Irreführende Schlagzeilen

Etwas später als üblich – die Jubiläumsausgabe hatte dieses Jahr Priorität – finden Sie in diesem Heft die Bergnotfallstatistik 2012. Diese wäre durchaus eine Schlagzeile wert, haben doch erstmals seit ein paar Jahren deutlich weniger Berggänger ihr Leben verloren! Gute Botschaften also.

Aber in der heutigen Medienlandschaft finden gute Nachrichten selten ihren Platz – schlechte dagegen sehr oft. Statt auf die positive Gesamtentwicklung hinzuweisen, hob ein Onlinezeitungsportal die Tatsache hervor, dass im Bergjahr 2012 alle tödlich verunfallten Hochtourengänger ausländische Staatsbürger gewesen sind. Es entstand das Bild verantwortungsloser, schlecht ausgebildeter Bergtouristen. Diese Nachricht verbreitete sich rasch und rief etliche Reaktionen hervor. Sogar der DAV selbst intervenierte beim Blatt und beim SAC.

Im Medienlärm unter ging aber in meinen Augen die viel wichtigere Tatsache, dass eben auch im Hochtourenbereich insgesamt deutlich weniger Menschen – inklusive ausländischer Alpinisten – in den Bergen ihr Leben verloren haben. Dass dabei im Jahr 2012 keine Schweizer ums Leben kamen, ist statistisch gesehen ein Zufall. Daraus einen Trend zu kreieren, entbehrt jeder Grundlage.

Jede Statistik, die sich mit Menschen befasst, muss auch demografische Parameter berücksichtigen. Diese sollten aber sehr sorgfältig interpretiert werden.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) und der SAC als Träger der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport lassen sich deswegen auch weiterhin nicht von der eigentlichen Aufgabe abhalten: in der Bergnotfallstatistik das Unfallgeschehen neutral zu erfassen und aufzuzeigen (ab S. 28). Wir verstehen dies als Grundlage für die Unfallprävention. Dank ihr ist es den Alpinverbänden möglich, mit neuen Ausbildungen und Präventionsmassnahmen stetig dafür zu sorgen, dass wir alle in den Bergen sicher unterwegs sein können.

Ihnen wünsche ich weiterhin schöne und unfallfreie Tage in den Bergen.

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