Henri Correvon: Nos arbres

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Im gleichen Sinn und Geiste, wie die neulich von Mme Bumand-Provins ins Leben gerufene Liga für die Erhaltung der einheimischen Kunst- und Naturdenkmäler, also im Interesse des „ Heimatschutzes ", der, wie die neuesten Vorgänge bei Anlaß der projektierten Matterhornbahn zeigen, doch auch im Alpenclub große Sympathien findet, hat unser um die Erhaltung der Alpenpflanzen so verdiente Genfer Kollege es unternommen, für die Erhaltung des Wald- und Baumreichtums im Schweizerlande, der allerdings durch verschiedene Umstände und Tendenzen, wenn auch weniger als in andern Alpenländern Europas, einigermaßen bedroht ist, in Wort und Bild einzutreten. Und wer das hübsch ausgestattete und gut geschriebene Buch durchläuft, wird gewiß dem Wunsche zustimmen, den der Maler Paul Robert in einer sehr temperamentvoll geschriebenen Vorrede ausspricht, es möchte Herrn Correvon gelingen, der modernen Barbarei, die gegen alte Bauwerke der Schöpfung, welche die Bäume sind, ebenso wütet wie gegen die von Menschenhand geschaffenen alten Baudenkmäler, siegreich zu begegnen und den Merkantilismus durch den Idealismus zu überwinden. Auch wir wünschen Herrn Correvon und seinen Gesinnungsgenossen diesen Erfolg, und jedenfalls stoßen wir in seinen Erörterungen nirgends auf die Übertreibungen, mit denen die Freunde des „ Heimatschutzes " gelegentlich ihrer guten Sache schaden. Nach einer Introduction, in welcher der gegenwärtige Stand der Wälder und der durch Schönheit, Seltenheit oder Größe hervorragenden Baumexemplare in Europa im Vergleich zu früher einer kritischen Betrachtung unterzogen wird, bei welcher die Schweiz und speziell die Gegend am Nordufer des Lemansees ziemlich gut wegkommt, geht der Verfasser zu seiner speziellen Aufgabe über, unsere Bäume zu schildern, zu klassifizieren und anzugeben, was zu ihrer Erhaltung bisher geschehen ist und in Zukunft geschehen sollte. Der erste Teil ist betitelt: Arbres historiques. Forêts et reboisements. Schon hier wechseln mit den historischen Reminiszenzen und theoretischen Erörterungen praktische Ratschläge. Sehr artig sind z.B. pag. 41—42 die Hinweise auf die Pflanzungen Calvins in den Genfer Schulgärten und auf eine im Kanton Appenzell seit zwei Jahrzehnten eingeführte Sitte, am ersten Maisonntage Baumsetzlinge unter die Schüler zu verteilen, welche dann gleich in einem feierlichen Zuge eingepflanzt werden. Der zweite Teil gibt eine mit vielen Abbildungen erläuterte Aufzählung und Charakterisierung unserer Baumtypen, wie sie in Wäldern, Parken und Alleen wachsen, als Koniferen und Laubbäume. Herr Correvon, der selber ein Poet ist, erinnert sich bei der Schilderung der Esche der kolossalen Exemplare, die er im Park von Weimar 1875 gesehen hat, und der auf ihre Pflanzung bezüglichen Verse Goethes an Frau v. Stein, die beginnen: „ Sag'ich's euch, geliebte Bäume, die ich ahndevoll gepflanzt " u. s. w. Solche Abschweifungen machen eine Lektüre, die sonst leicht trocken werden könnte, zu einer reizvollen und angenehmen. In diesem Sinne und zur Beherzigung der durch das Buch verfochtenen These: Plantons, mais surtout conservons, möchte ich meine Leser auf das Werk von H. Correvon aufmerksam machen.Redaktion.

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