Otto von Greyerz: Im Röseligarte

Einem Begleitzettel des Verlags entnehme ich, daß die ersten drei Bändchen nun in über 20,000 Exemplaren im Schweizerland verbreitet sind. Auch das vierte Bändchen ist einer guten Aufnahme sicher, und speziell uns Alpenclubisten bietet es eine Reihe vertrauter Lieder in echter Fassung, die vielleicht manchem nicht so vertraut ist, aber es rasch werden wird. Ich nenne: „ Harz wohi ziehet es di ", von G. J. Kuhn, 1819, Melodie von Ferd. Huber; „ I de Flühne isch mis Labe ", von dem nämlichen Dichter ( 1805 ) und Komponisten; „ Niene geit 's so schön und lustig wie daheim im Emmetal ", Text und Melodie von Christian Wiedmer, 1848; „ Üsen Ätti, daß er täti ", der Kühreihen der Entlebucher, zuerst erwähnt von Karl Spazier im Anhang zu seinen „ Wanderungen durch die Schweiz ", Gotha 1790. Von Greyerz gibt an, daß die korrektere Melodie, welcher er folgt, bei J. R. Wyß: „ Sammlung von Schweizer Kühreihen und Volksliedern ", vierte Ausgabe, Bern 1828, zu finden sei, und der bessere Text für Strophe 1—3 im „ Schweizer Liederbuch ", Aarau 1833, für Strophe 4—6 im " Gedenkblatt an das eidgenössische Schwingfest in Bern 1887 ". Den dem verschwundenen Original am nächsten kommenden Text und die entsprechende Melodie hätte von Greyerz, wenn ihm das Heft zugänglich gewesen wäre — ich habe es nach jahrelangem Suchen erst kürzlich erworben —, beisammen gefunden in den „ Acht Schweizer-Kühreihen, mit Musik und Text ", Bern, gedruckt bei Ludwig Albrecht Haller, 1805. Andere für uns interessante „ Berglieder " des vierten Bändchens des „ Röseligartens " sind: „ Uf de Bärge isch guet läbe ", von G. Kuhn und F. Huber, 1818, und „ Us de Bärge, liebi Fründi ", von Chr. Wälti, 1844. Aber auch die andern Nummern dieses Bändchens sind so hübsch, und Rud. Münger hat sich in den Charakter dieser Lieder so „ hineingezeichnet ", daß man es mit Bedauern liest, daß die Sammlung demnächst mit einem fünften Bändchen abgeschlossen werden soll. Wir hoffen diesmal, die Herren werden ihr Wort nicht halten.

Redaktion.

Hans Rudolf Schinz: Reise von fünf Zürchern über die Berge Gotthard, Furka, Gemmi und Brünig im Heumonat Anno 1763.

Mitgeteilt von Dr. Jac. Werner. Separatabdruck aus dorn Zürcher Taschenbuch 1911.

Es ist verdienstlich, daß aus den Papieren von Hans Rudolf Schinz, denen schon der in Jahrbuch XLV, pag. 422, besprochene „ Zürcher Besuch im Kloster Engelberg " entnommen ist, uns die hübsche Reisebeschreibung von 1763 geboten wird. Denn Schinz ( 1745—1790 ) gehörte zu der Gruppe von Züricher Naturfreunden, denen die Wiederbelebung des Alpensinns an der Limmat nach J. J. Scheuchzers Tode zu verdanken ist, für welchen die Bodmer und Breitinger nichts oder wenig übrig hatten. Wir lernen aus Schinz'Reise manches, was wir bisher nicht wußten oder vergessen hatten. So sah Schinz „ bey dem Wihrt in Gestinen einen starken Vorraht brauner und weißer Chrystallen, die aus umliegender Gegend und im Sandbahlen, der berühmten Grub gebrochen worden ". Pikant ist, was ( pag. 170 ) über den Antagonismus zwischen den Urserentalern und Urnern im Jahre 1763 erwähnt wird, und ebenso die Schilderung von dem Aufenthalt bei den Kapuzinern auf dem St. Gotthard, wenn wir sie mit den von Saussure und Goethe gegebenen vergleichen. Zwischen Realp und der Furka zeigte der Führer „ auf linker Seiten der Reuß einen grad vor uns überstehenden Felsen, in dessen Gegend des Amman Müllers Großvater einen Carfuncul von ungewöhnlicher Größe entdeckt haben soll " usw. Und weiter heißt es ( pag. 175 ): „ Zu oberst auf dem Berg Furca gehet der Weg zwischen zwey Erhöhungen durch, danahen er Furca heist; auf einer dieser Höhenen stehet der Scheidmarchen des Urschelerthals, des Landes Wallis und des Bernergebiets, und man kann in ½ Stund alle diese Gebiete betreten. " Diese Bemerkung, die mit den heutigen Verhältnissen, wie Dr. Werner anmerkt, nicht stimmt, ist ebenso auffällig, wie die darauf folgende Schilderung des Ursprungs des Rhodans aus dem Rhonegletscher. Danach — sie ist allerdings schwer verständlich — sollte man meinen, daß 1763 der Rhonegletscher in zwei Zungen, einer obern kürzern und einer untern längern ausgelaufen sei, zwischen denen sich die „ 4 oder 5 kleinen steinernen Käshütgen " von Gletsch befanden, während auf dem oben pag. 250 reproduzierten, leider nicht datierten Bild von Heinrich Wüst die Zunge sich einheitlich bis zu diesen vorwölbt. Von Laax kam Schinz ( pag. 179 ) „ auf einem gefehrlichen Weg über die Vorberge des Antonienbergesu, aber es ist nicht klar, was er unter diesem letztern Namen versteht. Nach der Beobachtung von Schinz ( pag. 185 ) lag 1763 die Sprachgrenze bei Stadt Leuk. Von „ Baaden ", wie er das Leukerbad kurzweg nennt, ging Schinz über die Gemmi. Er bemerkt von dieser: „ Anno 1736 ( tatsächlich 1 739—1742 ) ist dieser Weg ganz neu gehauen und gebahnet worden. " Bei Schwarenbach forderte man den Reisenden „ den Wegzoll zu Handen des Landes Wallis, welcher an einen Bernbietler verpachtet ist. Hier ist es sehr einsam und schauderhaft, man siehet nichts als Felsen und höret die ersten aus dem Daubensee kommenden Wasser der Kander förchterlich brausen ' ". Wenn man nicht wüßte, daß die wahrscheinlich irrige Vorstellung, der Daubensee fließe unterirdisch ins Gasterntal ab, auch bei Haller und Gruner spukt, wäre man geneigt, diese Sinnestäuschung von Schinz dem „ guten Muskatellertraubenwein und Ryfwein " zuzuschreiben, welchen er im Wirtshaus von Schwaribach getrunken hatte. Daß Schinz für gute Aufnahme empfänglich war, ersehen wir aus seiner Bemerkung ( pag. 190 ) über Interlachen: „ Wir kehrten in dem Wihrtshaus ein bey Christian Freyburg, dem ehrlichsten Wihrt, der vielleicht in der Welt ist.Redaktion.

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