Trockene Leitungen im Wasserschloss?

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Aufenthalt in der frisch eingeweihten Finsteraarhornhütte SAC erinnern. Es war an einem Wintertag vor knapp 20 Jahren. Beim Toilettengang staunte ich über die geheimnisvolle Mechanik: Statt zu spülen, trat ich auf einen Hebel, und plötzlich bewegte sich ein Förderband unter mir, wie an der Kasse im Laden! Gewöhnungsbedürftig, diese wasserlosen Toiletten, aber irgendwie auch chic. Nach dem Nachtessen war ich weniger begeistert: Die Wasserhähne waren abgestellt. Die Katzenwäsche mit Schnee war ich gewohnt, aber aufs Zähneputzen wollte ich nicht verzichten. Auf Nachfrage händigte mir die Hüttenwartin ein halbvolles Glas Wasser aus und erklärte, der Verbrauch müsse wegen Wassermangel gedrosselt werden.

Das hat mir vor Augen geführt, wie kostbar dieses Gut ist – auch inmitten der grössten Gletscherlandschaft der Schweiz. Es mag paradox klingen, aber im Wasserschloss Europas kämpfen viele SAC-Hütten mit zunehmenden Wasserversorgungsproblemen. In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Lage weiter verschärfen. Schneien wird es im Winter zwar immer noch, nahezu alle gefrorenen Wasserreserven in Form von Gletschern werden jedoch wegschmelzen. Zahlreiche neue Bergseen werden die alpine Landschaft prägen und die gewohnten Abflüsse verändern. Im Spätsommer könnten diese gar ganz wegfallen. Für die Wasserversorgung der Hütten ohne Quellfassung eine enorme Herausforderung (vgl. Bericht auf Seite 22).

Der Umstieg von Nass- auf Trockentoiletten wird in vielen Hütten unumgänglich werden. Das Wasser wird man in regelmässigen Abständen immer weiter weg fassen und zur Überbrückung der Trockenzeit speichern müssen. So bereits geschehen in der Finsteraarhornhütte im Jahr 2013, zehn Jahre nach dem Neubau. Der Klimawandel klopft an die Hüttentüre.

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