Ueber die Eintheilung der Alpen

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Von A. Wâber.

Im Jahrbuehe V des S.A.C. hat unser verehrtes Ehrenmitglied Prof. B. Studer in seiner Orographie der Schweizer Alpen für die rationelle Eintheilung der Gebirge den Grundsatz aufgestellt, es müsse die Begrenzung der Gruppen den sie trennenden Niederungen, den See'n, Thälern und Jochen folgen. Nach demselben Grundsatz, aber hie und da mit verschiedenem Ergebnisse, haben G. Studer, der Ehrenpräsident der Sektion Bern und Oberst v. Sonklar, der bekannte österreichische Topograph, die Schweizer und die Deutschen Alpeneingetheilt. Die nachfolgende Arbeit ist nichts als ein Versuch, diesen Grundsatz auf die ganze Alpenkette vom ligurischen bis zum adria-

* ) G. Studer: Ueber Eis und Schnee. Bern. 1869. v. Sonklar: Ueber die Eintheilung der Ostalpen. Oesterr. Revue 1864. III und IV: v. Sonklar: Die Eintheilung der Schweizer und der Deutschen Alpen. Petermann's „ Greogr. Mittheilungen " 1870.

tischen Meere anzuwenden. Für die Schweizer Alpen wurden die Eintheilungen B. und G. Studers, für die Deutschen diejenige v. Sonklar's zu Grunde gelegt. Die da und dort sich ergebenden Abweichungen erklären sich daraus, dass die grosse Zahl der Thäler und Joche der Alpen einigen Spielraum für die Auswahl der Scheidelinien gestattet. In dem folgenden Schema sind ohne jede Rücksicht auf die geologischen Verhältnisse, in der Regel die tiefsten Einsenkungen als Grundlinien benutzt worden. Die Ausdehnung der Arbeit auf das ganze Alpengebiet liess es zweckmässig erscheinen, die Zahl der Gruppen zu beschränken, damit nicht unter einer zu sehr in 's Einzelne gehenden Eintheilung die Uebersichtlichkeit leide. Manche Gruppen, welche Prof. B. Stucler und Oberst v. Sonklar als selbständig behandelt haben, sind deshalb hier nur als Unterabtheilungen eines grösseren Gebietes angeführt; auf der anderen Seite aber hat sich der Verfasser auch erlaubt, einzelne sehr ausgedehnte Gruppen Sonklar's, die sich leicht nach natürlichen Grenzen zergliedern liessen, in kleinere Gebiete zu theilen.

Zur Bezeichnung der Gruppen war es nicht immer möglich, nach B. Studer's Beispiel die Namen der höchsten Gipfel, der wichtigsten Ströme oder des Gebietes selbst zu verwenden. Bei der grösseren Ausdehnung der Gruppen ist es oft unthunlich einen Gipfel oder Strom zu finden, der das ganze Gebiet hinlänglich charakterisirte, um demselben den Namen geben zu dürfen; es sind deshalb vielfach die alten historischen, einmal zur geographischen Gültigkeit gelangten Benennungen für die Hauptgruppen beibe- halten worden, während die Namen der Unterabtheilungen gewöhnlich Studer's Regel entsprechen.

Der Alpenbogen, der in einer Länge von circa 1100 Kilometer die Tiefebene des Po umsäumt, wird in vertikaler Richtung üblicherweise in drei Theile, die West-, Mittel- und Ostalpen, getheilt. Die Westalpen erstrecken sich westlich vom Thal der Rhone und der provençalischen Tiefebene, südlich vom ligurischen Meere begrenzt, nach Norden bis zum Genfersee; ihre Ostgrenze folgt der Rhone von ihrer Mündung in den See bis Martigny, zieht sich der Dranse entlang, überschreitet den Grossen St. Bernhard ( 2472 m ) und erreicht durch das Thal der Dora Baltea die Po- ebene. Ueber die .Scheidelinie zwischen den Mittel und den Ostalpen walten verschiedene Ansichten. Oft wird dieselbe, der Grenze der « Alpes rheticae » Ebel's entsprechend, über den Dreiherrenspitz in den Hohen Tauern gezogen, eine Begrenzung, die als nicht mit unserem Eintheilungsgrunde übereinstimmend hier nicht weiter in Betracht fällt. Nach Oberst v. Sonklar folgt die Grenze dem Rheinthal bis zur Mündung des Ill, steigt durch das Montafon und das Klosterthal zum Arlberg ( 1799ln ) und erreicht durch das Stanzerthal den Inn bei Land eck, zieht sich diesem entlang bis Finstermünz, überschreitet die Reschen-Scheideck 1493 m und verfolgt das Thal der Etsch bis zur Ebene. Diese Begrenzung bietet den Vortheil, die Mittelalpen hauptsächlich der Schweiz, die Ostalpen Oesterreich zuzuweisen und also mit den politischen Grenzen so ziemlich übereinzustimmen. Wenn ich es trotzdem wage, eine andere Scheidelinie vorzuschlagen, so ge- schîeht es nur, um dem einmal angenommenen Princip der natürlichen Grenzen besser gerecht zu werden.

Sonklars Grenzlinie durchzieht drei Hauptthäler der Alpen und überschreitet zwei Joche; einfacher und deshalb unserem Grundsatze besser entsprechend ist aber die Begrenzung, welche durch das alt berühmte Brennerjoch ( 1367 m ) und die Thäler des Inn und der Sill, der Eisack und der Etsch gegeben wird.

Die Ostalpen breiten sich also östlich vom Brenner bis zur Donau und der ungarischen Tiefebene aus, zu welcher das steirische Hügelland, die Plateaux West-Ungarns und die kroatischen und slavonischen Bergländer den Uebergang bilden. Durch das Krainer-Kalkplateau mit dem Karst stehen die Ostalpen mit den Ketten der Balkanhalbinsel in Verbindung. In longitudinaler Richtung theilen sich die Mittel- und Ostalpen in drei Reihen: Nord-, Central- und Südalpen, von denen die letzte erst östlich vom Lago Maggiore zur Entwicklung kommt. Innerhalb der drei Haupttheile der Alpen unterscheiden wir 40 Gruppen, welche der beschränkte Raum des Jahrbuches nicht genauer zu charakterisiren erlaubt, als dies durch die Angabe der Grenzen, der Unterabtheilungen und der wichtigsten Gipfel, Joche und Gewässer und durch die beigelegte Kartegeschehen kann. Für diejenigen Gruppen der Schweizer Alpen, die mit Prof. B. Studer's Orographie übereinstimmen, genügt der Hinweis auf dieselbe, Jahrbuch Y, pag. 473 - 493.

* ) Dieselbe macht als blos scheinatische Uebersichtskarte keinen Anspruch auf strikte Genauigkeit.

