In kühner Aufregung vorwärts Vor 100 Jahren wurde der Denali erstbestiegen

Magenkrämpfe plagten drei der vier Bergsteiger den ganzen Tag. Nur der21 Jahre alte Walter Harper, von Abstammung halb Athapasken-Indianer und halb Ire, war frei davon. Er hatte am Abend vorher im letzten Lager als Koch gewaltet. Nun übernahm er die Spurarbeit, unermüdlich stapfte er Richtung Gipfel des Denali oder Mount McKinley, wie der höchste Berg zu Ehren des 25. US-Präsidenten William McKinley auch benannt worden war.

 

Pioniere und Wettbrüder

«Da erstreckte sich vor uns und vielleicht 100 Fuss über uns ein weiterer schmaler Grat … Das ist der wahre Gipfel des Denali … In kühner Aufregung stossen wir vorwärts. Walter, welcher den ganzen Tag den Aufstieg anführte, war der Erste, der hinaufstieg. Ein Eingeborener aus Alaska; er ist der erste Mensch, der seinen Fuss auf den Gipfel von Alaskas grossem Berg setzt, und er hat diese Ehre wahrlich verdient.» So schilderte Hudson Stuck, der Leiter der erfolgreichen Expedition, den Moment, als die ersten Menschen den Denali erreichten. Am 7. Juni 1913 war die Erstbesteigung des Südgipfels gelungen, des mit 6194 Metern höchsten Punkts auf dem nordamerikanischen Kontinent. Neben Harper und Stuck erreichten Harry Karstens, ein hartgesottener Alaska-Pionier, und Robert Tatum, wie Stuck ein Missionar der anglikanischen Kirche, den Gipfel.

Es war der sechste Versuch, den höchsten Gipfel des Denali zu erobern. 1910 hatten die beiden Goldgräber Peter Anderson und Billy Taylor den Nordgipfel erreicht, angespornt durch eine Wette in einer Bar in Fairbanks. Frederick A. Cook behauptete zwar, den Gipfel bereits 1903 bezwungen zu haben, seine Beweisfotografien erwiesen sich jedoch als falsch.

 

Heute 1500 Besteigungen

Die Erstbesteigung sowohl des Nord- wie des höheren Südgipfels wurde von Osten her über den Muldrow-Gletscher ausgeführt. Die Männer erreichten den Gipfel über den links vom Muldrow aufsteigenden, später Karstens Ridge genannten Grat. Heute wird der Gipfel des Denali jährlich von rund 1500 Bergsteigern meist über die von Bradford Washburn 1941 erstbegangene West-Buttress bestiegen.

Nicht so hoch: der Olymp

Ebenfalls vor 100 Jahren erstbestiegen wurde der Olymp. Daniel Baud-Bovy, der Fotograf Fred Boissonnas und Christos Kakalos standen als Erste auf dem Hauptgipfel Mytikas (2918 m). Über die Erstbesteigung berichtete Boissonnas: «Wir mussten die Grate und den grossen Gipfel ohne Träger bezwingen. Sie wollten nicht weiter gehen, als über den für die Maultiere noch zugänglichen runden Bergrücken des Skolion. Zitternd vor Angst warfen sie sich auf die Knie und beteten die ‹Panagia›, solange sie uns über den schwindelnden Hängen klettern sahen.»

Weitere Gipfel des Olymps sind der Skolio (2911 m), der Stefani (2909 m, gelegentlich als Zeusthron bezeichnet) und der Skala (2866 m). Zwischen Skala und Mytikas befindet sich der Grat Kakoskala, eine leichte Kletterei.

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