Ist ein SAC-Expeditionskader noch zeitgmäss?

Zum Artikel Ziele der Expeditionsteams: Kirgistan und Baffin Island, «Die Alpen» 02/2019

Nach deutschem Vorbild wurde vor einigen Jahren auch im SAC ein Expeditionskader ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das Bergsteigen bei Jugendlichen wieder attraktiver zu machen. Dass die Begabtenförderung im Alpinismus nun von offizieller Stelle her stattfindet, wird zweifelsohne junge Vorbilder für das klassische Bergsteigen schaffen und somit den Alpinismus bestimmt zu einem erstrebenswerten Ziel von Jugendlichen machen. Ich frage mich, ob es zeitgemäss ist, das deutsche Modell zu kopieren. Wir haben in unserem Land ganz andere geografische Voraussetzungen als unsere nördlichen Nachbarn und bräuchten nicht so weit zu reisen, um attraktiven und sogar pionierhaften Alpinismus zu betreiben. Wie aktuell der weltweit grosse Zulauf bei den Schülerstreiks für das Klima beweist, beschäftigt die jungen Menschen in der Tat die Zukunft unseres Lebensraums. Mit dem Flugzeug zu reisen, um in die Berge zu gehen, sollte im Alpenland Schweiz schlichtweg out sein. Ich wünsche mir, dass man sich beim nächsten Reload des Projekts Expeditionskader Gedanken darüber machen wird, wie genau ein zeitgemässes Modell aussehen würde. Es gibt in unserem Land so viele in Vergessenheit geratene Winkel und einsame Orte, die ein fantastisches Terrain für eine spannende und abenteuerliche Ausbildung der aufstrebenden und begabten Bergsteigerjugend bieten und der zwangsläufig noch bescheidenen alpinistischen Erfahrung der Jugendlichen längst genügen würden. Themen wie Mobilität, Konsumverhalten oder der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, insbesondere im Zusammenhang mit der Hightechausrüstung sollten selbstverständlich sein. Ich plädiere für ein SAC-Alpinismuskader anstelle des SAC-Expeditionskaders, aufbauend auf der Idee der Regionalzentren Bergsteigen.

Stellungnahme Silvan Schüpbach,

Jugendverantwortlicher SAC

Tatsächlich wurden diese Überlegungen bereits beim aktuellen Expeditionsteam gemacht. Die Idee, ein Abschlussprojekt in den Alpen zu erwägen, wurde eingebracht. Allerdings zahlen und entscheiden die Teilnehmenden für ihr Abschlussprojekt selber. Somit entsprechen die Expeditionsziele den Wünschen der Teilnehmenden. Ich persönlich bin einverstanden, dass es dem SAC mehr entspricht, ein Abschlussprojekt in den Alpen anzustreben. Auch sehe ich ebenfalls das Potenzial für ein Abenteuer vor der Haustüre. Gleichzeitig kann ich aber verstehen, dass junge Leute den Drang verspüren, die Welt zu entdecken. Das zunehmende Einrichten von Routen beim Bergsteigen und Klettern in den Alpen ist sicher auch ein Grund, warum junge Bergsteigende das Abenteuer lieber ausserhalb der Alpen suchen.

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