Zur Topographie des Grand Combin

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Im Sommer 1908 verband ich die Überschreitung des Mont Vélan und des Grand Combin von Westen nach Osten zu einer schönen zweitägigen Bergfahrt. Dabei stellte ich fest, daß die Siegfriedkarte hinsichtlich der Südseite des Grand Combin große Fehler enthält und auch die Route, die das „ Schneehuhn " für die Besteigung des Combin von Süden X Plateau du CouloirRtute gibt, teilweise mindestens unzweckmäßig ist 1 ). Der Hauptfehler der Karte ist zunächst das Couloir, das als ein schmales Schneeband ununterbrochen vom Glacier du Sonadon zu den Gletschern der Nordseite, östlich vom Col des Maisons Blanches, führen soll. Dieses Couloir existiert überhaupt nicht. Vielmehr setzt an das viel größer zu zeichnende Plateau du Couloir links die felsige Südwand des Combin de Valsorey an. Auf dieses Plateau führen vom Glacier du Sonadon steile Firnhänge, weiter südlich Felsen. Die Firnhänge sind um so weniger von Spalten durchsetzt, je näher sie der Felswand des Combin de Valsorey liegen; aber um so mehr ist man dort durch Steinschlag gefährdet. Wir machten daher den Abstieg auf den Glacier du Sonadon ungefähr in der Mitte des Plateaus, zwei Spalten überspringend. Das eigentliche Couloir ist nicht auf der Ostseite des Plateaus, sondern auf der Westseite. Wir durchstiegen es und erreichten das Plateau direkt bei der Stelle, wo dasselbe in den Südgrat des Combin de Valsorey übergeht. Nach dem „ Schneehuhn " erreicht man das Plateau an seinem südlichen Ende. Das ist zweifellos möglich, aber länger, und daß die Zeichnung des „ Schneehuhn " hier nicht ganz korrekt ist, lehrt ein Vergleich mit unserer Photographic Nach dem „ Schneehuhn " soll man nun vom Plateau aus über eine sehr steile Schneewand die Fallrichtung des Punkt 4072, des Sattels zwischen den beiden Conabingipfeln, und dann von hier aus diesen Sattel senkrecht durch die Felsen erreichen. Das ist möglich, aber auf dem ganzen Wege äußerst mühsam und oben wegen überhängender Wächten unter Umständen sehr schwierig. In dem schneereichen Sommer 1908 wäre die Benutzung dieses Aufstiegs heller Wahnsinn gewesen. Der gegebene Weg ist vielmehr der Südgrat des Combin de Valsorey. Ein Aufstieg ist hier so leicht, daß wir bis zum ersten Teil desselben überhaupt das Seil nicht gebrauchten. Weiter oben wurde die Kletterei wegen vereister Felsen etwas schwieriger, dann erforderte das auf der Abbildung gut sichtbare Schneefeld unter dem Gipfel einige Stufen. Sehr hübsche Kletterei brachte uns von da auf den Gipfel des Combin de Valsorey ( 4145 m ), von wo der Hauptgipfel bequem in 40 Minuten zu erreichen ist. Dies ist der einzige vernünftige Aufstieg von dieser Seite. Ein Abstieg über den Südostgrat erwies sich wegen der großen Wächten am Gipfel als untunlich. Es ist das überhaupt ein sehr schwieriger, meines Wissens erst wenige Male bezwungener Grat. Auch hier ist aber die Zeichnung auf der Siegfriedkarte ganz verkehrt, die Zeichnung im „ Schneehuhn " dagegen im allgemeinen korrekt. Die breite Eiswand, die sich auf der Karte zu Punkt 3791 hinaufziehen soll, existiert nicht, wie unser Bild deutlich zeigt. Der Col du Sonadon ist viel näher der Südwand des Combin, gerade so nahe, wie auf der andern Seite des Gletschers das Plateau.

Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, eine Verbesserung der Karte herbeizuführen und Touristen in diesem Gebiete vor Irrtümern, die verhängnisvoll werden können, zu bewahren.

Robert Liefmann ( Sektion Bern ).

Feedback