Isolationsjacken im Test Welche Jacke für welchen Einsatz?

Die Situation kennen alle, die im Winter klettern: Eben noch hat man im Vorsteig geschwitzt, nun friert man sich beim Sichern die Füsse ab. Je nach Einsatz sind die Anforderungen an eine Isolationsjacke völlig anders. Wir haben 15 Modelle testen lassen.

Eines ist klar: Die Jacke sollte so gut isolieren, dass man nicht friert. Idealerweise schwitzt man sich aber auch nicht nass, denn die Verdunstung des Schweisses kühlt den Körper aus. Bei der Wahl der richtigen Isolationsjacke kommt es zudem auch auf andere Faktoren an. Etwa auf die Bewegungsfreiheit: Eine Flauschjacke, in der man kaum die eigenen Beine sieht, mag perfekt sein für den Weihnachtsmarktbesuch. Beim Klettern geht sie nicht. Und was bei einer schweisstreibenden Skitour ideal und luftig ist, macht das Sichern am Eisfall schnell zur gefühlten Überlebensübung.

Denn wenn die Temperatur sinkt, ergreift der Körper Schutzmassnahmen. Zum einen beginnen die Muskeln zu zittern, um Wärme zu produzieren. Zum anderen verengen sich die Adern in den Händen und Füssen, und es fliesst weniger Blut durch die exponierten Körperteile. Damit speichert der Körper wertvolle Wärme, sodass die inneren Organe im Notfall länger arbeiten können. Das Problem dabei: Es entstehen klamme Finger und im schlimmsten Fall Erfrierungen an Füs­sen, Händen und Nase. Je besser die Isolationsjacke isoliert, desto weniger friert man also an den Fingern.

Viel warme Luft

Die Isolationsleistung der Jacke – Fachleute nennen sie den R-Wert – misst, wie viel Wärme sie nach aussen leitet. Je höher der R-Wert, desto mehr Wärme bleibt am Körper. Verloren geht die wertvolle Körperwärme über drei Wege. Der erste ist die Konvektion: Strömungen in Gasen und Flüssigkeiten führen Wärme von der Quelle weg – ein Effekt, den jeder kennt, der einmal in einen eiskalten See gesprungen ist. Der zweite Weg ist die Wärmestrahlung: Wie der Radiator einer Heizung gibt der Körper langwellige, elektromagnetische Strahlung ab, die die Wärme in der kälteren Umgebung verteilt. Der dritte Weg verläuft auf der Ebene der kleinsten Teilchen: Moleküle stossen ständig aneinander und geben die Wärme so weiter wie umfallende Dominosteine. Dies nennt man Wärmeleitung. Der Job einer guten Isolationsjacke besteht nun darin, diese drei Wege zu blockieren. Am besten geht das mit der Luft. Aufgrund ihrer geringen Dichte stossen in der Luft nur wenige Moleküle aneinander, sie ist ein schlechter Wärmeleiter. Flauschige Isolationsmaterialien und das bekannte «Zwiebelprinzip» mit mehreren Schichten verhindern Wärmeverluste an die Luft. Daneben ist es auch möglich, die Wärmestrahlung zu dämmen: mit Materialien, die die elektromagnetischen Strahlen wie ein Spiegel zurück zum Körper leiten. Zu diesem Zweck werden meist dichte Vliese aus Kunstfasern verwendet. Die Konvektion schliesslich dämmt man, indem man ganz einfach trocken bleibt. Hier ist es wichtig, dass die Jacke nicht zu gut isoliert und man bei Anstrengung nicht im eigenen Schweiss badet.

Das System Eisbär

Zur Perfektion hat dieses System der Eisbär gebracht. Sein Fell besteht aus mit Luft gefüllten Hohlfasern, und seine schwarze Haut speichert die Wärmestrahlung der Sonne. Unter der Haut sorgt eine dicke Fettschicht dafür, dass die Wärme auch beim Schwimmen im Körper bleibt. Ein derart perfektes System ist für den Menschen nicht erreichbar: Wie unsere Versuche mit der Wärmebildkamera zeigen (Abb. S. 43), bilden Nähte und Reissverschlüsse immer Schwachstellen in der Isolation. Mit drei Materialien versuchen die Hersteller, den Vorbildern in der Natur dennoch so nahe wie möglich zu kommen: Daunen, die aus dem Gefieder von Wasservögeln wie Enten und Gänsen stammen, halten enorm viel isolierende Luft in der Jacke. Wolle hat den Vorteil, dass die Isolationsleistung im feuchten Zustand länger erhalten bleibt als bei der Daune, die schnell verklebt und zusammensackt. Ein Wollpullover wärmt sogar noch dann, wenn er triefend nass ist. Dies liegt daran, dass die einzelnen Fasern durch eine natürliche Fettschicht geschützt sind und so immer etwas Luft im Gewebe bleibt.