A. Westalpen.

1. Die ligurischen Alpen, die Fortsetzung des ligurischen Appennin, erstrecken sich der Küste parallel vom Colle di Savona bis zum Colle di Tenda ( 1877 m ); ihre höchsten Gipfel sind der Monte Mon-doli ( 2440 m ) und der Monte Gioje ( 2654 m ).

2. Die Meer alpen westlich von den vorigen bis zur provençalischen Tiefebene, nördlich bis zum Colle della Maddalena ( 2019 m ), ( zwischen den Thälern der Ubaye und der Stura ) ausgebreitet; ihr Hauptstamm, dessen südliche Ausläufer die Thäler des Var und der Tinea umschliessen, erhebt sich mit der Cima di Gelas ( Mont Clapier ) zu 3180 m, mit dem Mont Enchastraye zu 2973 m. Weiter westlich erstreckt sich bis zur Rhoneebene ein spärlich bewachsenes Voralpenland, dem zwischen der Küste und den Thälern des Argens und des Arc die Montagnes des Maures und der Mont de l' Etoile, zwischen Argens, Arc und Verdon die Montagnes Esterei und der Mont St. Victoire ( 1011 m ) entsteigen. Den Raum nördlich von diesen Voralpen zwischen dem Verdon und der Durance nehmen Gebirge von 2000-2900 m Höhe ein, unter denen der Mont S e s t r i è r e s, les Monges ( 2115 m ) und le Cheval de Bois ( 2847 m ) erwähnt werden mögen.

3. Die Cottischen oder Monte Viso-Alpen breiten sich nördlich von den vorigen zwischen der Durance und der Poebene bis zum Joch des Mont Genèvre ( 1865 m ) aus, dessen Kunststrasse die Thäler der Durance und der Dora Riparia verbindet. Sie gipfeln in der stolzen Pyramide des Monte Viso ( 3840 m ) und umschliessen mit ihren östlichen Ausläufern die piemontesischen Waldenserthäler und die Quellthäler des Po und der Maira.

4. Die Alpen von Oisans liegen im Nordea der vorigen zwischen der Durance und dem Drac, welche durch die Strasse von Gap nach La Mure verbunden werden, und erstrecken sich nördlich bis zum Are und zum Mont Cenis ( 2087 m ). Durch den Col du Lautare t ( 2085 m ) zwischen der Romanche und der Guisanne zerfallen sie in das vergletscherte Massiv des Grand Pelvoux ( 3938 m ), welches den Thalkessel des Vénéon und den grossartigen Circus der Berarde umgibt und sich mit der Pointe des Ecrins zu 4103 m erhebt, und in die langgestreckte Kette der GrandesRousses ( Pic de l' Etendard, 3473 m ) und des Mont Tabor ( 3182 m ). Westlich von der Breda und der Olle steigt das Gebirge mit der Kette des Pic de Beiled on ne zu 2982 m an.

5. Die Gebirge der Drôme und Aiguës westlich von den beiden vorigen Gruppen zwischen. Rhone, Durance, Isère und Drac ausgebreitet, schliessen sich mit der Kette des Obion an die Alpen von Oisans an; es sind meist kahle, weisse Voralpen, denen der westlichste Markstein der Alpen, der Mont Ventoux ( 1912 m ) entsteigt.

6. Die grajischen Alpen, im Süden von der Dora Riparia, dem Mont Cenis und dem Are, im Norden von der Dora Baltea, dem Kleinen St. Bernhard ( 2200 m ) und der Isère begrenzt, zerfallen durch den Col d' Iseran ( 2800 m ) und das Val de Tignes in zwei Theile.

Der östliche beginnt mit seinem Hauptstamme am Mont Cenis mit der Rocca Melone ( 3542 m ) und setzt sich nach Norden über die Levanna, den Grand Apparei, die Aiguille de la Sassière und den Ruitor ( 3474 m ) bis zum Kleinen St. Bernhard fort. Nach Osten entsendet er zahlreiche Arme, von denen der wichtigste, mit dem Col de la Croix de Nivolet an den Hauptstamm anschliessend, zwischen Val Locana und Val de Cogne die vergletscherten Gipfel des Grand Paradis ( 4054 m ) und der Grivola trägt. Im westlichen Theile erheben sich der Mont Pourri ( 3901 m ) und durch den Col de la Vanoise von einander getrennt, die Grande Casse ( 3898 m ) und die Dent Parassée, von welcher ein Ausläufer sich über den Mont Beiachat bis zur Vereinigung des Arc mit der Isère vorschiebt.

7. Die Savoy er Alpen bilden das nördliche Ende der Westalpen, im Westen vom Rhonethal, im Norden vom Genfersee, im Osten vom Grossen St. Bernhard und dem Arc begrenzt. Sie zerfallen in fünf kleinere Gruppen: a. die Gruppe des Montblanc erstreckt sich von der Ostgrenze des Gebietes bis zum Trient, der Tête noire ( 2009 m ) dem Chamonixthal und der Strasse, die von Sallanches an der Arve in 's Thal der Arly und nach Albertville führt. Durch das Val Montjoie und den Col de Bonhomme wird die Gruppe quer durchschnitten; den nördlichen Theil bildet das vergletscherte Massiv des Mont Blanc ( 4810 m ), den südlichen die Gebirge, welche das Val de Beaufort umschliessen mit dem Mont Joli ( 2670 m ), der Aiguille du Grand Rond und dem Crêt du Ré; b. die Alpen des Chablais zwischen der Arve, der Rhone und dem Genfersee zeigen in der Gneiskette der Aiguilles Rouges und in der Kalkkette, welcher der Mont Buet ( 3108 m ) und die Dent du Midi ( 3183 m ) entsteigen, noch den Charakter der Hochalpen, während die von den Thälern der Dranse und des Giffre durchschnittenen westlichen Ketten mit dem Môle ( 1862 m ), der Dent d' Oche ( 2434 m ) und den Cornettes de Bise ( 2439 m ), theils felsige, theils bewachsene Vor- und Mittelalpen sind;

denselben Charakter zeigen c. die Alpen des Fier und der Borne zwischen der Arve und dem See von Annecy ( Mont Fleury, 2700 m, Tournette, 2350 m ); d. die Gebirge des Cher an zwischen den Seen von Annecy und Bourget ( Mont Trelot, 2174 m ) und e. die Alpen der Grande Chartreuse westlich vom Bourgetsee und der Einsenkung von Chambéry ( Mont Granier, 1938 m ), die sich mit dem Mont du Chat an den Jura anschliessen. * )

