Klimawandel bedroht Existenz von SAC-Hütten

Bereits im vierten Album zu den Clubhütten des SAC von 1927 waren 106 Hütten verzeichnet. Inzwischen sind es 153. Die meisten der heutigen SAC-Hütten sind demzufolge 100 und mehr Jahre alt: ein eindrücklicher Leistungsausweis für das Bauen im hochalpinen Umfeld mit seinen Wetterextremen und Naturgefahren. Offenbar wurden die Hüttenstandorte mit grosser Umsicht ausgewählt.

Als ich 2008 als Geologe Mitglied der Kommission Hütten und Infrastruktur wurde, schien die Hüttenwelt noch in Ordnung. Zwar beherrschten in den Medien häufig Naturgefahren, Permafrost und das Unwort «bröckelnde Berge» die Debatte. Eine von mir durchgeführte interne Studie zeigte für die vergangenen 15 Jahre jedoch noch relativ wenige bedrohliche Naturprozesse bei den Hütten. Für 25 Hütten mit Gletscherzustiegen prognostizierte ich aber grössere Schwierigkeiten wegen des Rückgangs der Gletscher, und ich empfahl finanzielle Rückstellungen. Seit 2008 haben die SAC-Sektionen 54 Millionen Franken in den Hüttenbau, aber nur 1,5 Millionen Franken in die Bewältigung von Naturgefahren investiert. Jüngste Ereignisse wie die Bergstürze am Pizzo Cengalo 2011 und 2017 oder die Massenbewegung im Gebiet Bim Spitze Stei in Kandersteg haben nun aber die Verletzlichkeit der Zustiege zu den SAC-Hütten offenbart. Die Bergstürze am Pizzo Cengalohaben das Val Bondasca vollständig verschüttet und die Capanna Sasc Furä CAS vorübergehend und die Capanna di Sciora CAS bis auf Weiteres unzugänglich gemacht. In Kandersteg bahnt sich ein ähnliches Szenario an: Felsstürze und Murgänge vom Spitze Stei könnten den Zustieg zur Fründenhütte SAC auf Jahre hinaus unmöglich machen. Mehrere Hüttenzustiege wurden bereits von den Behörden aus dem Wanderwegnetz entfernt, mit der Konsequenz, dass die Besucherzahlen abgenommen haben. In der Umgebung der 1895 erbauten Mutthornhütte SAC kam es in den letzten 20 Jahren aufgrund des markanten Gletscherrückgangs zu Felsstürzen (ab Seite 38). Nun bedroht eine grosse Felsbewegung in unmittelbarer Nähe der Hütte deren Existenz. All diese Vorgänge stehen zweifelsohne in direktem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Mehr als 100 Jahre Ruhe sind vorbei. Muss der SAC gar erstmals in seiner neueren Geschichte einzelne Hütten wegen des Klimawandels aufgeben?

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