Hütten: Das Internet wird immer wichtiger Jeder Zweite würde online reservieren

Keine grossen Massenschläge und mehr Informationen per Mausklick: Das wünscht sich die Mehrheit der SAC-Hüttenbesucher.

Silvan und Thomas sitzen auf den Holzbänken in der Doldenhornhütte oberhalb Kandersteg. Es ist Ende August, und sie füllen konzentriert einen Fragebogen über die SAC-Hütten aus (siehe Kasten). Einige Fragen lösen angeregte Diskussionen aus. Der Hüttenstandard etwa gibt zu reden. Was ist nötig? Wie komfortabel sollen die Hütten eingerichtet sein? Alles neu – alles besser? Sollen es kleine Hotels in den Bergen sein, oder reichen die rustikalen herkömmlichen Hütten? Die Freunde haben schon einiges gesehen. Beide sind gerne in den Bergen und schlafen sicher dreimal pro Jahr in einer SAC-Hütte.

Die Mittvierziger repräsentieren den Durchschnitt. Mehr als ein Drittel der Befragten sind zu zweit unterwegs. Meist mit einem Freund oder einer Bekannten. Knapp die Hälfte übernachtet regelmässig in SAC-Hütten. Der Mammutanteil der Hüttenbesucher sind Schweizer: Zwei Drittel der Gäste kommen aus dem Inland. Ein Viertel reist aus Deutschland an. Auch Franzosen, Belgier und Holländer zieht es in die Schweizer SAC-Hütten.

 

Das Web ist in den Hütten angekommen

Egal ob Schweizer oder Ausländer, sie benutzen das Internet gerne: Über die Hälfte der Befragten holen sich die nötigen Informationen übers Netz. 2001 war es gerade mal jeder Dritte. Dafür hat die Mund-zu-Mund-Propaganda an Bedeutung verloren. Für Bruno Lüthi, Leiter Marketing/Kommunikation Hütten des SAC, ist deshalb klar: «Jede Hütte sollte eine eigene, ansprechende und informative Website haben.» Auch werden elektronische Zahlungsmöglichkeiten immer wichtiger: Jeder Dritte wünscht sich, mit virtuellem Geld zu zahlen.

Der SAC richtet deshalb bei der Vermarktung der Hütten ein starkes Augenmerk auf die elektronischen Möglichkeiten. Dem Dachverband schweben sogar Reservationen per Mausklick vor. Wenig verwunderlich: 48 Prozent der Befragten würden ein elektronisches Reservationssystem nutzen. Laut Lüthi begrüssen die Hüttenwarte den Wechsel in die virtuelle Welt mehrheitlich. Jedoch hat die in Zukunft geplante Umstellung ihre Tücken: Nicht jede Hütte hat Internetanschluss. Elektronische Reservierungen wären deshalb gar nicht oder nur mit einem beträchtlichen Mehraufwand für den Hüttenwart möglich.

Anders als bei Hotelreservationen sind bei Hüttenübernachtungen zudem telefonische Auskünfte unentbehrlich: Wie sind die Gipfelbedingungen? Wo kann mein Hund schlafen? Gibt es eine spezielle Diät für meine Laktoseallergie? Müssen wir Schlafsäcke mitnehmen? Der Informationsbedarf von Hüttenbesuchern ist enorm. «Bei einem Onlinereservationssystem müssten natürlich die wichtigen Informationen auf einen Blick im Netz ersichtlich sein», sagt Lüthi.

 

Schlafen im Massenlager

Vor allem Gäste mit wenig Hüttenerfahrung sind auf Informationen über die Infrastruktur angewiesen. «Sonst kann es passieren, dass beispielsweise Familien mit falschen Erwartungen in die Hütte aufsteigen», sagt Lüthi. In vielen Hütten liegt eine Matratze eng an der nächsten. Da schnarcht jemand, dort steht ein stinkender Rucksack, und fünf Betten weiter liegt ein schreiendes Kind. Massenschlag. Nichts von der erträumten Hüttenromantik. Und statt der erhofften warmen Dusche gibts wenig kaltes Wasser, um sich den Schweiss abzuwaschen.

Anders als noch in den 90er-Jahren tummeln sich nicht mehr nur Alpinisten in den Bergen. Familien und Wanderer sind zu einer wichtigen Zielgruppe der SAC-Hütten herangewachsen. Damit haben sich auch die Ansprüche an den Komfort geändert. Gemäss Umfrage betrachten zwei Drittel der Besucher kleine Schlafräume (4–8 Plätze) als wichtig bis sehr wichtig. Auch bevorzugen Frauen und Männer Privatsphäre beim Zähneputzen: Jeder Dritte findet geschlechtergetrennte Sanitäranlagen wichtig. Sich den Schweiss unter der Dusche abwaschen würde gerne jeder Vierte. Dagegen ist eine moderne Hüttenarchitektur für viele zweitrangig: Gerade mal 17 Prozent erachten diese als wichtig: Gleichzeitig beurteilen 98 Prozent der Gäste die moderne Architektur umgebauter Hütten sehr positiv, in nicht umgebauten Hütten sind neun von zehn Gästen mit der Architektur zufrieden.

 

Der freundliche Hüttenwart bringts

Für einen gewissen Komfort greifen die Befragten auch tiefer in die Tasche. 58 Prozent der Befragten wären bereit, mindestens zwei Franken mehr pro Übernachtung zu bezahlen – vorausgesetzt sie könnten in kleineren Zimmern schlafen. Da appelliert Lüthi schon jetzt an die Hüttenwarte. «Wenn die Hütte nicht voll besetzt ist, kann man mit der Aufteilung der Betten viel erreichen.» Statt alle in ein Zimmer zu pferchen und dort Person an Person zu reihen, könne der Hüttenwart Betten leer lassen oder die Gäste in den verschiedenen Schlafsälen aufteilen.

Im Allgemeinen ist der SAC aber zufrieden mit den Umfrageergebnissen. «Die meisten Gäste haben sich sehr positiv über ihren Hüttenbesuch geäussert», sagt Lüthi. Das Wichtigste für einen gelungenen Hüttenbesuch bleibt die Atmosphäre: Freundliches, kompetentes und hilfsbereites Personal ist praktisch für alle Befragten wichtig. «Ein lächelnder Hüttenwart macht vieles wett», ist Lüthi überzeugt.

Die Gäste gefragt

Die Umfrage erfolgte im Rahmen der Bachelorarbeit des Werkstudenten Luc Boll. 6000 Fragebogen wurden an rund 100 Hüttenwarte in der Schweiz versandt, welche die Bogen an ihre Gäste verteilten. Ausgefüllt zurück kamen 1300 Fragebogen. Da die Umfrage von August bis September 2010 – also nicht in der Haupt-saison – durchgeführt wurde, ist die Auswertung mit gewisser Vorsicht zu geniessen: Die Resultate fliessen nun in die Hüttenstrategie und in die Überarbeitung des Marketingkonzeptes für die Hütten des SAC ein. Mehr Informationen unter www.sac-cas.ch.

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