,Die Namen Cottische und Grajische, Savoy er und Oisans-Alpen sind in der geographischen Literatur zu sehr eingebürgert, als dass es zweckmässig wäre, sie durch andere ersetzen zu wollen; die Begriffe aber, die mit diesen Namen verbunden werden, sind sehr unbestimmt. Die Grenze der Cottischen Alpen wird oft statt an den Mont Genèvre an den Mont Cenis verlegt; die Grajischen Alpen werden bald auf das Gebiet östlich vom Col d'lseran beschränkt, bald soweit ausgedehnt, dass der grösste Theil der südlichen Savoyer Alpen und sogar die Kette der Grandes Rousses zu denselben gehört, während diese letztere ebenso oft zu den Sa-voyer- wie zu den Oisans-Alpen gerechnet wird. Bei solcher Unbestimmtheit der Begriffe mag es wohl gestattet sein, eine Fixirung derselben nach dem Princip der natürlichen Ge-birgsgrenzen zu versuchen. Nach diesem Princip ergeben sich für den nördlichen Theil der Westalpen als Haupt- B. Die Mittelalpen

zerfallen in longitudinaler Richtung in drei Reihen, eine nördliche, eine südliche und die zwischen denselben sich erhebende höhere mittlere Reihe der Centralalpen. Die Grenze zwischen der nördlichen Reihe und den Centralalpen durchzieht das Thal der Rhone vom Genfersee bis zur Quelle, überschreitet die Furca ( 2436 m ), das Hochthal von Urseren und die Oberalp ( 2052 m ), folgt dem Rhein bis zur Mündung des III und der Arlbergstrasse ( 1770 m ) durch das Montafon, das Kloster- und das Stanzerthal und erreicht bei Landeck den Inn, dem sie bis Innsbruck folgt. Die Scheidelinie zwischen den Centralalpen und der südlichen Reihe beginnt am Lago Maggiore, erreicht durch

Scheidelinien die Thäler der Dora Baltea und der Dora Riparia, der Isère, des Arc und der Durance, und die Joche des Mont Genèvre, des Mont Cenis und des Kleinen St. Bernhard. Der Mont Genèvre ist das niedrigste Joch der Wasserscheide zwischen Po und Durance und kann deshalb wohl als Grenze der Cottischen Alpen gelten. Die Kette der Grandes Rousses, mit dem Massiv des Pelvoux am Col du Lautaret zusammenhängend, reiht sich natürlicher an die Alpen von Oisans an, als an die savoyischen, von denen sie durch das tiefe Thal des Arc getrennt wird. Die Grajischen Alpen werden hier bis zum Zusammentreffen des Arc und der Isère ausgedehnt, weil es nicht rathsam erscheint, sobald eine tiefere und einfachere Scheidelinie sich leicht ziehen lässt, ein Joch von immerhin 2800 m Höhe als Grenze zweier Hauptgruppen anzunehmen. Die Begrenzung der Montblanc Gruppe in den Savoyer Alpen stimmt mit derjenigen v. Sonklar's überein. ( Vérgl. Petermann's „ Geogr. Mittheilungen ". 1870. Taf. 17 ).

32 das Thal des Tessin und über den Joriopass ( 1956 m ) den Comersee, folgt der Adda, überschreitet das Stilfserjoch ( 2797 m ) und zieht sich durch das Thal der Etsch bis* zur Mündung der Eisack.

I. Centralalpen.

8. Die Penninisehen Alpen südlich von der Rhone von der Dranse und dem Grossen St. Bernhard bis zum Simplon ( 2010 m ) zur Toce und zum Lago Maggiore ausgebreitet, im Süden von der Dora Baltea und der Poebene begrenzt, umfassen Studer's Matter-horn- und Sesiagruppe, welche durch die beiden hohen Joche des Col di Ollen ( 2909 m ) und des Passo del Turlo ( 2770 m ) kaum von einander geschieden werden.

9.Die Lepontinischen Alpen, Studer's Gotthard- und Adulagruppe, erstrecken sich östlich Yon den vorigen bis zum Hinterrhein und zur Splügenstrasse ( 2117 m ) und gliedern sich in drei kleinere Gruppen: Die St. Gotthard a lpen bilden einen halbkreisförmigen Wall um die Quellgebiete der Toce und des Tessin und breiten sich, vom St. Gotthardpass ( 2114 m ) quer durchschnitten, bis zum Medelserthal, Lukmanier ( 1917 m ) und zum Blegnothale aus.* ) Die

* ) Statt dieser von Studer angenommenen Begrenzung schlägt von Sonklar vor, die Grenze über Val Somvix, die Greina ( 2360 m ) und Val Camadra zu ziehen. Der Lukmanier entspricht aber als das tiefste Joch dem Grundsatz der natürlichen Grenzen besser, abgesehen davon, dass er für den Verkehr seit alter Zeit von ungleich grösserer Bedeutung ist als die rauhe, selten betretene Greina.

Ueber die Eintheünng der Alpen.

Tessiner Alpen, von den vorigen durch die Thäler Formazza, Bedretto und Leventina geschieden, am St. Giacomopass mit ihnen zusammenhängend umschliessen die Thäler der Maggia und Verzasca und breiten sich südlich bis zur Mündung der Toce aus. Die Ad u i a- A l p e n, von den Tessiner Alpen durch die Riviera getrennt, erstrecken sich bis zur Ostgrenze des Gebietes, südlich bis zum Joriopass.

10. Die Süd-Rhätischen Alpe n, östlich von der Mera und dem Lago di Mezzola bis zur Reschen-Scheideck ( 1493 m ) zwischen den Thälern des Inn und der Etsch ausgedehnt, werden durch den Berninapass ( 2343 m ) in die Bernina- und die Ofenpassgruppe Studer's getheilt.

11. Die Nord-Rhätisehen Alpen umfassen Studer's Err- und Plessur-, Silvretta und Rhä-tikongruppe und das Verwallgebirge Sonklar's, das sich zwischen dem Arlberg und dem Zeinesjoch, dem Montafon und dem Patznaun erhebt. Von den südrhätischen werden sie durch die Längenthäler Bergell und Engadin und den Malojapass ( 1811 m ) getrennt; im Osten bildet der Inn von Finstermünz bis Landeck die Grenze.

12. DieOetzthalerAlpen dehnen sich östlich vom Inn, der Reschen-Scheideck und der Etsch bis zum Brenner und den Thälern der Sill und der Eisack aus. Durch das Oetzthal und das Timbljoch ( 2461 m ), das aus demselben in 's Passeyer führt, zerfallen sie in zwei Hochalpengruppen, die eigentlichen Oetzthaler Alpen mit der Wildspitze ( 3777 m ) westlich, und die Stubaier Alpen mit dem Wild- pfaff ( Zuckerhütl ) ( 3507 m ) östlich;

südlich von den Stubaier Alpen durch das Jaufenjoch ( 2100 m ) getrennt, breitet sich zwischen Etsch und Eisack das Mittel- und Yoralpengebiet des S a r e n t h a 1 s aus.

