Rotondogebiet - Rotondohütte

Walter Niggeler, der von 1914 bis 1943 als Hüttenchef die Rotondohütte vorbildlich betreute, schrieb in der Jubiläumsschrift « Fünfzig Jahre Sektion Lägern SAC 1900-1950 » über das Hüttengebiet: « Das Rotondogebiet ist ein für sich bestehendes, nicht zu grosses Massiv mit rund achtzehn Hauptgipfeln und ebensovielen Gletschern, durch drei Pässe ( Gotthard, Furka, Nufenen ) und die von ihnen ausgehenden Täler von den umgebenden Hochalpen getrennt. Seine Gipfel, obgleich sie sich nur wenig über 3000 Meter erheben ( Pizzo Rotondo 3192 m ), besitzen doch alle Firnfelder mit daraus entspringenden Gletschern. Orographisch ist unser Gebiet sehr interessant wegen der dreifachen Wasserscheide beim sogenannten Witenwasserenpunkt 3025 Meter; drei Stromgebiete stossen dort zusammen: Rhein, Rhone, Po; drei Kantonsgrenzen treffen sich: Uri, Wallis, Tessin; und wenn man vom relativ kurzen Oberwallis absieht, auch drei Sprachgebiete: Deutsch, Französisch, Italienisch. In geologischer Beziehung gehört das Rotondogebiet zum Komplex der helvetischen Zentralmassive, deren mächtige Granitkerne durch Zusammenpressung zum Teil zu verschiedenartigen Gneissen und kristallinen Schiefern umgeformt wurden; diese bilden fast durchwegs einen soliden, zu Klettertouren verlockenden Fels. Die Firne mit ihren Gletschern sind dank ihrem meist nicht zu grossen Gefälle ideale Skigefilde. Lawinengefahr besteht da oben fast nirgends, erst weiter unten an den Seitenhängen, welche in die Haupttäler hinabführen. » So wurde das Rotondogebiet damals beschrieben und umgrenzt. Seitdem die Piansecco-Hütte besteht und der Nufenenpass mit Autos befahren wird, ist in der Praxis der westlichste Teil, vom Chüebodenhorn bis zum Blasenhorn, vom Rotondogebiet abgetrennt worden. Vom Chüebodenhorn abgesehen, sind diese Berge ja auch der grossen Entfernung wegen von der Rotondohütte aus nur sehr selten begangen worden. Heute umfasst das Rotondogebiet jene Berge und Pässe, welche im Clubführer Urner Alpen West unter der Bezeichnung Gotthard- West in den Gruppen Lucendro-Kette und Rotondo-Kette zusammengefasst sind. Es erübrigt sich deshalb, das Exkursionsgebiet der Rotondohütte hier ausführlich beschreiben zu wollen oder auch nur alle Gipfel und Pässe aufzuzählen. Aus den Hüttenbüchern ergibt sich, dass sowohl im Sommer wie im Winter der Pizzo Lucendro und das Leckihorn am meisten besucht werden.

Als ich jung war, habe ich mit Ausnahme ganz weniger Gipfel das gesamte Gebiet im Sommer und teilweise auch im Winter begangen. Ich kann bezeugen, dass das Rotondogebiet zu jeder Jahreszeit und jedem Bergfreund viel zu bieten hat. Beschauliche Bergwanderer und Kletterer kommen hier in gleichem Masse auf ihre Rechnung, und der Skitourist findet hier bis weit in den Sommer hinein ein Skiparadies, und zwar ein verhältnismässig leicht erreichbares, das doch weitab von Skilift-Rummel und Pistenraserei liegt.

Das Hüttengebiet und die Hütte eignen sich im Sommer und im Winter vorzüglich für die Durchführung alpiner Übungswochen, Tourenwochen und J + S-Kurse.

Wenn ich in meinem Tourenbuch blättere, werden alte Erinnerungen wieder wach. Mit besonderer Freude denke ich an meine erste Tour auf den Pizzo Rotondo, denn diese Bergfahrt war ein richtiges Geschenk.

