Pro und Kontra: Braucht es in SAC-Hütten Suiten? Pro von Fridolin Vögeli

Der Komfort in SAC-Hütten steigt. Die Betten werden breiter, die Zimmer kleiner. In immer mehr Hütten können die Gäste Doppelzimmer buchen. Wie viel Luxus braucht es in den Hütten? «Die Alpen» haben die Meinung von zwei Hüttenwarten eingeholt.

«‹Die Chamanna Jenatsch ist eine Winterhütte›, sagte unser Sektionspräsident, als wir anfingen. ‹Im Sommer sind die Gipfel hier ohne Übernachtung erreichbar.› Seit einiger Zeit werden aber die Skitouren im Winter schwieriger: Es wird wärmer, die Stürme werden heftiger und die Gletscher schmelzen mit erschreckender Geschwindigkeit. Deshalb haben wir uns gesagt: Wir müssen etwas tun, damit es einen guten Grund gibt, auch im Sommer zu uns zu kommen.

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Das Angebot zieht vor 
allem etwas ältere Semester an, die die Ruhe suchen 
und abschalten wollen.

Zuerst haben wir unser Hüttenwartsstübli geopfert und zu einem Zweierzimmer umgestaltet. Das neue Angebot wurde sofort gut genutzt. Darum haben wir noch ein Angestelltenzimmer umfunktioniert und einem ehemaligen Achterzimmer eine Suite abgezwackt. Für das vierte Doppelzimmer haben wir draussen eine kleine Hütte aufgestellt, das ‹Heimeli›. In all diesen Doppelzimmern gibt es frische Bettwäsche, Handtücher und am Abend ein warmes ‹Chriesisteisäckli›. Wer im Doppelzimmer nächtigt, zahlt 30 Franken zusätzlich, das ‹Heimeli› kostet 40 Franken mehr.

Wir haben in den Suiten eine Auslastung von unglaublichen 90% bis 95%! An den Wochenenden könnten wir sie oft zwei- oder dreimal besetzen. Das Angebot zieht vor allem etwas ältere Semester an, die die Ruhe suchen und abschalten wollen. Sie schätzen es, für sich zu sein, ohne Schnarcher, ohne Hüttenschlafsack, ohne Stress beim Aufstehen. Sie bleiben häufig etwas länger, auch mal eine ganze Woche. Es sind Menschen, die sich gelegentlich eine gute Flasche Wein gönnen oder unsere Sauna besuchen. So haben wir den Umsatz pro Gast um 27 Franken gesteigert, obwohl wir die Preise für die normale Halbpension nur um zwei Franken erhöht haben.

Was die Ökologie angeht, habe ich kein schlechtes Gewissen. Wir haben eine Solarthermie- sowie eine Fotovoltaikanlage installiert und eine effizientere Turbine angeschafft. Für das Notstromaggregat verbrennen wir kein Benzin mehr. Und den Holzofen brauchen wir viel seltener. Die Holztransporte haben deshalb im Vergleich zu früher abgenommen, trotz der Sauna.

Was wir nicht haben, ist eine Dusche. Ich finde, wer in die Berge geht, kann sich auch am Lavabo waschen. Das gehört zur Tradition. Auch beim Essen wollen wir keine Zweiklassengesellschaft. Alle essen dasselbe, Doppelzimmer hin oder her. Jeder Hüttenwart muss selbst wissen, wie viel Komfort er anbieten will. Aber wenn ich höre, was meine Gäste sagen, und ihre strahlenden Augen sehe oder wenn ich lese, was sie in das Gästebuch schreiben, dann kann ich voll und ganz zu unserem Angebot stehen: Es macht die Leute glücklich.»

Fridolin Vögeli

Fridolin Vögeli ist sieben Jahre Hüttenwart der Chamanna Jenatsch gewesen (77 Schlafplätze, 2653 m, kürzester Zustieg: 3,5 h, SAC Sektion Bernina). Sie liegt nördlich des Julierpasses, zuhinterst im Val Bever
und hat vier Doppelzimmer und eine Sauna im Angebot.