11. Die nördliche Reihe erstreckt sich vom Genfersee bis zum lim; gegen die ihr nördlich vorgelagerten Hochebenen lässt sich keine scharfe Scheidelinie ziehen; ungefähr mag die Linie von Vevey am Genfersee über Rorschach und Kempten nach Rosenheim am Iiui den Nordrand der Mittelalpen bezeichnen. Die Begrenzung der Gruppen wird durch die Thäler der Aare, der Reuss, des Rheines und des Lech gegeben.

13. Die Berner Alpen vom Genfersee bis zur Grimsel ( 2183 m ) bilden die Wasserscheide zwischen Rhone und Aare. Durch den Gemmipass zerfallen sie in zwei Theile, die Wildhorn- und die Finsteraarhorngruppe Studer's.

14. Die Alpen der Sa an e und Simme; Studer zieht die Grenze zwischen dieser und der Wildhorngruppe über die Joche des Pillon, der Chrinnen, des Trüttlis-berges und des Hahnenmoos ( 1952 m ); einfacher ist die von Sonklar angenommene Linie, die der Kander und Simme folgend die Saanenmöser überschreitet und aus dem Thal der Saane über den Col de Jaman ( 1485 m ) zum Genfersee gelangt. Statt über vier Joche, deren Höhe von 1552—2046 m ansteigt, führt sie nur über zwei, von denen das höhere noch nicht 1500 m erreicht.

15. Die Urner- und Unterwaldner Alpen zwischen Aare, Sarner-Aa, Yierwaldstättersee und Reuss ausgebreitet entsprechen der Da m ma- und dem süd- lieber die Eintheilung der Alpen.öOl

liehen Theil der Aagruppe Studer's. Die Grenze zwischen beiden bildet der Sustenpass ( 2262 m ) zwischen dem Gadmen- und dem Maienthal, eine Begrenzung die orographisch einfacher ist, als die Linie über das Joch ( 2238 m ) und die Surenen ( 2297 m ).

16. Die Gruppe der beiden Emmen zwischen den Seen der Aare, dem Brünig, der Sarner-Aa und dem Vierwaldstättersee ausgebreitet, ist identisch mit der gleichnamigen Gruppe Studer's und mit den Emmenthaler Alpen Sonklar's.

17. Die Glarner Alpen zwischen Reuss und Rhein nördlich bis zum Schächenthal und Klausen ( 1962 m ) zum Linththal, dem Wallensee und der untern Seez ausgedehnt, umfassen Studer's Tödi- und Sar-donagruppen, welche von einander durch den Panixerpass ( 2410 m ) geschieden werden.

18.Die Schwyzer Alpen, nordwestlich von den vorigen zwischen der Reuss und der Linth r dem Yierwaldstätter- und dem Zürchersee, umschliessen das Kalkgebirge der Sihlgruppe und die Nagelfluhgebirge des Rigi etc., den nördlichen Theil der Aagruppe Studer's, die Grenze zwischen beiden wird durch die Strasse von Brunnen über den Sattel und die Schindellegi nach Rapperschwyl gebildet.

19.Die Thuralpen zwischen der Seez, dem Wallensee und dem Linthkanal einerseits und dem Rheinthale andererseits ausgebreitet, entsprechen Studer's Sentisgruppe.

20. Die Allgäuer Alpen, erstrecken sich nördlich von der Arlbergstrasse vom Rhein bis zum Lech und der Strasse, die über den Fernpass ( 1203 m ) die Thäler des Lech und des Inn verbindet.

Durch die Bregenzer Ach, das Plateau von Hohen Krummbach und den Flexenpass wird der westliche Theil, die VorarL* berger Alpen mit der Wildgruppenspitze ( 2745 m ), Rothenwandspitze ( 2701 m ) und dem Schafberg südlich. dem Hohen Preschen ( 2002 m ) nördlich vom Grossen Walserthal, abgegrenzt; östlich vom Flexenpass ( 178 lm ) breiten sich zwischen Lech und Inn die Lechthaler Alpen mit der Passeyerspitze ( 3034 m ) und dem Muttekopf ( 2772 m ) aus; die eigentlichen Allgäuer Alpen umschliessen zwischen Lech- und Bregenzer Ach das Gebiet des hier und steigen westlich von demselben mit dem Hohen Ifer zu 2234 m, südlich zu mit der Mädelegabel zu 2650 m, östlich mit dem Hochvogel zu 2693 m auf.

21. Die Nord-Tyro 1er Alpen* ) östlich von den vorigen, im Süden und Osten vom Inn begrenzt, zerfallen in drei kleinere Gruppen: das Wettersteingebirge mit der firngekrönten Zugspitze ( 2975 m )

* ) Statt der von Sonklar adoptirten Linie über die Zürsalp ( Flexenpass ) wurde hier der von Waltenberger ( Petennann's Geogr. Mittheil., Ergänzungsheft 40 ) vorgeschlagene Fernpass, als die tiefere Einsattelung, als Grenze zwischen den Allgäner und den Nord-Tyroler Alpen angenommen. Sonklar rechnet zu diesen auch die Gebirge-östlich vom Inn bis zur Saalach; in Uebereinstimmung mit der oberen vorgeschlagenen Begrenzung der Mittel- und Ostalpen, sind dagegen hier die Ketten westlich und östlich vom Inn verschiedenen Gruppen zugewiesen worden. Die durch das Innthal gegebene Scheidelinie zwischen denselben ist deutlich genug markirt, um die Theilung trotz des geologischen Zusammenhangs zu rechtfertigen.

zwischen dem Fern- und dem Scharnitzpassß ( 927 m ); das Karwendelgebirge zwischen diesem und dem Achen- oder Stubenpass ( 946 m ) und die Gruppe der Hinter- Sonn wend ( 1987 m ) durchflössen von der Leitzach und der Brandenberger Ache vom Achenpass bis zum Inn.

III. Die südliche Reihe erstreckt sich vom Lago Maggiore bis zur Etsch; ihre Grenze gegen die lombardische Ebene folgt ungefähr der Linie Arona-, Como-, Lecco-, Bergamo-, Brescia-, Garda-See und erreicht bei der Veroneser Klause die Etsch.

22. Die Seegruppe zwischen dem Lago Maggiore und dem Comer-See, quer durchschnitten durch die Tresa, den Luganer-See und die Einsenkung des Lago di Piano, Studer's gleichnamiger Gruppe entsprechend.

