Rücksicht erfolderlich

Zu « Aufstiegsspur für Schneeläufer », ALPEN 5/2001

Als Tourenfahrer und auch Schneeschuh-Geher verstehe ich die Argumente sehr gut. Wie oft haben wir uns als Tourenfahrer über « rücksichtslose » Tourenfahrer geärgert – und dennoch keinen Leserbrief geschrieben.

Echte Schneeschuh-Geher bewegen sich zumeist nicht in klassischen Skitourengebieten ( zu steil oder zu abseits ). Der Schneeschuh-Geher freut sich, wenn er unberührte Natur sehen und erleben kann. Wenn uns Schneeschuh-Gehern vorgehalten wird, dass wir in der Gruppe unberührte Hänge durchpflügen und den Tourenfahrern so den Genuss stehlen, stellt sich die Frage: Wem gehört ein unberührter Hang? Die klare Antwort lautet: Dem Ersten, der diesen Hang begeht oder befährt. Privilegien sind mir nicht bekannt.

Ein einzelner Schneeschuhläufer wie etwa ein Snowboarder, der vorwiegend mit Schneeschuhen einen Gipfel besteigt, wird Trittspuren hinterlassen, die in der Aufstiegsspur stören. ( Auch diese Sportler sind zur Rücksichtnahme aufgefordert. ) Geht jedoch eine Gruppe, so bildet sich bald eine relativ breite Trampelspur, in der ein Tourenfahrer problemlos aufsteigen kann.

Bis sich eine neue Sportart etabliert hat, stösst sie auf mehr oder weniger Verständnis, ja sogar auf Ablehnung. Das Gelände wird nicht grösser, hingegen steigt die Zahl der Benutzer. Und so braucht es halt Rücksichtnahme und Verständnis für das Neue.

So lange wir Wintersportler uns an den Kodex für den Wintertourismus – vom SAC herausgegeben – halten, sollten ähnliche Konflikte vermeidbar sein. Ich wünsche uns allen schon bald wieder tolle Touren in möglichst unberührten Hängen. a

Urs Peier, Adliswil

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