Später Senkrechtstarter

Er hat an den Junioren-Weltmeisterschaften im Skitourenrennen Gold im Einzel und im Vertical gewonnen. Ab dieser Saison startet Rémi Bonnet in der Kategorie Espoir. Und er hat grosse Ziele.

«Es muss an meinen Genen liegen: Ich bin gemacht für diesen Sport!», dachte er vor drei Jahren. Als Rémi Bonnet an den ersten Skitourenrennen teilnahm, praktisch ohne Training und «weil die Kollegen auch dabei waren», liess er die Spezialisten der Disziplin sprachlos zurück. Und sorgte bei vielen Teilnehmern gewiss für einiges Zähneknirschen. Der Freiburger, der sozusagen aus dem Nichts kam und zuvor als einzigen Sport «ein bisschen Fussball in der Dorfmannschaft» gespielt hatte (Charmey, Anm. d. Red.), setzte sich sofort an die Spitze der Klassemente.

Im März 2015 wurde er in Verbier zum Doppelweltmeister bei den Junioren gekürt: Gold im Einzel und im Vertical.Seine erste Tour mit Fellen an den Ski unternahm er als 17-Jähriger mit seinem Vater und einem Kollegen. Für einen Jugendlichen, der in einem Skiort aufwächst und an Warteschlangen vor Bahnen und markierten Pisten gewohnt ist, war das eine Revolution: «Ich habe ein völlig neues Freiheitsgefühl erlebt!»

Mit Trainig an die Erfolge anknüpfen

Nach den vielver­sprechenden Anfängen in Skitourenrennen beschloss Rémi Bonnet zu trainieren: «Ich begann im Sommer zu rennen und im Winter viel Ski zu fahren.» Immer häufiger stand er auf dem Siegerpodest. Das fiel den Verantwortlichen der Nationalmannschaft auf, und sie begannen, ihn zu unterstützen. «Das Training wurde gezielter, professioneller.» Im Moment trainiert der junge Champion 20 Stunden pro Woche: «Im Sommer renne ich sehr viel und mache gegen Ende der Jahreszeit etwas Rollski. Das ergänze ich mit Krafttraining.» Ab Ende Oktober schnallt Bonnet die Felle an und «macht Kilometer auf dem Gletscher». Während der Rennsaison fährt er das Training zurück, um Energie für die Rennen zu sparen.

Ehrgeiz und Sirup

Seit etwa einem Jahr lebt er als Profi. Er weiss den Luxus zu schätzen, dass er seine ganze Zeit fürs Training einsetzen kann. «Und für die Erholung!» Bevor er in den erlauchten Kreis der Schweizer eintrat, die von ihrem Sport leben können, hatte Rémi Bonnet nämlich alles daran gesetzt, seine Lehre als Metallbaukonstrukteur vorzeitig zu beenden. «Ich war gezwungen, früh am Morgen oder gar in der Nacht zu trainieren. Das war heftig!» Aber ihm sei bewusst, dass er nicht ein ganzes Leben lang Sportler sein könne und dass in der Schweiz ein Abschluss wichtig sei. Zum Ausgleich geht Bonnet noch einer ganz anderenTätigkeit nach: dem Fischen. «Oder auch mal mit meinen Freunden etwas trinken. Auch wenn es nicht Sirup ist», lässt er lachend fallen.

Zum Sirup- statt Alkoholtrinken wird er in dieser Saison häufig kommen, denn sie ist mit Zielen reich befrachtet. Weil Bonnet ab sofort in Kategorie Espoir an den Start geht, läuft er die gleichen Strecken wie die Elite. Und da hat Rémi Bonnet ein grosses Ziel: Er möchte unter die drei Besten der Welt vorstossen. «Wenn das nicht in diesem Jahr klappt, wird mir das einen Tritt in den Hintern geben für die nächste Saison!»

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