Es war an Pfingsten 1930, als die Sektion Lägern Skitouren im Gebiet der Rotondohütte machte. Als Anfänger im Skifahren und im Bergsteigen schloss ich mich der Gruppe an in der Meinung, mich in der Umgebung der Hütte im Skilaufen üben zu können. Als aber einige Kameraden von einer Tour auf den Pizzo Rotondo sprachen, spitzte ich die Ohren. Nie hätte ich jedoch zu hoffen gewagt, dass sie mich zur Teilnahme an dieser für mich damals « grossen » Bergfahrt einladen würden. Umso beglückter war ich natürlich, als man mich als « Anfänger » doch mithalten liess. Die Berge im Rotondogebiet waren für mich damals ebenso neu wie das alpine Skifahren, das Klettern über den noch schneebedeckten Rovino-grat und die herrliche Gipfelschau.

In guter Erinnerung geblieben ist mir auch die Traversierung der Muttenhörner. Einige Tage vorher hatte ich vom Gotthard-Hospiz aus allein Touren gemacht, hatte Pizzo Centrale, Pusmeda, Pizzo Lucendro ( 2962,7 m ) und Fibbia ( 2737,9 m ) bestiegen und die ganze Kette vom Winterhorn bis zum Pizzo dell' Uomo begangen. Am Samstag wanderte ich über den Lucendropass und den Cavannapass zur Rotondohütte, um dort meine Kameraden zu treffen. Sonntags traversierten wir dann zusammen die ganze Kette der Muttenhörner. Im Auf und Ab über den Leckipass, das Stotzig ( 3061,8 m ), das Chli (3024 m ) und das Gross Muttenhorn ( 3099 m ) konnte ich wieder viel Neues sehen und meine alpinen Erfahrungen vermehren. Wenn ich an diese Tour denke, dann wird mir auch mit Bedauern bewusst, dass von den damaligen Begleitern keiner mehr unter uns Lebenden weilt.

Ein Erlebnis am Pizzo Lucendro kommt mir dabei auch wieder in den Sinn: Bei noch gutem Wetter, aber wildem Wolkentreiben hatten wir am Samstag das Leckihorn ( 3065 m ) bestiegen. Für den Sonntag stand der Pizzo Lucendro im Programm, doch das Wetter verschlechterte sich, und bald begann Nebel einzufallen. Trotzdem machten wir uns auf den Weg; aber schon bei der Alp Oberstaffel brachen zwei Kameraden die Tour ab, weil es leicht zu regnen begann. Zwei weitere verliessen uns, als sich der Weg im Blockgewirr einer Moräne verlor, und wieder zwei machten kehrt, als der Aufstieg im Schnee begann. Die letzten zwei verliessen uns in der Ywerberlücke, gerade in dem Augenblick, als ein trügerischer Sonnenstrahl die Elite zum Weitersteigen veranlasste. Nur noch zu zweit setzten wir die Besteigung im dichten Nebel fort und erreichten endlich sogar den Gipfel. Nur dank dem Gipfelkreuz waren wir sicher, wirklich den höchsten Punkt erreicht zu haben. Im Abstieg, kurz unter dem Gipfel, verschwand auch mein letzter Begleiter mit einem Schneerutsch im Nebel, und ich stand allein auf weiter Flur. Es war fast wie bei den « Zehn kleinen Negerlein »... Nach kurzer Fahrt kam der Schnee aber wieder zum Stehen,, und wohlbehalten kehrte ich mit meinem wiedergefundenen Kameraden zu unseren in Realp wartenden Gefährten zurück.

