Neue Koordinaten für die Schweiz Für Bergsportler ändert sich wenig

Die swisstopo hat die Schweiz neu und viel genauer vermessen. Das hat Auswirkungen auf die neuen

Kartenblätter – aber nur wenig auf den praktischen Gebrauch.

Wer die Koordinaten der neuen Landeskarten näher angeschaut hat, wundert sich vielleicht etwas: Aus den ­vertrauten Koordinatenangaben mit dreistelligen Werten sind vierstellige Zahlen geworden. Ein Beispiel vom neuen Kartenblatt Aarau (1 : 25 000): Die Gisliflue, ein bekannter Aussichtspunkt, liegt in einem Kilometerquadrat, das bisher mit 650/252 bezeichnet wurde. Auf der neuen Karte ist dasselbe Quadrat mit 2 650/ 1 252 angegeben. Grund für die Änderung ist die neue Landesvermessung, die 1995 eingeführt und auf der Onlinekarte map.geo.admin.ch bereits umgesetzt worden ist. Sie wird nun ab 2014 auf die neu erscheinenden Kartenblätter übertragen.

Gleichzeitig sind die Messdaten genauer geworden. Die bisherigen Koordinaten der Schweiz sind schon mehr als 100 Jahre alt. Sie wurden im Rahmen der Landesvermessung von 1903 (LV03) ermittelt und basieren auf den klassischen Triangulationsmessungen. Für diese wurden auch die bekannten Pyramiden, wie jene auf der Gisliflue, errichtet.

Genauere Daten dank GPS

Damals konnte man noch keine ge­nauen Distanzen über lange Strecken ­messen. Daher weisen die bisherigen Koordinaten zwischen Genf und dem Engadin Differenzen von zwei bis drei Metern auf. Das ist heute anders: Dank Satellitenunterstützung und dem Global Positioning System (GPS) verbesserte das Bundesamt für Landestopografie swisstopo die Landesvermessung.1 In den 1990er-Jahren bestimmte die swisstopo neue Fixpunkte mittels GPS zentimetergenau – man spricht dabei von der Landesvermessung 1995 (LV95).

Durch die verbesserten Messmetho-den unterscheiden sich die neuen, genaueren Koordinaten der Gisliflue um 79 beziehungsweise 15 Zentimeter von den alten Werten: Statt wie bisher 650 536.97/252 948.48 in der LV03 betragen sie mit der LV95 nun 2 650 537.76/1 252 948.632.2

Von Bedeutung sind die neuen Koordinaten vor allem im Vermessungs- und Baubereich, weil so jeder Punkt der Schweiz genauer berechnet werden kann. Ansonsten bleiben die Kartenprojektion der Schweiz und damit auch die bisherigen Vorteile des Landeskoordinatensystems vollumfänglich erhalten.

Zusätzlich werden in den neuen Karten die geografischen Koordinaten des World Geodetic System 1984 (WGS 84) verfeinert dargestellt (siehe Kasten). Die genaue Position am genannten Beispiel der Gisliflue ist demnach 47° 25' 31" N/8° 6' 30" E.

Auf Onlinekarten direkt ablesen

Fazit: Für die Berggänger ändert sich beim Gebrauch der Karten nichts. Schliesslich sind die Änderungen im Dezimeterbereich für Kartennutzer nicht relevant, sind doch 2,5 Meter in der Wirklichkeit bloss 0,1 Millimeter in der Landeskarte 1 : 25 000. Man kann die Positionen in der Natur wie bisher dank dem rechtwinkligen Koordinatengitter auf den Papierkarten bestimmen oder bei den Onlinekarten direkt ablesen.

Benutzt man hierzu eine neue Papierkarte, die bereits über die neuen Koordinaten verfügt, oder verwendet man die Onlinekarte map.geo.admin.ch, wird man korrekterweise die Ziffern­erweiterung übernehmen. Damit ist klar, dass die Position anhand der neuen Vermessung ermittelt worden ist. Dies ist aber nicht zwingend. Auch mit den bisher sechsstelligen Koordinatenpaaren (ohne die Erweiterung E = 2 und N = 1) kann jeder Ort nach wie vor mit einer für den Bergsport völlig hinreichenden Genauigkeit lokalisiert werden. Dies jedenfalls solange die handelsüblichen Outdoor-GPS-Geräte das erweiterte Format nicht unterstützen oder verlangen.3

Auch wenn man mit solchen Instrumenten nur noch sehr selten eine manuelle Positionsbestimmung mit der Papierkarte vornehmen wird, kann es nützlich sein, wenn man noch weiss, wie das geht, schliesslich können die elektronischen Helfer auch einmal streiken.

{f:if(condition: label, then: label, else: header} Geodätische Bezugssysteme

Es gibt weltweit verschiedene geodätische Bezugssysteme. Die Schweizer Landeskarte beruhte bisher auf dem Bezugssystem CH1903, einer schief­achsigen Zylinderprojektion. Das Zentrum dieses Koordinatensystems mit den Werten 600 000/200 000 liegt am Ort der ehemaligen Sternwarte in Bern, dem heutigen Institut für ­exakte Wissenschaften der Universität Bern. Das neue Schweizer Bezugssystem der Landesvermessung LV95 wird als CH1903+ bezeichnet und hat für den gleichen Ausgangspunkt in Bern – wie im Haupttext erläutert – neu die Koordinatenwerte 2 600 000/1 200 000.

Das international wichtigste Gitter ist das früher rein militärische World Geodetic System 1984 (WGS 84), auf dem auch die GPS-Navigation basiert. Dieses System stützt sich, wie in der Navigation üblich, auf Längen- und Breitengrade, und die entsprechenden Koordinaten werden in Graden, Minuten und Sekunden (oder Dezimalgraden mit Kommastellen) angegeben. Dieses Format ist für metrische Berechnungen jedoch nicht besonders geeignet und wird daher länderspezifisch in lokale Formate umgerechnet, was von den meisten GPS-Geräten ­unterstützt wird. In der Schweiz wird man dazu in den meisten Fällen das vertraute und bewährte Format der Landeskarte verwenden. Für die Umrechnung der verschiedenen Formate stehen auch in den einschlägigen Internetportalen diverse Tools zur Verfügung, auch für Smartphones.

Wenn man sich aber im Ausland aus­serhalb der Schweizer Landeskarte befindet, ist es ohne GPS-Gerät schwieriger, die eigene Position auf einer Papierkarte zu bestimmen, denn bei vielen touristischen Karten ist kein Koordinatensystem angegeben. Falls überhaupt eine Auswahl vorhanden ist, lohnt es sich, vor dem Kauf darauf zu achten, ob die WGS-84-Koordinaten dargestellt werden. Um die aktuelle Position auf einer solchen Karte zu bestimmen, erweist sich auch die Rega-App für Smartphones als nützlicher Helfer: Mit der Funktion «Ortung» werden die WGS-84-Koordinaten dargestellt. Dies funktioniert weltweit auch ohne GMS-Versorgung.

Feedback