Österreichische Alpenzeitung

Leichter als dies bei dem Riesenverein des D. & Ö.A.V. möglich ist, läßt sich im O. A. C. bei seinem kleinen Mitgliederbestand ( zirka 800 ) und seiner Geschlossenheit ( nur wenige Ortsgruppen und „ alpine Gesellschaften " außer dem Gesamtverein ) die touristische Leistung übersehen, wie sie in den Tourenberichten von 1910 und in dem Tourenverzeichnis von 1909 vorliegen. Diese ist im Verhältnis zu der Zahl ungemein fruchtbar und ebenso die Betätigung im Hüttenwesen, trotz der bescheidenen Mittel des Vereins, von denen zudem volle 50 °/o der Mitgliederbeiträge auf das Vereinsorgan verwendet werden. Dieses enthält wieder eine Reihe von interessanten Aufsätzen und kleineren Mitteilungen aus sehr verschiedenen Berggebieten. So die „ Grandes Jorasses ( 4196 m und 4205 m ) ", von Dr. Richard Weitzenböck, aus den Westalpen; die „ Kette der Mugonispitzen in der südlichen Rosen- gartengruppe ", von Robert Liefmann, „ aus der Seisera auf den Montasch ", von Franz Nieberl, „ Ersteigung des Ankogels aus dem Anlauftale ", von G. Bilgeri, „ aus den Bergen des Oberrheintales ", von Anton Schmid, „ die Nordflanke des Einserkofels in den Sextner Dolomiten ", von Otto Langl, „ Auronzanerspitze und Zwölfer-kofel-Nordostwand ", von Bergführer Otto Oppel, „ eine Durchquerung der Ötztaler Alpen ", von Eduard Lucerna, „ eine Bergfahrt in den Pragser Dolomiten ", von Alfred Vinazzer, und andere mehr aus den Ostalpeneine Besteigung des Parnaß ", von L. Schiestl, „ zwei Abruzzentouren ", von Alfred v. Martin, „ Bergfahrten auf Korsika " von Eduard und Dr. Roman Lucerna, „ alpine Bergfahrten im winterlichen Riesengebirge ", von Dr. G. Dyhrenfurth, „ die neuen Touren in der Hohen Tatra im Jahre 1909 ", von Dr. Jenö Serenyi, Bericht über die Kaukasusexpedition 1910, von Dr. Oscar Schuster, aus außeralpinen Gebirgen Europas. Nach Südamerika führt uns die an Ergebnissen reiche und mit schönen Naturaufnahmen illustrierte „ Juncalexpedition ", von Dr. Fritz Reichert, nach Island die abenteuerliche Geschichte „ fünfzig Stunden im Banne der Folgefond ", von Paul Schnabel, und in die Lüfte entführen uns, wenigstens theoretisch, „ einige Gedanken über die Beziehungen zwischen Alpinismus und Luftschiffahrt ", von Margarethe Große. Die alpinen Tagesfragen erfahren auch in der Ö.A.Z. eingehende Besprechung. So das Thema „ Sport und Kultur ", von Ludwig Sineck, J. A. Weiß und als „ Nachwortsentgegnung und etwas mehr " von H. Steinitzer. Die Bemerkung des letztern: „ Dennoch muß ich den Kampf gegen den überhandnehmenden Sportsbetrieb für gänzlich aussichtslos halten — weil mit demselben zu viel materielle Interessen verknüpft sind — und diese Faktoren — sich zweifellos gegen jeden wenden würden, der versuchen wollte — ihn einzuschränken " müßte einen unsäglich traurig stimmen, wenn Steinitzer nicht gleich darauf konstatierte, daß der „ Alpinismus — einstweilen noch — eine Ausnahmsstellung einnimmt, daß seine Entwicklungsmöglichkeit ausschließlich den Händen der Alpinisten anvertraut ist, daß aber auch, wer sportliche Maßstäbe für ihn einführt, ihn seiner vornehmsten Eigenart beraubt ". Das heißt mir und manchem alten Bergsteiger aus der Seele gesprochen. Daß aber auch die jüngeren anfangen aufzupassen, zeigt der Eifer, mit welchem von Karl Burchardt und Alfred von Martin die Bewertung der Touren und Tourenverzeichnisse nach den herkömmlichen oder neu zu schaffenden Rubriken und Terminologien diskutiert wird. Der Skisport wird auch durch technische Artikel ( mit Abbildungen ) von Franz Nieberl und Rudolf Rother gefördert, und die Redaktion ist eifrig bemüht, durch vermehrte Bücherbesprechungen ihre Leser auf dem laufenden zu erhalten und wegen Platzmangel Zurückgelegtes aufzuarbeiten. Für dieses Jahrbuch hat sie es immerhin erst bis zum 42. Jahrgang 1906/1907 gebracht.Redaktion.

IV.

Chronik des S.A.C.

für das Jahr 1910.

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