Zu dritt waren wir an einem prächtigen Septembertag durch das Couloir auf den Saashärner-Südgipfel ( 3036 m ) gestiegen. Beim Anmarsch war der Schnee in den Hängen oberhalb Mülistei hart und tragfähig. Erst auf dem Rückweg zur Rotondohütte zeigte uns der Berg die « weiche » Schulter. Die herrliche Septembersonne, die wir auf dem Gipfel so sehr genossen hatten, spielte uns einen üblen Streich; sie hatte den am Morgen noch harten Schnee aufgeweicht, so dass wir, bis zu den Knien im Schneematsch watend, fast nicht vom Fleck kamen. Es war, als trüge jeder von uns einen Mühlstein im Rucksack.

Einmal war ich mit meiner Tochter zu einer Bergwanderwoche aufgebrochen. Im Aufstieg zur Albert-Heim-Hütte überraschte uns ein heftiges Gewitter, und wir waren froh, als wir endlich, total durchnässt, die bereits überfüllte Hütte erreichten. Weil das Wetter am anderen Tag immer noch nichts Gutes versprach, suchten wir im dichten Nebel und Regen den Weg über Tiefenbach nach Realp. Im Laufe des Nachmittags schien es etwas aufzuhellen. Wir übernachteten in Realp und stiegen am nächsten Tag - wieder im Nebel und bei viel Schnee - zur Rotondohütte hinauf. Plötzlich, als wir die Hütte erreichten, brach die Sonne durch, und wir sahen die ganze Bergherrlichkeit rund um den Witenwasserengletscher. Strahlend standen die frischverschneiten Gipfel vor dem tiefblauen Himmel. Am anderen Morgen bestiegen wir das Leckihorn und überstiegen auf dem Rückweg, weil das Wetter so wunderschön war, auch noch das Stellibodenhorn ( 2988 m ), das Rottällihorn und den Rottälligrat. Am nächsten Tag ging es weiter über den Lucendro zum Gott-hard-Hospiz. Obschon es Juli war, lag noch so viel Schnee, dass die ganze Tour auch mit Ski hätte gemacht werden können. Zum Abschluss wurde uns, auch bei schönstem Wetter, die wahrhaft umfassende Aussicht vom Pizzo Centrale aus zuteil. Als die am 5. Februar 1900 in Baden gegründete Sektion Lägern des SAC zu erstarken begann, wollte sie natürlich nicht hinter den ande- Rotondohütte Photo Fankhauser Rotondohütte Rotondohütte nach 3° ren Sektionen zurückstehen; auch sie wünschte, allen Bergsteigern einen Stützpunkt im Hochgebirge zur Verfügung zustellen. Schon 1904 wurde eine Hüttenplatzkommission gebildet, Gebiete in den Urner und Glarner Alpen wurden besucht, bis 1906 fast im Zentrum des Rotondogebietes ein günstiger Platz für den Hüttenbau gefunden wurde. Das Zentralkomitee erklärte sich mit dem Vorschlag einverstanden, und die Verhandlungen mit der Korporation Urseren wegen der Überlassung eines passenden Geländestückes konnten mit Erfolg abgeschlossen werden. So kam es, dass die Sektion Lägern im Kanton Uri, zuhinterst im Witenwasserental, Fuss fasste. Da thront nun auf 2571 Meter Höhe unsere Hütte über dem linken Rand des Gletschers und erschliesst dem Bergfreund den Zugang zum Rotondogebiet, wo er zu jeder Jahreszeit die schönsten Tourenmöglichkeiten findet.

Die Rotondohütte vom Jahre 1909, ein verschindelter Holzbau auf gemauertem Sockel, war mit Schindeln gedeckt. Sie wurde nach den Plänen des Clubkameraden J.J. Dübendorfer gebaut und hatte 30 Schlafplätze. Das Erdgeschoss enthielt einen grossen Aufenthaltsraum mit Kochgelegenheit, einen kleinen Schlafraum mit Kochherd als Winterraum und den Aufgang zum Obergeschoss. Der obere Stock, ein auf die ganze Länge und Breite durchgehender geräumiger Schlafraum, enthielt beidseitig Pritschen mit strohgefüllten Säcken als Lagerstätten. Das entsprach dem damaligen Komfort-Standard im Clubhüttenbau. Die Hütte wurde im Sommer 1909 erbaut, nachdem die nötigen Materialtransporte unter Ausnützung der günstigen Schneeverhältnisse schon während des Winters ausgeführt worden waren. Am 26. September 1909 fand die Einweihung statt. Die Baukosten betrugen rund Fr. 15000., woran die Zentralkasse einen Beitrag von Fr. 6250.- leistete.

