Über Schwäche reden macht stark

Und dann steht man plötzlich sprichwörtlich am Berg. Hat seit Beginn der Tour dieses mulmige Gefühl im Magen. Sollte Sicherheit und Ruhe ausstrahlen, aber spürt nichts davon. Stattdessen Zweifel, Schwäche, Angst. Vor dem Absturz, vor dem Versagen. Vor der Scham darüber, «es nicht mehr zu bringen».

Erleben tun dies viele einmal, am Berg oder im Alltag. Darüber sprechen will kaum einer. Wir Berggänger leben davon, dass unser Körper fit ist, unser Wille stark. Das gibt uns Kraft und das Selbstvertrauen für den ­All­tag.

Einige lassen die Gefühle des Scheiterns gar nicht mehr los. Gerade starken, leistungsorientierten Bergsteigern falle es besonders schwer, sich in solchen Lebenskrisen helfen zu lassen, haben zwei Psychologinnen festgestellt (S. 34). Laut ihrer Umfrage scheinen Bergführer besonders betroffen. Verglichen mit anderen Berufen wählen unüblich viele von ihnen dann als letzten Weg den Suizid.

Der erste Schritt aus der vermeintlichen Sackgasse führe übers Reden, so die Psychologinnen. Möglichst schon, bevor sich eine Lebenskrise abzeichnet. Aber spätestens dann. Ich hoffe, dass wir mit dem Artikel ­einen Anstoss geben, untereinander mehr über unsere schwachen Momente zu sprechen. Denn nur das macht stark.

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