Zwischen Tipps, Egotrips und Blödsinn Internetportale zu Kletter- und Bergtouren

hikr.org, gipfelbuch.ch und zahllose weitere Websites bieten Unmengen an Informationen zur Tourenplanung. Vieles davon ist aktuell und nützlich, anderes überflüssig oder widersprüchlich. Ein Blick hinter die Kulissen von Bergportalen.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man die Tour ausschliesslich mit Führerliteratur und ein paar Telefonaten vorbereitete. Seit Jahren stehen Tourenbeschriebe, Wetterinformationen und Kartenmaterial im Internet bereit. Die Vorteile liegen auf der Hand. Ein neues Bild aus einer Nordwand oder ein ausführlicher Bericht einer kürzlichen Begehung im Netz liefern aktuellere Tipps als ein Jahre alter Führer.

Bekannte Beispiele für Bergsportportale sind hikr.org oder gipfelbuch.ch. Fast 9000 Besucher pro Tag verzeichnete ­gipfelbuch.ch im letzten Jahr. Die Website finanziert sich mittlerweile über ihre Werbefläche, was beweist, dass sich mit einem Bergportal Geld verdienen lässt. Das Angebot wurde immer weiter ausgebaut. Ob PR-Artikel und Ver­anstaltungshinweise, Partnerbörse oder Stellenanzeigen, vieles kam in den letzten Jahren im Zuge der Kommerzialisierung hinzu. 2007 übernahm die hinter dem Projekt ­stehende Bergportal GmbH die Konkurrenzplattform ­basislager.ch. Seit 2011 kooperiert das Portal auch mit dem SAC und dessen Hüttenwarten. Diese haben die Möglichkeit, Zustiegsberichte und Bewartungszeiten einem breiten Publikum zu präsentieren. Berggänger können sich über die Verhältnisse für Bergtouren informieren und Betten reservieren – vorausgesetzt die Hüttenwarte aktualisieren die entsprechenden Abschnitte regelmässig.

Für jeden Geschmack etwas

Während auf gipfelbuch.ch vor allem Hoch- und Skitouren veröffentlicht werden, deutet schon der Name von hikr.org auf ein breiteres Angebot. Dies bestätigt Nutzer Delta, der anonym bleiben will. Bereits über 1000 Touren hat er auf dem Portal ausführlich beschrieben. Insbesondere auch die Voralpen seien auf hikr.org sehr gut abgedeckt, erklärt er. Selber schätzt er die Plattform als Ideenbörse, die nicht nur die Standardtouren auf die hochalpinen Gipfel beinhalte, sondern für jeden Geschmack und jede Schwierigkeitsstufe etwas habe – besonders auch viele Geheimtipps. Für Delta ist aber auch klar: «Bei Hochtouren verlasse ich mich stärker auf die offizielle Führerliteratur.» Denn diese seien darin meist genügend gut beschrieben.

Bemerkenswert ist, dass sich der Austausch nicht auf die virtuelle Welt beschränkt. «Ich kenne viele User persönlich, und über hikr.org haben sich auch mehrere intensive Bergfreundschaften ergeben», so Delta.

Private Tourensammlungen

Neben den benutzergesteuerten Portalen gibt es unzählige private Websites, auf denen man teilweise ganze Besteigungshistorien einzelner Personen finden kann. Mit chmoser.ch hat der passionierte Kletterer und Trailrunner Christoph Moser bereits seit 2002 eine eigene Website und gehört somit zu den Bloggern der ersten Stunde. Ursprünglich hatte er die Website zu privaten Zwecken programmiert. Mittlerweile findet man darauf Aberhunderte von detailgetreuen Beschreibungen von Sportklettereien und seit einigen Jahren vermehrt auch von Berglaufstrecken inklusive GPS- und persönlicher Leistungsdaten. Mit bis zu 400 verschiedenen Besuchern pro Tag liegt Mosers Website zwar weit hinter gipfelbuch.ch, für eine private Website ist das aber dennoch ein stolzer Wert.

Moser ist sich bewusst, dass er sich als Blogger auf dem schmalen Grat zwischen Selbstdarstellung und nützlichen Informationen bewegt: «Ich versuche, möglichst objektiv zu bleiben und nicht bloss mein Können unter Beweis zu stellen.» Er ist überzeugt, dass seine persönlichen Erfahrungsberichte für Interessierte durchaus einen Mehrwert bieten. Kritik bekam er zu hören, nachdem er noch unveröffentlichte Klettergärten bekannt gemacht hatte. «Ich denke, bei gewissen Gebieten habe ich zu schnell und unüberlegt gehandelt», gibt er selbstkritisch zu. Nach konstruktiven Gesprächen habe er aber jeweils ein gutes Einvernehmen mit den Exponenten der betreffenden Klettergärten gefunden – meistens: «Einzelne waren etwas engstirniger.» Diesen gehe es nicht in erster Linie um Landschaftsschutz, sondern darum, persönliche Denkmäler zu schützen, vermutet Moser. Sein Gästebuch musste er schliesslich sperren. «Nicht etwa um Kritik zu verhindern», wie er sagt, sondern weil jemand darauf wiederholt persönliche Beleidigungen gegen ihn veröffentlicht hatte.

Überflüssiges und Unsinniges

Dass neben vielem Nützlichen auch Unsinniges online verbreitet wird, liegt auf der Hand. Berichte über die Trockenheit von Klettergärten – notabene nach einer wochenlangen sommerlichen Dürreperiode – sind zwar wenig hilfreich, aber immerhin harmlos. Widersprüchliche Angaben zu Schwierigkeiten und Verhältnissen können jedoch die Vorbereitung oder im schlimmsten Fall sogar die Bergtour selber erschweren. Gut bedient ist also, wer bei Bergportalen im Zweifelsfall mit einer privaten Nachricht oder einem Anruf beim Verfasser nachfragt. So kann die Glaubwürdigkeit der Informationen besser überprüft werden. Doch sollte man nicht vergessen: Hinter den Einschätzungen im virtuellen Raum stehen – genauso wie im echten Leben – Menschen, die sich irren können. Und der mangelnden Eigenverantwortung am Berg verhilft auch kein Computer auf die Sprünge.

Andere Portale

Die im Haupttext erwähnten Portale sind vor allem bei deutschsprachigen Usern beliebt. In der Westschweiz werden camptocamp.org und skitour.fr stark frequentiert, im Tessin gulliver.it. Englisch: summitpost.org

Bergsteigen im digitalen Zeitalter

Früher waren Hüttenwarte und Führerliteratur die naheliegenden Informationsquellen, heute informieren sich Berggänger zunehmend per Internet über die aktuellen Verhältnisse für Berg- und Skitouren. In einer dreiteiligen Serie widmen wir uns dem Nutzen und den Auswirkungen der fortschreitenden digitalen Möglichkeiten im Bergsport. Zudem werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, auf jene Personen, die für die reichhaltigen Angebote im Internet verantwortlich zeichnen.

Teil I: Bergsport im Internetzeitalter – ein Blick hinter die Websites und Portale zu Kletter- und Bergtouren

Teil II: Technische Hilfsmittel – vom GPS-Wanderer bis zur Generation GoPro

Teil III: Ich auf dem Berg – Gipfelerfolge auf Social Media

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