Ludwig Meyer: Im Schatten des Ganterisch

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Auch in diesem Büchlein spricht sich ein starker schriftstellerischer Wille aus; der Stil dieses jungen Berners ist freilich nicht so scharf geschliffen wie der Professor Walsers, ist klobig, knorrig und urwüchsig, aber, weil dem Gegenstand angemessen, durchaus ehrlich und sympathisch. Die Gestaltungskraft des Dichters in diesen Skizzen ist der Reife schon sehr nahe und beruht auf einer feinen Empfindung für die unbeseelte wie für die beseelte Natur. Den Alpinisten im Leser werden einzelne Schilderungen aus dem Voralpengebiet, welches der Titel andeutet, wie die Kapitel: In der Steinhub, das Schauklettern an Nünenen, die Treibjagd über den Krummen-fadengrat, durch ihre topographische Treue fesseln; der volkskundlich Gebildete wird sich ergötzen an den vielen Sagen, Schwanken, Spaßen und nachbarlichen Spöttereien, welche überall, besonders aber in den drei letzten Kapiteln: An Seuchen-alp, Schreckschatten, die Hirschmontagsfuhr ( ein wahres Kabinettsstück ), eingestreut sind. Und wer noch tiefer schürft, wird inne werden, daß man weit in der Literatur zurückgehen muß, um auf Autoren zu stoßen, die ein prophetisches Seelenband mit der tierischen Kreatur und dem dämonischen Walten der Elemente in der Bergwelt so innig verbindet wie diesen Berner mit seinem bodenständigen Buch. Aus andern Kapiteln, wie Binggelis Hühner, Binggeli der Welschlandgänger, das Nacht-gefecht, können wir Schlüsse ziehen auf den durch seinen Namen ja nicht aus der Menge hervorstechenden Dichter, seine Jugendumwelt, seine Bildung und Lebenserfahrungen. Wir haben es hier, wie auch die eingestreuten Verse, namentlich „ Höhenfeuer ", beweisen, mit einem Werdenden zu tun, dessen Bedeutung heute schon weiter reicht als der Schatten des Berges, unter dem er schreibt. Die Illustrationen von E. Cardinaux sind ebenfalls gut gelungen.BedaMion.

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