Die starke Zunahme des Winterbesuches machte es aber schon 1913 nötig, einen Anbau zur Unterbringung der Ski sowie von Rettungs- und Ausrüstungsmaterial zu erstellen. Durch diesen Anbau konnte auch der Hütteneingang vor Wind und Schneeverwehungen geschützt werden. Die Kosten hiefür betrugen Fr. 3300.-, woran das CC einen erheblichen Beitrag leistete.

Um für alle Fälle gerüstet zu sein, wurde 1911 in Realp eine alpine Rettungsstation eingerichtet. Diese, bis 1967 von der Sektion Lägern betreut, wurde alsdann der Sektion Piz Lucendro abgetreten.

In dieser Form hat die Hütte, die in der damals üblichen Riegelbauweise erstellt worden war, mehr als zwanzig Jahre lang Wind und Wetter standgehalten. Nach und nach zeigten sich aber doch Schäden, verursacht durch das Schwinden, Wachsen und Drehen des Bauholzes. Die wind-durchlässigen Stellen liessen sich nicht mehr befriedigend abdichten; im Winter war die Hütte kaum mehr zu erwärmen. Diese Schäden und vor allem die ständige Zunahme des alpinen Skilaufs im Rotondogebiet veranlassten die Sektion, für gründliche Abhilfe zu sorgen.

Der damalige Präsident, Dr. Alfred Zwygart, nahm die Sache energisch an die Hand. Schon am 27.Juli 1928 fasste eine Mitgliederversammlung den Beschluss, die Hütte nach den von Alfred Welti ausgearbeiteten Plänen vollständig umzubauen und etwas zu vergrössern. Bis zum Baubeginn verstrichen aber noch zwei Jahre, denn zu- nächst war vieles abzuklären und mussten die nötigen Geldmittel beschafft werden. Am 24. November 1929 bewilligte die Abgeordnetenversammlung des SAC einen Beitrag von Fr. 20000. an die auf Fr. 42000. veranschlagten Umbaukosten. Eine Sammlung unter den Clubmitgliedern ergab rund Fr. 14000.. Zusammen mit dem Hüttenfonds reichten diese Gelder zur Deckung der Kosten.

Um so billig als möglich zu bauen, musste man sich beim Umbau nach der noch gut erhaltenen Tragkonstruktion richten und Dachform und Fenstereinteilung beibehalten. Durch Umstellungen in der Raumeinteilung konnte die Zahl der Schlafplätze von 30 auf 40 erhöht werden. Zwei kleine Anbauten schufen Platz für einen besseren Küchenbetrieb und für die Einrichtung eines Winterabortes. Die Pritschen im SAC-Raum wurden mit Gummimatratzen versehen, und die Schlafplätze im Obergeschoss erhielten eine starke Zelttuchbespannung mit Strohunterlage. Um das ganze Haus herum wurde als Schutz vor Sturm und Kälte eine 50 Zentimeter starke Steinumwandung erstellt und über das bestehende Dach ein neues, ebenfalls aus Schindeln, gelegt. Das Baumaterial, im ganzen etwa 40 Tonnen, musste von Realp aus in etwa vier Stunden durch Träger und Saumtiere befördert werden. Man war deshalb sehr froh, dass auch eine Säumerkolonne des Festungskommandos Andermatt bei dieser beschwerlichen Arbeit mithalf. Mit den Bauarbeiten wurde am 15. Juni 1930 begonnen, und am 5. Oktober konnte das neugestaltete Berghaus eingeweiht werden. Trotz Nebel und Schneetreiben nahmen gegen dreihundert Bergfreunde an dieser zweiten Hütteneinweihung teil.

