Walter Larden: Recollections of an old mountaineer

Dieses Buch, welches sich fast nur mit den Schweizeralpen einschließlich des Mont Blanc-Gebietes beschäftigt, macht uns mit einem „ neuen alpinen Schriftsteller " bekannt. Denn Walter Larden war uns bisher, abgesehen von gelegentlichen Artikeln im „ Alpine Journal ", nur als Verfasser eines als Manuskript gedruckten „ Guide to the Walks and Climbs around Arolla " bekannt. Und dies, obgleich Mr. Larden in seinem Erstlingsbuch auf eine Bergsteigerkarriere von 28 Jahren ( 1880—1908 ) zurückblicken kann, also ein gewisses Recht hat, sich einen „ alten Bergsteiger " zu nennen. Mr. Larden ist ein durchaus origineller Schriftsteller, sei es, daß er seine Gedanken über sein führerloses Bergsteigen und seine einsamen Wanderungen von sich gibt, oder daß er die mit Führern gemachten Besteigungen schildert, die zum Teil nicht ohne bedenkliche Abenteuer abliefen, oder daß er kluge, mitunter auch launige Bemerkungen über Land und Leute in der Schweiz und im Tirol macht. Für die erstere und speziell für einige Orte darin, wie Arolla, Binn, Saas-Fee, hat er eine rührende Anhänglichkeit, und ebenso haben es ihm einzelne schlichte Leute in den Bergen, wie Madame Epiney in Zinal, die Familie Schmid in Binn und Ärnen oder Abraham Müller in Kandersteg, angetan. Mr. Larden gehört auch in dieser Beziehung zu der „ alten Schule ", und wenn er im Winter 1903/1904, schon im „ Mittelalter " stehend, doch noch das Skifahren erlernte, um seine kurzen Winter-aufenthalte in der Schweiz besser ausnutzen zu können, so sieht er doch die Nach- teile, welche selbst für die Gesundheit in dem jetzigen großstädtischen Betrieb der Winterkurorte liegen, mit klaren Augen ein, und wo die „ Fremdenindustrie " wirkliche Übel gezeitigt hat, ermangelt er nicht, als ein wahrer Freund des Volkes es zu sagen. Und er darf sich dies auch herausnehmen, denn er, der beim ersten Betreten der Schweiz 1880 kein Wort Deutsch verstand und kaum einige Brocken Französisch vorbringen konnte, hat sich in den Volkscharakter in Arolla, Zinal, Binn und Kandersteg vollkommen eingelebt. Ein guter Beweis dafür sind u.a. seine Hausinschrift-sammlungen aus dem Berner Oberland und Graubünden, die er mit ganz brauchbaren Anmerkungen und Übersetzungen begleitet. Vielleicht noch beweiskräftiger sind seine gelegentlich eingeflochtenen Betrachtungen über das harte Leben der Gebirgsbauern in der Schweiz, ihr Lastentragen, das frühe Altern der Frauen, das eigentlich geringe innere Glücksgefühl dieser Leute, lauter scharf beobachtete und mit humanem Verständnis wiedergegebene Züge. Hauptsächlich um dieser Dinge willen, die man nicht bei jedem fremdsprachigen Schriftsteller über die intimsten Zustände unseres Landes findet, möchte ich dieses Buch, dessen „ climbing part " auch verwöhnte Leser befriedigen wird, zur Beachtung empfehlen. Mr. Larden trägt den Alpen, die ihm Jahr für Jahr die durch schwere Arbeit als Schulmeister erschütterte Geistesfrische wiedergegeben haben, eine Dankbarkeitsschuld ab durch sein Schreiben; wir sollen ihm das nämliche tun durch Lesen. Das Buch ist mit 16 Vollbildern in Phototypien geschmückt und typographisch tadellos ausgestattet.Redaktion.

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