Veränderungen

Juli 1958 Albigniahütte - die Staumauer wurde gerade fertigerstellt. Vor der Hütte kam ich als damals junger Bergsteiger mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Vermutlich war er schon bei der Einweihung der ersten Hütte 1910 dabei und erzählte wie man damals vom Gletscher zur Hütte marschieren konnte. Für mich fast kaum vorstellbar, vernahm ich das erste Mal etwas von Gletscherrückgang – mein Interesse an diesem Phänomen war geweckt. Ich verfolgte die Gletschermessergebnisse in den SAC-Heften und ging nun mit einer anderen Optik in die Berge. Im Spätherbst 1985 nach einer längeren Schönwetterperiode entdeckte ich beim Abstieg von der La Ruinette auf dem gleichnamigen Gletscher grössere Büsserschneefelder, ähnlich dem Büssereis, das ich auf Touren in Südamerika angetroffen hatte – eine Erscheinung, die eigentlich nicht so recht in unsere Breitengrade passte. Schon in den 90er-Jahren erfolgten die ersten Starkregenfälle, wie sie normalerweise nur in südlichen Gefilden auftraten. Heute gehören sie leider fast zur Norm und fördern das Abschmelzen der Gletscher enorm. Mit dem neuen Jahrhundert wurde dann der Gletscherschwund selbst für Nichtbergsteiger sichtbar. Heute verfolge ich den Schwund im Internet, etwa unter skitouren.ch oder gulliver.it, und träume von kälteren Zeiten. Wenn ich aus meinem Fenster zur Altels schaue und nur noch spärliche Reste eines Gletschers sehe, treibt es mir fast Tränen in die Augen. Kaum zu glauben, dass 1792 und 1895 riesige Gletschermassen mit verheerenden Folgen auf die Alp Spittelmatte stürzten. Natürlich sind meine Aufzeichnungen keine wissenschaftlichen Fakten, nur Beobachtungen eines in die Jahre gekommenen Bergsteigers. Aber ja, Veränderungen in den Bergen und im Bergsport sind das einzig Konstante.

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