Zeitschrift und Mitteilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Redigiert von H. Hess. Neue Folge. Band XX. München% Wien 1904.

Das Hauptorgan des D. & Ö.A.V. ist von allen alpinen Zeitschriften jedenfalls das vornehmste in Beziehung auf Druck und Ausstattung mit Bildern. Namentlich die letztern können als durchaus mustergültig gelten, was bei der enormen Höhe der Auflage viel mehr Schwierigkeiten macht ( für Licht- und Autotypiedruck ), als der Laie ahnt. Hier besitzt offenbar die Verlagsanstalt E. Bruckmann A.G. in München, die auch den Textdruck besorgt, also überhaupt die ganze Zeitschrift herstellt, technische Kräfte ersten Ranges, während dem Redaktor ein Stab von Schriftstellern und Künstlern dient, um die er zu beneiden ist. Die Signatur der Zeitschrift ist diesmal noch mehr exotisch als früher, was angesichts der bedeutsamen Eroberungen der letzten Jahre in außeralpinen Gebieten leicht verständlich ist. Die Alpen kommen dabei doch nicht zu kurz. Fahrten in exotischen Gebirgen werden beschrieben von Professor Rudolf Hausthal: Gletscherbilder aus der argentinischen Cordillère, mit zwei prächtigen Vollbildern und einer Reihe interessanter Textbilder, ferner von Dr. H. Pfann; Eine Belagerung des Tschogo-Ri ( K. 2 ) in der Mustaghkette des Hindukush ( 8720 m ). Diese Belagerung ist unsern Lesern aus dem Artikel von Dr. Jacot-Guillarmod in Jahrbuch XXXVIII bekannt, und es ist recht interessant, den Bericht über diese Expedition nun auch aus einer andern Feder zu lesen. Auch die zwei Vollbilder, Dschogori und Broad Peak, sind unsern Lesern bekannt, aber das größere Format macht sie noch imposanter als in unserm Jahrbuch. Drei Artikel geben die Geschichte der Kaukasusexpedition von 1903 wieder: Cenci von Ficker: Über die Laila nach Swanetien; W. Rickmer Rickmers: Der Schtawler, 3995 m ., in Swanetien; Heinz von Ficker, Adolf Schulze und Dr. G. Leuchs: Uschbafahrten 1903. Auch diese Artikel sind glänzend illustriert und namentlich der letzte von wahrhaft dramatischem Interesse. Im fernem berichten E. Schottelius über Wintertage im Wallis, wobei das Strahlhorn mit Skis erstiegen wurde; Henri Hoek über eine Skifahrt auf das Blindenhorn. Dr. Karl Blodig gibt in der Fortsetzung seines Artikels: Zwischen der Saaser- und Mattervisp Besteigungen des Täschhorns, des Doms, der Südlenzspitze, des Lenzjochs und des Nadelgrates. Es folgen zwei Mont Blanc-Artikel: Eine führerlose Besteigung des Mont Blanc über die Aiguille de Bionnassay von Alfred von Radio-Radiis, und: Ein neuer Weg vom Domgletscher auf den Mont Blanc von Ä.milius Hacker. Die übrigen Erzählungen und Monographien betreffen die Ostalpen, Dr. Felix von Cube: Die Hornbachkette ( erster TeilHans Leberle: Das Wettersteingebirge ( erster TeilDr. Franz Hört- nagl: Der Kaunergrat in den Ütztaler Alpen; Maurilius H. Mayr: Wanderungen im westlichen Teile der Pfunderer Gebirgsgruppe; Dr. Viktor Wolf von Glanwell: Aus der Fanis-Tofanagruppe; Dr. K. Bindel: Die Sellagruppe ( Schluß ). Von den Abhandlungen, mit denen der Band eröffnet wird, sind zwei für uns besonders interessant: J. Blaas, Struktur und Relief in den Alpen, in welchem mehrere Typenbilder den Schweizer Bergen entnommen sind, und ganz besonders Eugen Oberhummer: Die Entwicklung der Alpenkarten im 19. Jahrhundert, III. Teil. Die Schweiz. Wir müssen dem Verfasser dankbar sein für die sehr gewissenhafte und eingehende Studie, in welcher auch die Tätigkeit des S.A.C. für die Kartographie völlige Anerkennung findet. Zwei Abhandlungen betreffen die Volkskunde, Dr. Ludwig von Hörmann: Vorarlberger Volkstrachten und Hermann Reishauer: Italienische Siedelungsweise im Gebiete der Ostalpen. Man sieht, daß der Interessenkreis der Zeitschrift ein weiter, aber in sich geschlossener ist, und daß günstige Umstände es der Leitung erlauben, ihn jedes Jahr musterhaft zu erfüllen. Die Beilage enthält die Karte der Langkofel- und Sellagruppe, Maßstab 1: 25,000, aufgenommen von L. Ägerter, Druck von G. Freytag & Berndt in Wien.

