Zustiegs­genehmigung am Mont Blanc: Pro Debatte

Unfälle, rauer Umgangston, ­Verstösse… Ist die klassische Route auf den Mont Blanc Opfer seiner ­Beliebtheit geworden?­Würde eine Aufstiegszulassung die ­Situation 2019 ­beruhigen? Wir haben Jean-Marc Peillex, ­Bürgermeister von Saint-­­Gervais-les-Bains, und Philippe Descamps, Co-Autor ­einer ­Unfallstudie über die Normalroute, dazu befragt.

«Seit Jahren wird der Zugang zu diesem Berg philosophisch diskutiert, und ­dabei werden die wahren Probleme verschwiegen. Zum Beispiel der übermäs­sige Andrang auf dem ­Königsweg auf den Mont Blanc von Saint-Gervais aus. Die Route wird von rund 75% der Gipfelanwärter ­gewählt. Das Fass zum Überlaufen brachten die Tur­bulenzen 2018. Verprügelte Bergführer, bedrohte ­Hüttenwarte, falsche Bergführer und die Nichtein­haltung der Buchungspflicht in den Hütten brachen das Gesetz des Schweigens. Die Mehrheit der Akteure und Berggänger ist sich nun ­einig und will, dass Regeln zur Einhaltung des gegenseitigen Respekts um­gesetzt werden. Auch wenn der Zugang zum Berg frei bleiben soll, sollte man dieser Freiheit mit Respekt begegnen.

Am 3. September hat der Präfekt der Haute Savoie die Interessengruppen zusammengerufen und eine Bilanz über die in diesem Sommer getroffenen Massnahmen auf der Goûter-Route ­gezogen. (Anm. d. Red.: Der Zugang zum Mont-Blanc-Gipfel über die normale Route wurde vorübergehend eingeschränkt.) Einig ist man sich darin, dass die Überfrequentierung zu ­gefährlichen Situationen, Verstössen und unzivili­siertem Verhalten führt. Die bisher eingeführten Prä­ventionsmassnahmen waren erfolglos. Auch wenn sich respektvolle Bergsteiger daran halten, stossen sie bei der anderen Kategorie auf taube Ohren.

«
Nur eine Regulierung nach dem Vorbild der Naturschutzgebiete scheint zu wirken.

Diesem Exzess muss ein Ende gesetzt werden. Nur eine Regulierung nach dem Vorbild der Natur­schutz­gebiete wie zum Beispiel in den Ardèche-Schluchten scheint zu wirken. Die Anzahl der täglichen Genehmigungen sollte den Übernachtungskapazitäten in den Hütten angepasst werden. Für die Nid-d’Aigle-, die Tête-Rousse- und die Goûter-Hütte braucht es eine ­Reservationsplattform. Um eine kostenlose Zulassung zu erhalten, müssten Bergsteiger, die mehrtägig ­unterwegs sind, eine gültige Reservation in einer dieser Unterkünfte vorweisen ­können. Jene, die den Auf- <br/>und den Abstieg in einem Tag schaffen, geben ihr Ehrenwort. Eine «weisse Brigade» müsste dafür sorgen, dass Verstösse geahndet werden.

Abgesehen von der klassischen Route ist es nötig, für die ganze Mont-Blanc-­Region eine effiziente Verwaltungsstruktur zu schaffen. Die Einrichtung eines Nationalparks wäre eine gute Idee, damit in unserem Lebensraum der Friede ­wieder einkehrt und die mit diesem Ort verbundenen Werte für die Zukunft ­bewahrt werden können.»