23. Die Bergamasker Alpen vom Comer-See bis zum Oglio und Iseo-See ausgedehnt, werden im Norden vom Veltlin und dem aus diesem in die Valle Camonica führenden Apricapasse ( 1234 m ) begrenzt. Die Gruppe, deren höchste Gipfel ( Monte Redorta, 3054 m ) sich in die Region der Hochalpen erheben, fällt nach Norden rasch ab, während ihre südlichen, die Thäler Seriana und Brembana umschliessenden Ausläufer sich in langen Ketten bis zur Poebene vorschieben.

24. Die Ortler Alpen im Norden von der Stelviostrasse und dem Yintschgau, im Osten von der Etsch, im Süden von der Noce und dem Tonalepass ( 1934 m ) zwischen Val di Sole und Valle Camonica begrenzt, werden von der vorigen Gruppe durch den Apricapass geschieden. Durch das Kirchbergerjoch ( 2478 m ) zwi- sehen dem Martellthal und dem Val di Rabbi zerfallen sie in zwei Theile, die vergletscherte Masse des Ort 1er ( 3905 m ) mit der Königspitze, dem Monte Cevedale und der Veneziaspitze westlich und das Mittel-nnd Voralpengebiet der NonsbergerAlpen mit der Ilmenspitze ( 2653 m ) östlich.

25. Die Adamello Alpen erstrecken sich südlich von den vorigen, östlich von den Bergamasker Alpen bis zum Passe ( circa 1600 m ) über Madonna di Campiglio aus dem Val di Sole in 's Sarcathal, und zu der Strasse, die aus diesem über Tione und Bondo-in's Thal der Chiese führt. Ihre höchste Erhebung hat die Gruppe im Norden, wo durch Val di Genova geschieden, die Gebirgsstöcke des Monte Adamello ( 3557 m ) und der Presanella ( 3502 m ) einander gegenüber stehen. Von dem Gletschergebiet des eigentlichen Adamellomassivs wird durch das Joch südlich vom Re di Castello ( 2890 m ) zwischen Val Daone und Vai Braone die Mittel- und Voralpengruppe des Monte-Frerone ( 2674 m ) geschieden, die sich zwischen Oglio-und Chiese bis zur Ebene ausdehnt.

26. Die Garda ( Trientiner ) Alpen umschliessen das Gebiet der Sarca und des Gardasees, zwischen der Chiese und der Etsch; nach Norden reichen sie bis-zum Val di Sole und Val di Non. Durch den Garda-See, die untere Sarca und die Strasse, die aus dem Thale derselben über Vezzano nach Trient führt, zer-zerfaüen sie in drei kleinere Gebiete: die Brenta. Alpen mit der Cima di Naudis ( 3180 m ) im Norden, die Alpen des Val di Ledro mit der Cadria ( 2280 ) und dem Monte Tremaiso ( 1970 m ) im Westen und die Ketten des Orto d' Abramo ( 2174 m ) und des Monte Baldo mit dem Monte Maggiore ( 2320 m ) im Osten.

C. Die Ostalpen* )

breiten sich vom Brenner bis zur Ostgrenze des Alpengebietes aus. Gegen die nördlich vorgelagerte bairische Hochebene und das östreichische Hügelland werden sie ungefähr durch die Linie Rosenheim — Salzburg — Gmunden — Scheibs ( an der Grossen ErlafWien begrenzt. Die Südgrenze wird von der Poebene gebildet und zieht sich über Verona — Montebello —

* ) Für das ganze Gebiet der deutschen Alpen östlich vom Arlberg, der Reschenscheideck und dem Stelvio bis zur ungarischen Ebene, wurde Sonklar's Eintheilung benutzt; das hier vorgeschlagene Schema ist also, einige Abweichungen abgerechnet, kaum etwas anderes als eine hie und da weiter ausgeführte Wiederholung derselben. Als Abweichungen sind ausser der verschiedenen Begrenzung der Mittel- und der Ostalpen hauptsächlich zu erwähnen die übrigens von Sonklar selbst vorgezeichnete Theilung der steirischen und der österreichischen Alpen in je zwei kleinere Gebiete, und die Vereinigung der Julischen Alpen mit dem Berglande von Idria, der Karawanken mit den Sannthaler Alpen, dem Bacherngebirge und dem Berglande von Cilli. Für einige andere kleine Abweichungen in der Bezeichnung und Begrenzung ist die Begründung bei den betreffenden Gruppen versucht worden. Die Höhenzahlen sind theils den Angaben Sonklar's, Payer's und Grohmann's, theils dem Atlas der Alpenländer von Mayr und Berghaus entnommen worden ( 1 P. Fuss — 0,325 m ) und haben keinen andern Zweck als durch Vergleichung mit bekannten Zahlen der Schweizeralpen den ungefähren Typus der Gebirge anzudeuten.

50GWäber.

Schio Bassano — Ceneda — Gemona — Cividale

nach Görz und erreicht, wenn man den Karst zu den eigentlichen Alpen rechnet südlich von Monfalcone den Golf von Triest. Wie die Mittelalpen theilen sie sich in der Längsrichtung in drei Reihen: die mittlere, die Centralalpen, wird von der südlichen durch die Rienz, das Toblacherfeld ( 1204 m ) und die Brau getrennt; ihre Grenze gegen die nördliche Reihe folgt dem Inn von Innsbruck bis zur Mündung des Ziller, zieht sich durch das Zillertual zum Gerlosthal und Pass ( 1437 m ) und gelangt in das Thal der Salza, der sie bis zur Mündung des Fritzbaches folgt; durch die Hüttauerreicht sie Radstatt und hält sich an der oberen Enns bis zur Mündung der steirischen Salza, aus deren Thal sie über das Niederalpljoch ( 1204 m ) das Mürzthal und über das Preiner Gscheid, circa 1000 m, das Gebiet der Leitha erreicht.

I. Die Centralalpen.

27. Die Zillerthaler Alpen erstrecken sich vom Brenner nach Osten bis zur Krimlerache, der Birnlücke ( 2587 m ) und dem Ahrenbache. Durch das Pfitscherjoch ( 2223 m ) zwischen den Längenthälern Zemm und Pfitsch zerfallen sie in die eigentlichen Zillerthaler Alpen und das Tuxergebirge. In

* ) Sonklar zieht die Grenze von Johann im Pongau direct nach Radstadt über die Einsattelung ( 955 m ) zwischen Wagrein und Albenmarkt; das Joch zwischen der Hüttau und Radstadt ist aber nur 846 m hoch und für den Verkehr wichtiger als erstere.

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jenen erheben sich die vergletscherten Gipfel des Hoch feilers ( 3516 m ), des Mösele und des Reichenspitz, in diesem der Fusstein und der Olperer ( 3490 m ). Nach Norden und Süden dehnen sich die beiden Gruppen mit ihren Ausläufern bis zum Innthal und bis zum Pusterthale aus.