Die Mitteilungen sind für die Ostalpen in erster Linie, aber auch für andere Alpengebiete das große Repertoire, in welchem man über Weg- und Hüttenbauten, Führerwesen, Verkehr und Unterkunft, Ausrüstung und Verproviantierung, Unglücksfälle, Literatur, Kartographie und Kunst sachgemäße Auskunft erhält. Daneben nehmen die Vereinsnachrichten, sowohl der Zentralleitung als der einzelnen Sektionen des D. & Ö.A.V. seiner Größe entsprechend, einen breiten Raum ein. Immerhin bleibt noch Platz übrig für Aufsätze, von denen ich wenigstens einige Mm allgemeinem oder für uns speziellem Interesse namhaft machen will. Zu den Dingen von allgemeinem Interesse gehören zunächst die Nekrologe bedeutender Alpinisten oder Gelehrten: Karl Alfred von Zittel, von Prof. Dr. A. Rothpletz; Friedrich Ratzel, von H. Reishauer; Dr. R. Spannagel, von A. Holzhausen und E. Martiny; Professor Dr. Ernst Demelius, von H. von Ficker. Ferner die Aufsätze: Gefahren des Schneeschuhlaufens in den Hochalpen, von Joseph Müller und A. von Radio-Radiis; Erna-nuel Kant als Alpenfreund, von Max Jacobi ( die Alpenfreundschaft des Philosophen, der kaum je aus Königsberg herausgekommen ist, ist natürlich nur eine akademische ). Berichte über die wissenschaftlichen Unternehmungen des D. & Ö. Alpenvereins ( Tiefbohrungen am Hintereisferner, zu denen eben der Verein das nötige Geld hat, das unsrer Gletscherkommission fehlt, und Geschwindigkeiten auf dem Vernagt- und Guslar-fernerzur Ernährungsfrage des Hochtouristen, von Alfred Steinitzer und Dr. E. Pott ( besonders über die Zuckerfragezur alpinen Namensforschung, von Karl Uibeleisen ( der Name Kamor wird in überzeugender Weise als nicht rätischen, sondern romanischen Ursprungs erklärt ); Neue Schutzhüttenbauten, von Dr. E. Pott; Bergführer- und Skikurse 1904; Die neuesten Fortschritte der geologischen Erforschung der Ostalpen, von Dr. O. Ampferer; Verzeichnis der Rettungsstellen des D. & Ö.

A. V.; Unsere Kaukasusreise im Sommer 1903, von W. R. Rickmers. Von besonderem Interesse für uns Schweizer sind die Aufsätze: Die Drusenfluh, von Ing. Ed. Pichl; Eine Überschreitung des Schreckhorns, von Dr. E. Niepmann; Überschreitung der drei Fluchthörner, von Fr. Aug. Renner. Daß auch die andern, hier nicht aufgezählten Aufsätze lesenswert sind, bedarf meiner Versicherung nicht.Redaktion.

Feedback