Jahrbuch der russischen Bergforschergesellschaft

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Diese beiden Bände, welche mitten im großen Kriege entstanden sind, reihen sich den vorangegangenen würdig an und zeugen von der inneren Vertiefung des noch jungen Alpenclubs. Den besten Beweis für seine Erstarkung bietet der Umstand, daß der Hinschied des Gründers und ersten Präsidenten A. v. Meek, obschon schmerzlich empfunden, keine Unterbindung der gesellschaftlichen Tätigkeit im Gefolge hatte.

Band XI, 138 Seiten stark, mit 39 Text- und Vollbildern und 4 Kartenskizzen, ist hauptsächlich dem Andenken des Gründers gewidmet: Porträte, Begräbnis-, Beileids- und Erinnerungsartikel aus aller Welt. Unter den letzteren zeichnet sich derjenige unseres seither ebenfalls verstorbenen Dr. Andreas Fischer durch Wärme des Tones und Hochschätzung besonders aus. v. Meck war ein recht weitgereister Mann: an Gebirgsgegenden hat er die Pyrenäen ( Pie d' Aneto ), Korsika, die Riviera, Chamonix ( Mt. Blanc ), die Schweiz ( Jungfrau u.a. ), Tirol ( Cortina d' Ampezzo ), die dalmatinische Küste, die Krim und den Kaukasus ( Kasbek u.a. ) besucht, worüber eine Reihe von Beobachtungen erschienen sind in den Annalen der Bergforschergesellschaft, sowie geographischer und verwandter Gesellschaften, denen er zum Teil als Präsident angehörte. Zwei kürzere Aufsätze beschäftigen sich mit dem Kaukasus, nämlich einer von Dr. Vittorio Ronchetti aus Mailand über den 4647 m hohen, in fürchterlichem Sturmwind eroberten Uilpata-Tau am Zeï-Gletscher, und ein anderer, voll intimer Reize, von F. S. Krassilnikow über den ca. 2800 m hohen, mit Pferden begehbaren Maruch-Paß im westlichen Kaukasus, vermittels dessen er von der Eisenbahnstation Njewinnomijskaja an der Kuban-Mündung nach Tschchalta und Suchum am Schwarzen Meer gelangte. N. Korschenjewskij führt uns auf einer Dienstreise von Samarkand durch turkestanische Täler und über Gebirgssättel an den lieblichen, nach Alexander dem Großen benannten Bergsee Iskander-Kul am Nordfuß des Hissarischen Kammes, wobei die Lebensweise der Eingeborenen und ihre halsbrecherischen Pfade unser besonderes Interesse erwecken. Mit einem Aufsatz über Korsika aus dem Nachlaß des A. v. Meck, dem Jahresbericht der Gesellschaft, einer Bibliographie etc. schließt der Band, der auf S. 123/6 ein höchst willkommenes Verzeichnis aller Erstbesteigungen zentralkaukasischer Gipfel bis 1911 bringt.

Band XII, 163 Seiten stark, mit 33 Text- und Vollbildern und 4 Kartenskizzen, enthält vier meist längere Aufsätze: zunächst die Beschreibung einiger leichter Touren in der westlichen Hohen Tatra von Dr. M. G. Saidner, sowie die der ersten touristischen Überschreitung der nordalbanischen Alpen auf dem Wege von Cetinje nach Saloniki von Dr. C. Täuber ( vgl. 50. Jahrbuch des S. A. O. SS. 3—29 ). P. Panjutin erzählt von seiner interessanten, im Sommer 1913 mit fünf Gefährten unternommenen einmonatigen Swanetien-Exkursion, die von Suchum durch das Kodor-Tal über den Arjemua-Paß ( etwas südlich vom Chid-Paß ) ins Tal der Njenskrijra, dann über den Uswir-Paß ins Tal der Nakra führte.Von dort wurde ein Abstecher über den Bak-Paß ins Baksan-Tal unternommen. Schließlich gelangte die Gesellschaft über die Pässe Ugijra, Sagara und Gorwaschi nach Kutaïs. Die Teilnehmer hatten für die Reise Tragesel gekauft, darum Kosten auf den Kopf nur 76 Rubel. Hochinteressant ist sodann namentlich die Schilderung einer gewöhnlichen Sterblichen sonst versagten Pamir-Reise, ausgeführt im Jahre 1913 von zwei weniger alpinistisch als politisch autorisierten Persönlichkeiten, nämlich dem russischen Vizekonsul in Kalkutta L. Ch. Rewelioti im Verein mit dem englischen Major R. St. Clair Battine. Route: indische Nordwestbahn bis Rawalpindi, dann Wagenfahrt, Ritt und Fußmarsch über Srinagar, Bular-See, Bandipur, die Pässe Tragbai und Börsil, Astor, Gilgit, Baltit, die Pässe Mintake und Bei'k, Kisil Rabat, Pamirposten, Ak Baital-Paß 4650 m, Kara-Kul ( „ Schwarzsee " ), die Pässe Kisil Art und Taldik, Ak Bassaga, Gultscha, Osch, Andischan, von wo Bahn nach Taschkent etc. Leider gestattet uns der Raum hier nicht, auf Einzelheiten dieser 2'/amonatigen ereignisreichen Reise einzutreten.

