J. Jörger: Urchigi Lüt

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Bekannter ist uns Bergsteigern in letzter Zeit das zum Rheinwaldhorn führende Valsertal geworden, besonders durch den Bau der Lentaklubhütte. Aber wir sollten uns auch bestreben, etwas tiefer in das Geistesleben des in dieser Gegend seßhaften Bergvölkleins einzudringen, besonders wenn es in so genußreicher Weise geschehen kann wie hier. Im Jahrbuch L hatte ich schon auf in Zeitungen zerstreute Dialekt-erzählungen unseres Valser Clubgenossen Dr. Jörger hingewiesen, welche uns in urwüchsiger, humorvoller Weise von den kleinen Leiden und Freuden seiner Valser erzählen. Auf Drängen seiner Freunde und der Bündnerischen Vereinigung für Heimatschutz hat nun Dr. Jörger eine Anzahl Geschichten unter obigem Titel in Buchform herausgegeben. Es sind köstliche, urwüchsige, aber doch feinempfundene Geschichten, die der Verfasser aus dem Leben seiner Mitmenschen, wohl aber auch viel aus seinem eigenen, besonders seiner Jugend, schöpft. Da begleiten wir das „ chli Röckli-buobli " zur Schule, wie es „ Appazeehpicker " wird, begleiten es und die „ Meigga " durch gemeinsame und gegenseitige Streiche hindurch bis zur „ Hürat ". Aber auch mit dem „ alta richa Lediga " gehen wir auf die Brautschau, bis er zu „ e gschida Hürat " kommt. Dazwischen Erzählungen von „ Gschida, die gwüß besser sind as all Brokrater ( Advokaten ) in inna länga Gasagga ( Fräcke ) ", vom „ Geißpur ", der sich aus Holzmangel am Geißmist wärmt, wenn es auch „ stächt ", von Nachtbubenstreichen, Geistern, vom Fatum ( Wenn's nit will, se tagat 's nit ) und anderem mehr. Und doch ist auch mancher warme Ton mit eingeflochten, so die Sage vom Hohen Licht. Auch dem Dialekt Fernstehenden bietet das Verständnis desselben keine besonderen Schwierigkeiten, zumal seltene Benennungen erklärt sind. Jörgers Geschichten sind Musterstücke und eine wertvolle Bereicherung der schweizerischen Dialektliteratur, sowie eine Fundgrube für valserisches Volkstümliches. Auch dem Sprachforscher dürfte das Buch eine Lücke ausfüllen, sei es bei der Vergleichung des Valser Dialektes mit dem Walliser oder dem anderer Walser, sei es zum Studium des Übergangs rätoromanischer Sprachelemente ins Deutsche. Der Hauptwert des Buches aber liegt in dem anhaltenden Genuß, den jedermann beim Lesen der köstlichen Geschichten empfindet.W. Derichsweiler ( Sektion Piz Terri ).

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