Der Vorteil von Kunstfasern liegt hingegen darin, dass sie wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Es geht also lange, bis sie so durchnässt sind, dass sie nicht mehr isolieren. Sie sind allerdings deutlich schwerer und brauchen mehr Platz als die federleichte und gut komprimierbare Daune. Um die verschieden geschnittenen Modelle vergleichen zu können, haben die Tester die Jacken auf einen einheitlichen Wärmeisolationswert pro Quadratmeter normiert und das Verhältnis zum Gewicht berechnet. Neben der Füllung schlagen hier auch die Ausstattung, etwa Reissverschlüsse oder Taschen, und das Aussenmaterial zu Buche.

Bloss nicht schwitzen!

Dabei zeigt sich: Beim Wärme-Gewichts-Verhältnis liegen die Daunenjacken vorn. Sie belegen die ersten vier Plätze, allen voran die Adidas Terrex Agravic und die Arc’teryx Cerium SV. Im Mittelfeld machen sich aber bereits die Kunstfaserjacken breit, etwa die Patagonia Hyper Puff, die Mountain Equipment Superflux oder die Haglöfs Essens Mimic. Dass sie schlechter abschneiden als die Daunenjacken auf den vorderen Plätzen liegt auch daran, dass sie wasserdichte Aussenmaterialien mit atmungsaktiven Membranen aufweisen, die die Jacken etwas schwerer machen.

Letztlich sind Gewicht und Isolation aber nur zwei Faktoren, die man beim Kauf einer Isolationsjacke beachten sollte. Wichtig ist vor allem, für welche Aktivität das teure Stück gedacht ist. Das Wärmegefühl in einem dick gefütterten Expeditionsparka mag sensationell sein, für sportliche Aktivitäten ist ein solcher aber oft zu warm – es sei denn, man richtet sich auf langes Warten oder Biwakieren in eisiger Kälte ein. Eine praktische Lösung für unterwegs bilden dünne und leichte Isolationsjacken, die zusätzlich zu einer Hard­shelljacke getragen werden können. Dabei sollte man aber beachten, dass Daune schnell unbrauchbar wird, wenn sie unter der Hardshell getragen wird: Im Gegensatz zu einem Kunstfaservlies leitet sie die Feuchtigkeit des Körpers nicht an die Membran der Hardshell weiter, sondern verklebt und verliert damit ihre Isolationsleistung.

Sinnvollerweise geht man deshalb auf Touren leicht fröstelnd los, wärmt sich während des Gehens auf und zieht auf dem Gipfel oder in Pausen die Daunenjacke über die Hard­shell­schicht. Klassische Skijacken, die Regen abweisen und warm gefüttert sind, eignen sich vor allem bei richtigem Sauwetter, brauchen aber viel Platz und können im Aufstieg schnell einmal zu warm werden.

Pflege

Hier triumphiert die Kunstfaser: in die Waschmaschine und fertig. Daune dagegen kann beim Waschen Schaden nehmen. Sie sollte nur mit einem speziellen Daunenwaschmittel gewaschen werden. Beim Trocknen schüttelt man die Jacke am besten alle 30 Minuten aus, um sie schön flauschig zu halten. Oder man legt zwei, drei Tennisbälle mit in den Tumbler.

Umwelt

Hier hat die Daune einen schlechten Ruf, da Daunen entweder von lebenden Gänsen und Enten stammen – oder aber von Tieren, die eigens für die Gewinnung der Federn getötet werden. Einigermas­sen schonend wäre für die Tiere nur der Lebendrupf während der Mauser, wenn die Daunen ohnehin am Ausfallen sind. In unserem Test wurden nur Produkte von Herstellern verwendet, die sich Nachhaltigkeitskriterien verschrieben haben. Produkte von Rab, Columbia, Black Yak, Adidas, Arc’teryx und Outdoor Research entsprechen dem Responsible Down Standard. Fjällräven und Valandré gehen darüber hinaus und überwachen den Weg der Daune vom Tier zum Produkt zu 100%.

Kunstfasern entstehen ohne Tierschutzprobleme, sind jedoch ebenfalls nicht unproblematisch: Abgelöste Mikrofasern bei der Herstellung und beim Waschen verschmutzen die Umwelt.

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