«Langsam hat jede ihre Rolle gefunden»

Sechs junge Frauen lernen im SAC das Einmaleins des Expeditionsbergsteigens. Wir begleiten sie mit einer losen Serie.

Rahel Schönauer: Oh ja, ich finde besonders das Mixed-Klettern in Eis und Fels sehr cool. Es ist wie Klettern, nur dass man mit den Eisgeräten unterwegs ist. Ich mag die Bewegungen und finde es echt herausfordernd, wenn es zwischendurch etwas «gwagglig» wird und man sich fragt: Hält das wohl?

Zwischendurch ist es brutal. Da darf man sich nicht zu schade sein und muss etwas leiden. Was mich fasziniert ist die Technik, die wir auch in den Kursen geübt haben. Den Pickel richtig einzuschlagen, ist gar nicht so einfach. Man hört es mit der Zeit, wenn es gut kommt, oder spürt es: Das Gerät vibriert leicht und wird richtig ins Eis gesaugt.

Das ist ein komplexer Punkt, fast so schwierig wie die Beurteilung der Lawinengefahr. Viele Faktoren spielen eine Rolle, schon Temperaturschwankungen können einem einen Strich durch die Rechnung machen.

Wir werden kaum einen Eisfall klettern, eher treffen wir auf Mixed-Gelände. Wir haben uns verschiedene Seitentäler des Karavshin-Tals im Südwesten von Kirgistan ausgesucht. Das Karavshin-Gebiet ist relativ bekannt wegen seiner Granitwände. Da, wo wir hinmöchten, gibt es unbekannte Gipfel im kombinierten Gelände, die uns interessieren. Gerade jetzt sind wir damit beschäftigt, herauszufinden, was die russischen Bergsteiger in dieser Region alles schon gemacht haben – das ist gar nicht so einfach.

Es gibt natürlich viel zu tun, um die ganze Expedition zu organisieren und zu finanzieren. Wir haben uns in Zweierteams aufgeteilt und bearbeiten bestimmte Themen: Sponsoring, Material, Packliste, Reise, Visa und so weiter. Dazwischen sind wir immer wieder zusammen unterwegs und absolvieren auch letzte Ausbildungstage.

Wir haben vieles gelernt und verbessert. So wissen wir jetzt, wie wir effizient unterwegs sein können. Am Anfang haben wir viel Zeit verloren, weil wir oft aufeinander gewartet haben. Langsam hat auch jede ihre Rolle gefunden, und so harmonieren wir wirklich gut.

Expeditionsteams des SAC

Der SAC fördert mit einem speziellen dreijährigen Programm junge Bergsteigerinnen und Bergsteiger, um sie für eine Expedition fit zu machen. Es gibt ein Männer- und ein Frauenteam. Die 24-jährige Rahel Schönauer aus dem Kanton Appenzell gibt stellvertretend für ihre Kolleginnen Einblick in die Erfahrungen des Frauenteams. In mehreren Kursen werden sie in Eis- und Mixed-Klettern, Big-Wall-Techniken, Bergrettung oder Biwakieren geschult. Das Gelernte üben die zwölf Teilnehmenden regelmässig auf privaten Touren in ihrem Team. Ihr Ziel ist, selbstständig eine Expedition zu organisieren und zu finanzieren.

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