, 100% wasser- und winddicht, atmungsaktiv, multifunktionell einsetzbar für verschiedene Sportarten ( Laufen, Biken, Wandern, Langlaufen ). Wasserdicht verschweisste Nähte, abgedeckter Frontreissverschluss, Schlüsseltasche, verstellbare Armab-schlüsse, reflektierende Sicherheits-streifen am Rücken, verstellbare Kordel im Bund und in der Grösse L ein Gewicht von 380 g sind Details, die diese in den Farben Gelb und Blau erhältliche Jacke charakterisieren.

Bezugsquellennachweis: ODLO ( Schweiz ) AG, Im Bosch 67, 6331 Hünenberg, Infoline 041/785 81 44 PR-Text M Snowtrekker -einer für alles

Neue Sherpa-Schneeschuhe

Sherpa, die Schneeschuhpioniere und Erfinder der modernen Alu-Schnee-schuhe, bringen diesen Winter neue Modelle auf den Markt. Sherpa-Schneeschuhe sind berühmt für ihre robuste und funktionelle Konstruktion.

Die Mountain-Serie ist die Top-Linie, entwickelt für anspruchsvollste Bedingungen und Outdoor-Profis: Grösstzahnige Steigeisenbindung auf dem Markt und griffige Fersen-Harsch-eisen ermöglichen sichere Traversierungen selbst durch steile hartgefrorene Schneehänge.

Die technische Climber-Serie ist mit der brandneuen Lotus-Komfort-bindung ausgerüstet. Damit sind die Schneeschuhe schnell montiert und bieten dem Fuss ausgezeichneten Halt, ideal für den Einsatz in hügeligem Gelände.

Die drei Schneeschuh-Serien von Sherpa: Mountain, Climber, Hiker Die Hiker-Serie ist ebenfalls mit der Lotus-Komfortbindung ausgerüstet, aber preisgünstiger und für den Einsatz in gemässigtem Gelände geeignet. Jede Serie gibt 's in je drei Grossen.

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