Klettersteig am Salbit-S-Grat?

Zu « Klettersteige Videmanette » und « Via Ferrata del Lago » in ALPEN 7/2005 Tourismusverbände planen einen neuen Klettersteig am Salbit-S-Grat mit 540 Stahlbügeln und über 200 m Stahl- seil. Der landschaftlich grossartige Klet- tersteig sollte es auch Nichtalpinisten er- möglichen, den soliden Urner Granit zu geniessen. Die fotogene Gipfelnadel schliesslich könnte über eine eindrucks- volle Hängebrücke ganz ohne Felskon- takt erreicht werden. Frage: Müssen wir es so weit kommen lassen? Können wir dieses zum Glück noch fi ktive Horror- szenario abwenden? Als verantwor- tungsbewusster Alpinist, der nicht Gipfel und Route « konsumieren », sondern die wilde Natur geniessen und die eigene Leistungsgrenze ausloten will, sage ich klar NEIN zu Klettersteigen. Und ich er- warte von den ALPEN einen viel kriti- scheren Blick auf das aktuelle Treiben. Bis jetzt galt meines Wissens das Credo, dass Klettersteige ausschliesslich in brü- chigen und für Alpinisten nicht lohnen- den Wänden eingerichtet werden, ob- wohl ich mich auch dagegen ausspreche. Wenn ich mir aber die Bilder der Kletter- steige am Rubli anschaue, sieht das nach tollem, für « richtige » Kletterer durchaus kletterbarem Fels aus. Wohin führt das? Müssen wir unverbauten Fels bald in Südamerika oder Asien suchen? Ich verlange nicht, dass sich die ALPEN gegen Klettersteige aussprechen. Ich erwarte aber vermehrt kritische Re- daktionskommentare zu Berichten wie in den ALPEN 7/2005. Und schliesslich möchte ich, dass klar zwischen Alpinis- ten und Klettersteiggehern unterschie- den wird. Alpinisten brauchen keine Stahlbügel, um eine Route zu klettern! a J o n a s S p i l l m a n n, B a s e l

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