Madonna auf dem Gipfel des Dent du Géant

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Von Hans Moldenhauer.

Mutter Gottes, die du sanft auf Erden wandelst und den menschlichen Beschwerden Trost verschenkst auf Tempels Stufen, dich hatte ich nie gerufen!

Hilfe fand ich aus der eignen Kraft,

und der Wunder und des Glaubens Saft

sog ich nicht aus den Gebeten.

Wenn ich einmal träumte, wehten

die geheimsten Wünsche nicht zu dir.

Bild nur warst du. Sieh, Madonna: Mir

bleibt auch jetzt dein Glanz verwehrt.

Was mir strahlt, wird mir zum Schwert

Damals aber, als ich auf dem Gipfel stand, hart geballt vom Kampf war noch die Hand, Fels und Abgrund, Blitz und Regen gaben meinem Sieg den Segen —

Steiler Aufstieg und Gefahren lösten alles Starre. Der Madonna Trösten fand den Krieger aufgeschlossen. Gnade schenkte sie wie Rosen.

Nicht als Bettler küsste ich die Hände, nahm sie erst an Dornenweges Ende. Erst als nach der letzten Wand mir die sanfte Mutterhand

Die Alpen — 1936 — Les Alpes.32

Kunde gab von meiner Eitelkeit: kämpfen, steigen ohne Rast und Zeit über Berge zu den Sternen, weiter in verhüllte Fernen —

Damals nahm ich ihren stummen Segen als die Krönung meiner Tat entgegen. Und der höchsten Gipfel Flur schien die erste Sprosse nur

auf dem Weg, der ewig unvollendet heute und fortan die Kraft verschwendet. Du, Madonna, liessest ahnen, gabst zugleich ein freundlich Mahnen,

wo des Daseins letzte Grenzen liegen. Wer mit sich kämpft, wer sich will besiegen, wandere zu deinem Thron, dass auch er sei Gottes Sohn.

Denn Erlösung, Frieden wird verliehen nur den Menschen, die sich selbst entfliehen. Sinnbild dieser höchsten Ruh bleibst fortan, Madonna, du!

Wenn der Sturm geht und wir kämpfen müssen, legen wir das Schicksal dir zu Füssen. Deine Gnade: unser Ziel! Alles komme, wie Gott will.

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