Hut ab, Monsieur Nicollier!

Georges Nicollier feiert am 24. Mai seinen 104. Geburtstag. Er trat dem SAC 1929 bei und ist das zurzeit älteste Clubmitglied überhaupt.

«Aber nicht, dass Sie mich ins Museum stellen!» Georges Nicollier ist zwar stolz, das älteste Mitglied des SAC zu sein, dessen Entwicklung er seit 85 Jahren begleitet, aber er will nicht, dass man davon allzu viel Aufhebens macht. Ob die Berge mit seiner Langlebigkeit etwas zu tun haben? Seine Betreuerin Delina Rodriguez, die Georges Nicol­lier durch den Alltag hilft, ist davon überzeugt: «Seine Augen beginnen zu leuchten, wenn man mit ihm über die Berge spricht», versichert sie. Die in Bolivien Geborene kennt die Gipfel der Alpen nur aus den Erzählungen ihres «Hauptmanns», wie sie ihn scherzhaft zu nennen pflegt.Der in Vevey geborene Georges Nicollier war immer stark mit seiner Herkunftsgemeinde Ormont verbunden. Zum Beispiel als Ingenieur beim Bau der Strasse über den Col de la Croix, der ihn gut die Hälfte seines Lebens beschäftigte. Aber auch durch seine Familie, die in Les Diablerets ein Chalet besitzt.

Vor allem Blumen

Seine Leidenschaft für die Berge hat er von seinem Vater, der Präsident der Sektion Jaman war, sozusagen geerbt. Der junge Nicollier trat in dieselbe Sektion ein. Er bestieg den Mont Blanc und das Matterhorn, aber eigentlich wanderte er lieber. «Ich habe nie die Schwierigkeit gesucht, und das Klettern mochte ich nicht allzu sehr», ergänzt er. Auf den Bergtouren entdeckte er seine Passion für die Alpenflora. «In den Bergen findet man die schönsten Blumen», sagt er. Er begann, sie zu malen, wie sein Vater.

Seine drei Kinder haben seine Leidenschaft für die Berge zwar nicht geerbt, aber er hat ihnen dennoch Wichtiges mitgeben können. «Er hat mich gelehrt, Werte wie Ehrlichkeit, Loyalität und Wille zur Anstrengung hochzuhalten. Alles muss verdient werden», vertraute Claude Nicollier, der bekannte Astronaut, anlässlich einer Gesprächsrunde am FIFAD 2013 zu Ehren seines Vaters der Öffentlichkeit an.

Mit den Augen wandern

Georges Nicollier war bereits seit 50 Jahren SAC-Mitglied, als sich der Club den Frauen öffnete. «Ich war anfänglich überrascht, aber heute finde ich das normal», kommentiert er. In 85 Jahren Mitgliedschaft war er natürlich auch Zeuge der Entwicklung des Bergsports: «Zu Beginn musste man viel mehr marschieren, um überhaupt an den Ausgangspunkt zu gelangen», erinnert er sich. Das galt auch für Le Grammont, seinen «Hausberg», den er 1929 erstmals bestieg. Die befahrbare Strasse endete im Talgrund, und die ganzen 1800 Höhenmeter bis zum Gipfel ging man zu Fuss. Heute erwandert ihn Georges Nicollier mit den Augen, von seinem Garten in La Tour de Peilz aus.

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