Seither wurde, sobald es die zur Verfügung stehenden Mittel erlaubten, die Inneneinrichtung der Hütte weiter verbessert; so versah man vor allem alle Schlafplätze mit guten Matratzen. Das Militär richtete einen Telephonanschluss ein, der in dringenden Fällen auch von den Hüttenbesuchern benützt werden darf. 1937 wurde der Winterweg zur Hütte mit hohen Stangen und Richtungspfeilen markiert. Sorgen bereitete immer wieder die Wasserversorgung, um deren Verbesserung man sich stets bemühte.

Seit ihrer Erstellung bis zum Jahre 1950 wurde die Rotondohütte von mehr als 28'000 eingeschriebenen Touristen besucht, die Soldaten nicht mitgerechnet, denen sie in den beiden Weltkriegen als Stützpunkt diente. Dass die Sektion mit gewissen Hüttenbesuchern auch Enttäuschungen erlebte, zeigt eine Protokollnotiz aus dem Jahre 1937. Es wird darüber geklagt, dass in den vorangegangenen fünf Jahren so nebenbei für mehr als tausend Franken Holz und Ansichtskarten «gratis konsumiert» worden waren.

Aus den ersten Jahren nach 1950 weiss die Hüttenchronik ausser von einem grossen Familienfest nichts Besonderes zu berichten. Am 28. und 29. August 1954 veranstaltete die Sektion einen Ausflug mit Familienangehörigen zur Rotondohütte. Mehr als siebzig Personen, Erwachsene und Kinder, nahmen daran teil. Es heisst darüber: « Mit Musik und Tanz wurde die Nacht verbracht. Einige sollen sogar geschlafen haben. Es war ein ausserordentlich fröhlicher Anlass. » Auf das Jahr 1959 hin mit dem Jubiläum « 50 Jahre Rotondohütte » wurden grössere Reparaturen und Verbesserungen ausgeführt. Besonders zu erwähnen ist, dass das Trinkwasserpro-blem mit einer 900 Meter langen Leitung aus Symalenrohr hoffentlich definitiv gelöst werden konnte. Präsident und Hüttenarchitekt erstellten die Leitung im Alleingang. Nun strömt das Wasser aus einem direkt neben der Hütte stehenden Brunnen, und mit dem Überlaufwasser kann der neu erstellte grössere Sommerabort gespült werden. Insgesamt wurden Arbeiten im Kostenbetrag von rund Fr. 12000. ausgeführt, die ohne Hilfe des CC ganz aus dem Hüttenfonds bezahlt wurden. Die Jubiläumsfeier fand am 5. und 6. September 1959 statt und wurde zu einem frohen Fest für die Ehrengäste, die Clubmitglieder mit ihren Angehörigen und viele Einwohner von Realp.

Die ständig steigenden Besucherzahlen veranlassten den Vorstand, wiederum eine Vergrösserung der Hütte in Betracht zu ziehen. Am 8. März 1963 beschloss die Sektion, die Hütte nach den Plänen des Clubkameraden Dieter Boller umzubauen, und sie wählte eine Baukommission unter der Leitung von Rudolf Flückiger. Die ersten Pläne mit einer Verlängerung des Baues nach Westen fanden beim CC keine Gnade. Das Projekt musste ganz umgearbeitet werden; der Erweiterungsbau wurde auf die Nordseite verlegt, und durch ein zweites Obergeschoss wurde noch mehr Raum geschaffen. Die vergrösserte Hütte beweist, dass sich die Mehrarbeit gelohnt hat und dass die Ratschläge des CC gut waren. Die Neuplanung ergab folgende Verbesserungen: eine Erhöhung der Zahl der Sitz- und Schlafplätze von 40 auf 76, 15 Not-Schlafplätze im Dachraum, eine Neueinrichtung der Küche, einen separaten Aufenthalts- und Schlafraum für den Hüttenwart, zwei Winteraborte, einen grossen Ski- und Materialraum, einen weiteren Schlafraum mit 29 Plätzen im zweiten Obergeschoss und eine geschlossene Abfallgrube. Das Dach wurde mit Fural gedeckt. Als das Schönste an der neugestalteten Hütte darf man aber wohl den neuen SAC-(Winter)-Raum mit 19 Schlafplätzen, Stübli und Küche bezeichnen, gewissermassen eine kleine Hütte inmitten der grossen.

