«Ich bin ökologischer geworden» Ein Blick auf 15 Jahre im SAC

Peter Mäder hat den SAC Ende Februar verlassen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Kurz vorher führte Zentralpräsident, Frank-Urs Müller, mit ihm ein Gespräch über Risiken und Nebenwirkungen der Arbeit auf der Geschäftsstelle des SAC.

Frank Urs Müller, Zentralpräsident: Was war das Beste an deinem Job?

Die Vielfalt hat mich immer fasziniert. Da hat man mit den Hütten und dadurch mit dem Tourismus zu tun, es geht um Leistungssport, und man ist mit umweltpolitischen Fragen konfrontiert. Der SAC ist ein Verlags- und Kommunikationshaus. Ich finde, das kommt meinen Fähigkeiten als Generalist entgegen.

 

Gab es Widerstand gegen deine Wahl?

Nicht, dass ich wüsste, aber ich war sehr jung und hatte wenig Führungserfahrung – ich habe mich am Anfang sehr auf den Zentralvorstand konzentriert und die Führung der Mitarbeiter vernachlässigt. Das haben nicht alle geschätzt.

 

Du bist jetzt Chef von fast 40 Leuten. Wie bist du als Chef?

Das müsstest du eigentlich meine Mitarbeitenden fragen. Diese Floskel vom partizipativen Führungsstil darf ich wohl für mich in Anspruch nehmen. Ich war nicht der Chef, der den Chef raushängt. Du hast es selbst einmal definiert, Frank Urs, du sagtest, ich sei Leiter eines Teams.

 

Was war schwierig an deinem Job?

(Überlegt lange.) Es gab den einen oder anderen Konflikt mit Ehrenamtlichen. Da ist man als Lohnempfänger immer in einer schwierigen Situation.

 

So schwierig finde ich das nicht, gibt es nichts Schlimmeres?

(Lacht.) Nein, wirklich schlimm war eigentlich nichts, im Gegenteil. Ich bin 15 Jahre lang zur Arbeit gekommen und hatte nie das Gefühl, ich wäre lieber an einem anderen Ort.

 

Du hattest regelmässig mit anderen Alpenvereinen Kontakt. Was ist das Besondere am SAC?

Die Tatsache, dass der SAC in der Schweiz daheim ist, macht ihn sicher speziell. Dazu ein Zitat: «Wenn die Berge eine Heimat hätten, dann wäre es die Schweiz.» Das merkt man im Umgang mit befreundeten Alpenvereinen. Die Schweizer Alpen mit den berühmten Bergen geben auch dem SAC einen besonderen Status. Es ist aber auch die Geschichte, der SAC war ­einer der ersten Alpenvereine. Er war eine Zeitlang auch im Internationalen Verband, der UIAA, stark engagiert. Bis Ende der 90er-Jahre war immer ein Schweizer Präsident der UIAA.

 

Als du hier begonnen hast, warst du kein Alpinist. Jetzt bist du es geworden. Hat es dir Spass gemacht, in die Berge zu gehen, oder war es eher ein Müssen?

Ich habe das Bergsteigen im SAC entdeckt. Auf Ski– und auf Hochtouren hatte ich ganz tolle Erlebnisse, nicht zuletzt war ich in rund 50 Hütten. Ich hatte nie das Gefühl, ich müsse. Nur zum Klettern, sei es in der Halle oder draussen, habe ich den Zugang nie wirklich gefunden. Aber es macht ja kein SACler alles.

 

Gibt es ein Erlebnis, das dir spontan in den Sinn kommt?

Die Sitzungen des Zentralvorstands mit einer anschliessenden Bergtour waren immer sehr spannend, besser als jede teure Teamentwicklungsveranstaltung. Am prägendsten war eine solche Tour von der Maighelshütte auf den Piz Badus. Weil ja einige der ZV-Mitglieder auch Tourenleiter sind, sind wir auf drei verschiedenen Routen auf den Berg gestiegen. Der eine wollte noch hier einen Umweg machen und der an­dere dort vorbei.

 

Ich erinnere mich: Der Zentralpräsident war auch einer, der einen Umweg machen wollte. Ich weiss nicht mehr, ob noch einer mitgekommen ist.

Doch, der Daniel Suter wars.

 

Hatte der SAC einen Einfluss auf deine politische Haltung?

Ja, ich bin umweltbewusster geworden im SAC, eindeutig. Ich komme aus einem bäuerlichen Umfeld, dort war umweltgerechte Produktion Mitte der 90er-Jahre noch ein neues Thema. Es ist im SAC in den letzten Jahren immer wieder darum gegangen, besonders in umweltpolitischen Fragen mehrheits­fähige Lösungen zu finden, das prägt.

