Theodor Rudolf Simler (1833-1873)
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Theodor Rudolf Simler (1833-1873)

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Rudolf Theodor Simler ( 1833-1873 ) « Am 30. Juli des Jahres 1861 in der Mittagsstunde sass Simler mit seinem Gefährten, Georg Sand aus St. Gallen, und dem Hauptführer H. Eimer von Elm zum ersten Male auf dem Firngipfel des Piz Rusein. Wohl vertraut mit der Literatur des Tödi, inspicirte der mit seinem Fernrohr den zerhackten Grat und die Lucken zwischen Rusein und Stockgron... Nebenbei blieb es mir ( sie !) nicht verborgen, welche topologischen Entdeckungen am Tödi und dessen Umgebung noch zu machen seien. Eine grosse Zahl von Punkten war noch unbesucht... Dieses alles überwältigte mich. Meinen schwachen Kräften konnte ich die Erforschung dieser Gegenden allein nicht zutrauen und so reifte in mir der Gedanke an eine Association. » Diese Sätze aus dem « Generalbericht über die Excursionen im officiellen Gebiete ( Tödi-Claridengruppe ) während des Sommers 1863. Von Dr.Th. Simler » halten die Geburtsstunde des SAC durch das Zeugnis seines Gründers authentisch fest.

Wer war dieser Dr. Simler, direkter Nachfahre von Josias Simler, dem Begründer der alpinen Wissenschaft?

Der am 16. Juli 1833 in Wollishofen bei Zürich als Sohn eines Spinnereibesitzers geborene Rudolf Theodor Simler absolvierte seine Schulzeit in Winterthur und an der Zürcher Kantonsschule. Schon mit 21 Jahren verlor er seinen Vater und bald nachher auch die Mutter. Es folgten naturwissenschaftliche Studienjahre in Zürich und Heidelberg, hier beim berühmten Chemiker Löwig, der den hochbegabten jungen Doktoranden als ersten Assistenten nach Breslau mitnahm. Ein Leberleiden zwang Simler zu einem Klima Wechsel. Seine nächsten Lebensstationen waren von 1859 bis 1861 Chur, an dessen Kantonsschule er Naturwissenschaften lehrte, sodann Bern, wo er sich an der Universität in allgemeiner Chemie, Agrikulturchemie und chemischer Geologie habilitierte. 1864 siedelte der junge Gelehrte an die Landwirtschaftliche Anstalt Muri im Aargau über, an der er 2!/2 Jahre wirkte und nebenbei agrikulturchemische Arbeiten veröffentlichte. 1872 folgte er einem Ruf an den Strickhof bei Zürich, wo er neben dem Lehramt weiterhin chemischen Studien oblag. Das alte Leberleiden machte sich jetzt wieder stärker bemerkbar. Wenige Monate nach Erscheinen seines Hauptwerkes « Die Lötrohr-Chemie » raffte der Tod den erst 40jährigen nach neunwöchigem Krankenlager am 22. Dezember 1873 dahin.

Zahlreiche geologische und botanische Exkursionen wie auch Aufträge für Analysen von Mi-neralwässern, so z.B. von Stachelberg, führten Simler von 1859 an in die Berge. Nach seiner Erstbesteigung des Beckistocks und der Zutreibistöcke im Jahr 1860 wandte er sich dem Tödi zu. Der hatte es ihm besonders angetan, und Simler ruhte nicht, bis er am 30. Juli 1861 mit seinen Begleitern den bislang versperrten Nordzugang durch die Porta da Spescha bezwungen und als erster seinen Fuss auf den Piz Rusein gesetzt hatte. Ein altes bergsteigerisches Problem war damit gelöst. Sein Besteigungsbericht von 1863 « Der Tödi-Rusein und die Exkursion nach Obersandalp », geschmückt mit Farbendruckbildern, Profilen und einer Isohypsenkarte der Tödiumgebung, gewann dem abweisenden Berge viele Freunde und seinem Erstbesteiger die Anerkennung der « Montanisten ». Bei einem begnadeten Naturforscher wie Simler wundert es nicht, dass er auf der obern Sandalp nicht nur « die erhabenen Eindrücke » preist, sondern auch « zu stiller vergleichender Betrachtung und Bewunderung des einen grossen Naturganzen » aufruft.

