Henry Correvon: Fleurs des champs et des bois

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Vor drei Jahren erschien Henry Correvons „ Flore Alpine11, ein Werk, das gegenüber den vielen ähnlichen Publikationen durch des Autors originelle Feder und namentlich durch Philippe Roberts Künstlerhand eine vollständig neue Interpretation der Alpenpflanzen schuf. Jetzt unternimmt es der Verfasser, im Sinn und Geist der „ Flore Alpine " auch den Feld- und Waldblumen das Wort zu reden. Zu 100 farbigen Blumentafeln schuf er einen Text mit dem ihm eigenen Enthusiasmus und mit einer Art seelischer Intimität, die man durch des Autors Vorwort verstehen lernt, in welchem er erzählt, wie er von früher Jugend an dazu erzogen worden sei, „ à aimer et à estimer les plus modestes herbes bordant mon sentier, parce que cet amour m'a rendu heureux comme enfant, comme écolier, comme collégien, et c' est parce que ce bonheur a persisté jusqu'à l' âge où les cheveux blanchissent ".

Schon die Anordnung des Werkes ist originell. Nicht nach botanischen Gesetzen baut es sich auf; sein Vorbild ist die Natur selbst, welche durch den Lauf und Wechsel der Jahreszeiten das schönste ewige Gesetz ist. So bilden Primeln, Huf- lattich, Veilchen den Anfang; auf sie folgt der ganze farbige Teppich der spätern Frühlingsblumen — roter Feldmohn, Kornblume und Malve erheben ihre Blumen-köpfe in die Glut des Hochsommers, während am Schluß des Werkes die Intensität der Farben sich mehr den Blättern und Früchten zuwendet und sich dadurch als Anzeichen des Herbstes und Ausklingen des Blumenjahres kundgibt. Besonders bevorzugt werden hier, wie in der „ Flore Alpine ", diejenigen Blumen, welche sich zur Gartenkultur besonders eignen, und erinnern daran, daß der Verfasser durch seinen Pflanzengarten „ Floraire " in Chêne-Bourg bei Genf einer der hervorragendsten Blumengärtner der Gegenwart ist.

Die Blumenbilder zu Correvons glänzendem Text schuf die Malerin Sophie Bivier. Ihre Kunst ist derjenigen Philippe Roberts nahe verwandt, nicht ganz so fein empfunden, sondern mehr durch die Farbenfreudigkeit, das liebevolle Ausarbeiten der kleinsten Details und durch das starke Betonen des dekorativen Elementes ein tüchtiges Gegenstück zu Philippe Roberts Kunst.

Die Pflanzennomenklatur ist lateinisch, französisch und englisch; leider nicht deutsch, was sicher der Verbreitung des Werkes im deutschen Sprachgebiet nicht förderlich sein wird. Hervorgehoben sei noch die Vervielfältigung der Tafeln, welche in hervorragender Weise die „ Société anonyme des Arts graphiques, Sadag, Sécheron " in Genf besorgte. Es ist das Beste moderner Kunstreproduktion.

Hans Dübi ( Sektion Bern ).

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