von Schrötter: Über Bergkrankheit

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Wien, Braumüller, 1899.

Die rein fachmännisch gehaltene, 84 Seiten starke Abhandlung ist wegen dieser ihrer Eigenschaft für den Alpinisten, der nicht Fachmann ist, eine unersprießliche Lektüre. Damit fehlt ihr jedoch nicht jeglicher Wert für unsere Zwecke, im Gegenteil, sie bringt quasi als weitere Erläuterung zu dem großen Werke Mosso's:-„Der Mensch auf den Hochalpen ", eine Reihe neuer Ideen, die außerordentlich interessant sind. Zugleich setzt sich die Monographie in einen gewissen Gegensatz zu den Theorien Mosso's, insofern der Verfasser nicht den Kohlensäuremangel allein gelten lassen will zum Zustandekommen der Bergkrankheit. Er giebt zwar zu, daß diese neue Idee Mosso's etwas für sich habe, führt dann aber an der Hand einer großen Anzahl von Beispielen und Experimenten doch den Sauerstoffmangel als ersten erregenden Faktor ins Feld. Dazu kommen nach seiner Ansicht noch eine Reihe anderer Faktoren, die gewissermaßen als Adjuvantien zum Zustandekommen der Krankheit hinzutreten: es entsteht nach seiner Ansicht eine relative Anoxhämie ( Sauerstoffmangel des Blutes ), die beim Bergsteiger eine manifeste, beim Ballonfahrer eine latente ist. Der Verfasser führt dann in längerer Auseinandersetzung diese Neben-faktoren eingehend an, nachdem er sie in „ innere ", in dem Organismus selbst gelegene, und „ äußere ", auf denselben einwirkende Momente kate-gorisiert hat. Die inneren Momente sind: Muskelarbeit und Ermüdung, Körpertemperatur, Grad der Übung und des Trainings, ungünstige Lebensbedingungen und physischer Zustand überhaupt, psychischer Zustand, Grad der Acclimatisation. Als äußere Momente zum Zustandekommen der Bergkrankheit nennt Verfasser die Temperatur, die Luftströmungen, den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, die Änderung der Lichtverhältnisse und anderweitige meteorologische Verhältnisse ( Ozon-, Argon- und Wasser- stoffsuperoxydgehalt der Luft ). Nach einer eingehenden und durch eine Anzahl von Beispielen belegten Besprechung der „ kritischen Höhe ", die in den europäischen Alpen am niedrigsten ( 3000™ ), im Himalaja am höchsten ( 5000 m ) liegt, widmet der Verfasser noch ein paar Worte der Therapie: Rückkehr in tiefere Luftschichten. Sehr hübsch übersichtlich ist die graphische Darstellung aller Momente, die nach des Verfassers Ansicht zusammenwirken, um den Symptomenkomplex: Bergkrankheit zu bilden. Als Prophylaktikum, respektive als Mittel, sich der hochgradigen Verarmung des Sauerstoffgehaltes der Inspirationsluft innerhalb weiter Grenzen anzupassen, empfiehlt die Abhandlung die Atemvertiefung beim Bergsteigen.

Dr. F. Krumbein ( Sektion Bern ).

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