Norman Dyhrenfurth (1918-2017)

Mit dem amerikanisch-schweizerischen Alpinisten ist das letzte Mitglied der zweiten Schweizer Expedition zum Everest gestorben.

Das Team für die Schweizer Herbstexpedition 1952 zum Everest war komplett. Nur ein Kameramann fehlte noch: «Mein Vater hat gesagt: Nun ja, mein Sohn, der ist ein guter Bergsteiger, und er ist Filmemacher. Da bekam ich eine Einladung der Schweizer, um zum Mount Everest zu gehen. Von da kam mein Himalaya-Fimmel», erinnert sich Dyhrenfurth im Buch Zum dritten Pol (AS Verlag, 2007). Nach der Expedition legte er seine Professur für Film an der kalifornischen Ucla School of Theater, Film and Television nieder. Und widmete seine ganze Energie dem Himalaya. Den Grundstein dafür hatten seine Eltern Hettie und Günter Oskar Dyhrenfurth gelegt. Sie gelten als Himalaya-Pioniere der 1930er-Jahre und hatten ihren Sohn schon früh ins Bergsteigen eingeführt. Geboren wurde er 1918 in Breslau. Fünf Jahre war er alt, da zog die Familie nach Salzburg, zwei Jahre später in die Schweiz. 1937 folgte Dyhrenfurth seiner Mutter nach Amerika.

Wahnwitzige Idee

Nachdem Norman Dyhrenfurth auch bei der schweizerischen Expedition zum Dhaulagiri 1960 bergsteigender Filmmann war, setzte er sich in den Kopf, den Everest zu besteigen. Weil das aber schon Hillary und Tenzing gelungen war, musste eine neue Idee her. Und die war: den Everest zu überschreiten. «Sie haben etwas vollkommen Wahnwitziges gemacht», kommentierte das die Himalaya-Chronistin Eli­zabeth Hawley noch 50 Jahre danach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch die 1963 von Dyhrenfurth geleitete amerikanische Expedition gelang. Er stieg selbst mit der schweren Kamera im Rucksack fast bis zum Gipfel auf. Daraus schuf er einen so spektakulären Film, dass die National Geographic Society ihr Fernsehprogramm im Jahr 1965 mit seinem Film Americans on Everest eröffnete.

Die vergangenen Jahrzehnte lebte Norman Dyh­renfurth mit seiner Lebensgefährtin Maria Sernetz in Salzburg. Am 24. September ist er dort im Alter von 99 Jahren in einer Klinik verstorben.

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