Rüstzeug für Tourenleiter Erwachsenensport Schweiz (esa) unterstützt die Ausbildung Ehrenamtlicher

Der SAC ist seit einem Jahr Partner von Erwachsenensport Schweiz. Der Bund will mit diesem Sportförderprogramm die Leiter im Freizeit- und Breitensport besser ausbilden. In den SAC-Sektionen stösst das auf Skepsis.

Im August 2011 beschloss der Zentralvorstand des SAC, am Programm Erwachsenensport Schweiz (esa) teilzunehmen. Drei Monate später stellte die Sektion Weissenstein an der Präsidentenkonferenz den Antrag, der SAC solle gleich wieder aus dem Programm aussteigen. Das ging einer Mehrheit denn doch zu weit. Schliesslich muss keine Sektion bei esa mitmachen. Der Antrag wurde deutlich abgelehnt.

Akkzeptanz von esa noch klein

«Viele Tourenchefs und Sektionspräsidenten wollen aber nichts wissen von esa», bedauert Bruno Hasler, Fachleiter Ausbildung des SAC. Die einen sähen den Nutzen des Programms nicht, andere fürchteten strenge Vorgaben für ihre Fortbildungen und zusätzlichen administrativen Aufwand.

Hasler hält die Befürchtungen für übertrieben, und es ist für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb esa auf so viel Widerstand stösst, während das praktisch identische Programm von J+S in den Sektionen unumstritten ist. Deren Autonomie werde kaum beschnitten, sagt Hasler, «die gewichtigste Änderung ist, dass die Leiterfortbildungen nur noch von esa-Experten durchgeführt werden dürften – falls sie als esa-Kurse anerkannt und subventioniert werden sollen.» Eine weitere Änderung betrifft das Intervall für die Fortbildungskurse. Anstelle von drei Tagen pro sechs Jahre wäre es minimal ein Tag pro zwei Jahre. Absolviert ein bisheriger SAC-Tourenleiter ein Fortbildungsmodul von esa, wird er automatisch esa-Leiter.

Mehr Arbeit für die Geschäftsstelle

Auch der administrative Zusatzaufwand für die Sektionen sei bescheiden, betont Hasler. Sie müssten die Programme für die Tourenleiterfortbildung lediglich via Zentralverband an das Bundesamt für Sport (BASPO) einreichen. Mehr Arbeit verursache dies vor allem im Zentralverband, der deshalb eine neue Teilzeitstelle schafft. Dafür gibt es dank esa Geld vom Bund. Pro Teilnehmer/in und Kurstag 40 Franken. Hasler schätzt, dass die Sektionen so 40 bis 50 Prozent der Kosten für die Fortbildungskurse zurückerstattet erhalten.

Viele Sektionen überschätzten nicht nur die Nachteile von esa, sie unterschätzten auch die Vorteile, sagt Fachleiter Hasler: «Die esa-Inhalte sind eine Bereicherung für das, was wir machen.» Der SAC habe das Fachwissen im Bergsport, esa bringe die nötige erwachsenenbildnerische Ergänzung. Eine wichtige Ergänzung, wie Hasler findet: „Sie befähigen die Tourenleiter, eine Gruppe erwachsenengerecht und besser zu führen.»

Rüstzeug für Prozesse in der Gruppe

Im esa-Lehrmittel, einem Ordner, den alle Leiterinnen und Leiter erhalten, wird erläutert, wie Erwachsene lernen und was dies für die Rolle der Tourenleitenden bedeutet: Sie sollten sich um ein partnerschaftliches Verhältnis bemühen und partizipativ führen. Im Zentrum steht der Dialog, ohne dass dabei die Autorität der Leitenden verloren gehen darf. Sie sollten in der Lage sein, den Zusammenhalt der Gruppe zu fördern und mit Konflikten umzugehen; vom Beschnuppern beim ersten Zusammentreffen, über die Hahnen- und Hennenkämpfe bei der Bildung des Gruppengefüges bis zum – hoffentlich – erspriesslichen Miteinander während der Tour.

esa-Gegner führen ins Feld, erwachsenenbildnerische Fähigkeiten seien überflüssig, weil SAC-Tourenleiter nicht unterrichteten. Ein Einwand, den Hasler nicht gelten lässt: «Auch ohne klassisches Lehrer-Lernende-Verhältnis finden auf einer Tour zwischenmenschliche Prozesse statt, für die man gerüstet sein sollte.» Eine Tour mit einem Leiter, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, kann für alle Beteiligten unangenehm werden, im schlimmsten Fall sogar gefährlich.

Nicht nur auf den Touren nützlich

Ein weiterer Nachteil: Überforderte Leiter neigen eher dazu, das Handtuch zu werfen. Das ist unerfreulich angesichts der Schwierigkeiten verschiedener Sektionen, Leiter zu finden. Das Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern untersucht zurzeit, wie Sportvereine genügend Mitglieder für ehrenamtliche Tätigkeit gewinnen und erhalten können. Ein Resultat: Aus- und Weiterbildung ist für viele ehrenamtlich Tätige wichtig. Studienleiter Siegfried Nagel erklärt warum: «Zum einen weil sie dadurch besser auf ihre Tätigkeit vorbereitet sind und damit das ehrenamtliche Engagement zufriedener erleben, zum anderen weil sie dadurch ihren persönlichen Horizont erweitern können, was z.B. für die berufliche Karriere hilfreich sein kann.» Er vermutet deshalb, dass es eine esa-anerkannte Fortbildung einer SAC-Sektion leichter machen könnte, ehrenamtliche Tourenleiter zu binden, aber auch neue zu gewinnen.

Informationen

www.erwachsenen-sport.ch oder direkt auf der Geschäftsstelle des SAC.

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