Zu Gast im Reich der Kühe

Wer über eine Weide wandert, betritt oft das Hoheits­gebiet ­einer Kuhherde. Kennt man die hier geltenden Regeln, ­erspart man sich Ärger.

«Die meisten Unfälle, die Wanderer und Kühe involvieren, sind auf ein Fehlverhalten des Menschen zurückzuführen», sagt Cornelia Stelzer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL). Dahinter steckt oft Unwissen über das liebe vieh. Zum Beispiel, dass die Anordnung unserer Augen, unser Verhalten und un­sere Bewegungsmuster die Kühe an ein Raubtier erinnern. Noch viel mehr gilt das für Hunde, die unweigerlich einen Schutzinstinkt auslösen. Darum gehört ein Hund auf jeden Fall an die Leine und wird idealerweise so geführt, dass ihn die Herde gar nicht sieht. Kälber liegen gelegentlich versteckt und etwas abseits der anderen Tiere. Trotzdem sollte man sie auf keinen Fall berühren, wenn man sich nicht mit der Mutter anlegen will. Generell ist Distanzhalten eine gute Strategie. Je näher ein Mensch den Kühen kommt, desto bedrängter fühlen sie sich (Grafik).

Aus entspanntem Wahrnehmen wird zuerst aufmerksames Beobachten. Spätestens wenn man die Bewegungszone einer Kuh erreicht, ist man zu nah. Hier entscheidet die Kuh, ob es wegläuft oder angreift. Darauf sollte man es als schwacher Zweibeiner nicht ankommen lassen, die Kräfteverhältnisse sind zu eindeutig. Wie gross der Radius der Bewegungszone ist, lässt sich aber nicht generell sagen. Das hängt vom einzelnen Tier ab, von der Atmosphäre in der Herde, ­davon, wie sehr die Kuh an Menschen gewöhnt ist und ob sie ein Kalb hat usw.

Körpersprache lesen

Es empfiehlt sich deshalb, die Herde erst mal aus sicherer Entfernung zu beobachten. «Auch Laien können erkennen, wenn die Kühe in Alarmbereitschaft sind», sagt Stelzer. Ein wichtiges Signal ist die Körpersprache der einzelnen ­Tiere (Illustrationen).

Aufschlussreich ist auch, wie nahe beieinander sie sich befinden. Sind sie locker über die Weide verteilt, fühlen sie sich sicher, stehen sie wachsam zusammen, sind sie alarmiert. Wichtig zu wissen: Der Grund für die Anspannung der Herde kann etwas sein, das sich vor Kurzem ereignet hat, wie ein Hund, der sie eine Stunde zuvor aufgescheucht hat, ein Wanderer, der ihre Bewegungszone nicht respektiert hat, oder ein tief fliegender Gleitschirm. Ist es aus topografischen Gründen nicht möglich, die Tiere im weiten Bogen zu umgehen, kann man sich ihnen langsam nähern und schauen, wie sie reagieren. Bleiben sie liegen oder fressen sie weiter, ist alles im grünen Bereich. Werden sie nervös und stehen auf, ist Vorsicht geboten. Wenn die Zeichen gar auf Angriff stehen, sollte man umkehren.