Wer darf wem was vorschreiben?

Zum Artikel « Der Schweizerische Nationalpark soll grösser werden » in ALPEN 9/99, S. 28/29 Die Erweiterung des Nationalparks würde zwei Zonen umfassen: die Kernzone und die Umgebungszone. Die Umgebungszone würde sich ab Muottas Muragl praktisch über die gesamte rechte Talseite des Engadins erstrecken. Aus den SAC-Clubführern Bündner Alpen 9 und 10 sind hier die betroffenen Berggruppen aufgeführt: Piz Languard, Piz Lavirun, Piz Chaschauna, Macun - Piz Lad, Sesvenna, Piz Starlex - Piz Terza, Piz Daint - Piz Turettas. Für Kenner und Geniesser sind dies Paradiese. Diese Gebiete würden gemäss diesem Beitrag nicht unter « rigidem Naturschutz » stehen, sondern der Mensch könnte « sich im nachhaltigen Wirtschaften üben ». Das Wirtschaften mit Nachhaltigkeit soll umgesetzt werden, indem man obenerwähnte Gebiete mit « partiellen Betretungser- laubnissen » belegt und so dem Drang von Einheimischen und Touristen « entgegenkommen » will, die ihre Freizeit in den Bergen verbringen wollen. Im Artikel wird zu Recht die Frage gestellt nach dem Wo und Wie einer solchen Einschränkung, wer soll wo und wann skifahren, biken oder bergsteigen dürfen. Doch unweigerlich drängt sich hier die nächste Frage auf: Wer darf wem vorschreiben, wo und wie man seine Freizeit verbringt? Wie dem Bericht zu entnehmen ist, erweist sich die Angelegenheit mit einer Skitourenkarte für die Umgebungszone als schwierig und umstritten. Wie soll es mit einer Karte für Biker, Kletterer und Bergsteiger aussehen?

« Der Mensch ist Gast in der Natur und passt sich ihr an », so der Autor. Mit anderen Worten: Jeder, der sich gern in der Natur aufhält, der am liebsten in die Berge geht und dies geniesst, ist sich des Werts der Natur bewusst. Man kommt nicht darum herum, die Natur mit ihren Regeln zu respektieren und zu ihr Sorge zu tragen, will man sich selbst und den nachfolgenden Generationen eine intakte Landschaft erhalten.

Ein Naturschutz in der Art und Weise, wie er im Fall des Projekts « Umgebungszone » geschehen soll, ist in mancher Hinsicht umstritten. Wenn es das Ziel des Projekts sein soll, dem Menschen durch teilweisen Naturschutz die Chance zu geben, die Natur nachhaltig zu bewirtschaften, so tönt dies in den Ohren eines Berglers beinahe höhnisch.

Es bleibt jeder und jedem unbenommen, zu Hause zu bleiben, aber diejenigen, die einen Teil ihrer Freizeit in den Bergen verbringen wollen, sollen dies ungehindert tun dürfen. Die Erweiterung des Nationalparks, wie sie momentan zur Diskussion steht, wäre ein massiver Einschnitt in die Qualität unseres Tals und in die Lebensqualität seiner Einwohner.

Göri Vaiar, Zuoz Das Zwischbergental heisst auch Val Vaira. Ich habe das Tal in den letzten Jahren oft besucht und wurde immer wieder überrascht durch die Ortsnamen, die sich nicht an den Walserdialekt, sondern eher ans Italienische anlehnen.

Die Erklärungen, die ein junger Mann aus Gondo liefert, sowie die Lektüre historischer Werke zeigen, dass das Zwischbergental die letzte Station auf wiederholten Streifzügen am Rand der italienischen Kriege der Oberwalliser in Mailänder Gebiet war. In diesem Fall handelte es sich um das Val d' Ossola.

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