28. Die Hohen Tauern erstrecken sich von der Birnlücke bis zur Arischarte zum Grossari-, Maltein- und Lieserthal. Ihr Hauptstamm beginnt im Westen zwischen dem Alirenthal und Rainthal als schmaler Grat, der sich bald zu dem Firn- und Gletscherrevier des Grossvenediger ( 3673 m ) erweitert. Ihre grösste Erhebung erreicht die Kette östlich von den Kalsertauern ( 2503 m ) im Gletschergebiet des Gross-Glockner ( 3796 m ), des höchsten Gipfels der Ostalpen. Weiterhin wird das Gebirge niedriger, schwingt sich aber mit dem Hochnarr, dem Ankogl und der Hochalmspitze noch zu Höhen von über 3200 m auf. Nach Norden vom Hauptkamme, der sich wie in den eigentlichen Zillerthaleralpen nirgends unter 2400 m senkt, laufen kurze Parallelketten bis zum Pinzgau. Nach Süden bis zum Pusterthale erheben sich isolirte Berggruppen; zwischen dem Rainthal, dem Defereggerjoeh und dem Antholzerthal A1 pen mit dem Ruthnerhorn ( 3374 m ); zwischen dem Deferegger-und Iselthal und dem Antholzerthal das Defe'regger-gebirge mit der Weissen Spitze ( 2958 m ) zwischen dem Möllthal und dem östlichen Pusterthal die Gruppe der Kreuzeck ( 2698 m ) und endlich, vom Hauptkamm durch das Bergerthörl ( 2429 m ) zwischen Kais und Heiligenblut getrennt, breitet sich zwischen dem Kaiser- und Iselthal und dem oberen Möllthal da » Schobergebirge mit dem Hochschober ( 3239 m ) bis zu dem Iselsberge aus.

29. Die Südsteirischen Alpen beginnen östlich von der Arischarte und breiten sich bis zur Ostgrenze der Alpen aus, wo sie in das steirische Hügelland übergehen. Sie zerfallen in sechs kleinere Gruppen. Von der Arischarte und dem Murthörl ( zwischen dem. Munvinkel und dem Grossen Arlthal ) bis zum Katsch-bergpass ( 1546 m ) erhebt sich der. Gebirgsstock des Hafnereck ( 3061 m ), dessen südöstliche Ketten das Thal der Pölla umschliessen; zwischen dem Katsch-berg und dem Fladnitzerjoch die Gruppe der Stang-alpe mit dem Eisenhut ( 2441 m ) und dem Königstuhl,. zwischen dieser und der Olsa die Gruppe der Kuhalpe ( 1778 m ). Zwischen der Olsa und der Gurk einerseits und dem Lavantthal andererseits die Juden-burger Alpen mit dem Wenzelalpenkopf ( 2142 m ) im Norden und der Grossen Saualpe ( 2073 m ) im Süden. Oestlich vom Lavantthal bis zum Durchbruch der Mur erheben sich die Brucker- und die Stainzer Alpen durch den Pass über die Pack ( 1180 m ) von einander getrennt; jene mit dem Speikogel zu 1984 m, diese mit der Koralpe zu 2138 m ansteigend.

30. Die nordsteirischen Alpen, vom Gross Arlthal bis zum steirischen Hügelland« ausgedehnt, werden von den vorigen durch das Murthörl und die Mur getrennt und theilen sich in sechs Gruppen: die niederen Tauern zwischen dem Gross Arlthal und Schoberpass ( 823 m ), der die Thäler Lising und Palten verbindet: sie führen von West nach Ost die Namen:

Radstätter-, Wölzer- und Rottenmannstauern und Seck-aueralpen und steigen mit dem Hochgolling bis zu 2860 m an. Das Reicliensteinergebirge mit dem Hochthor ( 2335 m ) erstreckt sich östlich von den Kleinen Tauern bis zur Eisenstrasse, die vom Ennsthal über Eisenerz in 's Murtlial führt. Das Hoch -schwabgebirge mit dem gleichnamigen Gipfel(2281 m ) wird im Westen von der Eisenstrasse, im Osten von der Strasse von Mariazeil über Wegscheid und das Thörlthal nach Brück begrenzt. Die Hohe Veit s ch liegt zwischen der vorigen Gruppe und der Mürz. Das Semmringgebirge östlich von der Mürz bildet mit dem Wechsel ( 1748 m ) das äusserste Ende der nordsteirischen Alpen; von Nordost nach Südwest wird es von der Semmringstrasse ( 992 m ) und Bahn ( 882 m ) durchschnitten, über welchen sich der Sonnenwendstein zu 1545 m erhebt. An das Semmringgebirge schliessen sich zwischen der Mürz, der Mur und der Feistritz die Fischbacher oder Cetischen Alpen an mit dem Orosspfaff ( 1480 m ) und der Stuhleck ( 1780 m ) und bilden die Verbindung der nord- und südsteirischen Alpen.

II. Die nördliche Reihe.

31. Die Alpen der Grossen Achen* ) nörd-

* ) Unter diesem Namen werden hier der östliche Theil der Nord-Tyroler Kalkalpen und die Kitzbüchler Alpen Sonklar's zusammengefasst. ( Siehe Anmerkung pag. 502. ) Dass di, Grosse Achen das ganze Gebiet vom Thurnpasse bis zum Chiemsee mitten durchschneidet, mag der gewählten Bezeichnung zur Rechtfertigung dienen.

lieh'von den Zillerthaler Alpen und den Hohen Tauern, im Westen vom Ziller und Inn, im Osten der Saalach und der Einsenkung des Zellersee's begrenzt, zerfallen in drei kleinere Gruppen. Im Süden bilden die Kitzbüchler Alpen vom Katzenkogl ( 2535 m ) bis zur Schmittenerhöhe ( 1910 m ) die Wasserscheide zwischen dem Gerlosbach und der Salzach einerseits, dem Inn und der Grossen Achen andererseits. Sie erheben sich mit dem Geierhorn zu 2760 m, mit dem Hochkogl zu 2522 m, werden durch den Thurn-pass ( 1338 m ) zwischen dem Jochbergthal und dem oberen Pinzgau quer durchschnitten und dehnen sich nördlich mit der Hohen Salve ( 1829 m ), dem Kitzbüchlerhorn ( 1968 m ) und dem Königskopf bis zur Strasse aus, die von Saalfelden an der Saalach über den Griesse'npass nach St. Johann an der Grossen Achen und Wörgl am Inn führt. Im Westen der Grossen Achen erhebt sich das felsige, zackige Kaisergebirge mit dem Hoch- oder Wildkaiser ( 2330 m ), im Osten die Strubalpen mit den Loferer Steinbergen ( Rothhorn, 2630 m ) südlich und dem Sonntags-horn ( i960™ ) nördlich von der Strasse, die durch den Pass Strub ( 672 m ) die Thäler der Saalach und der Grossen Achen verbindet.