Nachdem die Abgeordnetenversammlung des SAC eine Subvention von Fr. 64'000., das sind 40% der auf Fr. 160'000. berechneten Baukosten, bewilligt hatte, wurden die Arbeiten tatkräftig an die Hand genommen. Der über die bereits gesicherten Mittel hinaus nötige Darlehensbetrag war schon 48 Stunden nach dem entsprechenden Beschluss gedeckt, und viele Clubkameraden erklärten sich bereit, Frondienste zu leisten. Besonders erfreulich aber war, dass Spenden in unerwartet hohem Betrage eingingen. Da auch das Militär an der Hüttenvergrösserung interessiert war, wurde eine Seilbahn der Genietruppen zur Verfügung gestellt, die im Tag- und Nachtbetrieb vom 14. Juni bis 3. Juli 1965 rund 140 Tonnen Baumaterial von Oberstaffel nach der Baustelle beförderte. Nur Petrus machte nicht mit: die Bauleute hatten sehr unter schlechtem Wetter zu leiden.

Die erneuerte Hütte, fast ein Neubau, konnte am 27./28. August 1966 festlich eingeweiht werden. Aus der Bauabrechnung sind die folgenden Zahlen erwähnenswert:

Gesamte Baukosten etwa Fr. 164900.

Entnahme aus dem Hüttenfonds Fr. 31 270.

Darlehen Fr. 3750. 

Spenden Fr. 21850.

Der verbleibende Rest wurde durch Frondienstleistungen und den Verzicht des Architekten auf einen grossen Teil seines Honorars gedeckt.

Dass die Vergrösserung der Hütte notwendig war und dass sich der Aufwand gelohnt hat, ergibt sich aus dem Vergleich zweier Zahlenreihen aus der Besucherstatistik:

Durchschnitt 1957-1964: 1473

Durchschnitt 1967-1974: 2590

Aus der weiteren Geschichte der Rotondohütte verdient besondere Erwähnung, dass im Jahre 1971 die Kehrichtablagerungsplätze in der Umgebung der Hütte aufgehoben und eingedeckt wurden. Seither wird der Abfall periodisch aus der gedeckten Abfallgrube ins Tal hinuntertransportiert - eine Verbesserung, welche im Zeichen des Umweltschutzes sehr zu begrüssen ist, die aber auch Schwierigkeiten mit sich bringt und hohe Kosten verursacht. 1972 wurde in der Nähe der Hütte ein neuer, 6 Meter hoher Schneepegel errichtet. Als Ersatz für die ewig russenden, Decken und Wände schwärzenden Petrollampen wurde 1974 in beiden Aufenthaltsräumen, in der Küche und im Hüttenwartzimmer eine Propan-gasbeleuchtung eingerichtet. Sie kann und darf jedoch nur durch den Hüttenwart bedient werden. Wenn er nicht da ist, gilt wieder wie einst: Kerzenbeleuchtung. Laufend wurden auch die schadhaften Holzstangen der Winterwegmarkierung durch Stahlrohrstangen ersetzt.