Dem unserer „ Alpina " entsprechenden, mindestens dreimal im Jahr erscheinenden „ Bulletin " entnehmen wir noch, daß eine Reihe von Bestrebungen zur Erschließung des Kaukasus für den großen Touristenstrom im Gange sind ( Bildung von Vei'kehrs-bureaux, Durchtunnelung des Kaukasus, Bau einer Unterkunftshütte am Besingi- Gletscher ). Der Sommer 1914 zeitigte eine Reihe Erstbesteigungen im Kaukasus und hätte ohne Kriegsausbruch wahrscheinlich deren noch viel mehr aufzuweisen. Genannt werden Balijk su Baschi 3905 m, Mukal-Tau 3888 m, Ksgem-Baschi 4009 m, Kullumkol-Baschi 4154 m, P. 4350 m in der Tjutju-Baschi-Kette, Gidan-Tau 4167 m, alle ausgeführt von den Mitgliedern S. J. Golubejew, N. M. Stainooglu, P. S. Panjutin und W. W. Schteip. Ebenso wurde der Andijrtschi 3914 m zum erstenmal bestiegen, und zwar gleich in einer Woche von drei verschiedenen Seiten, nämlich von einem unbekannten Alpinisten, dann von unsern beiden Basler Clubgenossen C. Egger und Dr. G. Miescher, welche auch den Dschan-Tugan 3899 m, Basch Kara 4129 m, Gadijl 4120 m, Kurmijtschi 4058 m, P. 4365 und 4367 beidseits des Freshfield-Sattels und den Koï-augan-baschi eroberten, und von dem Mitglied Galkin. Dr. O. Schuster und Dr. W. Fischer eroberten den Dombai Ulgen 4051 m, Sofrudschu 3800 m, P. 3710, 3427 und 3396. Eine englische Expedition ( Harold Raeburn, R. Richards und H. Scott-Tucker ) säuberte die letzten unbestiegenen Positionen in der Adaï-Choch-Gruppe, eine deutsche ( Dr. Disteli und Tal ) das Tschegem-Gebiet. Im Sommer 1915 wurden von russischen Mitgliedern ( S. J. Golubejew, W. W. Bulgin und R. J. Frolow ) nur der Kitschkidar basch 4360 m, Sarijkol basch 4160 m und P. 4320 ( welcher jetzt den Namen des verstorbenen N. W. Tschurowski trägt ) erobert. Mitgliederbestand 133. Finanzlage gut infolge der großherzigen Vergabung der Familie v. Meck. Es existiert ein kleiner Fonds für eine den Namen des verstorbenen Präsidenten tragende Clubhütte, und ein größerer ( ca. 700 Rubel ) für eine goldene Erinnerungsmedaille, welche an verdienstvolle Förderer des Alpinismus durch Schrift und Tat verliehen werden soll. Die Subsektion Wladikawkas gedeiht gut.

Endlich darf hier noch im Anschluß an obgenannte englische Expedition eine „ Jubiläum des A da l -Choch” betitelte Schrift erwähnt werden. Diese enthält die Besteigungsgeschichte und vor allem den aus einer Zeitung ausgegrabenen ausführlichen Bericht des Zweit- oder Drittbesteigers G. M. Kawtaradse, eines kühnen russischen Topographen, welcher unter vielen Fährnissen im Jahre 1891 mit sechs Kosaken und einem Hunddiesen berühmten Hochgipfel erklomm. Verfasser der 1916 erschienenen Schrift ist der kurz nachher beim Kurort Teberda auf noch ungeklärte Weise verunglückte rührige Kaukasus-Forscher Ingr. R. Athanasieff aus Odessa.

Dr. C. Täuber ( Sektion Uto ).

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