«Klimaspuren» ist nach sechs Wochen am Genfersee angekommen Am Hoffnungsbild Netto Null hat auch der SAC mitgemalt

Vom 1. Juni bis 12. Juli 2021 ist «Klimaspuren» von Graubünden quer durch die Schweiz an den Genfersee gewandert. Rund 600 Gäste haben mitgemacht, als Organisator, Referentin oder Mitwandernde. Auf ihrem Weg von Ost nach West hat die Gruppe zukunftsweisende Klimaprojekte und zahlreiche Schandflecke besucht, Ideen und Lösungen aufgezeigt, wie die Schweiz dem Klimawandel begegnen muss. Der SAC war im Kernteam vertreten und hat zwei Anlässe durchgeführt.

Wenn es der Schweiz mit dem Ziel Netto Null ernst ist, muss sie handeln. «Klimaspuren» wollte auf Missstände hinweisen, zu Widerstand trommeln. Vor allem aber wollte «Klimaspuren» aufzeigen, dass es gute Projekte und innovative Ansätze für mehr Klimaschutz in der Schweiz gibt und das Bewusstsein für die Thematik schärfen. Während der rund sechswöchigen Wanderung quer durch die Schweiz sind unterschiedliche Akteure aufeinander getroffen. Alle bekamen die Gelegenheit, andere Sichtweisen kennenzulernen und zu verstehen. «Klimaspuren» hat auch gezeigt, dass es neben der Klimajugend viele motivierte und engagierte Leute und Organisationen gibt, die sich, vielleicht eher im Stillen, aber nicht mit weniger Überzeugung, für mehr Klimaschutz einsetzen. Mit den gewonnen Erkenntnissen aus dieser Reise gehen nun alle ihren Weg weiter. 

Der SAC war als Partner mit von der Partie und mit einer Fachmitarbeiterin aus dem Ressort Umwelt und Raumentwicklung im Kernteam vertreten. Der SAC hat zwei Anlässe entlang der Wanderroute von Klimaspuren organisiert:

Die Alpen: Opfer und/oder Verursacher des Klimawandels

Die Alpen-Initiative und der Schweizer Alpen-Club SAC haben am Dienstag 29. Juni im Alpinen Museum der Schweiz eine gemeinsame Podiumsdiskussion unter dem Namen «Die Alpen: Opfer und/oder Verursacher des Klimawandels» organisiert. Die verschiedenen Akteurinnen und Akteuren äusserten sich zu den drastischen Folgen des Klimawandels in den Alpen. Jürg Schweizer, Direktor des Schweizer Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF, zeigte auf: Bis 2060 werde die Temperatur vier bis sieben Grad steigen, bis 2050 werde das Gletschervolumen nochmals um 50 Prozent zum heutigen Stand abschmelzen. Katharina Conradin von CIPRA hob vor allem die Alpen als Mitverursacherin des Klimawandels hervor – ein wichtiger Treiber der Tourismus mit seinen vielfältigen Aktivitäten. So plädierte Dominik Sigrist vom Kernteam Klimaspuren dafür, dass die Bergregionen auch ihren Teil zur CO2-Reduktion leisten müssten. Und Françoise Jacquet, Präsidentin des SAC, sah den SAC mittendrin im Brennpunkt Klimawandel. Die Infrastruktur des SAC, z.B. Hütten und Wege, komme zunehmend unter Druck. Der Bergsport trage aber auch einiges zum CO2-Ausstoss bei, insbesondere durch die Anreise mit dem Auto. Mit seiner Klimastrategie wolle der SAC daher auf den verschiedenen Ebenen ansetzen. Mit der Unterstützung der Gletscher-Initiative zeige der SAC, dass es ihm die Erreichung des Ziels Netto Null ernst sei.

Anstrengungen für klimaneutralen Bergsport

Am 4. Juli diskutierten rund 20 Personen im Laténium, dem archäologischen Museum in Neuchâtel, über die Zukunft des Bergsports in Zeiten des Klimawandels. Dass er sich verändern muss, war für alle klar. Verschiedene Expertinnen und Experten gaben Einblick in ihre Fachgebiete: Dominique Gouzi, langjähriger Hüttenchef der Cabane Bertol CAS, erzählte, wie die exponierte Hütte den Veränderungen durch den Klimawandel ausgesetzt ist. So musste im Jahrhundertsommer 2003 gar Wasser per Hubschrauber in die Hütte transportiert werden. Die Erschliessung neuer Wasserquellen wird immer schwieriger. Auch die Stabilität der Felsen unter der Hütte muss an zahlreichen Stellen überwacht werden. 
Alexia Massacand, Wissenschaftlerin und Gründerin von MountainNow erläuterte welche Auswirkungen der Klimawandel im Gebirge hat und stellte die laufende Beobachtungskampagne von MountaiNow vor. Mit Fotos können Bergsporttreibende der Klimawandelwissenschaft helfen, die Datengrundlagen zu verbessern.
Benno Steiner, Fachleiter Landschafts- und Klimaschutz beim SAC, gab einen Einblick in die Klimastrategie des SAC, welche zurzeit erarbeitet wird. Der SAC möchte auf drei Ebenen sein Ziel der Klimaneutralität erreichen: Mit konkreten Massnahmen bei Aktivitäten des Zentralverbands, mit Pilotprojekten und Anreizen zusammen mit den 111 SAC-Sektionen sowie mit Kommunikations- und Sensibilisierungsmassnahmen für die Bergsteigergemeinschaft im Allgemeinen. Am anschliessenden Workshop wurden mit den Anwesenden verschiedene klimarelevante Aspekte diskutiert und erste Ansätze für einen klimafreundlicheren Bergsport erarbeitet. Es braucht Bemühungen auf allen Ebenen: bei jedem/jeder Einzelnen, in der Politik als auch beim SAC selbst. So fliessen die Ergebnisse und Erkenntnisse von diesem Anlass in die weitere Arbeit des SAC für einen klimafreundlicheren Bergsport. Und Klimaspuren zieht ein eigenes Fazit in 12 Schritten.

Persönliches Fazit von Köbi Gantenbein, Mitinitiator

«Ich habe trotz der Wucht, mit der die Wohlstandsschweiz das Klima ruiniert, mein heiteres Gemüt behalten.»
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