Von der einen Schreibstube in die andere

Während die einen in die Berge gehen, auf Ski ihre Spuren in den frischen Schnee ziehen, in der Morgensonne in den rauen Fels einsteigen oder durch den wilden Berg­wald streifen, bleibt uns oft nur das Seufzen am Bildschirm: Wenn wir Redaktoren die Tourentipps aus allen Teilen der Schweizer Alpen und aus den Bergen der Welt redigieren, wird uns manchmal etwas weh­mütig zumute. Wären wir doch Bergführer geworden, denken wir dann und vergessen kurz, dass wir Schreiberlinge dafür nie im Leben gut und fit genug gewesen wären.

Die Leidenschaft für die Berge zur Arbeit zu machen, das war und ist unser Traum. Nur: Die Realität ist dann oft eine knochentrockene. Wir brüten über der korrekten Formulierung, passen in letzter Minute Texte den Wünschen unserer Geschäftsstelle an, beantworten die Anrufe von Lesern, die sich über die Plastikverpackung der Zeitschrift beschweren. Für Letztere können wir übrigens gar nichts, sie wird uns nämlich von der Post vorgeschrieben. Auch wenn wir manchmal etwas genervt hinter unseren dicken Brillengläsern hervorschauen: Dass wir kritische Leser haben, dass es den Leuten wichtig ist, was wir schreiben, zeigt, dass unsere Texte wahrgenommen werden. Dass unsere Arbeit ernst­ genommen wird. Und davon lebt der Journalist wie der Musiker vom Applaus.

Doch nun geht meine Zeit bei der Zeitschrift «Die Alpen» zu Ende. Gerne würde ich schreiben, dass ich meinen Arbeitsplatz auf der SAC-Redaktion gegen ein Leben in sonnigen Höhen eintausche. Aber mich zieht es bloss in eine andere Schreibstube. Dort wartet eine spannende Aufgabe im Lokaljournalismus auf mich. Ich kann nur hoffen, dort ebenso aufmerksame und treue Leser zu finden, wie ich sie hier nun vier Jahre lang hatte. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Es war mir ein Vergnügen, und euch hoffentlich auch. Dankeschön – und auf Wiedersehen.

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