Michel Darbellay (1934–2014)

«Ich gehe Aprikosen holen», sagte er seiner Mutter, als er an einem Morgen im Jahr 1963 das Haus verliess. Aber an diesem Tag kletterte er nicht auf einen Aprikosenbaum, sondern durch eine 1800 Meter hohe Felswand. Am gleichen Abend noch kehrte Michel Darbellay von Grindelwald nach Hause zurück, nachdem er die erste Solobesteigung der Eigernordwand hinter sich gebracht hatte. Ein Jahr vor seinem 30. Geburtstag schrieb sich der junge Bergführer aus La Fouly damit in die Geschichtsbücher des Bergsteigens ein. Im vergangenen Juni, 51 Jahre nach seinem Exploit, kam er am Ende eines anderen langen und schweren Kampfes an. Er verstarb im Alter von 79 Jahren.

Michel Darbellay hat die 1960er-Jahre mit seinen besonders tollkühnen Unternehmungen geprägt. Bevor er 1963 in die berüchtigte Eigernordwand einstieg, hatte er sich bereits in seinem Heimattal, dem Val Ferret, einen Namen gemacht. Er hatte 1952 in den Platten des L’Amône zusammen mit seinem Bruder eine erste Route Darbellay eröffnet und legte 1962 eine weitere Route Darbellay am Petit Clocher du Portalet in den Fels). Sie wurde ein grosser Klassiker. Bescheiden, wie er war, verlor Michel Darbellay nie viele Worte über seine zahlreichen Erfolge in den Alpen und anderswo. Er kletterte nicht wegen des Ruhms. Er hatte das Bergsteigen einfach im Blut und fand darin sein Glück.

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