32. Die Salzburger Alpen zwischen Saalach und Salzach umschliessen den Königsee und das Thal der Alm. Ihre höchste Erhebung ist der Hochkönig ( 2939 m ) im Firnrevier der Uebergossenen Alm; nach Norden von dieser zieht sich zwischen dem Alfcgebiet und der Salzach das Haagengebirge mit dem Teufelshorn und die Kette des Hohen Göll ( 2528 m ), nach Nordwest Ueber die Eintheilung der Alpen...511

zwischen Königsee und Saalach die Schönfeldspitze ( 2571 m ) und das Steinerne Meer und in einem Ausläufer zwischen dem See und dem Wimbachthal der Watzmann ( 2568 m ); im Süden schliesst sich bis zum Untern Pinzgau das Dientenergebirge mit dem Hundstein ( 2050 m ) und dem Schneeberg an.

33. Die Oberöstreieher Alpen erstrecken sich von der Salzach bis zur Enns und zerfallen in zahlreiche durch Seebecken und tiefe Flussthäler von einander geschiedene, plateauartige Kalkstöcke. Im Südwesten zwischen der Salzach und dem Lammerthal erhebt sich das Tennengebirge mit der Raucheck ( 2430 m ). Oestlich davon bis zum Pötschenpass ( 1022 m ), der die Thäler der Traun und Enns ver bindet, das Dachsteingebirge ( Dachstein, 2998 mnördlich bis zum Faschl- und Wolfgangsee, von den beiden vorigen durch das Lammerthal, den Gschütt- pass und die Gosau getrennt, das Ischlgebirge, das bei Salzburg mit dem Gaisberg ( 1278 m ) beginnt und sich mit dem Ramsauergebirge bis zum Hallstädtersee fortsetzt ( Hochzinken, 1762 m; Kahlenbergspitze, 1850 m ); das Mondseegebirge* ), 1000-1500 m hoch, westlich vom Attersee; das Höllengebirge östlich vom vorigen bis zur Traun mit dem Höllkogl ( 1755 m ) und dem Schafberg ( 1789 m ); das Tod te Gebirge mit dem Hohen Schroff, dem Wildenkogl und dem Gross Priel ( 2587 m ) zwischen dem Pötschenpass und dem Pyrhnpass ( 1064 m ), der die Thäler

* ) Der westliche Theil des Höllengebirges Sonklar's,

Vom östlichen durch den Attersee, den Mondsee und die Strasse Sehärfling-St. Gilgen geschieden.

der Emis und der Steier verbindet; das S en g s en-gebirg e mit den Hochnock ( 1903 1U ) zwischen Steier und Emis, die Gruppe des Hohen Bürgas ( 2232111 ) zwischen dem Pyrhnpass und der Enns, von dem Sengsengebirge durch die Strasse von Altenmarkt über St. Gallen ( in der Buchau ) und Keixen nach Windisch Gersten, vom Grossen Buchstein ( 2216 m ) durch die Buchau geschieden.

34. Die Niede röstreicher Alpen, die Fortsetzung der vorigen, breiten sich von der Enns bis zum Wienerbecken aus und zeigen ebenfalls den Typus stockartiger Massen, auf deren Hochflächen sich die höchsten Gipfel in Ketten oder vereinzelt erheben. Zwischen der Enns und der Ips, dem Mendlingpass und der steirischen Salza, erhebt sich die Voralpe ( 1717 m ); zwischen der Ips und der steirischen Salza der Dürrenstein ( 1873 m ) mit dem Eisenstein; der Oetscher ( 1927 m ) zwischen der Ips und der Grossen Erlaf und östlich von derselben längs der Südgrenze des Gebietes die Schneealpe mit dem Windberg ( 1894 m ), die Raxalpe mit der Heukuppe ( 2005ra ) und der Schneeberg mit dem Alpengipfel ( 2007 m ), nördlicher das Traisengebirge und als letzter Ausläufer bis zur Donau vorgeschoben der lange Kücken

des Wienerwalds..

MI. Die südliche Reihe.

35.Die Südtyroler Alpen erstrecken sich südlich vom Pusterthale bis zum Val Sugana, der Brenta und der Poebene, östlich von der Eisack und Etsch bis zum Kreuzbergjoch ( 1634 m ) und zum Thal der Piave.

Sie zerfallen in zahlreiche isolirte Stöcke mit schroffen, kühnen, durch die vorherrschenden Fels- arten, Dolomit und Porphyr, bedingten Gipfelformen. Im Nordwesten, zwischen dem Enneberger- und Abtei- thal im Osten, dem Grödenerthal und Joch ( 2122 m ) im Süden, erhebt sich die Gruppe des Peitlerkofels ( 2868 m ). Südlich von demselben zieht sich zwischen Eisack, Etsch und Avisio bis zur Mündung desselben die Kette des Schiern ( 2561 m ) und des Rosengarten mit dem Fürstenstuhl ( 2983 m ). Oestlich vom Enneberg liegt bis zum Höllensteinthal und der Peutel-steinerklamm, die in 's Ampezzanerthal führt, die Gruppe des Seekofel s ( 2808 m ) mit der Porphyrpyramide der Crepa Rossa ( 3133 m ) und zwischen dem Seekofel und dem Kreuzberg umschliesst die Kette des Monte Antelao ( 3255 m ) mit dem Sorapis ( 3292 m ) das Val d' Auronzo. Zwischen dem Ampezzo- und Piavethal und dem Agordothal erhebt sich, von der See-koflgruppe durch den Pass von Peutelstein nach St. Cassian im Abteithal getrennt das Massiv des Monte P e 1 m o(3164 m ) mit dem Pordoigebirge und dem Monte Tofana ( 3267 m ), im Norden, und dem Monte Civita ( 3183 m ) westlich vom Val Zoldo. Das Grödnerjoch und das Sellajoch ( 2231 m ) scheiden diese Gruppe vom Peitlerkofel und Schiern, der grossartige Felsen-pass Fedaja von der Kette der vergletscherten Marmolata ( 3496 m ), die sich als Wasserscheide zwischen dem Cordevole, dem Avisio und dem Cismone über den Cimon della Pala ( 3245 m ) bis zum Monte Pavfone erstreckt. An diese Kette schliesst sich am Passo di

33 Colbricon das Gebiet der FleimserAlpen zwischen dem Fleimserthal und Val Sugana mit der Cima, d' Asta ( 2846 mden Uebergang zur Poebene bildet südlich von Feltre zwischen Brenta und Piave das Voralpenland des Monte Grappo ( 1772 m ).

