«White Risk» nur noch im Web Tourenplanung leicht gemacht

Die CD ist Vergangenheit – es lebe die Internetplattform: Mit der neuen «White Risk»-Internetplattform wird Lawinenkunde zum Abenteuer in der warmen Stube.

«Nein, das Training draussen in der Natur und das verantwortungsbewusste Handeln im Gelände ersetzt das neue Arbeitsinstrument nicht», erklärt Bergführer und Geograf Stephan Harvey vom Schweizerischen Institut für Lawinenforschung (SLF), «aber es erleichtert die Auseinandersetzung mit den Naturelementen und vermittelt Wissen, das so kaum zwischen zwei Buchdeckeln Platz findet».

Rund eineinhalb Jahre hat Harvey zusammen mit einer Vielzahl von ­Technikern an der neuen Plattform gearbeitet. Seine Hoffnung ist unmissverständlich: «Wenn dank dieser Arbeit und dem neuen Lehrmittel auch nur ein Lawinentoter verhindert werden kann, haben wir unser Ziel erreicht.»

Als Herausgeber der neuen interaktiven Lawinenprävention zeichnet neben dem SLF auch die SUVA verantwortlich, das Schweizerische Rote Kreuz SRK steht als Partner dahinter.

Für jedes Niveau

Die neue Informations- und Ausbildungsplattform ist in drei Bereiche unterteilt: «Explore», «Tour» und «Pro». Der neue «Explore»-Bereich – er ersetzt die vor bald zehn Jahren geschaffene CD - erlaubt es geübten und ungeübten Internetnutzern gleichermassen, sich auf einfache Weise eine Wissensbasis aufzubauen, die draussen im Gelände wertvoll ist. Fotos, Videos, Animationen, Tonaufnahmen, Grafiken und interaktive Tools erleichtern das Verständnis und führen Schritt für Schritt in die Tiefe, so lang und so ausführlich, wie jeder Einzelne es gerade will.

Einfacher Zugang zur Forschung

Umfassendes Basiswissen ist im Bereich «Explore» frei für jedermann zugänglich und verfügbar. Schnee- und Lawinenwissen kann ohne Schwellenangst abgerufen, gelernt und repetiert werden. Mit einem der vielen interaktiven Tools kann etwa die Kartenlesekunst trainiert und sogar mit der realen Ansicht verglichen werden. Der Zugang ist spielerisch: Man kann es als «Frau Holle» schneien lassen, oder man bestimmt als «Petrus» zwei verschiedene Wetterszenarien, bevor man anschliessend die unterschiedlichen Schneedecken analysieren und die Lawinengefahr beurteilen, die eigenen Einschätzungen mit der Realität vergleichen kann. «Der Schneedeckenaufbau ist und bleibt das zentrale Element bei der Lawinenentstehung», erklärt Stephan Harvey den Hintergrund dieser Spiel- und Lernelemente.

Instrument für die Tourenplanung

Weitere nützliche Instrumente und Informationen zur aktuellen Lawinensituation erhält, wer sich im Bereich «Tour» einloggt. Auf diesem Tool ist alles, was für eine Tourenplanung im Winter nötig ist, mittels Klicks zu haben: der gewünschte Kartenausschnitt, der aktuelle Wetterbericht, der Alpenwetterbericht, das aktuelle Lawinenbulletin und auch die realen Informationen zu den Schneemengen.

Auf der Karte kann man in aller Ruhe die geplante Route einzeichnen. Die einblendbaren Hangneigungen und Wildruhezonen erleichtern die Routenwahl. Wichtige Schlüsselstellen können markiert und bei der Planung miteinbezogen werden. Das Computerprogramm übernimmt anschlies­send die Berechnung des Höhenprofils und des Zeitaufwands. Beides kann abschliessend ausgedruckt werden. Anhand einer gespeicherten Checkliste lässt sich überprüfen, ob nichts Relevantes vergessen gegangen ist. Der so erarbeitete Tourenplan kommt im Rucksack mit – oder allenfalls via App aufs Handy.

Bescheidene Kosten

Gratis ist die Nutzung des neuen Tourenplanungstools zwar nicht, aber auch nicht teuer. Eine Standardlizenz kostet pro Jahr 29 Franken und beinhaltet: Zugang zum gesamten Wissensteil «Explore», Onlinenutzung von Swisstopo-Karten inklusive Hangneigungen und Wildruhezonen («Tour») sowie 2000 «Kacheln» (ca. 4 Kartenblätter 1 : 25 000) für die Offlinenutzung von Swisstopo-Karten in der App. Mit diesen Lizenzgebühren werden gemäss Stephan Harvey nicht nur die Kartenlizenzen von Swisstopo berappt, sondern auch der Unterhalt und die stetige Aktualisierung der Plattform finanziert. Gratis können das Basics-Kapitel von «Explore» sowie «Tour» ohne Swisstopo-Karten genutzt werden.

Profis zahlen deutlich mehr

«Pro», der dritte Bereich auf der neuen Plattform, dient professionellen Anwendern und Ausbildnern. Damit kann auf einen grossen Fundus von visualisierten Ausbildungselementen zurückgegriffen werden. Es stehen zudem einige Musterpräsentationen zur Verfügung. Dieser Bereich ist nur mit einer «Pro»-Lizenz verfügbar. Sie kostet 58 Franken pro Jahr.

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