Dieses Streben nach Ganzheit, mit andern Worten nach wissenschaftlicher Erkenntnis der Bergwelt, ist in Simlers kurzem Bergsteigerleben die treibende Kraft und stellt ihn in eine Reihe mit den alpinistisch noch erfolgreicheren Pionieren seiner Zeit. Sein Forscherdrang war denn auch die « Initialzündung » zu einer Tat, die ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des schweizerischen Alpinismus sichert, nämlich zu seinem denkwürdigen « Kreisschreiben an die Tit. Bergsteiger und Alpenfreunde der Schweiz », das er am 20.Oktober 1862 von Bern aus « im Einverständnis mehrerer Freunde und Bergsteiger » an Gleichgesinnte in Basel, Bern, Genf, Glarus, Graubünden, Lausanne, Neuenburg, St. Gallen und Zürich richtete. Simler appellierte geschickt zuerst an ihr Nationalgefühl, indem er aus der Erschliessungsgeschichte der Schweizer Alpen das Erstgeburtsrecht der Schweizer an ihnen ableitete; sodann wies er überzeugend auf die Vorteile einer Zusammenfassung der bisher in Einzelaktionen aufgesplitterten Kräfte in einer « schweizerischen Alpengesellschaft » hin, die nicht nur « dem weiteren schweizerischen Publikum », sondern auch der Wissenschaft dienen könnte. Diesen wissenschaftlichen Aspekt, den er an Einzelfällen erläuterte, führte er seinen Freunden geradezu beschwörend vor Augen. Als Mann der Tat legte er auch gleich den Entwurf eines « Organisationsstatuts » bei.

Es erübrigt sich, auf die Gründungsgeschichte des SAC näher einzutreten, da sie an anderer Stelle behandelt wird. Nur dies sei hier festgehalten, dass die konstituierende Gründerversammlung vom 19. April 1863 in Olten unter Simlers Präsidium zusammentrat, dass Simler einen Statutenentwurf vorlegte, der provisorisch « en bloc » genehmigt und zum Druck bestimmt wurde, und dass Simler nach Verzicht G. Studers in offener Wahl zum ersten Präsidenten des provisorischen CC ernannt wurde. Er war es auch, der die vereinfachten Statuten vom 9. September 1863 redigierte und das Regulativ für die erste offizielle Tourenwoche von 1863 mit « Einzelnen Winken für die angehenden Gletscherfahrer des Clubs » abfasste: Ein Tourenprogramm in Idealform! Das gleiche pädagogische Ziel verfolgte sein Aufsatz « Schultouren in unsere Hochalpen und Gletscherreviere » von 1871.

Als Centralpräsident des SAC hatte Simler auch die konstituierende Sitzung der Sektion Bern vom 15. Mai 1863 geleitet. Ihr Präsidium lehnte er zwar ab, übernahm hingegen ihr Sekretariat.

Sein eingangs erwähnter « Generalbericht » bildet ein historisches Dokument des ersten alpinistischen Unternehmens des SAC, über dessen Zweckmässigkeit Simler « nicht geradezu wegwerfend » urteilte, wie dies die Glarner Abgeordnetenversammlung vom September 1863 dann tat. Jedenfalls brachte es einige Erstbesteigungen ein, darunter diejenige des Piz Meilen durch Simler, C. Hauser und R. Lindt.

Centralpräsident Simler eröffnete diese erste Generalversammlung vom 4.6. September mit einer Rede, in der er nach einem historischen Rückblick die wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Aufgaben des jungen Clubs auf die träfe Formel brachte: « Zu Dufours topographischem Atlas einen lebendigen Kommentar zu liefern. » Aus diesen Worten spricht der ganze Simler!

Der von ihm zitierte grosse Schweizer wurde erstes Ehrenmitglied des SAC. Simler selber blieb diese wohlverdiente Ehrung vorenthalten, vielleicht, weil er schon ein Jahr nach der Gründung des SAC Bern verliess und dem Gedächtnis der Aktiven entschwand. Er liess sich zwar 1866 noch einmal im « Jahrbuch », dessen erster Redaktionskommission er angehört hatte, mit einer tiefschürfenden Abhandlung über « Ursachen und Alter der Eiszeit » vernehmen, hielt an der S.Jahresver-sammlung in St. Gallen den ersten wissenschaftlichen Vortrag ( über die Gletscherperiode ) und veröffentlichte im selben Jahr die Schrift « Petraea. Anleitung zum Bestimmen der wichtigsten Felsarten », die in den offiziellen « Beobachtungsnotizen für die Mitglieder des SAC » vom selben Jahr ausdrücklich empfohlen wurde. Doch muss er selber dem Club gegenüber eine Art Schuldgefühl gehabt haben, dass er seinen « Botanischen Taschenbegleiter des Alpenclubisten » von 1869 - das erste Alpenflora-Taschenbuch«dem SAC als geringes Äquivalent für lange unterbrochenes activeres Mitwirken in alter Hingebung » widmete.

Vier Jahre später schon verlöschte dieses reich gesegnete Leben, gleich einem Meteor, das nach kurzem Aufleuchten wieder ins Dunkel zurückfällt. « Sein glühender Enthusiasmus », der nach den Worten des Chronisten Ernst Buss « zündend auf die ersten Kreise des Vereins » eingewirkt hatte, hat trotzdem eine Spur hinter sich gelassen, die auch ins zweite Jahrhundert des SAC hinüber-leuchtet.Paul Sieber

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