 

Du hast dir ein unglaubliches Beziehungsnetz im SAC, aber auch im Bergsport aufgebaut. Hat dich jemand besonders beeindruckt?

Ich hatte enormes Glück mit den beiden Zentralpräsidenten, die ich erlebt habe. Von deinem Vorgänger, Franz Stämpfli, habe ich am Anfang sehr viel profitiert. Und mit dir hat sich eine Beziehung entwickelt, wie man sie sich nicht besser wünschen könnte.

 

Ich wollte hier aber kein Fishing for Compliments machen.

Das darf man doch sagen, oder? Ich kenne andere Beispiele, von anderen Verbänden. Eine derart gute Zusammenarbeit zwischen Präsident und Geschäftsführer ist nicht selbstverständlich – es ist ein Glücksfall auch für den Verband, davon bin ich überzeugt.

 

Doch es ist so, wir haben uns an den ersten Mitarbeitergesprächen immer gefragt: Was ist, wenn wir nicht mehr derselben Meinung sind …?

Einmal waren wir nicht derselben Meinung. Es ging um die GLP in der Region Zermatt. Ich war dagegen, dass man beim Bundesverwaltungsgericht Einsprache erhebt gegen den Entscheid des eidgenössischen Verkehrsdepartements UVEK. Du und die Mehrheit des ZV haben anders entschieden. Da habe ich gedacht: Oh nein, muss das sein. Aber das war wohl ein Unterschied unserer Temperamente, ich wollte einen Schritt zurück und die Walliser nicht zu stark provozieren. Wenn du aber von einer Sache überzeugt bist, dann ziehst du das durch. Das ist ja auch ein Vorteil, gerade wenn man Zentralpräsident ist.

 

Gibt es auch Frauen, die dich besonders beeindruckt haben?

Ja, es gibt zwei, die erste war Elisabeth Zingg, sie war während meiner ersten fünf Jahre im ZV. Ich habe sie sehr geschätzt, weil sie den SAC und seine Basis gefühlt hat und immer darauf hingewirkt hat, dass wir die Basis nicht vergessen. Dasselbe gilt für Catherine Borel. Das sind Frauen, die über eine grosse Lebenserfahrung und viel gesunden Menschenverstand verfügen.

 

Ab ersten März hast du eine neue Arbeit. Was machst du?

Ich werde als Generalsekretär von Staatsrätin Marie Garnier im Kanton Fribourg arbeiten. Ich werde mich mit Land- und Forstwirtschaft befassen, es geht um Wald und Wild, Vete­rinärwesen und Lebensmittelhygiene. Eine grosse Motivation ist schon, dass das Thema Landwirtschaft wieder dazugehört – zurück zum Thema gewissermassen, weil ich ja aus diesem Bereich komme. Meine Funktion ist vorab eine koordinierende, ich muss politische Geschäfte mit verschiedenen Ämtern koordinieren. Das ist zwar auf den ersten Blick etwas völlig anderes. So weit weg von der Arbeit, die ich hier im SAC gemacht habe, ist es aber nicht. Ich glaube, das liegt mir.

 

Man sagt ja, man geht mit einem lachenden und einem ­weinenden Auge. Wie ist das bei dir?

Ich werde sicher die Menschen vermissen, die ich in all den Jahren kennengelernt habe, allen voran die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. Mit vielen arbeite ich seit mehr als zehn Jahren zusammen. Das ist eine lange Zeit. Dasselbe gilt für viele Ehrenamtliche, die ich aus den Augen verlieren werde. Ich freue mich aber, dass ich ein paar Abende und Wochenenden mehr zu Hause verbringen kann als bisher.

 

Letzte Frage: Was rätst du deinem Nachfolger, deiner ­Nachfolgerin?

(Überlegt lange.) In meiner Masterarbeit habe ich einen buddhistischen Tempelspruch aufgeschrieben: «Vor der Erleuchtung Holzhacken, nach der Erleuchtung Holzhacken.» Für mich heisst das, man kann Erfolg haben und schöne Ereig­nisse feiern. Aber man darf sich im Erfolg nicht aus-ruhen und muss am Tagesgeschäft dranbleiben.

Der neue Geschäftsführer

Der Nachfolger von Peter Mäder heisst Jerun Vils. Mehr über ihn lesen Sie auf hier.

15 Jahre im SAC

Peter Mäder arbeitete seit dem 13. Oktober 1997 beim SAC, zuerst als stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Finanzen und Logistik. Im Sommer 1998 wurde er vom Zentralvorstand zum Geschäftsführer gewählt. Er trat seine Stelle am 1. Januar 1999 an.

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