Damit sind wir am - vorläufigen - Ende der Baugeschichte der Rotondohütte angelangt. Ich hoffe, dass viele Clubkameraden mit Interesse den Werdegang einer Clubhütte verfolgt und dabei erkannt haben, welchen Aufwand an Arbeit und Geld es braucht, damit der Bergwanderer und der Hochtourist droben in der herrlichen, aber oft unwirtlichen Alpenwelt zu jeder Zeit ein gastliches Obdach und bei Sturm und Kälte Schutz und Zuflucht finden.

Einige Angaben über den Hüttenbetrieb und praktische Hinweise für Hüttenbesucher mögen diesen Bericht abschliessen.

So wie die Hütte 1965 ausgebaut wurde, hat sie sich im Betrieb bestens bewährt. Sie hat auch schon einem Massenansturm mit 128 Übernachtungen, standgehalten. Mit dem Fural-Dach, gegen das zunächst gewisse Bedenken bestanden, sind dank sachgemässer Ausführung nur gute Erfahrungen gemacht worden. Abgesehen davon, dass es absolut dicht ist, hat es auch den Vorteil, dass der Schnee nicht lange darauf liegenbleibt.

Mit den Hüttenwarten, die allerdings schwer zu finden sind, hatten wir bisher immer Glück. Seit 1972 amten Karl Gamma aus Schattdorf und seine Stellvertreter zur vollen Zufriedenheit der Sektion. Hilfspersonal für Hüttenreinigung und Transporte ist überhaupt nicht zu bekommen. Erfreulicherweise stellen sich dafür immer wieder zahlreiche Sektionsmitglieder an besonderen « Arbeits-Wochenenden » zur Verfügung. Die JO steht dabei nicht zurück und veranstaltet jedes Jahr ein eigenes Arbeitslager. Gelegentlich hilft-auch das Militär bei Transporten mit, wofür wir sehr dankbar sind.

Leider muss immer wieder festgestellt werden, dass es gewisse Touristen an der nötigen Ordnungsliebe fehlen lassen.

Die genaue Zahl der Übernachtungen lässt sich leider nicht feststellen. Von 1909 bis 1950, also während 42 Jahren, waren es ohne Militär mehr als 28000. In den 26 Jahren von 1950 bis 1975 betrug ihre Zahl einschliesslich Militär rund 45000. Im ganzen kann wohl mit gegen 80000 Übernachtungen gerechnet werden. Die Übernachtungstaxen für SAC-Mitglieder und Gleichberechtigte stiegen von Fr. 1.- ( 1909 bis 1951 ) bis heute auf Fr. 8.-/10.-, für Nichtmitglieder von Fr. 2.- auf Fr. 15./17.-

Nützliche Angaben:

Hüttenchef: Bruno Burkhard, Tannerai 128, 5244 Birrhard, Telephon 056/85 1343 Hüttenwart: Karl Gamma, Installateur, Ächerli, 6467 Schattdorf, Telephon 044/26050 Telephon Rotondohütte: nur in dringenden Fällen über die Militärzentrale Andermatt 044/6 74 74 Wartung: Die Hütte ist bei gutem Wetter im Sommer und im Winter jeweils an Samstagen und Sonntagen sowie an Feiertagen bewartet.

Getränke und Verpflegung: Wenn der Hüttenwart anwesend ist, sind Getränke ( Wein und Mineralwasser ) erhältlich. Für Tourenwochen und Kurse kann nach Vereinbarung mit dem Hüttenwart eventuell auch die volle Verpflegung organisiert werden.Hütte Taxen pro Nacht: bewartet nicht bewartet MitgliederFr. 10.Fr. 8. NichtmitgliederFr. 17.Fr. 15. In disen Beträgen sind die Holztaxe und bei Anwesenheit des Hüttenwartes auch Beleuchtung und Service eingeschlossen.

Meinen Clubkameraden Bruno Burkhard und Rudolf Flückiger danke ich an dieser Stelle herzlich für ihre wertvolle Mithilfe und Walter Fischer für das Zeichnen der Karte.

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