Weniger wäre mehr

Die Jagdbanngebiete sollen in Wildtierschutzgebiete umgetauft werden – so der Wille des Parlamentes in Bundesbern. Dies lässt bei mir die Alarmglocken ­schrillen.

Weshalb? Historisch verdanken wir den Banngebieten einiges. Sie trugen dazu bei, dass sich die im 19. Jahrhundert fast ausgerotteten Huftiere wie Hirsch und Steinbock wieder erholen konnten.

In jüngerer Zeit hat der SAC jedoch ungute Erfahrungen gemacht. 1991 kamen Bestimmungen dazu, die über die Jagd hinausgehen. Das Wintersportverbot «ausserhalb von markierten Pisten, Routen und Loipen» wurde im Giesskannenprinzip erlassen: ungeachtet der Topografie, der Eignung für den Wintersport oder der Bedeutung für den Wildschutz. Seit 2011 gelten als erlaubte Routen nur jene der swisstopo-Skitourenkarten.

Aus SAC-Sicht ist dies unbefriedigend. Bedeutende Teile der Banngebiete sind für den Wildschutz im Winter kaum relevant. Parallel zur Kampagne «Respektiere deine Grenzen» hat der SAC versucht, mit den Behörden differenziertere, nachvollziehbarere Regelungen auszuarbeiten. Man hätte z.B. sensible Gebiete mit einem saisonalen Betretungsverbot belegen, dafür oberhalb der Waldgrenze auf Einschränkungen verzichten können. Weniger wäre mehr und hätte die Akzeptanz und Wertschätzung verbessert. Leider war den Diskussionen kein Erfolg beschieden.

Im Rahmen der Umbenennung ist hier kaum auf eine Verbesserung zu hoffen, im Gegenteil. Es ist sicherzustellen, dass keine weiteren Einschränkungen für den Bergsport erlassen werden. Im Ständerat und von ­Bundesrätin Leuthard gab es dazu klare Bekenntnisse, die protokolliert sind.

Der SAC lehnt in Banngebieten neue Regelungen, z.B. für den Sommerbergsport, strikt ab. Der überwiegende Teil der Besucher ist auf Wegen oder gängigen Routen kanalisiert unterwegs, und die wenigen, die davon abweichen, bilden kaum ein Problem. Viele Banngebiete sind wertvolle, wilde, abgelegene, hochalpine Tourengebiete. Sie ermöglichen ein intensives Naturerlebnis, das kommenden Generationen erhalten bleiben soll! Dies beinhaltet eine intakte Natur ebenso wie die Möglichkeit, sie hautnah zu erleben.

Der SAC fordert keinen hundertprozentigen freien Zugang in die Berge, aber Differenziertheit und sorgfältige Abwägung der Interessen bei allfälligen Einschränkungen. Die Erfahrung zeigt: Die Jagdbanngebiete bieten dazu keinen geeigneten Ansatz.

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