* )

36. Die Lessinischen Alpen südlich vom Val Sugana zwischen der Etsch und der Brenta bis zur Ebene ausgebreitet, werden durch den. Passo di Fugazze ( 1255™- ), der von Koteredo nach Schio und Vicenza führt, in zwei Theile geschieden; im nördlichen, der das Gebiet des Astico umschliesst, erheben sich die Cima Dodici ( 2331 m ) im Norden und der Monte Pasubio ( 2238 m ) im Süden. Der südliche Theil gipfelt mit der Cima di Pasta ( 2196 m ) und schiebt die circa 1500 m hohe Kette der Monti Lessini bis zur Etsch vor. An seinem südlichen Abhang liegen die Tredeci Communi, wie die Sette Communi im nördlichen Theil, eine deutsche Sprachinsel auf italienischem Boden.

37. Die Karnischen Alpen erstrecken sich östlich vom Kreuzberg bis zur Strasse, die von Villach über Tarvis ( Saifiiitz, 814 m ) und Malborghet in 's Fellathal führt. Südlich werden sie durch den Canaldi Sappada, den Cimapass und den Canal di Gorto begrenzt. Durch den Einschnitt von Kartitsch und die Gail zerfallen sie in zwei langgestreckte Ketten. Die südliche, die eigentlichen Karnischen Alpen, beginnt im Westen mit der Helmspitze, steigt mit dem Monte

* ) Sonklar fasst die Gruppen der Marmolata, der Fleimser Alpen und des Monte Grappo unter dem Namen Eassaner Alpen zusammen.

Canal s* Thal.

Paralba zu 2761 m, mit dem Monte Cogliano zu 2809 m und mit der Kellerwand zu 2813 m an; östlich vom Pleckenpass ( Monte Croce, 1321 m ) der aus dem.Gailthal in 's Val San Pietro führt, wird die Kette niedriger und erreicht mit den Klausner Alpen die Ostgrenze. In der nördlichen Kette, den Gailthaler Alp en, die mit dem Spitzstein beginnen und mit der Villacher- alp enden,, erhebt sich der Kreuzkofel ( 2737 m ), und der Reisskofl ( 2363 m ).

38. Die Venetianischen oder Premag g i o r e Alpen südlich von den vorigen, breiten sich zwischen der Piave und dem Tagliamento bis zur Ebene aus und theilen sich in vier Gruppen: im Südwesten die Alpen von Belluno ( Höhe 1300-1800 m ) von der Piave bis zur Strasse, die von Capo di Ponte am Lago di Santa Croce vorbei nach Ceneda führt; die Gruppe des Monte Cavallo ( 2280 m ) zwischen dem Lago di St. Croce, der Zelline und dem Col Ferrone; die Gruppe des Monte Premaggiore ( 2477 m ) mit dem Monte Cridola ( 2583 m ) nördlich von der vorigen bis zum Mauriapass ( 1278 m ) und zum Canal di Socchieve, dem Thal des oberen Tagliamento, ausgedehnt, und endlich die Gruppe des Monte Tier s ine ( 2639 m ) zwischen der Piave und dem Canal di Gorto.

39. Die Karawanken sind die Fortsetzung der karnischen Alpen, von denselben durch die Gailitz getrennt. Sie beginnen bei Tarvis zwischen der Sau und der Drau mit der Kette des Mittagkogels ( 2100 m ), die sich mit dem Stou zu 2233 m erhebt und bis zum Loiblpass ( 1370 m ) zwischen Klagenfurt und Krain- bürg erstreckt.

Tom Loiblpass bis zum Seebergpasse ( 1205 m ), der die Thäler der Vellacli und des Kanker-baches verbindet, breitet sich das Koschuttagebirge mit dem Koschutta Vrh ( 2093 m ) und dem Obir ( 2134 m ) aus. Jenseits des Seebergjoches theilt sich das Gebirge in drei Hauptarme, von denen der nördlichste als Fortsetzung des Hauptkammes mit dem Petschen ( 211 lm ) und dem St. Ursulaberg bis Windischgräz am Miesling streicht, während der mittlere und der südliche, die Sann thaler Alpen* ) das Sulzbach- und Sannthal umschliessen; im südlichen Arme erreicht der Grintouz ( 2665 m ), die Oistriza2398 m Höhe. Jenseits der unteren Sann breitet sich bis zur Sottla das Bergland von Cilli mit dem Wachberg aus, und jenseits des unteren Miesling erhebt sich das reben- und waldbedeckte Bacherngebirge mit der Welka Kappa ( 1537 m ), vom Bergland von Cilli durch die Einsenkung der Linie Marburg-Cilli geschieden.

40. Die Julisehen Alpen im Westen von der Fella und dem Tagliamento, im Osten von der Save, im Norden durch die Einsenkung von Eatschach ( 808 m ) und das Joch von Saifnitz ( 814 m ) begrenzt, breiten sich nach Süden bis zu der Strasse aus, die von Laibach über Ober-Laibach, Adelsberg und Wipbach nach Grörz führt. Durch den Predilpass ( 1150 m ) und den Isonzo wird der westliche Theil, die Gruppe des Monte Canin ( 2728 m ), geschieden, die sich, allmälig Vor-

* ) Die Steiner Alpen Sonklar's.Prof. Frischauf gibt im II. Jahrbuehe des steirischen Gebirgsvereines für den Grintouz 8334 W.F ==s 2634 m; für die Oistriza 7550 W.F. 2368 m an.

alpentypus annehmend, nach Süden bis zur Ebene ausdehnt ( Monte Maggiore, 1628 m ). Oestlich erheben sich die T e r g 1 o u Alp en, als gekrümmte Wasserscheide zwischen dem Isonzo und der Save. Sie beginnen am Predilpasse mit dem felsigen Mangart ( 2674 m ), steigen mit dem dreigipfligen Terglou zu 2865 m an und umschliessen mit dem Yagatin, dem Monte Kuck und dem Wochu ( 1920 m ) den grossartigen Kessel der Wocheiner Save. Jenseits des Podberdapasses ( zwischen der Bazha und der Seizacher Zay er ) schliesst sich das Bergland von Idria an, das mit dem Borodin Vrh zu 1628 m ansteigt und am Südrande mit den breiten Kalkplateaux von Chiapovano, des Tarnowaner- und des Birnbaumerwaldes abschliesst. Südlich von den Karawanken und den Julischen Alpen dehnen sich bis zum Quarnerobusen und der oberen. Kulpa die kahlen, zerklüfteten Kalkplateaux des Krainer und des Istfischen Karstes aus und bilden den Uebergang von den Alpen zum Gebirgssystem der Balkanhalbinsel * ).

* ) Der beigegebenen Karte wurde G. A. v. Kloden's Kepetitionskarte des Alpengebietes zu Grunde gelegt.

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